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Es bedarf mehrer Anläufe bis ich mich in die Schlange einreihen und den Eingang zum Tempelberg passieren darf. Erst beim dritten Mal klappt es und die wahrscheinlich aus dem Mittelalter stammende Redewendung „aller guten Dinge sind drei“ ist hoffentlich ein gutes Omen. Ich habe es endlich geschafft und bin auf dem Berg Morija מוריה (nach jüdischer und islamischer Überlieferung), dem heutigen Tempelberg, auf dem Abraham seinen einzigen Sohn Isaak Gott als Opfer darbringen sollte. Hier befindet sich der weit sichtbare goldgleißende Felsendom, das Wahrzeichen der Heiligen Stadt

und die ehrwürdige Al Aksa Moschee

Beides Gebäude mit einer mehrere Tausend Jahre alten Geschichte, die nirgendwo sonst drei Religionen auf so engem Raum verbindet. Vom Berg Morija aus soll Mohammed auf seinem Pferd al-Buraq in den Himmel aufgestiegen sein. Hierher soll David die Bundeslade mit den 10 Geboten (mythischer Kultgegenstand der Israeliten) geholt und sein Sohn Salomo den ersten Tempel gebaut haben. Nach immer wieder wechselnden Machtverhältnissen gehört heute das riesige Areal des Tempelberges den Moslems. Das umliegende Gelände wird von den Israelis kontrolliert. Die Antwort eines Polizisten hätte mich daher nicht verwundern sollen: „I don’t know“, auf meine Frage nach dem Zugang zum Tempelberg – gestellt nur wenige Schritte von eben jenem, dem Maghrebinertor entfernt. Auch wenn Polizisten gerade hier sehr viel wichtigere Funktionen wahrnehmen, als Touristen einen Weg zu weisen, der auch ohne elektronische Hilfe einer jener ist, welchen man intuitiv findet, fuehle ich mich unnoetig unfreundlich behandelt. Ich erinnere mich dabei an die manchmal sehr aufgeheizte Stimmung und etliche Bemerkungen der Händler in der Old City. Vormittags war geschlossen und ich muss mich nun nachmittags in eine längere Schlange einreihen. Die Wartezeit wird allerdings verkürzt durch die illustre Geschichte einer Mutter (und weniger der Tochter) aus dem Allgäu. Sie wäre vor 30 Jahren in Tel Aviv als Aupair gewesen und es hätte sich seitdem in Israel allerhand verändert. Wie alle anderen Touristen werden wir unmittelbar nach dem Eintritt auf die Bedeckung der Arme und Beine hingewiesen. Für meinen Besuch bleibt nur 1 Stunde und wir verabreden uns für Nachher in der Old City. Ich kann nun die ruhige und entspannte Atmosphäre auf dem großzügigen Areal des Berges Morija genießen, welches ganz ohne kommerzielles Angebot auskommt. Die barsche Bemerkung, die einer Touristin zuteil wird, deren Arme nur teilweise bedeckt sind, und jener Aufforderung eines Moslems an mich, mit in die Al Aksa zu kommen und Muslima zu werden, laesst mich schmunzeln und auch etwas eitel stolz auf die Getadelte blicken. Seine – zugegebenermassen sehr abgegriffene und nichtssagende – Bemerkung, wir alle hätten nur den einen Gott, fand ich trotzdem sehr versöhnend, auch wenn ich recht kühl anschließend des Tempelberges verwiesen wurde. Die Öffnungszeit war abgelaufen.
Der Kaffee anschließend mit den zwei Allgäuerinnen war kurzweilig und gewürzt mit allerlei Anekdoten. Kaffee macht zwar glücklich, aber nicht unbedingt satt, daher eine Zugabe in Form eines feinen Kuchens:
Schokoladen-Nuß-Kuchen
- 100 g Zucker
- 175 g Butter
- 175 g dunkle Schokolade (mind. 70 % Kakaogehalt)
- 100 g gemahlene Nüsse (Mandeln, Walnüsse etc.)
- 4 Eier
- 2 EL gehackte geröstete Mandeln
Butter und Schokolade zusammen in einer Schüssel über dem Wasserbad erwärmen und verrühren. Zucker und Eier in ca. 15 Minuten (Küchenmaschine) zu einer schaumigen Masse rühren (je schaumiger um so lockerer wird ihr Kuchen) und kühl stellen bis auch die Butter-Schoko-Masse abgekühlt ist und diese dann zusammen mit den Nüssen unter die Ei-Zucker-Masse heben. In eine gefettete mit Butter und Brösel versehene Springform geben. Diese mit Alufolie abdecken und für ca. 20 Minuten bei 180 Grad in den Ofen auf die mittlere Schiene schieben. Die gehackten Mandeln darüber streuen und weitere 20 Minuten abgedeckt backen.

Von den beiden Damen wird mir für den Abend ein Besuch im Tmol-Shilshom, Bookstore Cafe empfohlen. Es war nicht ganz einfach dieses schon vom Interieur bestechende Restaurant zu finden. Was mich dann noch zusätzlich überzeugt hat, war die vegetarische und koschere Küche, die vom schmackhaften Shakshuka über eine besonders gute Kartoffelsuppe alles bietet, was sich unser verwöhnter Gaumen vorstellen mag und sie können mir glauben, es lohnt sich!
Hokkaido-Gratin mit Ziegenfrischkäse
- 1 Hokkaido-Kürbis
- 2 rote Peperoni
- 3 rote Zwiebeln
- 2 Zweige Rosmarin
- Salz, Pfeffer
- 4 EL Olivenöl
- 8-9 Eier
- 250 ml Sahne
- 200 ml Milch
- 1 Bund Petersilie, feingehackt
- 300 g Schafs- oder Ziegenfrischkäse
Kürbis halbieren und die Kerne herauskratzen, in ca. 3 cm breite Streifen schneiden. Die Schale kann dranbleiben, man kann sie mitessen. Bei den Peperoni ebenfalls die Kerne herauskratzen und in dünne Streifen schneiden. Rosmarinnadeln grob hacken, Zwiebeln in Spalten schneiden und alles zusammen in die Form geben, mit Salz und Pfeffer würzen und dem Öl beträufeln. Alles in ca. 30 Minuten bei 200 Grad in der Röhre auf der mittleren Schiene backen. Inzwischen Sahne, Milch, Eier und die Petersilie verquirlt mit Salz und Pfeffer abschmecken und über das Gericht gießen, dann weitere 15 Minuten backen. Abschließend kommt der zerbröselte Käse darüber und das Ganze wird nochmal 15 Minuten überbacken. Zum Servieren Fladen- oder Stangenweißbrot reichen. Ein guter Rotwein vom Mount Hermon oder den Golan Hights passt wunderbar dazu. Diese bekommt man auch bei uns in ganz unterschiedlichen Preisklassen zu kaufen.

Im nächsten Beitrag gibt es nochmal ein schmackhaftes Gericht aus dem Tmol-Shilshom zusammen mit einem bayerischen Käsekuchen. Des weiteren begebe ich mich auf meiner Erkundungstour durch Jerusalem zur Klagemauer und steige hinab zum darunter liegenden Tunnel. Bis dahin Shabbat Shalom und eine gute Woche.
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Als ein uneingeschränkt fröhliches und ausgelassenes Fest wird Purim (6.-7.3.23) gefeiert. Es ist das einzige jüdische Fest, welches nicht im Lande Israel, sondern in der Diaspora entstanden ist. Es ist auch die einzige Feierlichkeit des jüdischen Kalenders ohne tiefgreifende religiöse Bedeutung. Kostümierte Kinder und Erwachsene ziehen durch die Straßen, es wird Theater gespielt, Klamauk veranstaltet, Parties gefeiert, gegessen und getrunken. Wenn man dem Talmud תלמוד folgt, so ist man erst richtig in Purimlaune, wenn aufgrund ausreichenden Weingenusses nicht mehr unterschieden werden kann, wer Mordechai מרדכי und wer Haman המן war. Wie im Talmud (Belehrung) finden wir auch in der Bibel im Buch Ester אסתר die Entstehungsgeschichte von Purim. Danach wird Ester, die Adoptivtochter Mordechais, die neue Gemahlin des persischen Königs Ahasveros. Dieser soll die bisherige Königin nach deren Ungehorsam verstoßen und die königliche Würde einer anderen, Ester, gegeben haben, die besser wäre als sie. Mordechai, ein Jude aus Jerusalem, brachte seine Pflegetochter an den Hof, schärfte ihr jedoch ein, ihre jüdische Herkunft nicht preiszugeben. Wie in diesen Zeiten üblich, wurden an Ahasveros Hof viele Intrigen gesponnen und schließlich gewann Haman die Gunst des Königs, der ihm uneingeschränkte Macht verlieh. Mordechai beugte sich dieser Macht jedoch nicht und Haman trachtete danach nicht nur ihn, sondern alle Juden im Land zu vernichten. Durch die geschickte Vermittlung Esters landete dann nicht Mordechai am Galgen, sondern Haman, dessen falsches Spiel ans Licht kam. Die Königin erreichte zudem Gnade für ihr Volk, welchem die Erlaubnis erteilt wurde sich zu versammeln und sein Leben zu verteidigen. Die Tage, an denen Ahasveros dies im ganzen Land verkündete, wurden zu Tagen des Festmahls und der Freude. Purim soll uns daran erinnern, gut zu essen und zu trinken, Geschenke auszutauschen und sich des Lebens zu erfreuen.
Die Auseinandersetzung zwischen Mordechai und Haman wird zu einem exemplarischen Kampf Israels um sein Überleben inmitten der Völkerwelt, welcher sich unter wechselnden Vorzeichen in jeder Generation neu ereignet. Auch wenn die Errettung der Juden durch Königin Ester niemals stattgefunden hat, geschah sie doch in jeder Epoche der langen jüdischen Geschichte oft auf ähnliche Weise. So wandelten sich Namen und Orte, und oft kam Rettung auch erst nach hohem Blutzoll. Doch dass sich das jüdische Volk trotz allem immer als Teil einer Gesellschaft – hier in Form der Heirat Esters – versteht und mit ihr eine schicksalshafte und niemals parasitaere Verbindung pflegt, die zum guten Kern einer jeden Kultur gehoert, hat sich als historische Konstante erwiesen, welche eindringlich im Buche Ester niedergeschrieben ist.
Einige Speisen, welche typisch für Purim sind:
Würstchen aus Erbsen
- 3 Tassen grüne Erbsen
- 8 Schnitten Toastbrot
- 2-3 Eier
- 3 Knoblauchzehen, klein schneiden und mit Salz zerdrücken
- 1-2 TL Salz
- je 1/4 TL Pfeffer und scharfer Paprika
- Öl zum Braten
Erbsen über einem Sieb abspülen, in einen Topf geben und mit Wasser übergießen. Am besten über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag ca. 20-30 Minuten kochen, abseihen und auskühlen lassen. Die gekochten Erbsen mit dem getoasteten Brot durch den Fleischwolf drehen, mit Eiern und den Gewürzen vermengen und ca. 1 Std. kalt stellen. Anschließend aus der Masse fingerdicke Würstchen formen und in Öl braten. Weißkrautsalat passt gut dazu, aber genauso grüner Salat, Senf oder scharfer Ketchup.

Ebenso dieses Chutney, das zudem vielfach einsetzbar ist.
Zucchini-Chutney
- 1 kg grüne Zucchini
- Salz
- 250 g Zwiebeln
- 1 rote Peperoni
- 1 kleine gelbe Paprikaschote
- 250 g Gelierzucker (2:1)
- 250 ml Weißweinessig
- 2 Tl Currypulver
- Pfeffer
geraspelte Zucchini mit 40 g Salz mischen und ca. 30 Minuten Wasser ziehen lassen, abspülen und trockentupfen. Mit den Zutaten aufkochen und offen 35 min köcheln, dabei öfter umrühren und heiß in Twist-off-Gläser füllen.
Hamantaschen

Der Legende nach erinnert die dreieckige Form der Hamantasche an den Hut, den Haman getragen haben soll. Wie oben bereits erwähnt, war Haman der Bösewicht am persischen Königshof, der alles dafür tat, um die Juden zu vernichten. Die schöne Königin Ester, selbst eine Jüdin, verhinderte das zusammen mit Mordechai, ihrem Adoptivvater. Mit Haman nahm es ein böses Ende, der Perserkönig Ahasveros ließ ihn hinrichten.
Teig:
- 375 g Mehl
- 225 g Zucker
- 175 g Margarine
- 1 großes Ei
- ½ dl Orangensaft
- 1 P. Vanillezucker
- 1 gehäufter TL Natron
- 1 Prise Salz
Nussfüllung:
- 1 Tasse geriebene Nüsse
- 1 Tasse Zucker
- Vanillezucker
- Saft von ½ Zitrone u. ½ Orange
- 1 EL Rum
- ¼ Tasse Rosinen
- ½ TL Zimt
- ½ Tasse Orangenmarmelade
Alles gut mischen und die Taschen damit füllen.
Margarine mit Zucker gut verrühren, Ei, Saft, Vanillezucker und Mehl zugeben und zu einem glatten Teig verarbeiten. Diesen in Folie einwickeln und ca. 2 ½ Stunden kühl stellen. Anschließend ca. ½ cm dick ausrollen und in Vierecke (10 cm Seitenlänge) schneiden. Nussfülle oder eine andere Füllung (bei mir ist es Quittenmus) darauf geben und zu einem Dreieck zuklappen, dabei die Ränder gut andrücken. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und in ca. 20 Minuten bei Mittelhitze goldgelb backen. Erkalten lassen und mit Puderzucker bestreut servieren.
Nach Purim mit seinen Speisen, komme ich in meinem nächsten Beitrag endlich auf den Tempelberg.
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Der Duft von Jasmin und Pelargonien umweht meine Nase und ich freue mich auf einen sonnigen Tag in den alten Gassen und deren buntes Treiben. Neben der Erlöserkirche finde ich einen Platz an der Sonne, einen ersten Kaffee und kann hier sowohl den Kirchenglocken, als anschließend auch dem Muezzin lauschen.
Das Gelände, auf dem ich meine erste Rast einlege, hat – wie so vieles hier – eine interessante, historische Bedeutung: Karl der Große, ebenso fromm wie ehrgeizig, sah sich u. a. als moderner König David. Als solcher mussten sich seine Bestrebungen natürlich neben dem Römischen Reich auch auf die Heilige Stadt ausdehnen. Angeblich erhielt er am Tag seiner Krönung von einer Delegation des Patriarchen von Jerusalem die Schlüssel zum Heiligen Grab. Christliches Vermögen in Jerusalem wurde erfasst und unter seinen Schutz gestellt. Karl der Große – der nie selbst in Jerusalem war – bezahlte die gesamten Kopfsteuern für die Christen der Stadt. Im Gegenzug erlaubte der damalige Landesherr Kalif Harun el-Raschid dem Frankenkaiser den Bau eines christlichen Viertels um das Heilige Grab mit Kloster, Bibliothek und Pilgerherberge. Auf dem Gelände steht heute die 1898 von Kaiser Wilhelm II. eingeweihte Erlöserkirche.
Wie bereits in meinem 25. Beitrag angekündigt, will ich heute – etwas ausführlicher auf das Fest der Bäume zurückkommen – auch wenn wir momentan Herbst haben und auf den nächsten Frühling noch etwas warten müssen.
Ich breche bei meinem erneuten Besuch im späten Frühling nach Jerusalem auf und kann daher nicht bestätigen, ob Tu biSchevat tatsächlich mit dem Ende der Regenzeit zusammen fällt. Es scheint jedoch so zu sein, da gerade dieses Fest das Blühen Israels symbolisiert und damit all seine wunderbaren Früchte erahnen lässt. Bäume spielten bei der Besiedlung des Heiligen Landes immer eine große Rolle – auch deshalb, weil vom Mittelalter an durch rigorosen Raubbau an den kargen Wäldern wenig Bestand vorhanden war. Baumpflanzaktionen, wie sie an Tu biSchevat erfolgen, sind also eine notwendige und sehr sinnvolle Maßnahme um die Erosion des Bodens zu verhindern, die Feuchtigkeit aufrecht zu erhalten und zusätzlich Schatten und Augenweide für uns Menschen zu sein. Eine talmudische Geschichte erzählt von einem jüngeren Mann, der einem älteren beim Pflanzen zusieht und ihn fragt, ob es nicht ein etwas unkluges Unterfangen sei, einen Baum zu pflanzen, dessen Früchte er nie wird essen können. Der Alte erwidert: So wie für mich gepflanzt wurde, so pflanze ich für spätere Generationen. Diese alte Geschichte sagt uns auf eine sehr einfache Weise, was Nachhaltigkeit bedeutet.
An diesem Geburtstag der Bäume wird nicht nur gepflanzt, sondern auch gegessen: traditionell Früchte und Fruchtsalat. In der Diaspora ist es Brauch möglichst 15 verschiedene Früchte, die an das Land Israel erinnern, aufzutischen.
Das Verzehren von Baumfrüchten gehört zu Tu biSchevat wie Festgelage und Freude zu Purim. Bevor wir jedoch „Karneval“ feiern und den Festtag zu Ehren der Bäume hinter uns lassen, der heute auch oft als „Tag Israels“ bezeichnet wird, ein fruchtiges Rezept:
Gratinierter Obstsalat

- 500 g Früchte (bei mir sind es Brombeeren, Himbeeren, Kiwi, Äpfel), waschen und in etwa gleich große Stücke schneiden
mit 2 EL Zitronensaft und etwas Zucker (nach Geschmack) mischen und ca. 10 Minuten durchziehen lassen. In der Zwischenzeit
- 2 Eier
- 60 g Zucker
- 200 ml halbtrockenen Weißwein oder weißen Traubensaft
- 4 EL Mandellikör (kann mit Wasser ersetzt werden)
- 10 g Speisestärke
- Abrieb von 1/2 unbehandelten Zitrone
Alles in einem hohen Topf verrühren und erhitzen (nicht kochen) und währendessen mit dem Schneebesen dick schaumig schlagen. Vom Herd nehmen und weitere 2 Minuten schlagen. 40 g gemahlene Mandeln unterheben und über die auf Förmchen verteilten Früchte geben. Mit Mandelblättchen bestreuen und unter dem vorgeheizten Grill 2-3 Minuten gratinieren. Mit Melisse verziert servieren.

Blick vom Ölberg Nach diesem gedanklichen Ausflug ins Land der Bäume führt mich der Spaziergang heute Richtung Ölberg (In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Beiträge Nr. 18 und Nr. 22), vorbei am Grab Marias, dem ihrer Eltern und Josefs, geht es in den Garten Gethsemane (=Ölpresse). Hier befand sich zu Zeiten Jesu ein Gehöft mit einer Olivenplantage. Die zwischen 1919 und 1924 darin erbaute Kirche der Nationen mit ihrer besonderen Geschichte empfinde ich als einen wunderbaren Ort der Besinnung und inneren Einkehr.

Portal der Kirche der Nationen im Garten Gethsemane Bevor ich an der russisch-orthodoxen Maria-Magdalena-Kirche vorbei komme mit den sieben vergoldeten Kuppeln, der Franziskaner-Kapelle Dominus Flevit (= der Herr hat geweint) und den Prophetengräbern zur Aussichtsterrasse, ein Rezept, welches die russischen Juden mit nach Israel gebracht hatten:
Russischer Borschtsch
- 1 Karotte
- 1 kleines Stück Sellerie
- 1 Stange Lauch
- 2-3 Knoblauchzehen
- 750 g Rindfleisch (z. B. Beinfleisch)
- 1 Handvoll getrocknete Pilze
- 5-6 Wacholderbeeren
- 1,5 kg Rote Bete
- 200 g Weißkraut
- 750 ml Rote Bete Saft
- Pfeffer, Salz, Zucker
- 2 EL Zitronensaft
Gemüse putzen und klein schneiden, Fleisch waschen, salzen und in einen großen Topf mit kaltem Wasser legen. Gemüse, Pilze und Wacholderbeeren dazu geben, aufkochen und den aufsteigenden Schaum abschöpfen, ca. 1 Stunde köcheln lassen bis das Fleisch weich ist. Bereits vorgekochte Rote Bete schälen und fein hobeln, ebenso das Weißkraut. Zusammen mit dem Rote Bete Saft in den Topf geben und eine weitere 1/2 Stunde zugedeckt köcheln lassen. Das Fleisch heraus nehmen sobald es weich ist, in kleine Stücke schneiden und zurück in die Suppe geben, mit Salz, Pfeffer, Zucker und Zitronensaft abschmecken. Mit etwas Petersilie bestreut und Schwarzbrot servieren.

Russischer Borschtsch Wie Briten, Österreicher, Deutsche, Franzosen und Italiener, strömten auch russische Pilger im 19. Jahrhundert nach Jerusalem.
Auf dem Gelände des heutigen „Russian compound“ errichtete der Zar im 19. Jahrhundert mit ausschließlich russischen Baumaterialien einen ganzen Gebäudekomplex. Während die Juden in Russland vom Staat verfolgt wurden, stellte der russische Konsul die jüdischen Einwanderer als Untertanen des Zaren unter seinen Schutz. Wieder mal eine sehr paradoxe Variante in der Historie.
In den 1950er Jahren „bezahlte“ der Staat Israel die Rechte an den Gebäuden des „Russian compound“ an die Sowjetunion unter anderem mit einer Schiffsladung Orangen. Wobei wir wieder bei den Früchten Israels sind.
Etwas über das ausschließlich fröhliche Fest Purim und die Geschichte von Mordechai, der hübschen Adoptivtochter Esther und dem bösen Haman zusammen mit den Haman-Taschen finden Sie in meinem nächsten Beitrag.
Shabbat Shalom
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Es verspricht ein heißer Tag zu werden und ich mache mich nach einer kräftigen Stärkung frühzeitig auf den Weg zum Skopusberg. Auf diesem, der mit seinen ca. 800 m Höhe als guter Aussichtspunkt gilt, befindet sich die Hebräische Universität von Jerusalem. Sie wurde 1925 eröffnet und hatte von Anfang an wichtige Gönner. Einer davon war Albert Einstein, der ihr erster Präsident wurde und ihr seine Schriften überließ, obwohl er kein Wort Hebräisch sprach. Die ersten Verwaltungsratsposten der Universität wurden u. a. von Sigmund Freud, Martin Buber, Chaim Bialik und Chaim Weizmann bekleidet. Sie sollte sowohl als Zufluchtsort für jüdische Studenten/Studentinnen dienen, die wegen antisemitischer Aufnahmequoten nicht an europäischen Universitäten zugelassen wurden, als auch den jüdischen Nationalgeist stärken und die hebräische Sprache erhalten. Nach dem Unabhängigkeitskrieg 1948 gehörte den Israelis zwar das Universitätsgelände mit Krankenhaus und Zoo, die Zugangsstraßen jedoch fielen in die Hände der Jordanier. Nur eine kleine Anzahl Soldaten besetzte die Enklave und gerade der Zoo, in dem sich u. a. ein Löwe befand, bereitete sowohl den israelischen als auch den jordanischen Behörden erhebliche Probleme. Man musste sich entscheiden, ob 1. israelisches Geld dafür benutzt werden soll, einen arabischen Esel zu kaufen, um den israelischen Löwen zu füttern oder 2. ein israelischer Esel durch jordanisches Gebiet geführt werden soll, um von gerade diesem Löwen gefressen zu werden.
Mittlerweile verteilt sich die Hebräische Universität auf 4 Standorte.
Der Givat Ram-Campus beherbergt die naturwissenschaftlichen Institute. Außerdem befindet sich dort die National- und Universitätsbibliothek des Staates Israel, die etwa fünf Millionen Bände umfasst. Sie stellt die weltweit größte Sammlung hebräischer Bücher dar.

Mit Albert Einstein auf dem Campus in Givat Ram Weitere Standorte sind in En Kerem mit der Hadassah-Klinik (sie steht jedem Menschen aus der Region offen, unabhängig von Religion, Geschlecht und Staatsangehörigkeit) und in Rehovot, wo die tiermedizinische und die landwirtschaftliche Fakultät angesiedelt sind. The Hebrew University of Jerusalem gilt als die bedeutendste Universität Israels mit weltweitem Ruf. Sie ist mit über 20 000 Studenten eine der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt und der akademische Stolz Israels.
Ein weiteres Ziel meiner heutigen Wanderung ist der Ort En Kerem (=Quelle des Weinbergs). Wir wandern von der Endhaltestelle der Straßenbahn „Mount Herzl“, von wo aus auch die Gedenkstätte Yad Vashem zu erreichen ist, zu diesem 4 km westlich gelegenen Dorf, welches heute ein Stadtteil Jerusalems ist. Dort soll nach christlicher Überlieferung Johannes der Täufer geboren worden sein. Der Weg führt uns durch ein trockenes mit niedrigen Sträuchern und Gras bewachsenes Tal. Die Sonne brennt regelrecht vom Himmel und es verwundert nicht, dass sich hier – meist durch Unachtsamkeit – Feuer entzünden und diesem große Flächen zum Opfer fallen.
Eine kleine Abkühlung bekommen wir an der Marienquelle mitten in En Kerem, in deren Nähe noch die Moschee der arabischen Bevölkerung steht, die den Ort jedoch 1948 verließ.
Heute ist diese Pilgerstätte ein von Familien viel besuchter Ort besonders an den Feiertagen. Es gibt eine ausgezeichnete Eisdiele und einige gute Restaurants. In einem von ihnen lassen wir uns das nachfolgende Gericht servieren, bevor wir den sehr stimmungsvollen Heimweg in der Abenddämmerung antreten.
Rachal (überbackener Fisch mit Kartoffeln)
- 2 mittelgroße Zwiebeln in Scheiben geschnitten
- 8 mittelgroße Kartoffeln, roh in feine Scheiben geschnitten
- 500 g gekochter Fisch (z. B. Hering, Dorsch, Kabeljau)
- Saft von einer Zitrone
- 1-2 TL Salz
- ½ TL Pfeffer
- 2 Eier
- 1 ½ Tassen süße Sahne
- Butter oder Margarine für die Form
In die mit Butter ausgestrichene Form abwechselnd Kartoffeln, den mit Zitronensaft beträufelten Fisch und die in Butter gedünsteten Zwiebeln schichten. Die unterste und oberste Schicht bilden Kartoffeln. Jede Schicht nach Bedarf kräftig salzen und pfeffern. Die Sahne mit den Eiern verrühren, salzen und ca. 40 – 50 Minuten bei 180 Grad backen.
Eine vegetarische Variante:
Überbackener Reis
- 3 Tassen feingeraspelte Möhren
- 1 Tasse grob gehackte Walnüsse
- 2 Tassen gekochter Reis
- 2 verquirlte Eier
- ½ Tasse süße Sahne
- 1 ½ TL Salz
- ½ TL Pfeffer
- 3 TL feingehackte Zwiebeln
- 2 Tassen geriebener würziger Käse
Möhren, Nüsse, Reis, Eier und Sahne mischen, salzen und pfeffern, Zwiebeln und ½ Tasse geriebenen Käse unter mischen. Die Masse in eine gebutterte Form geben, mit dem restlichen Käse bestreuen und ca. 50 Minuten bei 180 Grad backen (bevor das Gericht braun wird mit Folie abdecken).

Zu den beiden vorhergehenden Gerichten passt wieder mal wunderbar der israelisch-arabische Salat, wie wir ihn oft in Israel serviert bekommen. Sie finden ihn bereits im ersten Teil des Büchleins. Auch der nachfolgende ist eine gute Ergänzung:
Rote Bete Salat mit Feta und Walnüssen
- 500 g gekochte Rote Bete
- 150 g Feta-Käse
- 1 rote Zwiebel, fein gewürfelt
- 50 g Walnüsse
- 2 EL Obstessig
- 1 EL weißer Balsamico
- 4 EL Olivenöl
- 2 TL Zucker
- 1 TL Salz
- frisch gem. Pfeffer
Rote Bete und Käse würfeln, mit den Zwiebeln gut mischen. Alles mit den Gewürzen, Essig und Öl, sowie den Walnüssen vermengen. Das ganze 30 Minuten ziehen lassen und evtl. mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Bei Zimmertemperatur servieren.
Zum Nachmittagskaffee nochmal Walnüsse in Form eines Kuchens
Eine runde Kuchenform, 26 cm Durchmesser, gut mit Margarine oder Butter ausstreichen, großzügig Zucker und 100 g Walnüsse darüber streuen, dann klein geschnittene Äpfel darauf verteilen und mit einer Teigschicht bedecken. Bei 180 Grad ca. 45 Minuten backen. Schmeckt ausgekühlt mit süßer Sahne noch besser.
Teig:
- 80 g Margarine
- 140 g Zucker
- 1 Zitrone, Abrieb und Saft
- 100 g Mondamin
- 80 g Mehl
- 3 TL Backpulver
- 2 – 3 Eier
- etwas Salz

Walnuß-Apfel-Kuchen Mein erster Besuch in Israel begann im September an Rosch ha-Schana, beinhaltete Yom Kippur und das Laubhüttenfest (Sukkot). Ein weiterer Aufenthalt beginnt im Frühjahr, in der Zeit kurz nach Tu bi-Schevat, dem Neujahr der Bäume. Wenn sie mich weiterhin begleiten wollen, u. a. auf den Ölberg, sehr gerne. Wie immer gibt es natürlich auch Kulinarisches!
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Nach Packen, israelischem Frühstück und check-out geht es zum Busterminal am Diamanten-Center. Mit einem etwas voluminöseren Reisebugdet hätte sich ein Besuch im IDC (Israel Diamond Center) sicher gelohnt. Dass dieser nicht klappt macht mich nicht allzu traurig – meine Diamanten liegen in den Reiseerfahrungen.
Ich wähle dieses Busterminal und nicht die Bahn nachdem es mir vom Hotelpersonal wärmstens empfohlen wird. Der Zugang erfolgt über den Eingang zur Bahn und ist nicht ganz unproblematisch. Schließlich sind aber alle Barrieren überwunden und die Fahrt kann beginnen.
Die Skyline Tel Avivs mit ihren gigantischen Häusern verschwindet langsam im morgendlichen Dunst. Längst begleiten uns Gemüse- und Obstanpflanzungen, niedere Sträucher. Der Flughafen Ben-Gurion bleibt links liegen, die Bahngleise folgen uns weiter auf der rechten Seite und allmählich geht es auch schon bergan. Aus den Sträuchern werden Laub- und Nadelbäume, Weinstöcke säumen die Straße. Der immer wieder dazwischen auftauchende Ackerboden ist mittlerweile abgeerntet, schwarze fruchtbare Erde schimmert durch. Die Autobahn ist 6-spurig geworden und der Verkehr relativ dicht: ein silbern glänzendes Band sowohl hinzu als auch auf der Gegenfahrbahn. Silbern bis weiß sind mittlerweile auch Teile der Felder und ich überlege, ob es sich um Baumwollfelder handelt. Inzwischen wird die Strecke bergiger und der Straßeneinschnitt ist beidseitig befestigt um nicht abzurutschen. Weißbräunlicher Stein säumt die Ränder bis wir die ersten bewohnten Hügel erkennen können. Auf einem Straßenschild: Abu Gosh. Es sind bereits die Trabantenstädte Jerusalems, die da im Schritttempo auf uns zukommen. Der Verkehr wird sehr zähflüssig bis es nur noch langsam vorwärts geht. Vorteil ist, wir nähern uns der Stadt allmählich und es wird mir nochmal bewusst, auf wie viele Hügel sie sich ausdehnt. Wir überqueren die beeindruckende Calatrava-Brücke, für deren Design der spanische Architekt von der Harfe Davids inspiriert wurde. Bei der Ankunft am Busbahnhof bläst mir der heftige Wüstenwind ins Gesicht und der damit einhergehende Sand macht nicht nur meinen empfindlichen Augen zu schaffen. Es handelt sich dabei um den Staub aus der Negev-Wüste, der sich überall verteilt, wie ich es bereits bei meinem ersten Aufenthalt erlebt habe. Weitere Erinnerungen werden wach, als ich entlang der Straßenbahn auf der Jaffa-Straße bis zur King-George-Street laufe, wo sich diesmal mein Hotel befindet. Der Nachmittag gehört der Old City. Ich reihe mich ein ins Getümmel und lasse mich zum Western Wall mehr schieben als ich selber gehe. Es sind Ferien und dieser Umstand ist deutlich spürbar. Mittagessen gibt es in den engen Gassen und es schmeckt noch genau so gut wie letztes und vorletztes Jahr. Es ist kurz nach Mittag und der Rückweg führt mich über den Teddy-Kollek-Park:

Teddy-Kollek-Park (im Hintergrund die Stadtmauer) Neben den vor allem für Kinder sehr erfrischenden Wasserspielen, interessiert mich der Hutzot HaYotzer-Komplex mit der Künstlerkolonie und einem Multimedia-Besucherzentrum, das eine interaktive Ausstellung über Teddys Geschichte (Teddy Kollek war u. a. Bürgermeister der Stadt Jerusalem von 1965 – 1993 und ist in Österreich-Ungarn geboren) und die Entwicklungsgeschichte der modernen Stadt enthält.
Ein etwas jüngerer Zeitgenosse, geboren und aufgewachsen in Jerusalem, ist Ottolenghi, von dem das nachfolgende Rezept stammt,
Gefüllte Auberginenröllchen in Curry-Kokos-Dal

- 3 große Auberginen (ca. 750 g), längs in je sechs 5 mm dicke Scheiben geschnitten
- 3 EL Olivenöl
- 220 g Panir (oder fester Tofu) geraspelt,
- 2 Biolimetten, 1 TL abgeriebene Schale und 2 EL ausgepressten Saft,
- 45 g scharfes Mango-Pickle, grob gehackt + etwas mehr zum Servieren,
- 5 g Koriandergrün, grob gehackt + etwas zum Servieren,
- 100 g grosse Spinatblätter ohne Stiele (=60g),
- Salz, schwarzer Pfeffer
- Kokos-Dal:
- 3 EL Olivenöl,
- 5 Schalotten, geschält und fein gewürfelt,
- 45 g Ingwer, geschält und fein gehackt,
- 2 rote Chilischoten, fein gehackt,
- je 1 TL schwarzer Senfsamen, gemahlener Kreuzkümmel, gemahlener Koriander,
- 1/2 TL gemahlene Kurkuma,
- 2 TL Currypulver,
- 2 TL Tomatenmark,
- 100 g rote Linsen
- 1 Dose Kokosmilch, 400 ml mit mindestens 70 % Kokosnussanteil
Den Panir (oder Tofu) in einer kleinen Schüssel mit der Limettenschale, dem Mango-Pickle, 1 EL Limettensaft, dem Koriandergrün und 1/8 TL Salz verrühren. Die Auberginenscheiben auslegen, jeweils 1 Spinatblatt und 1 EL der Panirmischung daraufgeben. Die Scheiben vom schmalen oberen Ende zum breiteren unteren Ende hin aufrollen, sodass die Füllung eingeschlossen ist und mit der Naht nach unten in das Dal legen. Es sollten ca. 18 Röllchen dicht an dicht in der Sauce liegen. Nicht zu tief eindrücken, sie sollen nicht untertauchen. 15 – 20 Minuten bei 220 Grad Umluft backen bis die Röllchen goldbraun sind und die Sauce Blasen wirft. Aus dem Ofen nehmen und 5 Minuten ruhen lassen.
Das restliche Öl (1 EL) in einem kleinen Topf bei mittlerer bis hoher Temperatur erhitzen, die restliche Chilischote darin 1 Minute braten, bis sie knusprig ist und duftet. Auf die Röllchen verteilen und alles mit 1 EL Limettensaft beträufeln und dem Koriandergrün bestreut servieren.
Weiter geht es zur Montefiore Windmühle, die vor einigen Jahren erst restauriert wurde und ein kleines Museum enthält. Die Windmühle und die Nachbarschaft von Mishkenot Sha’ananim wurden beide vom britisch-jüdischen Bankier und Philanthrop Moses Montefiore finanziert, der sein Leben der Förderung von Industrie, Bildung und Gesundheit in Israel widmete.
Das Ziel meines Spaziergangs ist erreicht, das King David Hotel.

Diese Luxusherberge bietet neben seiner Geschichte eine wundervolle Terrasse, von der aus ich bei Kaffee, Kuchen und einer der Exclusivität des Hauses entsprechenden Bedienung den herrlichen Blick auf Jerusalem genießen kann. Der Flirt mit Benjamin passt ausgezeichnet in dieses Ambiente. Er, ein charmanter französischer Jude, ich eine neugierige und gut gelaunte Europäerin – wir finden immer wieder neue Themen. Seine Ausführungen über Aschkenasen, Sepharden und Mizrachim sind für mich zwar nicht mehr so ganz neu, interessant und kurzweilig sind sie allemal. Auch die Tatsache, dass viele gläubige Juden in Jerusalem ihre letzte Ruhestätte finden wollen, wird mir auf eine sehr eindrucksvolle Weise dargestellt. Mein angelesenes Wissen über die britische Mandatszeit kann ich zusätzlich erweitern und gerade im King David Hotel erscheint sie mir mehr als lebendig: Die jüdische Untergrundbewegung „Irgun“ hatte 1946 den Südflügel des Hotels, welches zu diesem Zeitpunkt als Hauptquartier für die Briten fungierte, gesprengt. Dieser Akt war als Vergeltungsschlag für eine Verhaftungswelle der Briten gedacht, 91 Menschen wurden dabei getötet und 45 verletzt obwohl die Organisation lt. Menachem Begin (damaliges Oberhaupt der Irgun, als späterer Ministerpräsident erhielt er zusammen mit dem ägyptischen Staatschef Anwar as-Sadat 1978 den Friedensnobelpreis) die Briten eine halbe Stunde vor dem Attentat gewarnt hatte. Die Spannungen zwischen Juden und Arabern nahmen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu und immer öfter wurden auch die Engländer Opfer des Terrors.
Ob sich die Briten in Israel während der Mandatszeit viele Freunde gemacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Mit Bauwerken wie dem King David Hotel oder dem YMCA (auch ein imposantes Gebäude in Sichtweite) allerdings haben sie der Stadt einen beeindruckenden, immer noch sichtbaren Stempel aufgedrückt. Ebenso mit ihrer Lebensart, von der der Five-o-clock-Tea nicht wegzudenken ist. Rezepte, wie die für die unvergleichlichen Ingwerkekse oder die bekannten Scones sind einfach nachzubacken und das Ergebnis ist in jedem Fall eine leckere Beigabe zur Teestunde wo auch immer diese stattfindet.
Englische Ingwer Kekse
- 220 g Margarine
- 100 g brauner Zucker
- 285 g Mehl
- 1 Backpulver
- 40 g frischer geriebener Ingwer
Margarine mit dem Zucker schaumig rühren, das mit Backpulver vermischte Mehl und den Ingwer dazu geben und zu einem festen, klebrigen Teig kneten. Walnußgroße Kugeln formen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, mit einer in Wasser getauchten Gabel kreuzweise auf eine Höhe von 1 cm platt drücken und bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen 12-15 Minuten backen, auskühlen lassen und gut verschlossen lagern.

Ingwerkekse mit Schokoglasur Nächste Woche: Spaziergang morgens, auf den Skopusberg und nachmittags nach En Kerem!
Bis dahin Shabbat Shalom
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Nicht mit dem Containerschiff, wie das erste Mal, sondern mit dem Flieger von Berlin aus lande ich ganz sanft auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. Die Sicherheitschecks sind auch dieses Mal reichlich und gründlich, aber nicht weiter problematisch. Etwas wehmütig, da mich niemand in Empfang nimmt, aber voll Tatendrang suche ich den gebuchten Shuttle-Bus und … er kommt, wenn auch mit 20 Minuten Verspätung. Eine nette Amerikanerin aus Atlanta ist mit von der Partie und wir werden in unsere Hotels am Rothschild-Boulevard gebracht. Ich bin angenehm überrascht und fühle mich sofort wohl. Ein erster Abendspaziergang die Sheikin Street entlang führt mich in ein Straßenlokal, in dem ich mir ein typisches Gericht „Picadillo“ schmecken lasse.

Picadillo Sowohl dieses als auch der „Kuchen mit Dörrobst“ werden hauptsächlich dem Feiertag Tu Bi-Schwat (ich komme in einem späteren Beitrag darauf zurück) zugeordnet. Dieser Festtag zu Ehren der Bäume wird früher im Jahr in Israel gefeiert. Mittlerweile haben wir allerdings Oktober und Sukkot macht sich auch in Tel Aviv bemerkbar. Nachdem die Feiertage in Israel – wie schon erwähnt – am Abend vorher bei Sonnenuntergang beginnen, habe ich das wieder mal schlecht „getimed“. Ich habe meine Ankunft zwar bewusst in die Wochenmitte verlegt, den Feiertag hatte ich bei meiner Planung nicht bedacht. Heute kann man diesen hier deutlich spüren. Es spazieren vereinzelt sogar Ultraorthodoxe durch die Stadt, jedoch sind es wesentlich weniger als in Jerusalem.
Picadillo
- 1 kg Rinderhack
- 1 Zwiebel, feingehackt
- 3 Knoblauchzehen, mit Salz fein zerrieben
- 1 EL Öl
- 500 g Tomaten, gehäutet und in kleine Stücke geschnitten
- 2 Äpfel, geschält und in Würfel geschnitten
- 1 rote Paprikaschote, klein geschnitten
- 1/2 Tasse Rosinen
- je 1/2 TL Chilipulver und Zimt
- je 1/4 TL Pfeffer, gem. Nelken, gem. Kümmel
- 1/2 TL Salz
- 2/3 Tasse gefüllte grüne Oliven, einmal durchgeschnitten
- 1/2 Tasse geschälte, gehackte Mandeln
Fleisch mit Zwiebel und Knoblauch in einer großen Pfanne anbraten, Tomaten, Äpfel und Paprikaschote, Rosinen, Gewürze und Salz dazu geben und 30 Minuten langsam zugedeckt köcheln lassen. Nachdem die Flüssigkeit fast verdunstet ist, die Oliven zugeben und sie noch etwas mitgaren bis sie erwärmt sind.
Mit italienischen Crescente und israelischem Rotwein schmeckt das Gericht auch im Oktober vorzüglich.

In Tel Aviv erscheinen mir die Menschen in der Mehrzahl, die einen freien Tag begehen, am Strand, in der Stadt, beim Boule spielen, beim Familienausflug zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Es sind auch einige Lokale geöffnet, am Strand so ziemlich alles und es ist ein deutlicher Unterschied zu Jerusalem. Auf dem Weg heute morgen fällt mir am Habima Square ein Baum mit vielen vielen BHs behängt ins Auge. Ich spreche ein Paar an, das mir entgegen kommt und erfahre auf meine eher amüsierte Fragestellung, dass es sich um ein an Brustkrebs mahnendes Demonstrationsobjekt handelt. Die Frau erklärt mir, dass es in Israel eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung von Brustkrebs gibt und das hier an die regelmäßige Kontrolle erinnert werden soll. Es macht mich sehr betroffen, daß ich so gedankenlos mit der Bemerkung über einen lustigen Baumbehang ein Gespräch begonnen habe. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich den Dizengoff Square verfehle und viel zu weit in die falsche Richtung laufe. Eine Frau, die mir meinen während dieses Aufenthalts ersten Granatapfel-Saft presst, versichert mir jedoch, daß dort gebaut wird und die Einkaufsmall (als ob ich nur des Einkaufens wegen zu diesem Platz will) nicht geöffnet wäre. Ich beschließe alternativ in Richtung Strand weiter zu laufen und lasse meine Füße erstmalig mit israelischem Mittelmeer-Wasser sanft streicheln und vom Sand massieren. Der Strand ist übervoll von Menschen, die diesen Feiertag mit Sonne und Meer genießen. Ich verabschiede mich erstmal vom Meer (nicht endgültig – ich werde die nächsten Tage noch einen Abstecher machen) und laufe zurück den Rothschild-Boulevard entlang zum Hotel. Vom 4-stündigen Laufen etwas müde, lege ich eine kleine Siesta auf der Hotelterrasse ein. Mit Beethovenkonzert aus der Konserve und einem feinen Kuchen s. u., lehne ich mich zufrieden zurück und hänge meinen Gedanken nach: ich bin in Tel Aviv, einer von so vielen Gegensätzen geprägten jungen pulsierenden Stadt und …. glücklich!
Kuchen mit Dörrobst

Kuchen mit Dörrobst - Untere Schicht:
- 1 Tasse halbgriffiges Mehl
- 1/4 Tasse Zucker
- 1/2 Tasse Margarine
- Obere Schicht:
- 1/2 Tasse halbgriffiges Mehl
- 2 Eier
- 1/4 Tasse brauner Zucker
- 1 TL Vanillezucker
- 1/2 TL Backpulver
- je 1/2 Tasse getrocknete Feigen, Aprikosen, Mandeln alles fein gehackt
Margarine mit Zucker schaumig rühren, Mehl dazugeben und verkneten. Die Masse auf den Boden einer nicht gefetteten Form geben und bei 180 Grad ca. 20 Minuten backen bis der Teig hellbraun ist. Inzwischen die obere Schicht vorbereiten: Mehl, Backpulver, braunen Zucker, Eier und Vanillezucker sehr gut vermengen. Alle gehackten Zutaten dazu geben und die Masse auf die untere Schicht streichen, vorsichtig in die Röhre zurück schieben und noch 25 Minuten backen.
Am Nachmittag geht es zuerst zum Haus von Chaim Nachmann Bialik. Das ehemalige Wohnhaus des Dichters ist ein seltenes Beispiel eines Architekturstils, bei dem arabische Elemente mit europäischem Jugendstil kombiniert wurden. Bialik ist einer der einflussreichsten hebräischen Dichter und wird in Israel als Nationaldichter angesehen. Er zog von Russland (er wurde 1873 in der Ukraine geboren) über die Türkei und Polen nach Deutschland. Von dort wanderte er 1924 nach Palästina aus. In Tel Aviv ließ er sich nieder, starb jedoch 1934 in Wien. Sein Haus ist nicht sehr spektakulär, wobei europäischer sowie orientalischer Stil gut erkennbar sind. Es ist noch ruhig, wird aber zunehmend lauter, offensichtlich haben sich mehr große (Eltern) und hauptsächlich kleine Menschen (Kinder) diese Besichtigung für heute vorgenommen. Der Dichter Bialik war schließlich auch ein großer Kinderfreund und Autor von Kinderbüchern. Den Rest des Nachmittags verbringe ich im früheren Haus des ersten Bürgermeisters von Tel Aviv, Meir Dizengoff. David Ben Gurion hat dort 1948 den Staat Israel proklamiert.
Ein weiterer voller Tag in Tel Aviv (mir wird bewusst, dass ich viel zu wenig Zeit eingeplant habe): Der Carmel Market wird in meinem etwas in die Jahre gekommenen Reiseführer als recht interessant beschrieben. Also – nachdem mich Märkte immer anziehen, beschließe ich, ihm einen Besuch abzustatten. Ein unvorstellbares Gedränge und Geschiebe erwartet mich dort (es ist Freitag), ich suche mir ein ruhiges Plätzchen und bestelle, nachdem es bereits Mittag ist, Fisch & Chips. Der Rückweg durch das Gewusel macht müde, auch deshalb weil ich den Rest des Essens sowie etwas Obst mit ins Hotel zurück schleppe.
Nach einer kleinen Pause geht es nochmal den Rothschild-Boulevard entlang, Richtung Jaffa. Und … wen sehe ich da auf einer Bank sitzen: Tuvia Tenenbom, meinen israelisch-deutsch-amerikanischen Lieblingsautor mit seiner Frau. Klar, ich spreche ihn an, frage höflich, ob er Tuvia ist und es ergibt sich ein nettes Gespräch. Dabei werde ich eingeladen, auf die Vorstellung und Lesung seines neuen Buches im Begin-Center in Jerusalem zu kommen. Es freut mich sehr, ihn auf diese Weise persönlich kennenlernen zu können.
Nach dieser überaus angenehmen Unterbrechung geht es weiter über die Sheikin Street nochmal zum Strand. Ich laufe am Wasser entlang bis Yafo (Jaffa) – dieser Abschnitt, der den Blick automatisch auf die Altstadt mit der Großen Moschee und den Uhrturm lenkt, ist wunderschön. Der sehr viel ältere Stadtteil hat trotz vieler Neuerungen seine arabische Atmosphäre bewahrt und ist ein interessantes Kontrastprogramm zum europäisch wirkenden Tel Aviv.
Die Sonne geht unter und ich kann mich nicht sattsehen. Es ist zauberhaft dort, vor allem mit der Abendsonne, die die Gebäude zuerst herrlich anleuchtet und dann spektakulär im Meer versinkt. Eine gebürtige Irakerin spricht mich auf einer Bank an und bietet mir etwas von ihrem Snack an. Leider ist ihr Englisch sehr holprig und so kann ein Gespräch nicht wirklich stattfinden. Es ist aber immer erstaunlich, wie man sich trotzdem versteht und ein klein wenig unterhalten kann.

Yafo bei Sonnenuntergang Der Spaziergang zurück zum Hotel führt mich über Neve Tzedek, einen ehemaligen Vorort von Jaffa. Dort finde ich ein mittlerweile geöffnetes Restaurant – heute ist immerhin Sabbat – und lasse mir ein sehr feines indisches Gericht schmecken. Auf dem Heimweg über den Rothschild Boulevard nehme ich nochmal ein angenehmes Bad in der Menschenmenge und beschließe den Abend mit einem Glas Rotwein im Hotel.
Mein letzter Tag in Tel Aviv beginnt auf der Hotelterrasse mit einem grünen Shakshuka (Brokoli und Spinat) und dem Vorsatz, auf alle Fälle wieder zu kommen. Im nächsten Beitrag nehme ich den Bus nach Jerusalem und begebe mich dort auf einen neuen Spaziergang mit einem amüsanten Abschluss im King David Hotel. Neugierig? Dann bis zum nächsten Freitag!
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Losgelöst von allen häuslichen Sorgen, wache ich nach einem märchenhaften Traum auf und sortiere mich langsam mit einem orientalischen Kaffee. Auf dem Weg von der King-George-Street zum Damaskustor lasse ich mich mit vielen Berufstätigen treiben und steige am Busbahnhof hinter dem Tor in den Bus nach Ramallah ein.

Damaskustor Offensichtlich klingt der Traum noch etwas nach, mein freundliches Gesicht zeigt Wirkung und der Busfahrer begrüßt mich äußerst gut gelaunt. Das Abenteuer Palästina kann beginnen. Für die nur 13 km benoetigen wir 1 1/2 Stunden, wonach ich in Ruhe die Stadt auf mich wirken lassen will. Diese Ruhe finde ich mitten im Gewimmel eines großen Platzes.
Das Gewimmel bleibt allerdings nur kurz in hintergruendiger Distanz. Kaum habe ich mit meinen Aufzeichnungen begonnen, setzt sich ein junger Palästinenser neben mich und nötigt mir ein Gespräch auf. Ich freue mich über diesen Einstieg in die lokale Gesellschaft. Seine erste Frage lautet, wie ich denn die Menschen hier finde. Was soll ich dazu nach der Busfahrt und 5 Minuten Aufenthalt in Ramallah sagen? Ich will ihn nicht mit einer unbedachten Antwort abspeisen, dafür finde ich ihn zu sympathisch, jung und gutaussehend. Er hätte keine Arbeit und offensichtlich jede Menge Zeit. Darum lasse ich ihn, trotz seines penetranten Mundgeruchs (vielleicht eine Folge schlechter Zähne), das Gespraech fortführen. Nach ein paar Eingangsfloskeln appelliert er an mein Mitleid – er erhofft sich Hilfe bei der Ausreise nach Berlin. Dort hätte er einen Bruder, welcher begeistert von dieser Stadt erzählt und er würde diesen gerne besuchen. Stolz berichtet er mir von seiner schulischen Ausbildung. Er wäre sehr gut in Mathematik, was immer das in seinem Leben noch bedeuten mag und sein Redefluss berührt mich zunehmend. Meine Empathie erreicht allerdings eine Grenze, als wir zwangsläufig die politische Ebene erreichen. Er “hasse“ alles was nicht Palästina ist und mein Verständnis für ihn wird auf eine harte Probe gestellt. Zum Glück werden wir von einem Telefonanruf seines Vaters unterbrochen und ich kann mich freundlich verabschieden. Nun lasse ich mich, wie anfangs geplant, erst mal treiben im Gewusel der palästinensischen Hauptstadt. Es ist sicher ein sehr großes Problem, daß zu viele junge Männer ohne Beschäftigung sind, keine großen Perspektiven haben und ihr Glück im Ausland oder im Kampf gegen Israel sehen. Eine Gemengelage, die mir zwar bewußt ist, die ich jedoch nicht beeinflußen kann. Viele Menschen, und es scheint mir, fast eben so viele Autos, prägen das Stadtbild – kein Wunder, es ist Mittagszeit.

Ich finde im 3. Stock ein nettes Cafe mit vielen jungen Menschen und jeder Menge Shishas (Wasserpfeifen). Die Bedienung, wieder ein junger sympathischer Mann, ist ebenfalls nett und serviert mir einen doppelten türkischen Kaffee (zum halben Preis eines einfachen in Jerusalem). Die Maschine für den bestellten amerikanischen würde leider nicht funktionieren, erklärt er mir. Als kleinen Imbiss gibt es das nachfolgende Taboulé (in memoriam an einen guten Freund) verfeinert mit einer Gewürzkreation Za’atar meiner Schwester Johanna:
Taboulé
- 2 kleine Süßkartoffeln, geschält und in Würfel geschnitten
- 4 EL natives Ölivenöl
- 225 g Bulgur
- 430 ml Wasser
- Saft von 1 frisch gepressten Zitrone
- 2 kleine Bunde frische Petersilie, klein gehackt
- 1 kleiner Bund frische Minze, gehackt
- 1 kleine rote Zwiebel, klein gehackt
- 150 g Fetakäse, zerkrümelt
- 50 g geröstete Kürbiskerne
- Kerne von 1/2 Granatapfel

Gerade tauscht ein Angestellter die „Aschebrocken“ auf den Tellern der Pfeifen aus und auf meine Frage erklärt er mir, die Shisha wäre in vielen arabischen Ländern ein fester Bestandteil der Kultur; das gemeinsame Rauchen wurde und wird bis heute als Symbol der Gastfreundlichkeit angesehen. Unter diesem Aspekt stelle ich meine Vorbehalte zurück und versuche mir nicht die Gefahren sowohl des Rauchens, als auch des Shisha-Rauchens ins Bewusstsein zu rufen. Viele junge Mädels rauchen hier und sie sind viel gelöster und lustiger, als ich sie auf der Straße antreffe. Dort scheinen sie mir sehr verschlossen und abweisend dreinblickend – vielleicht weil meine weiblichen Begegnungen dort durchwegs älterer Natur sind und meist so verschleiert, dass ich ein lächelndes Gesicht gar nicht ausmachen kann. Trotzdem ist es eine andere Welt. Nicht vergleichbar mit Tel Aviv, Jerusalem und schon gar nicht mit Berlin, München etc.. Ganz spontan fällt mir dabei der vermeintliche Satz von Alexander von Humboldt ein: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben“. Ich bin ein weiteres Mal glücklich, daß ich sie anschauen darf/kann und dass wir (die jungen Mädels und ich) uns in diesem Cafe zum Abschied ein überaus freundliches Lächeln schenken können!
Ich erfahre damit einen wunderbaren Querschnitt durch die junge Generation, wobei ich sowohl ein in die Vergangenheit und den Kampf gerichtetes Denken, aber viel oefter ein nach aussen interessiertes, weltoffenes und hoffnungsvolles finde. Die Mehrheit sieht die Zukunft im Austausch, im Handel, in Bildung und nicht im Kampf, im Verharren in vergangenen Fehden und im Unrecht einer alten Generation.
Langsam wird der Qualm hier dichter und ich werde mich wohl wieder auf den Weg machen. Noch ein Spaziergang durch die Stadt

Sightseeing in Ramallah und seinen übervollen Markt oder besser orientalischen Bazar mit der ganzen bunten Vielfalt und den dazu gehörigen Schreiern, von denen einer den anderen an Lautstärke überbieten will.

Die Rückfahrt verlangt nur dem Busfahrer viel Geduld ab. Ich genieße es, kann ich doch nochmal die Gegend ringsum genau auf mich einwirken lassen. Von Ramallah nach Jerusalem geht es ständig durch bewohntes Gebiet. Nur ein Stück an der Grenzmauer entlang und ebenso der Grenzübertritt sind Niemandsland, was aber ja nicht verwunderlich ist. Zwei schwer bewaffnete Jungs kontrollieren den Bus und eine Frau muss sogar aussteigen. Weshalb ? Aber auch wir übrigen Fahrgäste werden kurz darauf in ein anderes Fahrzeug geleitet und weiter geht es zum Busbahnhof durch die Außenbezirke von Jerusalem. Immer nur kurz schimmern die judäischen Bergkuppen durch die Wohnbebauung, schon etwas angestrahlt von der Abendsonne. Die Atmosphäre im Austrian Hospiz ist mir im Gegensatz zum übrigen Tag fast ein wenig zu betulich. Dabei habe ich mir das schön ausgemalt, mich hier im ruhigen Garten vom Lärm und all den Eindrücken etwas zu erholen. Die Menschen sind mir zu selbstgefällig, zu scheinheilig. Sie wollen hier in Jerusalem den Ursprung ihrer Religion finden und finden doch auch nur Herden, die sich durch die ganzen „heiligen“ Stätten quälen. Ob es das ist, was sie suchen? Nehmen sie noch etwas anderes aus Israel mit nach Hause? Vielleicht denke ich zu kritisch und tue damit vielen dieser Menschen Unrecht. Die vielen Gläubigen hier, egal welcher Religion sie angehören, sind einfach zu übermächtig für mich. Ja – und das Abendessen muss heute ausfallen! Es ist, wie ich beim Heimgehen feststelle, Vorabend eines Feiertages und alles ist bereits – wieder mal – geschlossen. Eine weitere Überraschung erwartet mich im Hotel: der Aufzug ist auf Sabbatelevator umgeschaltet, was ich nicht weiß und … meine Karte zum Zimmer öffnen funktioniert nicht. Nach dreimaligem Runter- und Rauffahren ohne aussteigen zu können bekomme ich einen Sabbatkey. Muss man alles wissen, wenn man nach Jerusalem fährt. Mal sehen, was mich morgen erwartet. Vorher noch das Rezept für das Za’atar (Gewürzmischung):
- 2 EL geröstete Sesamsamen
- 2 EL Sumach
- 2 EL getrockneter Thymian
- 1 EL getrockneter Oregano
- 1 EL getrockneter Majoran
- 1/2 TL Meer- oder Steinsalz
Sesam in einer Pfanne ohne Öl rösten und abkühlen lassen, alle Zutaten mischen und im Mörser oder Mixer fein vermahlen.
Sumach, Thymian und Sesam sind die unbedingt nötigen Grundlagen der Mischung. Oregano und Majoran kann nach eigenem Gutdünken zugefügt werden, auch getrockneter Ysop passt. Im Original kommt als Hauptbestandteil das Zatarkraut (eine Unterart des europäischen Ysop mit thymianähnlichem Geschmack) zum Einsatz, das es aber hierzulande nicht zu kaufen gibt.
Im nächsten Blog-Beitrag (ausnahmsweise erst in 2 Wochen) berichte ich von einem weiteren Aufenthalt in Israel, der auf dem Rothschild Boulevard in Tel Aviv beginnt. Bis dahin Shabbat Shalom
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Ich muss wohl oder übel ein Taxi nach Jericho nehmen – einen Bus kann ich nicht ausfindig machen. Der Tag beginnt um 7.00 Uhr zwar etwas früher als sonst, aber bis ich nach dem „Kuhhandel“ (200 NIS = ca. 60 €) mit dem Fahrer dann im Auto sitze, ist es 9.30 Uhr. Verglichen mit seinem Kollegen, der mich am Vortag fuhr, scheint er seriöser und professioneller, da er nicht bei jeder Gelegenheit gegen Israel und „die Juden“ wettert. Er fährt mich zuerst zum Djebel Qarantal (Berg der Versuchung). Ich steige das letzte Stück zu Fuß hinauf und kann das griechisch-orthodoxe Kloster ganz in Ruhe erkunden. Hier soll Jesus nach seiner Taufe durch Johannes 40 Tage gebetet und gefastet haben. Drei mal wollte der Teufel ihn hier in Versuchung führen (Matth. 4,8-11). Beim ersten Mal sollte Jesus Stein in Brot verwandeln worauf dieser antwortete: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …..
Ich schlage dazu eine Gazpacho (kalte Gemüsesuppe) als Ergänzung vor:
- 1 Tasse geschälte, fein gehackte Tomaten
- 1/2 Tasse fein gehackte grüne Paprika
- 1/2 Tasse gehackte Sellerie
- 1/2 Tasse gehackte Salatgurke
- 1/4 Tasse gehackte Zwiebeln
- 2 TL geschnittene Petersilie
- 1 TL Schnittlauch
- 1 zerdrückte Knoblauchzehe
- 3 EL Weinessig
- 2 EL Olivenöl
- 1 TL Salz
- 1/4 TL frisch gem. Pfeffer
- 1/2 TL Sojasauce
- 3 Tassen Tomatensaft
Alle Zutaten mischen und mindestens 2 Stunden kühl stellen. Diese Suppe aus ungekochtem Gemüse kann im Sommer mit Brot als Lunch gegessen werden, ist aber auch als Vorspeise sehr Appetit anregend.

Gazpacho Die zweite Versuchung erfolgte auf den Zinnen der heiligen Stadt, von denen Jesus sich nach des Teufels Worten stürzen sollte. Jesus antwortete ihm: Du sollst den Herren, deinen Gott nicht versuchen. Beim dritten Mal wurden Jesus alle Reiche der Welt und deren Herrlichkeit angeboten, wenn er denn niederfallen und den Teufel anbeten würde. Auch da widerstand Jesus mit den Worten: Weg mit dir Satan, denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen. Erst danach verließ ihn der Teufel.
Beim Abstieg begegne ich Mohammed, dem freundlichen Hüter der griechisch-orthodoxen Klosteranlage. Er zeigt ehrliche Freude über die Anwesenheit einer Touristin in Gestik und Worten und lädt mich ein, Gast in seinem Haus in Jericho zu sein. Leider wartet am Fuße des Berges mein Taxifahrer und ich kann sein Angebot nicht annehmen. In der Eile vergesse ich dummerweise ihn nach einer typischen Speise aus dieser Gegend zu fragen. Ein Dattelverkäufer weiter unten beantwortet meine diesbezügliche Frage mit dem arabischen Wort für Restaurant. Offensichtlich ein sprachliches Missverständnis. Ich überlasse es deiner/ihrer Phantasie einen schmackhaften bunten Obstsalat zuzubereiten. Früchte wie Datteln, Orangen, Zitronen, Trauben, Bananen, Mangos etc. gibt es in dieser Region reichlich. Aber auch jede Menge Gemüsesorten werden angeboten. Passend zur Vielfalt der Ethnien hier eine weitere Variante eines israelisch/arabischen Salates. Es handelt sich um ein Rezept für einen leckeren Möhren-Jogurt-Aufstrich an.
- 4 große Möhren
- 200 g griechischen Jogurt
- 2 zerdrückte Knoblauchzehen
- 4-5 EL Olivenöl
- je 1 Prise Salz und frisch gem. Pfeffer
- 1 EL gehackte Walnüsse
- Minze und Dill zum Garnieren
Möhren schälen und klein raspeln, diese anschl. in einer Pfanne mit Öl ca. 15 Minuten dünsten, abkühlen, mit Jogurt, zerdrücktem Knoblauch, Salz und Pfeffer vermengen und mindestens 2 Stunden kühl stellen. Mit den Nüssen und dem Grünzeug garnieren.

Möhren-Jogurt-Aufstrich Nach dem Ausflug ins Kulinarische fahren wir zum Tell des Sultan (= Tell des alten Jericho). Die archäologische Erforschung begann bereits ca. 1860 und man datiert die Funde auf ca. 10 000 vor Christus. Die 23 Siedlungsschichten geben Zeugnis ab für die wahrscheinlich älteste Stadt der Welt und … sie ist immer noch mit 260 m u. M. die am tiefsten gelegene.

Ausgrabungen aus der vermeintlich 10.000 Jahre alten Geschichte Jerichos Anschließend kann ich ganz alleine die Überbleibsel des Omaijadenpalastes von Khirbat al-Mafdschar (Hischampalast) erkunden. Säulenhallen, Kapitelle und Wasserbecken kann man nur erahnen, eine steinerne Rosette, die möglicherweise für die gotische Baukunst eine große Rolle spielte, wurde in der Mitte des Hofes rekonstruiert.

Nachgebaute Rosette aus dem Omaijadenpalast Danach geht es zur Elischa-Quelle, deren Wasser mir in den höchsten Tönen als Heilwasser gepriesen wird. Der Prophet Elischa soll das „ungesunde“ Quellwasser in gutes Heil- und Trinkwasser verwandelt haben. Die Kühle des Wasser und dessen Heilkraft muntern offensichtlich auch meinen Geist auf und ich erinnere mich meines wichtigen Gerätes, dem Smartphone. Der Taxifahrer kehrt um und ich kann es wohlbehalten von meiner Ruhebank im weitläufigen Parkgelände des Omaijadenpalastes mitnehmen. Ganz auf die Schnelle folgt noch eine Fahrt durch Alt-Jericho und ein Blick auf die Reste des Hasmonäerpalastes, den Herodes mehrmals prächtig aus- und umbaute. Herodes (ihm wurde die Stadt von Kleopatra, die sie von ihrem Geliebten Marcus Antonius erhielt, verpachtet) baute in diesem Zusammenhang Jericho zu einem luxuriösen Kurzentrum aus. Der Winterpalast wurde zu seinem Lieblingsaufenthaltsort, wo er auch starb. Wie bereits oben erwähnt, lag die Stadt an der wasserreichen Elischaquelle, die die frühe Ansiedlung und den Pflanzenreichtum mit begründete.
Die historische und religioese Bedeutung kann ich nur ansatzweise beschreiben. Sich mehr mit dieser Stadt zu beschaeftigen, da sowohl Juden als auch Muslime ihre Spuren hinterlassen haben, kann durchaus noch viel Interessanntes zu Tage fördern.
Nachdem jede gute Geschichte rund endet, ist es nur passend, dass eine „kugelartige“ Nudelspeise mich abends nach dem Ausflug ins Westjordanland in Jerusalem erwartet:
Ananaskugel
- 250 g dünne Suppennudeln
- 6 Eier
- 4 EL zerlassene Margarine
- 60 g Zucker
- 250 zerdrückte Ananas mit dem Saft
- 1 TL Vanilleextrakt
- 1 TL Zimt
Eier mit Zucker und zerlassener Margarine schaumig rühren, Ananas, Zimt und Vanilleextrakt zugeben und alles verrühren. Zum Schluß die in Salzwasser gekochten abgekühlten Nudeln einrühren. Alles in eine gut gefettete Form geben und die Oberfläche mit Ananasscheiben verzieren. 40 – 50 Minuten bei 180 Grad auf der mittleren Schiene backen.

Ananas“kugel“ mit Himbeeren Im Hinblick auf die reiche Geschichte Israels erinnere ich heute an das zwar keine 10 000 Jahre, aber doch stolze 1700 Jahre alte Jüdische Leben in Deutschland. Das damit einhergehende Jubiläumsjahr endet an diesem Sonntag.
Vom gleichen Platz vor dem Damaskustor, von dem aus ich nach Jericho aufbrach, fahre ich nächste Woche nach Ramallah
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Unser Hauptaugenmerk an diesem Tag liegt auf einem Spaziergang durch die Stadt. Er steht unter der Prämisse: „Europäischer Einfluss in Jerusalem“ und führt uns vom Davidkaplatz auf die Prophetenstraße (Rechov Hanevi’im). Wir steuern das Haus des osmanischen Paschas an, ebenso das erste Haus der Spittlermission (Spittler wollte die Lehre Jesu in Palästina verbreiten).
Aus den vielen und interessanten Geschichten ein kleines Beispiel der „Londoner Gesellschaft zur Förderung des christlichen Glaubens unter den Juden“: Die Großmächte förderten, wie wir wissen, Pilgerreisen nach Jerusalem, welches zu dieser Zeit (Ende 18., Anfang 19. Jahrhundert) noch fest in den Händen des Islam war. Der Zar erhob sich zum Schutzherrn der griechisch-orthodoxen Christen, die Franzosen empfanden sich als Beschützer der Katholiken, Preußen und England sind 1841 die ersten mit der Formierung der anglikanisch-preußischen Diözese zum Schutz der Protestanten. Die Engländer errichteten 1849 eine neue Kirche in Jerusalem, die Christuskirche hinter dem Jaffator. Bereits 1843 hatten sie in der Altstadt das Krankenhaus „London Society for Promoting Christianity among the Jews“ gegründet, das Patienten in ihren schweren Stunden zum „rechten Glauben“ bekehren sollte. 1893 zogen sie in ihr neues Gebäude in der Prophetenstraße um. Die Rabbiner sahen darin eine existentielle Gefahr und drohten jedem, der sich dort behandeln lässt, mit einem Bann. Dies führte sogar dazu, dass sich jüdische Frauen als Muslime verkleideten um im Krankenhaus behandelt und nicht erkannt zu werden.

Die russisch-orthodoxe Maria-Magdalenen-Kirche Eine Geschichte von Selma Lagerlöf: eine alte Frau stürzte vor dem Krankenhaus und brach sich ein Bein. Die englischen Ärzte wollten ihr helfen, die Frau wehrte sich – allerdings umsonst. Sie (eine Jüdin) sei nach Jerusalem gekommen um auf dem Ölberg begraben zu werden, erzählte sie den Ärzten bevor sie starb. Die Ärzte wollten ihr diesen Wunsch erfüllen, doch die jüdische Gemeinde war nicht bereit sie auf dem geweihten Friedhof zu begraben. Sie meinten, sie hätte sich in ihren letzten Tagen zum Christentum bekehren lassen. Die englischen Ärzte begruben sie heimlich auf dem Ölberg, aber die Juden gruben sie wieder aus. Hin und her – schließlich fand sie im nicht geweihten Hof des Krankenhauses ihre letzte Ruhe. Der Widerstand wurde jedoch mit der Zeit weniger und vor dem ersten Weltkrieg warteten immerhin drei Patienten auf jedes freie Bett.

Gräberfeld auf dem Ölberg Ein weiteres Krankenhaus, das Bikur Holim sowie das der Kaiserswerther Diakonissen und das Thabor-Haus des Autodidakten Conrad Schick (wissenschaftliche Autorität bei der Erforschung Jerusalems) säumen unseren Weg. Wir versuchen uns während dieses Ausflugs ins 19. Jahrhundert auch den Besuch Kaiser Wilhelms II. vorzustellen, bei dem man angeblich alle grünen Äste im Umfeld Jerusalems gebraucht hat um die Prophetenstraße zu schmücken. Allerdings hatte nicht nur die Natur unter dem kaiserlichen Besuch zu leiden. Sogar die mächtigen Stadtmauern mussten aufgebrochen werden damit Wilhelm und seine Auguste zwar hoch zu Ross, aber nicht durch eines der bestehenden Tore in die Stadt gelangen konnten. Ein Aberglaube besagt nämlich, dass jedes gekrönte Haupt das per Pferd die Stadt durch das Tor betritt sie auch beherrschen wird.
Um u. a. meine Rezeptvorschläge einzuordnen, mache ich einen Sprung zu den jüdischen Festtagen. Sie stimmen nicht ganz mit der momentanen Jahreszeit überein, sind es jedoch in jedem Fall wert, genannt und uns in Erinnerung gerufen zu werden. Dem 7-tägigen Laubhüttenfest (Sukkot) aus dem letzten Beitrag folgt heute Schemini Azeret (letzter Tag, an dem teilweise in der Laubhütte/Sukka gegessen und in der Synagoge um Regen gebeten wird) und gleich danach Simchat Tora. Ein weiterer Festtag gleich im Anschluss, welcher den Umgang mit der Tora in den Vordergrund stellt. Die Gebräuche haben sich unterschiedlich entwickelt, für die Kinder ist Simchat Tora in jedem Fall ein besonderer Festtag, weil sie an den Prozessionen teilnehmen dürfen und mit Früchten und Süßigkeiten beschenkt werden. Vor dem Süßen jetzt erst etwas herzhaftes. Mit Weißbrot ein erfrischender Sommersalat!
Marinierter Auberginensalat
- 3 Paprikaschoten
- 1 mittelgroße Aubergine
- 1 Zwiebel in Ringe geschnitten
- 500 g Tomaten, gehäutet und klein geschnitten
- 1 – 2 Knoblauchzehen
- 5 EL Essig
- Salz, Pfeffer
- Öl zum Anbraten
Paprika in grobe Stücke, Aubergine vierteln und in Querscheiben schneiden. Beides in Öl anbraten, trocken tupfen und in eine Schüssel geben. Tomaten, Zwiebel, zerdrückten Knoblauch, Essig, Salz und Pfeffer zugeben und gut durchmischen. Die Schüssel abdecken und im Kühlschrank 1 Tag durchziehen lassen.

Marinierter Auberginensalat Nun die trotz des kleinen Aufwands sehr feine Festspeise speziell zu Simchat Tora, sehr empfehlenswert zum Ausprobieren auch zu anderen Zeiten.
Fluden
- 500 g halbgriffiges Mehl
- 200 g weiche Margarine oder Butter
- 60 g Zucker
- 4 EL süßen Wein
- 4 Eier
- 15 g Hefe
- 1/4 Tasse Milch
- 1/4 TL Salz
- 1 Ei zum Bestreichen
- 1 TL Wasser
- 1/2 TL Zucker
- 1 1/2 Tassen Pflaumenmus (Powidl)
Hefe mit etwas Zucker und Mehl in der lauwarmen Milch verrühren und 10 Minuten an einer warmen Stelle gehen lassen (ich stelle es in den auf 30 Grad aufgeheizten Herd). Dann die übrigen Zutaten (bis auf das Ei, TL Wasser und 1/2 TL Zucker und das Pflaumenmus) dazu geben und zu einem glatten Teig verarbeiten. 1 Stunden ruhen lassen. Inzwischen die Füllungen vorberteiten.
Nußfülle
je 1 Tasse geriebene Nüsse und Zucker, jeweils Saft von 1/2 Zitrone und Orange, 1/4 Tasse Rosinen, 1/2 TL Zimt, 1/2 Tasse Aprikosenkonfitüre gut miteinander vermischen.
Mohnfülle (kann auch fertig gekauft werden)
- 250 g gemahlener Mohn
- 3 EL Zucker
- 1/4 Tasse Wasser
- 1 Eiweiß
- Saft von je 1/2 Zitrone und Orange
- 1 Tasse Rosinen
- 1 EL Rum
- 1/2 TL Zimt
- 1/4 Tasse Margarine
Wasser mit Zucker im Wasserbad zum Sieden bringen, Mohn, Eiweiß, Zitronen- und Orangensaft, Zimt, Rosinen und Rum zugeben und unter ständigem Rühren 5 Minuten kochen. Margarine zufügen und kochen bis sie sich aufgelöst hat. Vom Herd nehmen und auskühlen lassen.
Apfelfülle
4-5 geriebene Äpfel, 1 TL Zimt, 1/2 Tasse Zucker oder 2 EL Honig miteinander vermischen.
Den Teig in 5 gleich große Stücke teilen, jeweils zu Teigplatten ausrollen. Die erste in eine gefettete Form legen und mit dem Pflaumenmus bestreichen. Die zweite Platte darauf und mit Nußfülle bestreichen. Auf die dritte kommt Mohn und auf die vierte die geriebenen Äpfel. Die fünfte Teigplatte darüber legen, mit dem mit Wasser und etwas Zucker verquirlten Ei bestreichen. Bei 180 Grad goldgelb in ca. 40 Minuten backen.

Fluden Mein Beitrag endet hier mit Shabbat Shalom und der Aussicht auf einen Ausflug nach Jericho mit seinen Funden, die sich mir als wahrscheinlich „älteste Stadt der Welt“ präsentiert.
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

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Geschmückt werden in dieser Zeit nach Yom Kippur alle Balkone der Stadt. Es wird gehämmert und die Vorbereitungen auf das Laubhüttenfest (Sukkot) laufen auf Hochtouren. In diesen Tagen führt mich ein Stadtspaziergang nach Mea Schearim.

Eigentlich will ich zum Israel Museum, lasse mich jedoch treiben, die geschäftigen Menschen um mich herum, und lande im tiefsten ultra-orthodoxen Viertel der Stadt. Von dem internationalen Flair des modernen Jerusalem ist hier nicht mehr viel zu spüren. Ich fühle mich tatsächlich in eine andere Zeit zurück versetzt.

Laubhütten, wie sie auf den Balkonen von Mehrfamilienhäusern errichtet werden Mir begegnen hauptsächlich Männer jeden Alters, auch kleine Jungs, mit ihren Schläfenlocken, der Kopfbedeckung und den schwarzen Anzügen. Es ist erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit sie in diesen Breitengraden bei für mich heißen Temperaturen, nicht gemächlich, sondern immer in Eile unterwegs sind. An diesem Tag bepackt mit den obligatorischen Feststräußen (Lulav), welche ursprünglich aus vier Pflanzenarten stammen: Zitrusfrucht, Palmen, Myrten und Bachweiden.
Sukkot erfordert einiges an Vorbereitung: die Laubhütte muss schließlich auch einen ersten Herbststurm oder Regenschauer überstehen. Sie wird teilweise mit Tüchern, Zweigen und Blumen ausgeschmückt und in ihr spielt sich 7 Tage das Leben der Familie ab. Hier wird gegessen, sich zum Gespräch getroffen und zum Teil auch geschlafen.
Mea Schearim – Laubhüttenfest – jüdische Geschichten:
Mir kommt die Beschreibung des Vaters von Chaim Be’er aus seinem wunderbaren, autobiographischen Roman „Stricke“ in den Sinn. Der Altruismus des alten Herren treibt in dieser Schilderung parodistische Blüten: Die Handwerker werden von ihm nicht nach ihrem Können, sondern nach ihrer Armut ausgewählt. Bei einem erwähnten Tischler z. B. handelt es sich um einen vom Schicksal gebeutelten jungen Mann, der alljährlich den Auftrag bekommt, die Laubhütte zu errichten. Sein handwerkliches Unvermögen ist jedoch so groß, dass die Hütte regelmäßig droht, schon in der ersten Nacht des Festes über der Familie einzustürzen.
Am alten Bahnhof in Jerusalem, der zu einer gelungenen und sehenswerten Touristenattraktion umfunktioniert wurde, fällt mir diese moderne Laubhütte ins Auge:

Es wird vermutet, dass Sukkot nicht nur eines der ältesten, sondern in biblischer Zeit eines der wichtigsten Erntefeste gewesen ist. Der Tempel in Jerusalem z. B. wurde zur Zeit König Salomons am Tag des Laubhüttenfestes geweiht.
Uns serviert man am letzten Tag des Festes, an welchem auch der neue Jahreszyklus beginnt, ein Gläschen Wein. Mit einem Augenzwinkern wird von den Kanaanitischen Bauern erzählt, die mit diesem Fest die letzten sonnigen Tage vor Einbruch der Regenzeit in oft sehr ausgelassener und weinseeliger Stimmung feiern.
Ich kann mir dazu recht gut einen Apfel- oder Kirschstrudel vorstellen.
Sie wundern sich wahrscheinlich, denn wir kennen Strudel in allen Variationen hauptsächlich aus der österreichisch/ungarischen Küche. Und ja, der Strudel kommt tatsächlich über Wien in die jüdische Küche. Vielleicht auch deshalb, weil bei der Zubereitung nicht unbedingt Butter benötigt wird. Er schmeckt ebenso mit herkömmlichem Speiseöl oder pflanzlicher Margarine. Fromme Juden können den Strudel folglich ohne Bedenken zu und nach jeder Mahlzeit essen.
Die Speisegebote (Kaschrut) trennen nicht nur Juden von Nichtjuden, sie erinnern auch an den heiligen Bund mit Gott. Nach der Vertreibung aus Jerusalem wurden die im Tempel geltenden Speisevorschriften für den Alltag neu interpretiert. Mit anderen biblischen Geboten wurden sie schließlich in den Talmud (dieser erläutert, wie die jüdischen Gesetze im Alltag umgesetzt werden sollen) aufgenommen und in vielen religiösen Werken bis heute erörtert. Eine der tiefgreifendsten Interpretationen ist die Trennung von Milchigem und Fleischigem in der Küche und die Einführung getrennten Geschirrs. Erst die Erfindung der Margarine im 19. Jahrhundert revolutionierte allmählich die koschere Küche. Bisher milchige Gerichte konnten nun weder fleischig noch milchig (parwe) zubereitet und bedenkenlos mit Fleischspeisen gegessen werden.
Strudelteig
- 250 g Mehl
- 1 Prise Salz
- 1 kleines Ei
- 2 EL Öl
- 1 TL Essig
- ca. 1/8 l lauwarmes Wasser
Mehl in eine Schüssel sieben und in die Mitte Öl, Salz und das verquirlte Ei geben, verkneten und so viel Wasser beifügen bis eine weiche Kugel entsteht. Diese Teigkugel so lange ziehen und kneten bis der Teig nicht mehr kleben bleibt. Die Kugel mit Öl bestreichen, auf einem angewärmten Teller unter die erwärmte Schüssel legen und 1 Stunde ruhen lassen.
Den Teig halbieren, und die eine Hälfte zugedeckt stehen lassen. Die andere zu einer Kugel formen und zu einem runden Fladen auswalzen. Diesen auf ein bemehltes Küchentuch legen und langsam ausdehnen und mit beiden Händen papierdünn ausziehen. Den Teig mit Öl bepinseln und die Füllung mit der Hand gleichmäßig darauf verteilen. Mit Hilfe des Küchentuchs aufrollen und in eine mit Öl ausgepinselte Auflaufform oder auf ein Backblech gleiten lassen. Mit noch etwas Öl oder Margarine bepinseln. Bei 180 – 200 Grad, 40 – 50 Minuten (je nach Füllung) auf der mittleren Schiene backen, evtl. nochmal bepinseln oder abdecken bevor der Strudel zu dunkel wird.
Füllung
- 600 – 1000 g Äpfel (die Menge kann variieren)
- Walnüsse (Haselnüsse o. Mandeln)
- Semmelbrösel
- Zwetschgenkonfitüre nach Geschmack o.
- in Rum eingelegte Rosinen
- Zucker, Zimt nach Geschmack
Als Füllung eignen sich anstelle der Äpfel auch Sauerkirschen. Einfach ausprobieren.

Kirschstrudel Wer diesen, etwas Übung erforderlichen, Vorgang des papierdünnen Ausrollens nicht auf sich nehmen möchte, hier ein weiteres Rezept, bei dem das Ausrollen etwas einfacher, nicht hauchdünn erfolgen kann. Die Füllung bleibt dieselbe.
Strudelteig
- 250 g Mehl
- 1 Ei,
- 1 Messerspitze Salz
- 70 g Zucker
- 70 g Fett
- etwas Milch nach Bedarf
Der nächste Jerusalem-Spaziergang steht unter „Europäischem Einfluss“. Wir folgen dabei einer Empfehlung Gil Yarons aus seinem Büchlein „Jerusalem, Ein historisch-politischer Stadtführer“ – sehr emfpehlenswert!
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.
