21. Vorbereitung zum Laubhüttenfest (Sukkot)


Geschmückt werden in dieser Zeit nach Yom Kippur alle Balkone der Stadt. Es wird gehämmert und die Vorbereitungen auf das Laubhüttenfest (Sukkot) laufen auf Hochtouren. In diesen Tagen führt mich ein Stadtspaziergang nach Mea Schearim.

Eigentlich will ich zum Israel Museum, lasse mich jedoch treiben, die geschäftigen Menschen um mich herum, und lande im tiefsten ultra-orthodoxen Viertel der Stadt. Von dem internationalen Flair des modernen Jerusalem ist hier nicht mehr viel zu spüren. Ich fühle mich tatsächlich in eine andere Zeit zurück versetzt.

Laubhütten, wie sie auf den Balkonen von Mehrfamilienhäusern errichtet werden

Mir begegnen hauptsächlich Männer jeden Alters, auch kleine Jungs, mit ihren Schläfenlocken, der Kopfbedeckung und den schwarzen Anzügen. Es ist erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit sie in diesen Breitengraden bei für mich heißen Temperaturen, nicht gemächlich, sondern immer in Eile unterwegs sind. An diesem Tag bepackt mit den obligatorischen Feststräußen (Lulav), welche ursprünglich aus vier Pflanzenarten stammen: Zitrusfrucht, Palmen, Myrten und Bachweiden.

Sukkot erfordert einiges an Vorbereitung: die Laubhütte muss schließlich auch einen ersten Herbststurm oder Regenschauer überstehen. Sie wird teilweise mit Tüchern, Zweigen und Blumen ausgeschmückt und in ihr spielt sich 7 Tage das Leben der Familie ab. Hier wird gegessen, sich zum Gespräch getroffen und zum Teil auch geschlafen.

Mea Schearim – Laubhüttenfest – jüdische Geschichten:

Mir kommt die Beschreibung des Vaters von Chaim Be’er aus seinem wunderbaren, autobiographischen Roman „Stricke“ in den Sinn. Der Altruismus des alten Herren treibt in dieser Schilderung parodistische Blüten: Die Handwerker werden von ihm nicht nach ihrem Können, sondern nach ihrer Armut ausgewählt. Bei einem erwähnten Tischler z. B. handelt es sich um einen vom Schicksal gebeutelten jungen Mann, der alljährlich den Auftrag bekommt, die Laubhütte zu errichten. Sein handwerkliches Unvermögen ist jedoch so groß, dass die Hütte regelmäßig droht, schon in der ersten Nacht des Festes über der Familie einzustürzen.

Am alten Bahnhof in Jerusalem, der zu einer gelungenen und sehenswerten Touristenattraktion umfunktioniert wurde, fällt mir diese moderne Laubhütte ins Auge:

Es wird vermutet, dass Sukkot nicht nur eines der ältesten, sondern in biblischer Zeit eines der wichtigsten Erntefeste gewesen ist. Der Tempel in Jerusalem z. B. wurde zur Zeit König Salomons am Tag des Laubhüttenfestes geweiht.

Uns serviert man am letzten Tag des Festes, an welchem auch der neue Jahreszyklus beginnt, ein Gläschen Wein. Mit einem Augenzwinkern wird von den Kanaanitischen Bauern erzählt, die mit diesem Fest die letzten sonnigen Tage vor Einbruch der Regenzeit in oft sehr ausgelassener und weinseeliger Stimmung feiern.

Ich kann mir dazu recht gut einen Apfel- oder Kirschstrudel vorstellen.

Sie wundern sich wahrscheinlich, denn wir kennen Strudel in allen Variationen hauptsächlich aus der österreichisch/ungarischen Küche. Und ja, der Strudel kommt tatsächlich über Wien in die jüdische Küche. Vielleicht auch deshalb, weil bei der Zubereitung nicht unbedingt Butter benötigt wird. Er schmeckt ebenso mit herkömmlichem Speiseöl oder pflanzlicher Margarine. Fromme Juden können den Strudel folglich ohne Bedenken zu und nach jeder Mahlzeit essen.

Die Speisegebote (Kaschrut) trennen nicht nur Juden von Nichtjuden, sie erinnern auch an den heiligen Bund mit Gott. Nach der Vertreibung aus Jerusalem wurden die im Tempel geltenden Speisevorschriften für den Alltag neu interpretiert. Mit anderen biblischen Geboten wurden sie schließlich in den Talmud (dieser erläutert, wie die jüdischen Gesetze im Alltag umgesetzt werden sollen) aufgenommen und in vielen religiösen Werken bis heute erörtert. Eine der tiefgreifendsten Interpretationen ist die Trennung von Milchigem und Fleischigem in der Küche und die Einführung getrennten Geschirrs. Erst die Erfindung der Margarine im 19. Jahrhundert revolutionierte allmählich die koschere Küche. Bisher milchige Gerichte konnten nun weder fleischig noch milchig (parwe) zubereitet und bedenkenlos mit Fleischspeisen gegessen werden.

Strudelteig

  • 250 g Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 1 kleines Ei
  • 2 EL Öl
  • 1 TL Essig
  • ca. 1/8 l lauwarmes Wasser

Mehl in eine Schüssel sieben und in die Mitte Öl, Salz und das verquirlte Ei geben, verkneten und so viel Wasser beifügen bis eine weiche Kugel entsteht. Diese Teigkugel so lange ziehen und kneten bis der Teig nicht mehr kleben bleibt. Die Kugel mit Öl bestreichen, auf einem angewärmten Teller unter die erwärmte Schüssel legen und 1 Stunde ruhen lassen.

Den Teig halbieren, und die eine Hälfte zugedeckt stehen lassen. Die andere zu einer Kugel formen und zu einem runden Fladen auswalzen. Diesen auf ein bemehltes Küchentuch legen und langsam ausdehnen und mit beiden Händen papierdünn ausziehen. Den Teig mit Öl bepinseln und die Füllung mit der Hand gleichmäßig darauf verteilen. Mit Hilfe des Küchentuchs aufrollen und in eine mit Öl ausgepinselte Auflaufform oder auf ein Backblech gleiten lassen. Mit noch etwas Öl oder Margarine bepinseln. Bei 180 – 200 Grad, 40 – 50 Minuten (je nach Füllung) auf der mittleren Schiene backen, evtl. nochmal bepinseln oder abdecken bevor der Strudel zu dunkel wird.

Füllung

  • 600 – 1000 g Äpfel (die Menge kann variieren)
  • Walnüsse (Haselnüsse o. Mandeln)
  • Semmelbrösel
  • Zwetschgenkonfitüre nach Geschmack o.
  • in Rum eingelegte Rosinen
  • Zucker, Zimt nach Geschmack

Als Füllung eignen sich anstelle der Äpfel auch Sauerkirschen. Einfach ausprobieren.

Kirschstrudel

Wer diesen, etwas Übung erforderlichen, Vorgang des papierdünnen Ausrollens nicht auf sich nehmen möchte, hier ein weiteres Rezept, bei dem das Ausrollen etwas einfacher, nicht hauchdünn erfolgen kann. Die Füllung bleibt dieselbe.

Strudelteig

  • 250 g Mehl
  • 1 Ei,
  • 1 Messerspitze Salz
  • 70 g Zucker
  • 70 g Fett
  • etwas Milch nach Bedarf

Der nächste Jerusalem-Spaziergang steht unter „Europäischem Einfluss“. Wir folgen dabei einer Empfehlung Gil Yarons aus seinem Büchlein „Jerusalem, Ein historisch-politischer Stadtführer“ – sehr emfpehlenswert!


2 Antworten zu “21. Vorbereitung zum Laubhüttenfest (Sukkot)”

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