Reise nach Jerusalem

  • Es liegen ca. 12 300 km zwischen diesen beiden Ländern. Eine Reise per Bahn, Auto etc. ist zwar möglich, kostet jedoch viel, viel Zeit und … ein großer Teil muss zusätzlich mit dem Schiff bewältigt werden. Es gibt Menschen, die auf diese Weise die Welt in ihrer bunten Vielfalt erleben wollen. Ein junges Paar aus den Niederlanden hat mir von ihrem Weg nach Südamerika berichtet: viele Abenteuer und ein wunderbares Erlebnis. Ich hatte bisher nicht die Möglichkeit und meist auch andere Prioritäten und mache diese Reise mit dem Flugzeug.

    Die Flugroute verläuft über die Niederländischen Antillen und wir landen in Curacao, von wo aus es nach einer Stunde Aufenthalt weiter geht nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Am frühen Morgen nach einer fast schlaflosen Nacht – verursacht durch die Aufregung, den Jetlag und das unbequeme Sitzen im Flieger – werde ich sehr fürsorglich von meiner Freundin am Flughafen erwartet. Sie regelt die Einreiseformalitäten mit dem Angestellten schnell und unbürokratisch und wir machen uns auf den Weg in ihr Haus, meinem Ausgangspunkt für die nächsten Wochen. Erste Eindrücke dieser auf den Fundamenten einer alten Inka-Siedlung errichteten Hauptstadt, mit auf 2850 m über dem Meeresspiegel zweithöchstgelegenen Stadt der Welt, stürmen während der Autofahrt auf mich ein. Bei einem Kaffee mit der ausgezeichneten ecuadorianischen Schokolade werden die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht. Ich empfinde es immer ein wenig wie „heimkommen“, wenn ich am Flughafen/Bahnhof von Familienmitgliedern, Freunden oder guten Bekannten in Empfang genommen werde. Bereits der Flug versetzt mich in eine euphorische Stimmung, an der ich meine Mitpassagiere gern teilhaben lasse. Kurze Beschreibungen derer, die mich erwarten, belanglose Anekdoten und die Vorfreude auf Neues in einem mir bisher fremden Land, lassen die Stunden im wahrsten Sinn, im Flug vergehen.

    Vor der Planung, wann, wohin und wie, gibt es eine Suppe aus Quinoa. Dieses Andenkorn ist durch seine Zusammensetzung ein sehr hochwertiges Nahrungsmittel, welches in punkto biologischer Wertigkeit sogar höher eingestuft wird als Sojabohnen und Getreide. Es ist eine seit 5000 Jahren in den Anden beheimatete Kulturpflanze und gedeiht bis in Höhen von 4200. Als Dessert gibt es einen Salat aus den landestypischen Früchten genannt „Come y Bebe“:

    Quinoasuppe mit Mais, Kartoffeln und Avocado

    Quinoa-Mais-Suppe
    • 1 mehlige Kartoffel
    • Öl zum Frittieren, Salz
    • 1 EL Olivenöl
    • 1 EL Butter
    • 1 Zwiebel und 3 Knoblauchzehen feingehackt
    • 1 EL Sumach (noch aus Israel)
    • 1 rote Peperoni, klein gehackt ohne Kerne
    • 100 g Quinoa
    • 150 g Mais (TK oder aus der Dose)
    • 1 l Gemüsebrühe
    • 125 g Sahne
    • Salz und Pfeffer
    • 1 EL gehackte Petersilie
    • 1 EL Schnittlauchröllchen
    • 1/2 Avocado, gewürfelt

    Die Kartoffel in etwa streichholzdicke Streifen schneiden, sofort mit kaltem Wasser abspülen und auf einem Küchenhandtuch gut abtrocknen. Die Streifen in 175 Grad heißem Öl portionsweise knusprig frittieren, herausnehmen und auf Küchenpapier gut abtropfen lassen, salzen (alternativ: Flädle).

    Für die Suppe Butter und Öl erhitzen und die Zwiebeln und den Knoblauch darin weich dünsten, den Sumach und die Peperoni zugeben und mitgaren, die abgespülte Quinoa dazu und 5 Minuten anrösten, den Mais kurz mit anbraten. Alles mit Brühe und Sahne ablöschen und etwa 45 Minuten sanft köcheln bis die Quinoa weich ist und die Suppe etwas eingedickt ist, salzen. Einen Teil der Kräuter und der Kartoffelstreifen oder Flädle untermengen, mit dem Rest und etwas Aji (scharfe rote Chilisauce, nach Geschmack) garnieren, die Avocadowürfel getrennt dazu reichen.

    Alternativ zu den frittierten Kartoffelstreifen habe ich aus Pfannkuchenteig Flädle (=Frittaten) hergestellt und zur Suppe gegeben. Hier das Rezept:

    • 125 g Mehl
    • 1 Ei
    • 1/4 l Flüssigkeit (halb Milch, halb Wasser)
    • Salz
    • Fett zum Ausbacken

    Aus den Zutaten einen dünnen Teig herstellen und in heißem Fett dünne Pfannkuchen backen. Erkaltet diese aufrollen und in dünne Streifen schneiden.

    Fruchtsalat (Come y Bebe)

    • Je eine halbe Ananas und Papaya in kleine Stücke geschnitten
    • Mango- und Wassermelonenstückchen nach Belieben
    • 5 oder mehr ausgepresste Orangen (der Saft soll die Obststückchen bedecken)
    • 3 Bananen
    • 50 g Walnüsse, zerkleinert
    Fruchtsalat – Come y Bebe

    Alles mischen (wer mag etwas süßen) und 30 Minuten kühl stellen, in Gläser füllen und mit etwas geschlagener Sahne servieren. Dieser Obstsalat ist in Ecuador Hauptbestandteil des Frühstücks und ist mittlerweile auch zu Hause eine vitaminreiche Beigabe, wenn auch meist nicht mit exotischen, sondern regionalen Früchten.

    Der erste Ausflug geht auf den Panecillo (das Brötchen), ein kleiner Berg mitten in Quito. Davon im nächsten Beitrag – für heute einen guten Appetit und Adios!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Seit ich das erste Mal Israel besucht habe, gibt es zum Jahreswechsel Marmelade aus Kumquats – für den Frühstückstisch bei mir zu Hause und für gute Freunde als kleines Geschenk. Es gelang mir vergangenen Dezember nicht, diese kleinen goldenen (kam oder kum) Orangen (kwat) hier in Franken zu bekommen. Ganz überraschend brachte sie nun mein Sohn aus Israel mit. Ein guter Freund hat im Vorgarten einen großen Strauch dieser ursprünglich aus Asien stammenden wohlschmeckenden Citrusfrüchte stehen. Sie enthalten neben vielen gesunden Inhaltsstoffen Vitamin B und doppelt so viel Vitamin C als ihre nicht „geschrumpften“ großen Schwestern. Ein überraschendes Mitbringsel, das mir große Freude bereitet hat und welches ich sofort probiert und verarbeitet habe – als leuchtenden Kontrast in unseren kalten und trüben Wintertagen mit den Schneeresten auf dem Weihnachtsbaum vom vorletzten Jahr. Ich habe ihn mit Wurzelballen gekauft und nun darf er sich, nach dem Entfernen des Glitzerschmucks, im Garten entfalten und zum großen Tannenbaum heran wachsen.

    Kumquat-Orangenmarmelade

    • 250 g Kumquats,
    • Saft von 4 Orangen,
    • 500 g Gelierzucker,
    • je 1 Prise Zimt und gemahlene Nelken,
    • 4 EL Rum

    Die Kumquats kleinschneiden, zusammen mit dem Saft abwiegen und mit der gleichen Menge Gelierzucker 4 Minuten sprudelnd kochen lassen, den Rum einrühren und sofort in die vorbereiteten Gläser füllen. Die winterliche Kaffeetafel habe ich ergänzt mit einem New York Cheesecake

    • 150 g Vollkornkekse
    • 50 g Butter
    • 800 g Doppelrahmfrischkäse
    • 200 g saure Sahne
    • 100 – 150 g Zucker
    • 1 P. Vanillezucker
    • 4 Eier
    • 40 g Speisestärke

    Kekse in einem Gefrierbeutel mit dem Nudelholz zerbröseln, Butter schmelzen und mit den Bröseln verkneten, in eine Kuchenform (26 cm Durchmesser) geben und als Boden mit einem kleinen Rand flach drücken. In der Mitte des Backofens bei 160 Grad Umluft 10 Minuten backen.

    In der Zwischenzeit Frischkäse, Sahne, Zucker und Vanillezucker glatt verrühren, die Eier einzeln dazu rühren und die Stärke kurz unterziehen.

    Die Masse auf den Kuchenboden geben und bei gleicher Temperatur noch eine Stunde backen, mit einem Messer vom Rand lösen und auskühlen lassen, anschließend mit den klein geschnittenen Kumquats belegen.

    In einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Florida findet jedes Jahr im Januar ein Kumquat-Festival zu Ehren dieser kleinen chinesischen Orange statt. Marmeladen, verschiedenste Desserts und Torten werden angeboten und finden unter den vielen Liebhabern dieser bitter-süßen Früchte begeisterte Abnehmer.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Wie heißt es in unserer Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium:

    „Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“

    Wo der Stall mit der Krippe gestanden haben soll, erhebt sich heute die festungsartige Geburtskirche, eingezwängt zwischen einem Franziskanerkloster, einem griechisch-orthodoxen und einem armenischen Kloster. Über eine Treppe führt mich der Weg hinab in die ca. 12 m lange und 4 m breite Geburtsgrotte. Ein silberner Stern kennzeichnet die Stelle der Geburt Jesu.

    Ich bin fast allein an diesem für uns Christen recht bedeutungsvollen Ort. Lediglich ein freundlicher Mönch begrüßt mich und gewährt mir sogar eine private Unterweisung. Er hat gerade Zeit und erklärt mir ausführlich die angebliche Geburtsstätte, den darüber stehenden Altar mit einem kaum erkennbaren Mosaik aus dem 12. Jahrhundert und die Orte wo sowohl die Hirten als auch die 3 Könige dem Jesuskind gehuldigt haben sollen.

    Ein Durchgang führt mich in die daneben liegende Katharinenkirche, in welcher am Heiligen Abend die Mitternachtsmesse gelesen wird und regelmäßig zu uns per TV-Übertragung ins Wohnzimmer kommt. Sie wurde 1881 von den Franziskanern anstelle einer früheren Kirche errichtet und ich kann in aller Ruhe ihre Geschichte nachlesen und sie auf eigene Faust erkunden, ebenso den wunderschönen Kreuzgang aus fränkischer Zeit (Kreuzritter!).

    Ganz in der Nähe würde die Milchgrotte zu finden sein, erklärt mir mein Baedeker Reiseführer. Auf dem Weg dorthin komme ich an etlichen Werkstätten vorbei, in denen wunderschöne Figuren samt Krippen und Hütten aus Olivenholz angefertigt werden. Die Türen sind offen und laden ein, den Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Ich erstehe (wenn nicht hier, wo dann?) ein geschnitztes Haus bzw. eher einen Unterstand für meine Figuren zu Hause – nicht ohne das übliche Handeln und ein augenzwinkerndes, ausführliches Palaver.

    Weihnachten mitsamt den in jeder Familie unterschiedlichsten Ritualen kann kommen, s. unten: ein Vorgeschmack auf die Weihnachtsbäckerei.

    Es gibt tausende verschiedene Rezepte und jeder/jede hat besondere Vorlieben. Folglich kann ich mir Details ersparen, verrate nur, dass ich jedes Jahr mal etwas Neues ausprobiere, wie diesmal die etwas dickeren Butterzeugplätzchen mit Schokoguss.

    Bevor ich zu einem besonderen Rezept von der „Weihnachtsgans“ komme, lade ich Sie/Dich ein, mit in eine zur Kapelle umgewandelten Höhle, der so genannten Milchgrotte zu kommen. In dieser soll sich die Heilige Familie vor der Flucht nach Ägypten verborgen haben. Hier soll Maria, der Legende nach, beim Stillen einen Tropfen ihrer Milch verloren haben, worauf der Kalkstein strahlend weiß wurde. Fein vermahlen, soll er stillenden Müttern angeblich zu mehr Milchfluss verhelfen.

    Gans in Schalet

    • 1 Gans ca. 2 kg
    • 2 EL Gänseschmalz
    • 1 feingehackte Zwiebel
    • 4 zerdrückte Knoblauchzehen
    • 1-2 Tassen Erbsen
    • 1-2 Tassen Graupen
    • 2 TL Salz
    • 1/2 TL Pfeffer
    • 1/2 TL geriebener Ingwer
    • 1/2 – 1 l Gemüsebrühe

    Die vorbereitete Gans in Portionen teilen, salzen und auf der glasig gedünsteten Zwiebel anbraten. Die im voraus eingeweichten Erbsen und Graupen zugeben, mit Pfeffer, Ingwer und Knoblauch abschmecken und alles in einen großen Topf geben. Wenig Brühe zugießen und langsam auf kleiner Flamme etwa 2 Stunden dünsten. Dann den Topf in die mäßig erhitzte Röhre stellen, wo er bis zum Mittagessen des nächsten Tages bleibt.

    Von der etwas ungewöhnlichen Zubereitungsart unserer Weihnachtsgans komme ich mit diesem Gericht zu einer traditionellen Shabbatspeise. Den Namen „Schalet“ deute ich in „Warm halten“ um (es gibt noch weitere Definitionen). Da es an Shabbat streng verboten ist, Feuer anzuzünden, musste das Schalet einen Tag vorher zubereitet und in der mäßig erhitzten Röhre warm gehalten werden. Und noch ein Sprung: von der Gans geht es zu ihrem Fett, mit dem in früheren Zeiten der Chanukka-Leuchter am Brennen gehalten wurde. Chanukka ist ein jüdisches Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. Als die Juden den zurückeroberten Tempel aufräumten, fanden sie nur ein kleines Fläschen Öl, um das Licht im Tempel zu entzünden. Das kleine Fläschchen Lampenöl reichte an sich nur für eine Nacht, aber am Ende brannte es acht Tage lang, welch ein Wunder! Deshalb wird Chanukka, das Lichterfest acht Tage lang gefeiert, dieses Jahr vom 18.12. – 26.12. 2022 – immer auch um unsere Weihnachtszeit. Weihnachten – Chanukka: es wird ähnlich gefeiert mit Familienbesuchen, gutem Essen, Spielen und Geschenken, jedoch mit unterschiedlicher Geschichte.

    Geschichten und Rezepte während meiner 3 Reisen nach Israel habe ich in diesen 38 Beiträgen geschildert. Sie liegen vor Ihnen/Dir und mir am Herzen. Ja, eine Herzensangelegenheit war und ist mir dieses Land immer noch und ich denke sehr gern an die vielen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, zurück. Chanukka und Weihnachten – wir haben es mit Jonathan, Maya und Aria zusammen hier in Franken gefeiert und es waren wunderschöne und unvergessliche Tage. Auch für dieses Jahr: Happy Hanukkah – Fröhliche Weihnachten und Friede allen Menschen!

    Fränkische Krippe aus Kirchfembach

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    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Während in Deutschland nicht nur die Abende kühler werden – auch tagsüber lassen uns die Temperaturen oftmals schon leicht frösteln – sind es in Israel immer noch angenehme 25 Grad. Ich entfliehe dieses Jahr unseren unfreundlichen Herbsttagen und tanke Wärme und Sonne zuerst am Strand in Tel Aviv und anschließend in Jerusalem. Die Adventszeit liegt vor uns und was liegt da näher als ein Besuch in Bethlehem. Gestärkt mit frischen Teilchen und einem arabischen schwarzen Kaffee breche ich zum Damaskus Gate auf, um von dort aus mit dem Bus nach Betlehem zu fahren. Dort angekommen, werde ich sofort an der Ausstiegsstelle von einem geschäftstüchtigen Taxifahrer angesprochen. Er will mich für nicht wenig Geld etwas in der Gegend herum kutschieren. Touristen sind hier heute offensichtlich Mangelware und der Blick des Profis hat in mir natürlich eine potentielle Kundin erkannt. Ich handele den Preis etwas herunter und werde dafür nicht so lange herum gefahren, was mir sehr entgegen kommt. Schließlich will ich die Stadt zu Fuß erkunden. Er will mir hauptsächlich klarmachen, was Israel mit den Palästinensern in der Westbank macht und fährt mich zu der israelischen Sperranlange, die mit einer bis zu acht Meter hohen Mauer Bethlehem von Jerusalem und kleineren Dörfern trennt. Die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bewohner der Stadt wird dadurch erheblich eingeschränkt. Ich spüre wieder einmal, wie groß die Probleme hier sind und wie unüberbrückbar sie scheinen.

    Nach der Sightseeing-Tour lasse ich mich erstmal vom Manger Square aus durch die Gassen treiben. Zum Glück muss ich keinem Reiseführer (ich bewundere diese Spezies, ehrlich – sie müssen so viel Geduld aufbringen) hinterher laufen und kann in aller Ruhe in meinem eigenen Tempo alles um mich herum wirken lassen. Natürlich kommt nach einiger Zeit ein Durst- bzw. Hungergefühl auf. Oder will ich nur meinen Beinen etwas Ruhe gönnen, oder … erliege ich wieder mal den Dufterlebnissen ringsum? – Egal! Ich suche mir in einer Bäckerei leckere frische Aniskekse aus,

    • 200 g weiche Butter
    • 150 g Zucker
    • 1 Päckchen Vanillezucker
    • 1 Prise Salz
    • 2 Eier, mittelgroß
    • 200 g Mehl, 405
    • 150 g Speisestärke
    • 1 leicht gehäufter TL Backpulver
    • 1/2 gestrichener TL Natron
    • 15 g Anis, gemahlen
    • 2 EL kalte Milch

    Weiche Butter mit Zucker, Vanillezucker, Salz und den Eiern schaumig schlagen. Das gesiebte Mehl, die Speisestärke, Backpulver, Natron und Anis gut miteinander vermischen und über die Buttermasse geben (nur so viel unterrühren, daß keine Mehlreste mehr sichtbar sind). Zuletzt die kalte Milch kurz unterrühren. Backbleche mit Backpapier auslegen und mit einem TL kleine Teighäufchen darauf setzen, ca. 8 cm Abstand dazwischen lassen. Bei 180 Grad auf der mittleren Schiene backen. In einer gut schließenden Dose halten sich die Kekse 6-8 Wochen.

    Ein sehr freundlicher Verkäufer drückt sie mir, ohne Geld nehmen zu wollen, in die Hand, mit dem Hinweis, um die Ecke würde ich wunderbaren Tee dazu serviert bekommen. Er hat nicht zuviel versprochen, dieser nette Mensch auf dem Foto unten bereitet mir in seiner winzigen Küche einen „Special Tea of Sami Khamis“ zu, den ich mir zusammen mit den Keksen vor dem Haus auf zwei Obstkisten schmecken lasse. Sogar die Zutaten verrät er mir: Minze, Zimt, Salbei, Ingwer, Koreander und Zitrone. Nicht mal der arrogante und mürrische Tourist auf der Kiste neben mir kann mir diesen Genuss madig machen.

    Über den sehr ursprünglichen arabischen Markt gelange ich in das Folklore-Museum. Eine ältere Dame zeigt mir freundlich und engagiert das 3-stöckige Haus, in dem das Museum untergebracht ist. Es wurde von der Arab. Orthodox Women’s Union gegründet mit dem Ziel, die lokalen Traditionen und das kulturelle Erbe der Palästinenser vor allem aus dem 19. Jh. zu erhalten.

    Der Bus bringt mich schließlich zurück nach Jerusalem, wo zum Abendessen Ruths gefüllte Paprikaschoten (wieder mal ein Gericht aus Ottolenghis Kochbuch „Jerusalem“) warten

    • 8 mittelgroße rote Spitzpaprika
    • 1 große Tomate (170 g) grob gehackt
    • 2 mittelgroße Zwiebeln (250 g) grob gehackt
    • ca. 500 ml Gemüsebrühe
    • Füllung:
    • 140 g Basmatireis
    • 1 1/2 EL Baharat-Gewürzmischung (Pfeffer, Koriander, Nelke, Kreuzkümmel, Kardamom, Zimt)
    • 1/2 TL gem. Kardamom
    • 2 EL Olivenöl
    • 1 große Zwiebel (200 g) fein gehackt
    • 400 g Hackfleisch (Lamm o. Rind)
    • 2 1/2 EL gehackte Petersilie
    • 2 EL Dill gehackt
    • 1 1/2 EL getrocknete Minze
    • 1 1/2 TL Zucker
    • Salz u. schwarzer Pfeffer

    Für die Füllung den Reis in einem Topf mit leicht gesalzenem Wasser bedecken, zum Kochen bringen und 4 Minuten kochen lassen, abgießen und unter fließendem Wasser kalt abschrecken.

    Die Gewürze in einer Pfanne ohne Fett kurz anrösten, Öl und Zwiebel zugeben und die Zwiebel unter Rühren etwa 7 Minuten anschwitzen bis sie weich ist. Den Pfanneninhalt mit Reis, Fleisch, Kräutern, Zucker sowie 1 TL Salz in einer großen Schüssel sorgfältig vermengen.

    Die Paprikaschoten mit einem kleinen Messer vom Stielansatz her zu zwei Drittel aufschneiden, die Samen vorsichtig entfernen und in die entstandene Öffnung die Fleisch-Reisfüllung (jeweils ca. 100 g je nach Größe der Schoten) geben.

    Tomaten- und Zwiebelwürfel in einer großen Pfanne mit fest schließendem Deckel verteilen, mit 1/2 TL Salz und Pfeffer würzen, die Paprikaschoten darauf legen und so viel Brühe angießen, daß sie ca. 1 cm hoch steht. Zugedeckt bei geringster Hitze 1 Stunde garen. Der Pfannenboden sollte immer mit etwas Flüssigkeit bedeckt sein.

    Nach dem arabischen Teil folgt in 2 Wochen der christliche Teil Bethlehems. Dieser wird meine Reise nach Israel und Jerusalem beschließen. Nach einer schöpferischen Pause folgt evtl. ein neuer Reisebericht mit neuen Erlebnissen („Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise“ – H. Hesse) …..und wieder leckeren Rezepten.

    Shabbat Shalom שבת שלום!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Der Vergangenheit gedenken, in der Gegenwart leben, an die Zukunft glauben.

    Wie es im Buch der Psalmen heißt, damit es die Nachkommen lernen, die Kinder, die noch geboren würden, sie sollen aufstehen und es auch ihren Kindern verkünden.

    Es ist dieser erste Satz, den ich am Schluß meines Besuches lese und den ich an den Beginn meines Berichtes stellen möchte. Er berührt mich sehr und ich muss immer daran denken, wenn ich die Erklärung höre, was ich denn mit dieser alten Geschichte wolle, sie wäre doch längst Vergangenheit und man solle sie endlich ruhen lassen. Unter der „alten Geschichte“ verstehen diese Menschen den Holocaust, die Schoa – das dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte.

    Ich mache mich zu Fuß auf den Weg nach Yad Vashem. Es ist ein langer, beschwerlicher weil dazu recht heißer Tag und nicht ohne Probleme. Die Straßenbahn streikt und mir bleibt daher gar nichts anderes übrig als zu laufen. Bis zur Centralstation schaffe ich das ganz gut, frage mich aber dann doch zu einem Bus durch. Drei australische Teenager haben das gleiche Ziel und für sie ist die Fahrt zum Berg Herzl eine unterhaltsame, ja lustige. Sie erzählen mir von jüdischen Großeltern, die ihnen diesen Besuch empfohlen hätten. Mich hingegen beschleicht, wie des öfteren hier, ein mulmiges Gefühl, eine Kombination aus Scham, Schuld, Mitgefühl, und tiefer Traurigkeit.

    Als ich nach den Eingangsformalitäten zuerst durch die Allee der Gerechten gehe (Nichtjuden gewidmet, die unter Einsatz ihres Lebens, Juden gerettet haben) und zum Holocaust History Museum komme, manifestieren sich meine abstrakten Gefühle mit einer nie zuvor erlebten Grausamkeit. Hier werden durch persönliche Gegenstände, Fotos und Schriftdokumente die Menschen in den Vordergrund gestellt und mir deren Martyrium im Dritten Reich vor Augen geführt. In der Hall of Names sind die Namen der rund 6 Millionen Opfer des Holocausts verewigt und ich beginne die Grenzen der Sprache für den Ausdruck bestimmter Gefühle zu erkennen. Kein Wort will mir passen, kein Satz kann fassen, was ich sehe, was ich spüre. Ich lese Sätze wie „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“ (T. Adorno). Nun schämt man sich, ähnliche Sätze jemals bezweifelt zu haben. Als ich in dem Haus bin, das den 1,5 Millionen getöteten Kinder gewidmet ist, ist diese ohnmächtige Trauer, das Unverständnis über ein derartiges Unrecht übermächtig und ich kann meine Tränen nicht mehr zurück halten. Es kommt noch die Gedenkhalle mit den Namen der Konzentrations- und Vernichtungslager, in der über der mitgebrachten Asche aus diesen Lagern ein ewiges Licht brennt zum Gedenken und als Mahnung. Das Haus, in dem der Eichmannprozess detailiert geschildert wird, erschöpft dann mein Vermögen an derart grausamer Geschichte und ich mache mich auf den Heimweg. Der Blick vom Ende des Holocaust History Museums in eines der Täler Jerusalems begleitet mich.

    Meine Gedanken landen bei meinem Vater, der mit 19 zum Militär kam und anschließend den Krieg und die Gefangenschaft in Frankreich erlebte. Ich wäre gern mit ihm hier gewesen und bereue es sehr, zu seinen Lebzeiten nicht genauer nachgefragt zu haben. Ruthi, eine ältere Dame, die ich anschließend beim Abendessen kennen lerne und der ich meine Betroffenheit über das grauenvolle gerade Gesehene erzähle, meint, es wäre nach dem Krieg einfach nicht darüber gesprochen worden. Sie – immerhin eine Jüdin Jahrgang 39 (wie Anne Frank), deren Mutter in Nürnberg geboren wurde – versucht meine Eltern zu entschuldigen. Ihre Eltern wiederum mussten vor dem Krieg nach Amsterdam flüchten, wo sie geboren wurde. Sie lebt jetzt zwischen Tel Aviv und Haifa. Es war ein Glücksfall, diese Frau zu treffen und mit ihr sprechen zul können. Sie, die Yad Vashem nicht besucht, macht mir Mut und katapultiert mich abrupt aber sehr verständnisvoll zurück in die jetzige Realität:

    Wir befinden uns in einem wunderschönen Restaurant mit tollem Ausblick auf die Stadt, lassen uns ein schmackhaftes Essen munden und ich sitze einer sehr empathischen Gesprächspartnerin gegenüber, deren Englisch ich auch noch sehr gut verstehen kann.

    Mein Sohn meint, als ich abends meine Emotionen in Worte zu fassen versuche, für die Nazis waren die Juden keine Menschen (was dann?). Sind das Menschen, die es schaffen fast ein ganzes Volk auszurotten? Es sind Menschen, die es fertigbringen anderen Menschen das Menschsein abzusprechen, die dem teuflischen Wahn verfallen, einen Nächsten mit einem Objekt gleichzusetzten. Es ist eine Lehre, die ich aus dieser Erkenntnis ziehe: Auch in mir wohnt das Böse, auch ich bin nicht gefeit davor einem anderen seine Würde abzusprechen und damit alles zu entschuldigen, ja zu rechtfertigen. Unter den damaligen Nazis waren ebenso normale Deutsche, wie der durchschnittliche Bürger, dem ich heute in meiner Heimatstadt begegne, mit dem gewichtigen Unterschied, dass der Mensch heute wissen muss, wenn er/sie zurückblickt, was in seiner Mentalität schlummert/schlummern kannn.

    Wir, die heutige Generation in Israel und Deutschland müssen mit der Geschichte, der Verfolgung, den vielen Toten und grausamen Schicksalen in fast jeder jüdischen Familie leben.

    Neben all den guten Geschichten müssen wir auch diese unseren Kindern und Enkelkindern weiter geben. Yad Vashem ist ein Ort, der uns mahnt und der uns die vielen Menschen nicht vergessen lässt, die – herausgerissen aus ihrem Alltag – dem Wahnsinn einer menschenverachtenden Ideologie geopfert wurden.

    Selbst wenn wir nur eine Ahnung davon haben können, welch unvorstellbare Qualen die Menschen in Ausschwitz, Stutthof, Maidanek, Treblinka, Theresienstadt, Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen, Ravensbrück, Bergen-Belsen, Trostenez, Flossenbürg, Mauthausen – um die wichtigsten zu nennen – erleben mussten. Sollen wir nicht alles tun, damit, was hier von Menschen an Menschen verbrochen worden war, sich niemals wiederhole? Ja, wir sollen, und ein wichtiger Schritt kann darin bestehen, sich und andere daran zu erinnern!

    Deshalb auch abschließend nochmal der Satz eines Überlebenden des Holocausts, der uns Mut dazu macht:

    „Der Vergangenheit gedenken, in der Gegenwart leben, an die Zukunft glauben.“

    Und, „der Vergangenheit gedenken“ : Vom 09. – 10.11.1938 fand die Reichspogromnacht statt. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung.

    Shabbat Shalom שבת שלם

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Mein Weg heute führt ins Israel-Museum, dem bekanntesten und größten Museum des Landes. Es verteilt sich mit seinen Pavillons auf einem Hügel südwestlich des Stadtzentrums von Jerusalem und ich folge diesmal der Wegbeschreibung meines Sohnes, der in der benachbarten Hebräischen Universität über seinen physikalischen Berechnungen brütet. Zusätzlich leistet mir ein Stadtplan gute Dienste. Mein erster Versuch vor einigen Tagen endete in Mea Shearim – ich hatte mich verlaufen, nicht ohne auch diesen Einblick in eine neue Welt genossen zu haben (s. Beitrag Nr. 21 – Vorbereitung zum Laubhüttenfest).

    Neben bedeutenden archäologischen Funden finde ich hier jüdische Kunst, alte und moderne, israelische und internationale, sowie einen Skulpturengarten. Sehr beeindruckt bin ich auf dem Freigelände vom Modell des antiken Jerusalem. Die Arbeit aus Stein, Holz und Metall im Maßstab 1:50 zeigt die Stadt zur Zeit Jesu. Besonders jedoch interessieren mich die berühmten Schriftrollen von Qumran, denen ich bereits beim Besuch in Masada begegnet bin (s. dazu Beitrag Nr. 14 … und mit König Herodes nach Masada). Sie sollen die ältesten Handschriften des Alten Testaments sein, sind in hebräischer, aramäischer und griechischer Sprache verfasst und stammen aus der Zeit des 3. vorchristlichen bis 1. nachchristlichen Jahrhunderts. Gezeigt werden sie meist als Kopien im Schrein des Buches, der mit seiner weißen Kuppel an den Deckel der Tonkrüge in denen die Schriftrollen gefunden wurden, erinnern soll. Zwischen 1947 und 1956 entdeckten hauptsächlich Beduinen in den Höhlen von Khirbet Qumran im Westjordanland diese Zeugnisse einer längst vergangenen Epoche. Seit den 50ern wird anhand kleinster Puzzleteile die Geschichte dieser Rollen erforscht und …. sie dauert an. Mittlerweile mit neueren Methoden (DNA-Analysen) ergeben sich immer wieder neue Erkenntnisse. Vor kurzem beispielsweise entdeckten Forscher der Hebrew University, Jerusalem, die 12. Qumran-Höhle am Toten Meer und mit ihr weitere Besiedlungsspuren. Es soll die wichtigste Entdeckung in den letzten 60 Jahren im Bezug auf die Qumran-Höhlen sein. Weitere spannende Details warten hier auf mich und ich kann gut verstehen, dass es gerade in Israel neben den Profis viele Hobbyarchäologen gibt, die sich in ihrer Freizeit auf Spurensuche begeben.

    Von den Hobbyarchäologen zu den Hobbyköchen bzw. -köchinnen. Vorher noch eine Notiz, die mich an den anstehenden nachmittägliche Spaziergang durch das Regierungsviertel erinnert. Knessetabgeordnete und Rabbiner würden sich für die umstrittenste und komplizierteste jüdische Einwanderung nach Israel einsetzen, die der äthiopischen Juden. Ein gewagter Sprung, ich weiß! Nach 3 Stunden Museumsbesuch, Qumran-Rollen und dem Schrein des Buches, meldet sich ein leises Hungergefühl und mir fällt dazu spontan das wunderbare äthiopische Lokal vom Vorabend ein. Was liegt da näher, als ein einfaches, aber wohlschmeckendes Gericht aus Afrika vorzuschlagen: Mafé, um danach gestärkt durchs Regierungsviertel zu spazieren.

    • 250 g Kohlrabi
    • 250 g Karotten
    • 400 g Kartoffeln, alles in ca. 2 cm große Würfel schneiden
    • 100 g Zwiebel, geschnitten
    • 2 Knoblauchzehen, zerdrückt
    • 2 EL Öl
    • 1 EL Curry
    • 350 ml Gemüsebrühe
    • 2 EL Erdnussbutter (nach Bedarf auch etwas mehr)
    • 1 EL Tomatenmark
    • 2 EL Sojasauce
    • Chilipulver nach Geschmack

    Zwiebel und Knoblauch in Öl anschwitzen, Gemüse dazu und alles zusammen kurz anbraten, mit Gemüsebrühe ablöschen, alle weiteren Zutaten beimengen und 20 – 30 Minuten leicht köcheln. Mit etwas Petersilie garnieren und servieren.

    Wenn ich an die Knesset denke, komme ich unweigerlich auf die Tagespolitik. Die erst am Dienstag durchgeführte Wahl in Israel und deren Ausgang mag auch unsere Gemüter erhitzen, verwunderlich für die Israelis ist sie nicht. Es bleibt weiterhin spannend und die sehr kontrovers geführten Diskussionen im Land selber werden ebenso in der Zukunft für „Unterhaltung“ sorgen. So nötig eine vernünftige Vorgehensweise in Form von Verhandlungen für den Konflikt zwischen Israel und Palästina wäre – unser Einfluss darauf dürfte gering sein. Für mein Dafürhalten ist die Weltpolitik im Augenblick eh ein nicht mehr in der Balance befindliches Konstrukt. Da macht Israel keine Ausnahme. Ich verlasse besser dieses „unheilige“ Thema und begebe mich ganz unvoreingenommen und neugierig ins Regierungsviertel von Jerusalem. Es ist nicht weit vom Israel-Museum, gerade mal ca. 200 m und ich stehe vor dem markantesten Gebäude, der Knesset (= Versammlung):

    Hier tagt seit 1966 das aus 120 Personen bestehende israelische Parlament. Gleich gegenüber des Haupteingangs steht ein 5 m hoher und 4 Tonnen schwerer siebenarmiger Leuchter, die Menora, ein Geschenk des britischen Parlaments. Auf seinen Armen sind 29 wichtige Ereignisse der jüdischen Geschichte dargestellt – gedacht als Sinnbild des Staates Israel. Als ebenfalls wichtiges Ereignis erscheint mir die Unabhängigkeitserklärung, die ich (eine Kopie – das Original befindet sich im Israel-Museum) in der Eingangshalle der Knesset entdecke. Sie wurde 1948 von den Gründungsvätern des neuen Staates unterzeichnet. Durch die Gründung des Staates Israel hatten viele Juden aus aller Welt einen Zufluchtsort nach den Jahrzehnten der Verfolgung in Europa gefunden.

    Neueren Datums ist die Vorbildfunktion der ca. 1500 Solarmodule auf dem Dach des Gebäudes, so wie die Installation von LED-Leuchtmitteln, die Koppelung von Kühlanlagen mit Warmwasserbereitern, die Verwendung des Abwassers zur Grünflächenbewässerung sowie eine allgemeine Überarbeitung des Bewässerungssystems. Neben der finanziellen Ersparnis würde dadurch auch der CO 2-Fußabdruck erheblich vermindert, wie mir während meines Rundgangs stolz berichtet wird.

    Gleich hinter der Menora erstreckt sich der Wohl-Rosengarten (eine Stiftung des Ehepaars Wohl aus Großbritannien) bis zum Obersten Gerichtshof. Diese wunderschöne Anlage mit über 400 verschiedenen Rosenarten ist ein wohltuender Ausgleich zwischen Legislative und Judikative. Die Bank von Israel, Finanz- und Innenministerium sowie der Amtssitz des Ministerpräsidenten sind weitere Gebäude im Umkreis des Gartens. Nach so vielen unterschiedlichen Eindrücken wird es allmählich Zeit für den Heimweg. In der Nähe des Mahane Yehuda Marktes finde ich ein gutes Cafés, kann mir noch Notizen machen und probiere ein vorzügliches

    Mandelbrot

    • 1 Tasse Margarine oder Butter
    • 1 Tasse Zucker
    • 4 Eier
    • 1 Päckchen Vanillezucker
    • 1/2 Tasse Weinbrand o. Rum
    • 4 Tassen halbgriffiges Mehl
    • 4 TL Backpulver
    • 1 Tasse Rosinen
    • 1 Tasse Kokosraspel
    • 1/2 Tasse geriebene Nüsse
    • 1 Tasse Mandeln, abgezogen und gehackt
    • etwas Salz

    Butter und Zucker schaumig rühren, verquirlte Eier, Vanillezucker und Weinbrand dazu rühren, das mit Backpulver und etwas Salz vermischte Mehl zufügen und zuletzt Rosinen, Kokosraspeln und die Nüsse untermischen. In eine gefettete und gebröselte Form geben und bei 180 Grad ca. 40 Minuten auf der mittleren Schiene backen.

    Im nächsten Beitrag versuche ich meine Eindrücke in Yad Vashem zu schildern. Für heute Shabbat Shalom (meine Kerzen brennen bereits)

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Das Vorhaben, mir einen Großteil der Altstadt von der Mauer aus anzusehen, hatte ich schon vor längerer Zeit gefasst, nun will ich es endlich in die Tat umsetzen. Mein Spaziergang beginnt am Jaffator שער יפו, benannt nach der hier beginnenden Handels-, Pilger- und Heerstraße zur Küste und damit zur Hafenstadt Jaffa יפו. Neben dem Damaskustor שער שכם (im Hebraeischen das Nablustor) ist es der wichtigste Zugang zur Altstadt und die Nahtstelle von dieser und der Neustadt. Zwischen dem Tor und der Zitadelle schlug man 1898 sogar eine Bresche in die Mauer um Wilhelm II. bei seinem Besuch einen Zugang hoch zu Ross zu ermöglichen, obgleich einer Legende nach, jedes die Stadt durch ein Tor reitende gekrönte Haupt Jerusalem beherrschen würde.

    Ein geschäftiges Treiben von Händlern, die lautstark sowohl Sesamringe (Simit), als auch eine Vielzahl an Souvenirs anbieten, empfängt mich dort. Ebenso können professionelle Exkursionen in die Altstadt von hier aus gebucht und angetreten werden. Mein Ticket ist schnell gekauft, offensichtlich haben wenige den selben Gedanken und ich habe selten „Gegenverkehr“ auf der 12 m hohen und etwa 4 km langen turmbewehrten Mauer. Sie ist nicht durchgehend begehbar und ich steige beim Löwentor שער האריות wieder hinab in die engen Gassen um nochmal vom Jaffator bis zum Misttor שער האשפות (durch dieses Tor wurde früher der Müll hinaus gebracht) zu gelangen. Die Ausblicke während meines Mauer-Spaziergangs variieren von den ungewöhnlichen Einblicken in die winkeligen Gassen auf der einen Seite bis zu den großzügigen Anlagen mit viel frischem Grün und älteren, aber auch neuen Gebäuden in der Neustadt – empfehlenswert!

    Blick von der Altstadtmauer

    Wieder am Ausgangspunkt, dem Jaffator, ist die Zitadelle ein weiteres Highlight an diesem Tag. Der Eingang ist schnell gefunden und auch die Formalitäten ohne Probleme erledigt. Nahe gelegt wurde mir dieser מגדל דוד von Miriam, die ich während meines Israel-Besuchs kennengelernt habe. Geboren wurde sie in Nürnberg נורמברג, verliebt hat sie sich zuerst in Jerusalem und anschließend in Noam, einen in Russland geborenen Juden. Sie heirateten und leben seit dem in Jerusalem und würden sich dort sehr wohl fühlen. Hebräisch beherrscht sie mittlerweile perfekt und spricht sowohl in dieser, als auch in englischer und deutscher Sprache ohne Punkt und Komma. Klar, dass ihre Erinnerungen u. a. an Franken, frischem Quellwasser ähnlich, sprudeln. Sie schildert alles sehr detailliert und ich greife lediglich ihr Lieblingsgericht heraus: den fränkisch/rheinischen Sauerbraten. Die fränkisch/rheinische Kooperation funktioniert – wie ich aus eigener Erfahrung weiss – nicht nur beim Sauerbraten צלי חמוץhervorragend.

    1,5 kg Rindfleisch (Oberschale, Nuß, Rolle) für mindestens 3 Tage einlegen in die folgende Marinade (zwischendurch wenden) und kühl stellen.

    • 750 ml Rotwein יין אדום
    • 250 ml Rotweinessig
    • 1 gehackte Zwiebel
    • 1 Möhre und 1 Stange Lauch zerteilt
    • 1 Stück Sellerie
    • 1 Lorbeerblatt, einige Pfefferkörner, Wacholderbeeren u. Nelken (ganz)
    • 2 EL Butterschmalz
    • 125 g Rosinen
    • 1 Stück Saucenlebkuchen

    Fleisch gut abtrocknen, salzen und pfeffern und in Butterschmalz anbraten. Die Marinade durch ein Sieb in ein Gefäß gießen, einen Teil des Siebinhalts mit anbraten und mit ca. 1/4 l der Marinade aufgießen. Den Braten zugedeckt 2 – 2 1/2 Stunden bei 180 – 200 Grad in der Röhre schmoren, gelegentlich wenden und bei Bedarf etwas Wasser oder Brühe angießen. Anschließend auf einer vorgewärmten Platte zugedeckt im warmen Backofen ca. 15 Minuten ruhen lassen. Inzwischen die Sauce zubereiten: Den Fond durch ein Sieb gießen, mit den Rosinen, 1 Stück geriebenen Saucenlebkuchen und einem kräftigen Schuß Rotwein, Brühe oder Marinade (je nach Schärfe der Sauce) etwas einkochen. Wer mehr Sauce möchte, kann mit Marinade oder Brühe verlängern. Es kann noch mit Tomatenmark und Johannisbeergelee abgeschmeckt werden.

    Bei mir gibt es einen Serviettenkloß und Preisselbeeren als Beilage, es passen aber auch Kartoffelklöße mit frischem Apfelmus dazu.

    Ich müsse unbedingt die Zitadelle besuchen, meint Miriam. Dort würde ich meinen Wissensdurst über Jerusalem stillen und jede Menge weitere Details erfahren können.

    In früheren Zeiten war die Zitadelle eine Festung der Makabäer, Palast Herodes‘ des Großen הורדוס, römische Garnison, Kreuzfahrerburg und mameluckisch-osmanisches Bollwerk. Heute ist es eine Ausgrabungsstätte und gleichzeitig Stadtmuseum. Bei meinem Rundgang begegnen mir Relikte der Mamelucken und Osmanen, der Kreuzfahrer, sowie Reste der Moschee Süleymans. Der Davidsturm מגדל דוד, auf den Fundamenten der herodianischen Burg im 14. Jahrhundert erbaut, beherbergt heute ein kleines Museum aller in Jerusalem vertretenen Religionsgemeinschaften. Ursprünglich hat Herodes seine luxuriös ausgestattete Stadtburg mit insgesamt 3 Festungstürmen versehen: einer benannt nach einem Freund, der zweite nach seinem Bruder (heute Davidsturm), der dritte benannt nach Herodes‘ Lieblingsfrau Mariamne, die er 6 Jahre vorher hat hinrichten lassen. Die ganze Anlage erzählt von vielen vielen Jahren wechselvoller Geschichte und Geschichten. Ich kann sie in dem parkähnlichen Gelände in aller Ruhe auf mich wirken lassen, nachlesen und mich auf einer alten Steinbank wunderbar in die verschiedensten Epochen hinein träumen. Miriam hat nicht zu viel versprochen von diesem Tower of David Museum. Als süßen Abschluß eines historisch sehr interessanten Nachmittags gibt es in Anlehnung an den fränkisch/rheinischen Sauerbraten eine Apfelweintorte (mit wahlweise Franken- oder Rheinwein):

    Teig:

    • 125 g Butter חמאה
    • 100 g Zucker סוכר
    • 250 g Mehl קמח
    • 1 Ei ביצה
    • 1 Päckchen Vanillezucker
    • 1 TL Backpulver

    Belag:

    • 3/4 l Weißwein (Frankenwein oder einen aus dem Rheinland)
    • 1 Päckchen Vanillezucker
    • 200 g Zucker
    • 2 Päckchen Vanillepuddingpulver
    • 1 kg Äpfel תפוחים
    • 2-3 Becher Sahne

    Aus den Zutaten für den Teig einen Mürbteig herstellen und eine Springform damit auslegen, Rand hochziehen. Anschließend aus Wein יין, Zucker und Puddingpulver einen Pudding zubereiten, die geschälten und in kleine Stücke geschnittenen Äpfel unter den Pudding heben. Die Masse auf dem Teig verteilen und bei 175 Grad ca. 90 Minuten backen (die letzten 20 Minuten evtl. mit Folie abdecken). In der Form erkalten lassen (wichtig!) 2 – 3 Becher Sahne (mir reichen 2) steifschlagen und auf dem kalten Kuchen verteilen, mit Zimt oder Kakaopulver bestäuben.

    Für heute, ein herzliches Shabbat Shalom שבת שלם und eine gute Woche!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Es ist kurz nachdem die Sonne hinter dem Mt. Scopus untergegangen ist, als ich mich am Abend eines meiner Besuche in Jerusalem auf den Weg in die Altstadt mache. Das ursprüngliche Zentrum mit vier Stadtteilen, die nach seinen Bewohnern muslemisches, jüdisches, armenisches und christliches Viertel benannt sind, hat seinen besonderen Reiz. Eine ganz andere Welt empfängt mich dort, nicht die Betonklötze und die mehrspurigen Straßen einer Großstadt. Es ist eine fremde Atmosphäre, getaucht in ein schummrig-romantisches fast gespenstisches Licht und es sind die Sehenswürdigkeiten, die Gerüche und Geräusche, die mir bereits beim ersten Besuch einen bleibenden Eindruck dieser Stadt vermitteln.

    Altstadt am späten Abend

    Die Entscheidung anstatt des bekannteren Damaskustores, das Herodestor als Eingang zu benutzen, war eine weniger kluge. Der geplante Weg führt mich bereits zu Beginn nur auf Umwegen vom muslimischen ins jüdische Viertel. Das Zeitgefühl kommt mir abhanden und die Vorstellung römische Legionäre, ihre Sklaven und Feldherren, in Sänften getragen, beleben die Gassen. Fast nimmt dieses Bild realistische Formen an. Der verursachte Lärm damals auf dem immer noch vorhandenen Kopfsteinpflaster ist mit Sicherheit ein wesentlich stärkerer gewesen, als ich ihn jetzt antreffe und diese Tatsache katapultiert mich auch gleich wieder in die Wirklichkeit. Die Gassen sind dunkel und jeder Blick ins Licht ist ein ungewohnter. Ich verwechsle private Korridore mit den öffentlichen Wegen und nur der düstere Blick eines Bewohners offenbart mir meine Unachtsamkeit. Dieser würde meine Frage nach dem Rezept seines Abendessens, wenn er es denn wüsste, sicher nicht preisgeben. Die Ruhe nach einem Arbeitstag und den familiären Alltäglichkeiten sind ihm wichtiger und … sie sei ihm gegönnt. Deshalb muss für meine Ergänzung einmal mehr Ottolenghi herhalten mit etwas äußerst schmackhaftem: Korma mit Tofuklösschen. Es kostet etwas Zeit, lohnt sich jedoch und die dem Gericht eigene Duftnote, sowohl beim Kochen, als auch beim anschließenden Genießen ist eine besondere und erinnert mich jedes Mal an die Suks in Jerusalem.

    Korma

    • 1 rote Zwiebel in dünne Scheiben geschnitten in 2 EL Zitronensaft mind. 1 Std. marinieren (zum Garnieren)
    • 40 g Cashewkerne
    • 20 g abgezogene Mandeln
    • 1 TL Kardamom
    • je 2 TL Kreuzkümmelsamen und Korianderkörner
    • 3 EL Olivenöl
    • 1 große Zwiebel grob gewürfelt
    • 4 Knoblauchzehen zerdrückt
    • 15 g Ingwer gerieben
    • 1 grüne Chilischote ohne Kerne gehackt
    • 1 Zimtstange
    • 1 TL Kurkuma
    • 200 g passierte Tomaten
    • Salz und schwarzer Pfeffer
    • Korianderblätter zum Garnieren

    Cashewkerne und Mandeln mit Wasser bedeckt bei mittlerer Hitze 20 Minuten köcheln lassen, abtropfen. Kreuzkümmel und Koriander im Mörser fein zerstoßen. In einer großen Pfanne 1 1/2 EL Öl erhitzen, die Zwiebelwürfel 10 Minuten braten und zusammen mit den abgetropften Cashewkernen, den Mandeln und 200 ml Wasser im Mixer glatt pürieren. Die anderen 1 1/2 EL Öl in die Pfanne geben, Knoblauch, Ingwer und Chili darin 1 Minute braten, dann mit den Gewürzen (Kardamom, Kreuzkümmel, Koriander) eine weitere Minute braten, die passierten Tomaten dazu geben und in ca. 4 Minuten dick einkochen. Jetzt das Zwiebel-Nuss-Püree, 500 ml Wasser, die Zimtstange, das Kurkuma, 1 1/2 TL Salz und eine kräftige Prise Pfeffer hinzufügen. Zum Köcheln bringen und bei mittlerer Hitze in ca. 25 Minuten um ein Drittel einkochen.

    Tofuklösschen

    • 2 EL Olivenöl
    • 250 g braune Champignons in 5 mm Scheiben geschnitten
    • 200 g fester Tofu
    • 3 zerdrückte Knoblauchzehen
    • 150 g Seidentofu
    • 2 EL Tahini
    • 1 EL Sojasauce
    • 30 g Semmelbrösel
    • 1/2 TL Speisestärke
    • 5 Frühlingszwiebeln in feine Scheiben geschnitten
    • 10 g fein gehacktes Koriandergrün

    Das Öl in einer großen Pfanne stark erhitzen, Temperatur etwas herunter schalten und die Pilze und den in Stücke geteilten Tofu in ca. 8 Minuten etwas Farbe annehmen lassen. Knoblauch dazu geben, 30 Sek. rühren und die Pfanne vom Herd nehmen. Pilze und Tofu im Mixer grob zerkleinern, mit den restlichen Zutaten, Salz und einer kräftigen Prise Pfeffer in einer Schüssel gut vermischen. Mit geölten Händen etwa 16 Kugeln formen (pro Kugel ca. 40 g), gut zusammen drücken und auf einem mit Backpapier belegten Blech bei 200 Grad Umluft ca. 25 Minuten backen bis sie leicht gebräunt sind. Nun noch für 5 Minuten in der Sauce erwärmen und vor dem Servieren mit gehacktem Koriandergrün und den roten Zwiebeln garnieren.

    Weiter geht es zu später Stunde durch das armenische ins christliche Viertel. Es sind zuviele Punkte, angefangen von den Eingangstoren in die Altstadt über die Kirchen unterschiedlichster Religionen, den Synagogen, den Baudenkmälern aus einer mehr als tausend Jahre alten Geschichte, die es lohnen besichtigt und näher erforscht zu werden. Um mir zumindest einen kleinen Überblick zu verschaffen, nehme ich mir für die nächsten Tage einen Spaziergang auf der Altstadtmauer vor. Er verläuft vom Jaffator bis zum Löwentor und in die andere Richtung bis zum Misttor. Was ich bei meinem spätabendlichen Spaziergang in der Old City nicht mehr antreffe, sind die geöffneten Läden des Suk. Auch dieser bunte chaotische Teil Jerusalems ist es wert, besucht zu werden und ich beschließe dies für den morgigen Tag.

    Los geht es am Löwentor und als erstes komme ich in die St.-Anna-Kirche. Sie wurde bereits im 12. Jahrhundert an der Stelle errichtet, wo man sowohl nach christlicher als auch islamischer Überlieferung das Elternhaus von Maria vermutete. Das ehemals christliche Gotteshaus diente 700 Jahre als Moschee und das benachbarte Benediktinerinnenkloster wurde zur Koranschule umfunktioniert. Als Dank für die französische Unterstützung beim Krimkrieg schenkte Sultan Abdul Ülmecit sie 1856 Napoleon III.

    Weiter spaziere ich durch das Areal der ehemaligen Antonia-Festung. Titus, die Seleukiden aber auch Herodes und Pilatus haben hier ihre Spuren hinterlassen.

    Franziskanermönche auf dem Kreuzweg

    Auf der Via Dolorosa, mitten durch den Suk, vorbei an israelischen Wachsoldaten, arabischen Souvenierhändlern und Touristen, bahnen sich jeden Freitag Pilgergruppen, das Kreuz von Station zu Station tragend, ihren Weg zur Grabeskirche. Jesus soll hier, der Überlieferung zufolge, nach seiner Verurteilung bis zur Hinrichtungsstätte Golgatha gegangen sein.

    Frömmigkeit, Kultur und profaner Kommerz liegen hier sehr nahe beieinander. Ich habe nach den ersten beiden einfach Lust aufs Einkaufen mit dem im Orient typischen Handeln und lautstark Gestikulieren. Die kritischen Bemerkungen der Händler bei der Kreuzwegprozession sind schnell vergessen und ich leiste mir einiges an Schätzen – nicht ohne zu handeln. Dieses bunte und laute Treiben heute ist nicht vergleichbar mit meinen gestrigen Eindrücken – beides jedoch ist die Old City.

    Ausklingen soll dieser Tag im Österreichischen Hospiz. Ich klingle an der schweren Holztüre, werde eingelassen und … befinde mich plötzlich in einem Haus mit dem Flair der Donaumonarchie. Nach der Hektik der Altstadt, aber mittendrin eine Oase der Ruhe. Diese Pilgerstätte (die auch andere Gäste aufnimmt) hat zudem einen wunderschönen grünen Garten, eine herrliche Dachterrasse und ein vielfältiges Angebot aus der österreichischer Küche, die vom Wiener Schnitzel bis zum Apfelstrudel keinen Wunsch offen lässt. Der Muezzin ruft, die Kirchenglocken läuten und meine Melange mit einem Stück Sachertorte schmeckt wunderbar.

    Eine literarisch-musikalische Pilgerreise aus dem 15. Jahrhundert, vorgetragen von Lehramtsstudenten und ihren Lehrern aus Bamberg, wartet noch auf mich. Sie sind Gäste des Hospiz und die Unterhaltung mit ihren Begleitern, zwei katholischen Theologen, beschließt diesen Besuch und ich mache mich auf den Heimweg.

    Nach den geschilderten für mich reichhaltigen Eindrücken – für die Fülle der vorhandenen Relikte wieder mal nur Fragmente – mache ich eine kleine Pause bevor ich mich im nächsten Beitrag am 28.10. auf die Altstadtmauer begebe und das heutige Stadtmuseum besuche.

    Bis dahin Shabbat Shalom

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Pessach wird im April gefeiert und es ist nach Purim und Tu bi-Schevat ein weiteres Frühlingsfest. Mein Interesse für die jüdischen Feiertage wurde – wie ich bereits in einem früheren Beitrag geschildert habe – hauptsächlich im Nahum Goldmann-Museum der jüdischen Diaspora in Tel Aviv geweckt. Hier werden 4000 Jahre Geschichte und Gegenwart des Judentums auf sehr beeindruckende Weise vorgestellt. Auch Benjamin, der Bekannte aus dem King David, macht mich immer wieder neugierig auf die alten Gebräuche und Geschichten.

    Die Geschichte von Pessach ist eine alte und sehr umfangreiche. Ich beschränke mich auf einen kleinen Teil. Sie können sich/Du kannst dich gerne ausführlicher informieren, z. B. in dem Büchlein über Feste, Gedenk- und Feiertage „Das jüdische Jahr“ von Susanne Galley.

    Mein Einstieg in die „kleine“ Geschichte dieses Festes ist das ungesäuerte Brot – ein unbedingtes Muss an Pessach.

    Mazze/Mazzot

    Zutaten:

    • 250 g Weizenvollkornmehl
    • 100-120 ml Wasser

    Zubereitung:

    Mehl und Wasser vermischen und zu einem Teig verkneten, diesen ausrollen, in Stücke schneiden und die Fladen im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad ca. 15 Minuten backen.

    Vom Vermischen der Zutaten bis zum Backen dürfen nicht mehr als 18 Minuten vergehen, damit der Teig ungesäuert bleibt.

    Vollkornmehl ist wertvoller als Weißmehl, denn es werden die Randschichten des Getreidekorns und der Keimling mit vermahlen. Das sorgt für ein Extra an ungesättigten Fettsäuren, B-Vitaminen, Mineral- und an Ballaststoffen. Ballaststoffe helfen nicht nur träger Verdauung auf die Sprünge und schützen vor Heißhunger, sondern können auch unsere Darmflora stärken.

    In der Tora heißt es, dass nur ungesäuertes Brot während des Pessachfestes gegessen wird. Morgen (bzw. heute Abend) beginnt dieses achttägige, an den Auszug aus Ägypten und der damit einhergehenden Befreiung erinnernde, und als Gründungsdatum des Bundes Gottes mit seinem Volk zählende Fest. Im Vorfeld erfolgt die Reinigung des Hauses von allem Gesäuerten. Dieses symbolisiert die schlechten Eigenschaften: aufgequollen, voller Luft und damit Egoismus, Arroganz, Trägheit, Faulheit und Nichtstun. Während das Ungesäuerte Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und Authentizität versinnbildlicht: nicht so ansehnlich, dafür umso gehaltvoller. Unbedingt beachtet werden muss also, dass das Mehl gemahlener Getreidesorten mit Wasser vermischt, kräftig geknetet und dünn ausgerollt wird.

    Gewöhnungsbedürftig dürfte dieses symbolträchtige Brot für Liebhaber von französischem Baguette sein. Für die Zahngesundheit, zum Knabbern zwischendurch und auch für den abendlichen Heißhunger vor dem Bildschirm dürfte es wesentliche Vorteile haben – ganz abgesehen von den religiösen Geboten.

    Im Zentrum des Pessachfestes steht die häusliche Feier, der Seder. Seder ist das hebräische Wort für Ordnung. Nichts darf weggelassen werden, alles hat seine Bedeutung. Die Symbole sprechen die Juden auf der ganzen Welt an und überbrücken die Kluft der Zeit, die sie von ihren Vorfahren trennt. Es ist ein Festmahl mit ausgeprägtem Ritual, welches die Bedeutung des Auszugs aus Ägypten mit diversen Speisen, Erzählungen, Bräuchen und Liedern vergegenwärtigt.

    Das Gebot nichts Gesäuertes zu essen, Bitterkraut und ein geschlachtetes Lamm, mit dessen Blut die Türpfosten bestrichen wurden – ein Zeichen, dass Gott an diesen Türen vorübergehen und sein Vorhaben, alle erst geborenen Söhne zu töten, in diesen Häusern nicht ausführen soll – es ist nur ein kleiner Teil der Symbolik, die zu diesem Fest gehört.

    Zum Festmahl gehört, wie mir von Benjamin erklärt wird, neben Mazzot unbedingt: Bitterkraut (z.B. Meerrettich), Knochen (muss kein Lammknochen sein, Hühnerkeule o. ä.), rohes Frühlingsgemüse (Sellerie, Radieschen, Zwiebel etc.), Gekochtes Ei (Chagiga=Festopfer) und etwas Süßes:

    Charosset

    Aschkenasische Variante:

    • 3 Äpfel, geschält und gerieben
    • 1 Tasse geschälte und geriebene Mandeln
    • 1 Tasse klein geschnittene Rosinen
    • 1-2 TL Zimt
    • 1 EL süßer Rotwein für Pessach

    Alles vermischen, zuletzt Wein zufügen

    Sephardische Variante:

    • 2 Tassen Datteln ohne Kern
    • 2 Tassen Wasser
    • 2 Tassen Rosinen
    • ½ Tasse geschälte und geriebene Mandeln
    • 1 TL Zimt
    • 2-4 EL süßer Rotwein für Pessach

    Datteln und Rosinen 1 Stunde in Wasser einweichen, anschließend 30 Minuten in Wasser köcheln, etwas abkühlen und im Mixer zerkleinern, mit den übrigen Zutaten vermischen.

    Fehlen darf während des Seder auch die Haggada (= Erzählungen) nicht und Abbildungen, die hauptsächlich vom Auszug aus Ägypten handeln.

    Sie wird vom Vater vorgelesen und soll die Neugier der Kinder auf die biblischen Geschehnisse wecken.

    Es sind „nur“ zwei Kostproben des wesentlich umfangreicheren Festmahles zu Pessach. Ein wieder etwas gehaltvolleres Gericht enthält mein nächster Beitrag.

    Ich hoffe du/sie haben sich im Vorfeld zu Yom Kippur (04.-05.10.22 – passt vom Datum eher zur derzeitigen Jahreszeit) um Aussöhnung mit ihren Mitmenschen bemüht. Es ist jedes Jahr eine gute Gelegenheit sich dessen zu erinnern.

    shabbat shalom!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Meine heutige Exkursion führt mich wiederum zum Tempelberg und damit zu der Mauer, mit der Herodes d. Große das Plateau des ganzen Areals einst eingefasst hat. Das bekannteste Teilstück ist heute, als letztes Relikt des Tempels, das größte Heiligtum der Juden: die Klagemauer. Sie wurde 1967 für die Juden wieder zugänglich gemacht und Eschkol (damaliger Präsident Israels) wurde dort von den Israelis begeistert, von den Arabern jedoch mit bösen Blicken empfangen. Er zeigte zwar das Viktoriezeichen, sagte aber, befragt nach seinem Empfinden, er hielte diesen Tag für keinen guten und er würde noch viele Probleme bringen. Für mich als Touristin sind während des Rundgangs auf dem großen Platz vor der Mauer, die uns noch zu einem Drittel erhalten ist (ein weiteres Drittel ist abgetragen, das dritte befindet sich unter der Erde), keine Auffälligkeiten erkennbar, im Gegenteil: friedlich wird an der Mauer von Männern und Frauen getrennt gebetet und ab und zu kleine Zettelchen in die Mauerritzen gesteckt. Sorgen und Nöte werden darauf festgehalten und Gott (Jahwes) um Hilfe gebeten. Zweimal jährlich werden diese dann entfernt und ungelesen auf dem Ölberg begraben. Nach der gestrigen Anmeldung für eine Besichtigung des Westmauer-Tunnels kann ich mich nun auch auf eine Tour durch den unterirdischen Teil der Mauer begeben.

    Tunnel unter der Klagemauer

    Polizisten, schwer bewaffnet, verwehren vom Eingang aus alle weiteren Zugänge zur Altstadt und ich bin neugierig wie es weitergeht. Die Öffnung dieses Tunnels führte 1996 zu großen Unruhen unter der moslemischen Bevölkerung Jerusalems. Diese fürchtete, bei der Freilegung werde der Tempelberg untergraben und dadurch instabil. Glücklicherweise sind derartige Befürchtungen bis heute nicht eingetreten und ich kann mich hinab begeben. Mich hat diese Tour durch den öffentlich zugänglichen Teil sehr beeindruckt. Die Mauer ist ebenso ein Dokument der Baukunst zu Zeiten Herodes (40 – 4 v. Chr.), wie ich sie auf meiner Reise bereits des öfteren, z. B. in Masada oder Cäsarea gesehen habe. Der Tunnel verläuft längs des Tempelberges und führt in die Via Dolorosa, die „Straße der Schmerzen“ wie sie auch bezeichnet wird. Der Überlieferung nach soll Jesus nach seiner Verurteilung u. a. in dieser Straße mit dem Kreuz am Rücken nach Golgatha gegangen sein. Jeden Freitag bahnen sich auf dieser engen Strecke Pilgergruppen ihren Weg. Er führt sie vorbei an arabischen Souvenirhändlern und israelischen Wachsoldaten das Kreuz tragend bis zur Grabeskirche. Heute – es ist ein hoher moslemischer Feiertag – ist auch dieser Ausgang, wie die oben erwähnten, gesperrt. Es erklärt mir das Durchgangsverbot vom Morgen und die hohe Polizeipräsenz. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind sicher berechtigt: Unruhen sollen möglichst im Keim erstickt werden.

    Mein im Untergrund entstandener Hunger kann nun – wieder an der Oberfläche – nicht mehr erstickt werden. Es gibt eine hausgemachte Kartoffelsuppe im Tmol Shilshom.

    • 1 Zwiebel
    • 400 g Möhren
    • 150 g Sellerie
    • 150 g Lauch
    • 800 g Kartoffeln
    • 1 EL Öl
    • 5 Stengel Petersilie
    • 3 Blatt Liebstöckel
    • 3 EL Majoran
    • 1 1/2 l Gemüsebrühe
    • Salz und Pfeffer nach Geschmack

    Das Gemüse in 5-7 Minuten leicht anbraten, etwas salzen und pfeffern, die Brühe, die Kartoffeln und Kräuter dazugeben und alles ca. 10-15 Minuten kochen, pürieren – fertig! Serviert bekomme ich es mit einem Kleks Creme fraiche und etwas frischer Petersilie.

    Das nachfolgende Rezept des Fränkischen Käsekuchens stammt zwar nicht aus Israel, es fand jedoch bei den Freunden in Jerusalem begeisterte Zustimmung und wir haben es des öfteren zusammen „gezaubert“. Maya, eine allem Süßen aufgeschlossene junge Frau musste ihn unbedingt nachbacken.

    Kuchenboden:

    • 250 g Mehl
    • 70 g Zucker
    • 1 Prise Salz
    • 150 g Butter oder Margarine
    • 2 Eigelb
    • 2 EL Milch
    • 1 EL Rum
    • etwas geriebene Zitronenschale

    Belag:

    • 500 g Magerquark
    • 125 g flüssige Butter
    • 1/8 l heiße Milch
    • 100 g Zucker
    • 1 Päckchen Vanillezucker
    • 5 Eier, getrennt
    • etwas geriebene Zitronenschale
    • je 50 g Rosinen und Mehl
    • 1/2 TL Backpulver
    • 1 Eigelb zum Bestreichen

    Aus den Zutaten für den Boden einen Mürbteig herstellen und diesen ca. 1/2 Stunde kühl stellen. Während der Teig ruht, den Quark mit der heißen aber nicht gebräunten Butter, der Milch, dem Zucker und 5 Eigelb zu einer schaumigen Masse verrühren. Alles weitere zugeben und zum Schluß den steifen Eischnee unterziehen. Aus dem Mürbteig Kuchenboden und Rand einer Form belegen und die Quarkmasse gleichmäßig darauf streichen. Bei 200 Grad auf der mittleren Schiene ca. 1 Stunde backen (falls er zu dunkel wird, vorher mit Alufolie – kann mehrmals benutzt werden – abdecken). 15 Minuten vor Ende der Backzeit den Kuchen mit einem Eigelb bestreichen. Nach Fertigstellung etwas in der Form auskühlen lassen.

    Nach Tempelberg, Klagemauer und Western Wall Tunnel tauchen wir im nächsten Beitrag in ein weiteres wichtiges jüdisches Fest ein, Pessach. Heute ist es ein Familienfest, in früheren Zeiten war es neben Schawuot und Sukkot eines der israelitischen Wallfahrtsfeste, an denen die Gläubigen zum Tempelberg pilgerten.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.