26. Wieder in Jerusalem: Teddy-Kollek-Park, Montefiori-Windmill und King David Hotel


Nach Packen, israelischem Frühstück und check-out geht es zum Busterminal am Diamanten-Center. Mit einem etwas voluminöseren Reisebugdet hätte sich ein Besuch im IDC (Israel Diamond Center) sicher gelohnt. Dass dieser nicht klappt macht mich nicht allzu traurig – meine Diamanten liegen in den Reiseerfahrungen.

Ich wähle dieses Busterminal und nicht die Bahn nachdem es mir vom Hotelpersonal wärmstens empfohlen wird. Der Zugang erfolgt über den Eingang zur Bahn und ist nicht ganz unproblematisch. Schließlich sind aber alle Barrieren überwunden und die Fahrt kann beginnen.

Die Skyline Tel Avivs mit ihren gigantischen Häusern verschwindet langsam im morgendlichen Dunst. Längst begleiten uns Gemüse- und Obstanpflanzungen, niedere Sträucher. Der Flughafen Ben-Gurion bleibt links liegen, die Bahngleise folgen uns weiter auf der rechten Seite und allmählich geht es auch schon bergan. Aus den Sträuchern werden Laub- und Nadelbäume, Weinstöcke säumen die Straße. Der immer wieder dazwischen auftauchende Ackerboden ist mittlerweile abgeerntet, schwarze fruchtbare Erde schimmert durch. Die Autobahn ist 6-spurig geworden und der Verkehr relativ dicht: ein silbern glänzendes Band sowohl hinzu als auch auf der Gegenfahrbahn. Silbern bis weiß sind mittlerweile auch Teile der Felder und ich überlege, ob es sich um Baumwollfelder handelt. Inzwischen wird die Strecke bergiger und der Straßeneinschnitt ist beidseitig befestigt um nicht abzurutschen. Weißbräunlicher Stein säumt die Ränder bis wir die ersten bewohnten Hügel erkennen können. Auf einem Straßenschild: Abu Gosh. Es sind bereits die Trabantenstädte Jerusalems, die da im Schritttempo auf uns zukommen. Der Verkehr wird sehr zähflüssig bis es nur noch langsam vorwärts geht. Vorteil ist, wir nähern uns der Stadt allmählich und es wird mir nochmal bewusst, auf wie viele Hügel sie sich ausdehnt. Wir überqueren die beeindruckende Calatrava-Brücke, für deren Design der spanische Architekt von der Harfe Davids inspiriert wurde. Bei der Ankunft am Busbahnhof bläst mir der heftige Wüstenwind ins Gesicht und der damit einhergehende Sand macht nicht nur meinen empfindlichen Augen zu schaffen. Es handelt sich dabei um den Staub aus der Negev-Wüste, der sich überall verteilt, wie ich es bereits bei meinem ersten Aufenthalt erlebt habe. Weitere Erinnerungen werden wach, als ich entlang der Straßenbahn auf der Jaffa-Straße bis zur King-George-Street laufe, wo sich diesmal mein Hotel befindet. Der Nachmittag gehört der Old City. Ich reihe mich ein ins Getümmel und lasse mich zum Western Wall mehr schieben als ich selber gehe. Es sind Ferien und dieser Umstand ist deutlich spürbar. Mittagessen gibt es in den engen Gassen und es schmeckt noch genau so gut wie letztes und vorletztes Jahr. Es ist kurz nach Mittag und der Rückweg führt mich über den Teddy-Kollek-Park:

Teddy-Kollek-Park (im Hintergrund die Stadtmauer)

Neben den vor allem für Kinder sehr erfrischenden Wasserspielen, interessiert mich der Hutzot HaYotzer-Komplex mit der Künstlerkolonie und einem Multimedia-Besucherzentrum, das eine interaktive Ausstellung über Teddys Geschichte (Teddy Kollek war u. a. Bürgermeister der Stadt Jerusalem von 1965 – 1993 und ist in Österreich-Ungarn geboren) und die Entwicklungsgeschichte der modernen Stadt enthält.

Ein etwas jüngerer Zeitgenosse, geboren und aufgewachsen in Jerusalem, ist Ottolenghi, von dem das nachfolgende Rezept stammt,

Gefüllte Auberginenröllchen in Curry-Kokos-Dal

  • 3 große Auberginen (ca. 750 g), längs in je sechs 5 mm dicke Scheiben geschnitten
  • 3 EL Olivenöl
  • 220 g Panir (oder fester Tofu) geraspelt,
  • 2 Biolimetten, 1 TL abgeriebene Schale und 2 EL ausgepressten Saft,
  • 45 g scharfes Mango-Pickle, grob gehackt + etwas mehr zum Servieren,
  • 5 g Koriandergrün, grob gehackt + etwas zum Servieren,
  • 100 g grosse Spinatblätter ohne Stiele (=60g),
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Kokos-Dal:
  • 3 EL Olivenöl,
  • 5 Schalotten, geschält und fein gewürfelt,
  • 45 g Ingwer, geschält und fein gehackt,
  • 2 rote Chilischoten, fein gehackt,
  • je 1 TL schwarzer Senfsamen, gemahlener Kreuzkümmel, gemahlener Koriander,
  • 1/2 TL gemahlene Kurkuma,
  • 2 TL Currypulver,
  • 2 TL Tomatenmark,
  • 100 g rote Linsen
  • 1 Dose Kokosmilch, 400 ml mit mindestens 70 % Kokosnussanteil

Den Panir (oder Tofu) in einer kleinen Schüssel mit der Limettenschale, dem Mango-Pickle, 1 EL Limettensaft, dem Koriandergrün und 1/8 TL Salz verrühren. Die Auberginenscheiben auslegen, jeweils 1 Spinatblatt und 1 EL der Panirmischung daraufgeben. Die Scheiben vom schmalen oberen Ende zum breiteren unteren Ende hin aufrollen, sodass die Füllung eingeschlossen ist und mit der Naht nach unten in das Dal legen. Es sollten ca. 18 Röllchen dicht an dicht in der Sauce liegen. Nicht zu tief eindrücken, sie sollen nicht untertauchen. 15 – 20 Minuten bei 220 Grad Umluft backen bis die Röllchen goldbraun sind und die Sauce Blasen wirft. Aus dem Ofen nehmen und 5 Minuten ruhen lassen.

Das restliche Öl (1 EL) in einem kleinen Topf bei mittlerer bis hoher Temperatur erhitzen, die restliche Chilischote darin 1 Minute braten, bis sie knusprig ist und duftet. Auf die Röllchen verteilen und alles mit 1 EL Limettensaft beträufeln und dem Koriandergrün bestreut servieren.

Weiter geht es zur Montefiore Windmühle, die vor einigen Jahren erst restauriert wurde und ein kleines Museum enthält. Die Windmühle und die Nachbarschaft von Mishkenot Sha’ananim wurden beide vom britisch-jüdischen Bankier und Philanthrop Moses Montefiore finanziert, der sein Leben der Förderung von Industrie, Bildung und Gesundheit in Israel widmete.

Das Ziel meines Spaziergangs ist erreicht, das King David Hotel.

Diese Luxusherberge bietet neben seiner Geschichte eine wundervolle Terrasse, von der aus ich bei Kaffee, Kuchen und einer der Exclusivität des Hauses entsprechenden Bedienung den herrlichen Blick auf Jerusalem genießen kann. Der Flirt mit Benjamin passt ausgezeichnet in dieses Ambiente. Er, ein charmanter französischer Jude, ich eine neugierige und gut gelaunte Europäerin – wir finden immer wieder neue Themen. Seine Ausführungen über Aschkenasen, Sepharden und Mizrachim sind für mich zwar nicht mehr so ganz neu, interessant und kurzweilig sind sie allemal. Auch die Tatsache, dass viele gläubige Juden in Jerusalem ihre letzte Ruhestätte finden wollen, wird mir auf eine sehr eindrucksvolle Weise dargestellt. Mein angelesenes Wissen über die britische Mandatszeit kann ich zusätzlich erweitern und gerade im King David Hotel erscheint sie mir mehr als lebendig: Die jüdische Untergrundbewegung „Irgun“ hatte 1946 den Südflügel des Hotels, welches zu diesem Zeitpunkt als Hauptquartier für die Briten fungierte, gesprengt. Dieser Akt war als Vergeltungsschlag für eine Verhaftungswelle der Briten gedacht, 91 Menschen wurden dabei getötet und 45 verletzt obwohl die Organisation lt. Menachem Begin (damaliges Oberhaupt der Irgun, als späterer Ministerpräsident erhielt er zusammen mit dem ägyptischen Staatschef Anwar as-Sadat 1978 den Friedensnobelpreis) die Briten eine halbe Stunde vor dem Attentat gewarnt hatte. Die Spannungen zwischen Juden und Arabern nahmen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu und immer öfter wurden auch die Engländer Opfer des Terrors.

Ob sich die Briten in Israel während der Mandatszeit viele Freunde gemacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Mit Bauwerken wie dem King David Hotel oder dem YMCA (auch ein imposantes Gebäude in Sichtweite) allerdings haben sie der Stadt einen beeindruckenden, immer noch sichtbaren Stempel aufgedrückt. Ebenso mit ihrer Lebensart, von der der Five-o-clock-Tea nicht wegzudenken ist. Rezepte, wie die für die unvergleichlichen Ingwerkekse oder die bekannten Scones sind einfach nachzubacken und das Ergebnis ist in jedem Fall eine leckere Beigabe zur Teestunde wo auch immer diese stattfindet.

Englische Ingwer Kekse

  • 220 g Margarine
  • 100 g brauner Zucker
  • 285 g Mehl
  • 1 Backpulver
  • 40 g frischer geriebener Ingwer

Margarine mit dem Zucker schaumig rühren, das mit Backpulver vermischte Mehl und den Ingwer dazu geben und zu einem festen, klebrigen Teig kneten. Walnußgroße Kugeln formen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, mit einer in Wasser getauchten Gabel kreuzweise auf eine Höhe von 1 cm platt drücken und bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen 12-15 Minuten backen, auskühlen lassen und gut verschlossen lagern.

Ingwerkekse mit Schokoglasur

Nächste Woche: Spaziergang morgens, auf den Skopusberg und nachmittags nach En Kerem!

Bis dahin Shabbat Shalom


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