-
Es geht weiter das Jordantal entlang zu unserem nächsten Ziel, einem Moschaw (Plural Moschawim), der mittlerweile jüngeren aber häufigeren Form israelischer Dorfgemeinschaften.
Die auf genossenschaftlicher Basis organisierten Moschawim unterscheiden sich von den bekannteren Kibbuzim hauptsächlich durch die Tatsache, dass nicht das Gemeinschaftsleben, also die Kommune, im Mittelpunkt steht, sondern die einzelne Familie innerhalb der Dorfgemeinschaft. Jede dieser Familien bewirtschaftet meist einen eigenen Hof, bzw. wie bei unseren Gastgebern eine Pension. Die individuellen Bedürfnisse und die Privatsphäre werden hier mehr berücksichtigt als in den Kibbuzim.
Gern hätte ich während unserer Reise ein Kibbuz näher kennengelernt. Diese gemeinschaftliche Lebensform, die es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt und die sich nicht am finanziellen Reichtum einzelner orientiert, sondern in der das Gemeinwohl im Vordergrund steht. Als junge Frau erschien auch mir – inspiriert von den Kommunen der 70er – diese Art zu leben als sehr erstrebenswert. Die Wohngemeinschaften wie ich sie damals kennen lernte, waren keine landwirtschaftlich orientierten, sondern hauptsächlich geprägt von der Vorstellung eines freieren Lebens ohne die elterliche Einengung. Dieser wollten wir uns, geprägt von dem häufig benutzten Satz: Solange du die Füße unter unseren Tisch stellst, machst du, was wir sagen, durch eine andere, freiere Lebensform entziehen. Zu mehr politischem Engangement war ich damals noch nicht in der Lage. Es gab sie jedoch, die politischeren, die idealistischeren jungen Menschen: ein Freund nahm in den 70er Jahren mit der Aktion Sühnezeichen für einige Wochen am Kibbuzleben teil. Er arbeitete in der Landwirtschaft und konnte so diese ganz besondere Art einer Kommune kennen lernen. Dieses Engagement wurde von uns anderen zumindest mit sehr viel Hochachtung begleitet.
Heute gibt es zwar immer noch Kibbuzim, häufig fungieren sie jedoch als Gästehäuser mit fortschreitender Privatisierung. Die herkömmliche Landwirtschaft hat es in Israel, wie in Europa, schwer, und es wundert nicht, wenn anstelle von Vieh, Algen für Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetik gezüchtet werden. Auch sind Solaranlagen neben Dattelplantagen kein seltener Anblick in den der Wüste abgerungenen Landstrichen. Gemeinschaft, Gleichberechtigung, gelebter Sozialismus ohne den Kapitalismus zu verteufeln – immer noch eine Utopie? Die heutigen Kibbuzniks leben mit diesen scheinbaren Gegensätzen.
Ich picke mir aus den Gemeinschaftsarbeiten im Kibbuz das Kochen heraus, nicht ohne dabei den Gemüsebauern und den Rinderzüchter vom Wochenmarkt (diesmal in Franken) mit einzubeziehen. Aus regionalen Grundlagen mit exotischen Gewürzen leckere Gerichte zaubern, mit alten und neuen Geschichten garniert, bereichern unseren Alltag ungemein. Das Erlebnis eines mit Freunden veranstalteten Kochevents ist etwas besonderes und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Das nachfolgende Rezept ist hierfür ein gutes Beispiel.
Gemüsesuppe mit Pesto
- 300 g weiße Bohnen
- 3-4 Zucchini
- 150 g Lauch, nur weiße und zartgrüne Teile
- 300 g grüne Bohnen
- 300 g Karotten
- 300 g Kartoffeln
- 500 g Tomaten
- 1 Gewürzsträußchen (bestehend aus einigen Stengeln Petersilie, Thymian, Salbei u. 1 Lorbeerblatt)
- 200 g Suppennudeln
- 5 Knoblauchzehen
- 150 g Parmesan
- 100 ml Olivenöl
- 2 Handvoll frische Basilikumblätter
- Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die weißen Bohnen am Vortag einweichen. In kaltem Wasser aufsetzen und ca. 1 Std. kochen lassen bis sie beginnen weich zu werden.
In der Zwischenzeit das Gemüse vorbereiten: Karotten, Kartoffeln und Tomaten (heiß überbrühen) schälen und in kleine Würfel schneiden, Zucchini und Lauch in Scheiben, Bohnen abziehen und in Stücke schneiden. 2 1/2 l Wasser zum Kochen bringen. Gemüse, abgetropfte Bohnen sowie das Gewürzsträußchen hineingeben und salzen, 2 Std. bei geringer Hitze kochen lassen. Anschl. die Nudeln dazugeben und weitere 10 Min. kochen, mit Pfeffer abschmecken.
In der Zwischenzeit das Pesto zubereiten:
geschälten Knoblauch zusammen mit den Basilikumblättern im Mörser zu einer Paste zerstampfen. 50 g des frisch geriebenen Parmesan darunter rühren und anschl. nach und nach das Olivenöl einarbeiten.
Das fertige Pesto mit etwas Brühe verdünnen. Pesto und restlichen Parmesan getrennt zur fertigen Suppe reichen. Jeder kann sich nach eigenem Geschmack bedienen.
Nach dem Pesto (geht relativ schnell) und während die Suppe langsam vor sich hin köchelt, probieren wir die Auberginen-Paste (voriges Rezept) mit etwas Fladenbrot und einem ersten Glas des vollmundigen Rotweins von den Golan-Höhen.
Es war ziemlich spät und bereits dunkel. Wir müssen uns bei den wenigen Menschen, die noch nicht in ihren Häusern sind, durchfragen, haben Glück und werden von einer sehr freundlichen amerikanischen Touristin zur Unterkunft geleitet. Sie wohnt zufällig in derselben Siedlung, wo sie sich mit ihren in Israel lebenden Verwandten trifft.
Yom Kippur, das große jüdische Versöhnungsfest (wir begegnen ihm in einem späteren Beitrag etwas ausführlicher) einige Tage später, ist der Anlass für das Familientreffen der Eltern, Großeltern, der kleinen und großen Kindern. Es ist wunderbar ihnen am nächsten Morgen beim Frühstück zuzusehen und zuzuhören, auch wenn alles in hebräisch gesprochen wird und zumindest ich nicht allzu viel verstehe. Familienleben gerade an Feiertagen ist in Israel ein sehr sehr wichtiger Faktor und alles andere wird hinten angestellt.
Das Ehepaar aus dem Moschaw, das uns mit einem köstlichen Frühstück versorgt, kommt halb aus Frankreich und halb aus Israel. Der Ehemann ist zuständig für die Versorgung der Gäste und deren Unterhaltung. Stolz führt er uns durch seinen Teil der dörflichen Anlage mit Whirlpool und sogar Sauna.
Die Ehefrau zaubert innerhalb kürzester Zeit ein fantastisches Büfett. Neben Salzigem (die obligatorischen Oliven und das eingelegte milchsaure Gemüse) gibt es selbst zubereitete Marmelade von Datteln, die vor dem großen Panoramafenster auf einem ausladenden Baum wachsen, um nur einige Besonderheiten zu nennen.
Unser Blick gleitet dabei vom Baum hinunter ins weite Tal des Jordan עמק הירדן, dieses mit 260 km Länge größten Flusses Israels. Vom Zusammenfluss seiner Quellflüsse auf dem Berg Hermon הר הרמון, 400 m über dem Mittelmeer bis zur Mündung ins Tote Meer ים המלחfällt er 916 m (Jordan/Yarden ירדן= fällt herab). Sein Tal ist das tiefstgelegene unserer Erde und er hat lange Zeit das Salzmeer, wie es auf Hebräisch heißt, mit Süßwasser gespeist. Seitdem diese Kostbarkeit des Jordans allerdings fast komplett abgepumpt wird, sinkt der Wasserspiegel des toten Meeres pro Jahr gut einen Meter. Sowohl die Grundwasserressourcen, als auch die damit verbundene Trinkwasserversorgung sind extrem gefährdet. Als Gegenstrategie haben sich die Anrainer Israel, Jordanien und die Palästinenser gemeinsam mit der Weltbank auf den Bau eines „Friedenskanals“ geeinigt. Vom Roten Meer soll Wasser in eine Entsalzungsanlage gepumpt und zu Süßwasser verwandelt werden. Die übrig bleibende Salzlake will man ins 180 km entfernte Tote Meer pumpen. Vielleicht kann dadurch eines der eindrucksvollsten Naturwunder der Erde mit seinen besonderen Heilkräften unseren Nachkommen erhalten bleiben.
Gestern Abend sahen wir unten im Jordan-Tal nur die Lichter, jetzt beim Frühstück fasziniert uns die Weite und Helle dieser Landschaft. Ein wenig an die biblische Geschichte und deren Bilder aus der Kindheit werde ich wieder einmal erinnert, wie schon oft die letzten Tage. Der Hausherr, für den dieser Blick ein alltäglicher, wie er uns versichert, aber immer noch faszinierender ist, verrät mir ein Rezept seiner Gattin für einen:
Dattel-Nuß-Kuchen עוגה דקל-אגוז
- 125 g Grieß
- 125 g Mehl
- 1 TL Backpulver
- 4 EL Zucker
- ½ Vanilleschote o. 1 P. Vanillezucker
- 125 g Butter (Pflanzenöl)
- 250 g frische Datteln (o. 200 g getrocknete)
- 2 EL Honig (Ahornsirup)
- 1 EL Zitronensaft
- ½ TL gem. Zimt
- 60 g gehackte Walnüsse
Für die Form Butter und Semmelbrösel
Grieß, Mehl, Backpulver, Zucker und Vanille mischen. Die Butter zerlassen und unterrühren. Die Datteln entsteinen und klein schneiden.
Eine Springform (22 cm) mit Butter ausstreichen und mit Semmelbrösel ausstreuen.
Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
1/8 l Wasser zum Kochen bringen und die Datteln unter Rühren 5 Minuten kochen lassen. Honig, Zitronensaft, Zimt und Walnüsse zufügen, umrühren und die Mischung vom Herd nehmen.
Die Hälfte der Mehl-Grieß-Masse in die Springform füllen, festdrücken und die Dattelmasse gleichmäßig darauf verteilen. Die restliche Mehl-Grieß-Mischung in Form von Streuseln auf die Dattel-Mischung krümeln.
Auf der mittleren Schiene in ca. 45 Min. goldgelb backen.

Dieser Kuchen krümelt etwas, ist jedoch einfach zuzubereiten und gut als Dessert zu Espresso oder Nachmittagskaffee geeignet.
Und ein Rezept für das milchsauer eingelegte Gemüse, wie man es in alten Kochbüchern auch bei uns findet:
Milchsaures Gemüse

- 1,2 kg Gemüse
- (Es eignen sich Karotten, Blumenkohl, feste Tomaten, bissfest gekochte grüne Bohnen, Erbsen, Mais, Kohlrabi, kleine Gurken, rote und grüne Paprikaschoten)
- 3 Zwiebeln
- getrockneter Dill, Estragon
- 3 Lorbeerblätter
- 3 Knoblauchzehen
- 5 Pimentkörner
- 1 EL Senfkörner
- evtl. frischen Meerrettich in Scheiben
- 1 ¾ l Wasser
- 45 g Salz
Gemüse waschen, putzen und in Würfel schneiden, abwechselnd in ein steriles Schraubglas schichten, Kräuter dazwischen und bis 6 cm unter den Rand befüllen. Wasser mit Salz aufkochen und erkaltet über das Gemüse gießen (Gemüse muss bedeckt sein). Das Glas luftdicht verschließen und 1 Woche bei Zimmertemperatur dunkel und anschließend 3 Wochen kühl stellen (nicht in den Kühlschrank).
In Israel bekommen wir dieses eingelegte Gemüse bei vielen Anlässen serviert und anstelle unserer Essiggurken lohnt es sich ausprobiert zu werden.
Von „unserem“ Moschaw aus besuchen wir am nächsten Tag
Bet She’an (Bet בית=Haus und hier: Tempel des Schlangengottes Shahan)

Immer noch eindrucksvoll: die Ruinen von Bet She’an Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-
Quer durch Galiläa geht es als nächstes in die Stadt Tiberias, benannt nach dem römischen Kaiser Tiberius.
Wechselnde Machtverhältnisse jüdischer, moslemischer und christlicher Bevölkerungsgruppen und die damit einhergehenden Kriege konnten dieser Kleinstadt ebenso wenig nachhaltigen Schaden zufügen, wie etliche Erdbeben. Ihre warmen Heilquellen, die Lage am See Genezareth (See von Kinneret) und der fruchtbare Boden machen sie nach wie vor zu einem begehrten Ferienort. Weintrauben und Feigen können hier 10 Monate ohne Unterbrechung geerntet werden, viele andere Früchte sogar während des gesamten Jahres.
Von Tiberias aus besteht zwar die Möglichkeit die gegenüberliegende Seite des Sees mit dem Boot zu erreichen – wir jedoch nehmen das Auto und kommen nach einer Zwangspause (Reifenpanne) in den Kibbuz EinGev am Ostufer des Sees Genezareth.

Zeit, sich einige Besonderheiten des mit 212 m unter dem Niveau des Mittelmeers tiefst gelegenen Süßwassersees der Erde ins Gedächtnis zu rufen.
Die israelische Wassergesellschaft darf bis zum Pegel von 212 m Wasser aus dem See pumpen um es über ganz Israel zwecks Bewässerung zu verteilen. Der See von Kinneret ist 21 km lang und 13 km breit und wurde benannt nach der kanaanitischen Gottheit „knrt“, die Evangelisten nennen ihn Galiläisches Meer oder Tiberiassee, für die Araber ist er das „Auge Allahs“.
Zwischenzeitlich kann der Reifen des Autos in einer Tankstelle ausgewechselt werden. Ein hilfsbereiter Tankwart bewerkstelligt dies ohne Komplikationen und gibt uns sogar noch einen Tipp wo wir eine Kleinigkeit essen können. Das Restaurant des Kibbuz „EinGev“ liegt ganz in der Nähe und wir bekommen einen typischen und sehr schmackhaften Salat angeboten (der uns später noch oft in der Jerusalemer Altstadt als arabischer Salat begegnen wird):
Israelisch/arabischer Salat
- 2 große reife Tomaten
- 1 geschälte Gurke
- 1 grüne Paprikaschote
- 1 Zwiebel
- alles in kleine Würfel schneiden
dazu
- 4 EL gehackte Petersilie
- 2-3 EL Olivenöl
- Saft einer Zitrone
- Salz, Pfeffer
- einige Würfel Schafs- oder Ziegenkäse
Alles mischen, kühl stellen und vor dem Servieren mit Minzeblättern oder Petersilie garnieren, mit Hummus (s. Beitrag „Ankunft in Erez-Israel), Brot oder Fingernudeln (Rezept unten) servieren.

Israelisch/arabischer Salat Fingernudeln
- 500 g gekochte Kartoffeln
- 1 Ei
- 80 g Mehl
- 1 Prise Salz
Gekochte kalte Kartoffeln reiben, mit den übrigen Zutaten rasch vermengen und fingerlange Nudeln (1-2 cm im Durchmesser) formen. In Öl oder heißem Fett auf allen Seiten goldgelb backen.
Dies ist ausnahmsweise kein israelisches Rezept, es stammt von meiner Oma, die auf diese Weise kalte Kartoffeln vom Vortag verarbeitet hat. Diese „Nudeln“ passen zu allem möglichen.
Von EinGev aus geht es Richtung Golan Höhen und dort in den Nationalpark. Die Ruinen der Burg des Nimrod מבצר נמרוד erheben sich majestätisch vor unseren Augen. Eine der Sagen um Nimrod, den biblischen Städtegründer und Urenkel Noahs, erzählt uns, wie dieser von der Burg aus seine Pfeile in den Himmel schoss, um Gott seine Macht zu beweisen. Der Allmächtige sandte daraufhin eine Fliege, die sich so lange im Gehirn des Königs Nimrod festfraß, bis er unter furchtbaren Schmerzen starb. Die Fliege übernahm die Herrschaft über die Burg, welche seitdem Qal’at Subeibe = Fliegenburgקלעת א-צובייבה heißt.
Islamische Assassinen (arabisch für Haschischraucher), Christen, Franken nahmen die strategisch wichtige Burg ein, Damaszener schließlich machten sie dem Erdboden gleich damit sie den Truppen eines späteren Kreuzzuges nicht als Basis gegen Damaskus dienen konnte. Sie wurde zwar von den Moslems wieder aufgebaut, verlor jedoch an Bedeutung und verfiel.

Die Weiterfahrt gestaltet sich dank dreier junger Männer, die per Anhalter mitgenommen werden wollen, recht unterhaltsam. Sie haben vor kurzem ihren Militärdienst beendet und sind auf dem „Israel National Trail“ unterwegs. Dieser Wanderweg führt von Galiläa im Norden zum Golf von Eilat im Süden. Die angehenden Medizin- und Physikstudenten berichten sehr auskunftsfreudig über ihre Lebensumstände und ihre Familien.
Einer der jungen Männer hat osteuropäische Vorfahren und als sich unsere Gespräche von der Politik und dem Geld auf das typische Essen verlagern, erfahren wir, dass viele Speisen u. a. aus Polen, Russland und dem Baltikum kommen und mittlerweile fester Bestandteil der israelischen Küche sind. Eines dieser Gerichte besteht, wie so viele andere in dieser Region, aus Auberginen ….
Brotaufstrich aus Auberginen (Vorspeise)
- ca. 500 g Auberginen
- 2 feingehackte grüne Zwiebelstangen
- 3 zerdrückte Knoblauchzehen
- 1 EL Zitronensaft
- Salz, Pfeffer nach Geschmack
- 1 roter zerhackter Piment (auch gemahlen)
- Dill, Petersilie, Schnittlauch
- 4 EL Olivenöl

Zutaten zur Auberginencreme Wichtig bei diesem Gericht ist, dass die Auberginenחציל in der Schale gegart werden. Am besten geht das in der Backröhre bei ca. 220 Grad in ca. 45 Minuten. Es sollte die Haut schwarz (wirklich schwarz und schon leicht rauchig) sein und das Innere weich. Vor dem Backen ist es ratsam die Auberginen oben etwas anzupicksen damit sie nicht aufplatzen.
Abkühlen lassen, schälen und mit Salz, Pfeffer, Knoblauch, Öl, Zitronensaft zu einem homogenen Püree mixen/aufschlagen. Piment und die grünen Kräuter darüber streuen. Mit Weißbrot servieren.
Ich kenne diese Speise genauso aus Rumänien. Bei Besuchen dort kann ich mich jedes Mal zusammen mit dem typischen Fladenbrot daran nicht satt essen. An seiner Farbe sollten Sie sich nicht stören – es schmeckt trotzdem.
Shabbat Shalom שבת שלם
Nächste Woche geht es von den Golanhöhen in ein Moschaw über dem Jordantal mit Süßem und Sauren und in den Tempel des Schlangengottes Shahan
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-

unterirdisches Akko In Akko עכו angekommen, genießen wir mit einem türkischen Mokka im historischen Kern dieser alten orientalischen Hafenstadt das unvergleichliche Flair. Ptolemais, wie die Stadt im Altertum hieß, gehört seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Dieser einst bedeutendste Hafen Palästinas lässt sich mit Blick auf das schlanke Minarett der Ahmed-Jezzar Moschee während der morgendlichen Betriebsamkeit erahnen und wir versuchen ein klein wenig in die Geschichte einzudringen. Ägyptische Pharaonen, Hethiter, Phönizier, Babylonier, Alexander der Große, Seleukiden, Römer, Byzantiner, Omaijaden, Christen (Haupthafen des fränkischen Königreiches), Juden und schließlich Sultan Saladin eroberten die Stadt. Während der Kreuzzüge erlangte Akko u. a. durch Richard Löwenherz und etliche europäische Könige und Fürsten große aber auch blutige Bedeutung. Weitere große Namen finden wir unter den einstigen Besuchern: König Salomo, Julius Cäsar, der Apostel Paulus, Franz von Assisi (dieser gründete das erste Franziskanerkloster im Heiligen Land), der Stauferkaiser Friedrich II., Ludwig der Heilige. Der Deutsche Orden fand hier seinen Ursprung. Napoleon Bonaparte gelang es allerdings nicht, trotz dreimonatiger Belagerung, die Stadt einzunehmen.
Zur Erfrischung nach der Besichtigung der unterirdischen Kreuzfahrerstadt, die tatsächlich 1291 zugeschüttet wurde und heute 4 m unter dem Straßenniveau liegt, gibt es
frisch gepressten Granatapfelsaft מיץ רימון

Seit Jahrtausenden werden dem Granatapfel außergewöhnliche Kräfte zugeschrieben. Bereits in der Antike galt er als Sinnbild für Fruchtbarkeit, Liebe, Schönheit und Unsterblichkeit. Er spielt sowohl in der griechischen Mythologie, als auch im Judentum eine wichtige Rolle. Hier steht der Granatapfel für die Gesetzestreue gegenüber der Thora. 613 Kerne stehen für die Anzahl der Gebote der Thora und im Buddhismus gehört der Granatapfel neben Pfirsich und Zitrone zu den drei „gesegneten Früchten“. Auch im Koran wird die Frucht als Geschenk Allahs erwähnt, als ein Zeichen göttlicher Gunst. Den klassischen Granatapfelbaum finden wir deshalb auch in West- und Mittelasien, sowie im Mittelmeerraum und er erreicht eine Höhe von bis zu 5 Metern. Wie die knorrigen Olivenbäume ist er dann allerdings schon mehrere hundert Jahre alt.
Immer wieder begegnen uns auf unserer Route quer durch Israel Granatapfelbäume, fast ebenso häufig die dazugehörigen Saftpressen. Wie hier in der Altstadt von Akko, gibt es sie an jeder Straßenecke.
Die Kerne enthalten sehr viel Vitamin B und C, ebenso Eisen, Kalium, Kalzium und Polyphenole.

Hier noch eine Creme aus dem Saft eines Granatapfels:
- Saft von einem Granatapfel
- ein paar Kerne zum Garnieren
- 4 Blatt weiße Gelatine (Agar-Agar)
- 200 ml Sahne (Sojasahne)
- 100 ml Jogurt (Sojacreme)
- 50 ml Agavensirup
- einige Pinienkerne
Die Gelatine nach Anweisung einweichen und im heißen, nicht gekochten Saft auflösen. Sahne steif schlagen, Jogurt und Sirup nach Geschmack unterheben. 3 EL davon zuerst unter den Saft u. die aufgelöste Gelatine mischen und nach und nach alles dazu geben. Im Kühlschrank mindestens 2 Stunden fest werden lassen. Mit den herausgelösten Kernen der Granatapfelhälfte und den gehackten Pinienkernen garnieren.
Nach dieser kleinen Stärkung geht es von Napoleon im 18./19. Jahrhundert zurück ins 7. Jahrhundert n. Chr. zu Muawiya. Akko wollte dieser nicht erobern, im Gegensatz zu Napoleon hat er aber Konstantinopel (das heutige Istanbul) alljährlich angegriffen und einmal sogar 3 Jahre lang zu Land und zur See belagert.
Muawiya war der Schöpfer der arabischen Monarchie und Begründer der Omaijadendynastie.
Ihm will ich das folgende Rezept eines Grießkuchens, Haris, widmen.
Vorher jedoch eine kleine Anekdote, die an diesen nicht alltäglichen Herrscher erinnert:
Muawiya – er wurde auch der arabische Cäsar genannt – herrschte 40 Jahre (7./8. Jahrhundert n. Chr.) über Jerusalem. Seine Regentschaft wurde als gerecht, friedlich und tolerant, auch von Juden und Christen anerkannt und es gibt viele amüsante Geschichten über ihn. Er war zusammen mit den Juden Arabiens aufgewachsen und wenn ihn später eine jüdische Delegationen aufsuchte, fragte Muawiya angeblich als Erstes, ob sie das köstliche Gericht „Haris“ kochen könnten.

Grieskuchen „Haris“ - 100 g flüssige Butter (Pflanzenöl)
- 3 Eier (veganes Eipulver)
- 50 g Zucker, 1 P. Vanillezucker
- 1 geh. TL Trockenhefe
- 1 geh. Backpulver
- 300 g feiner Grieß
- 200 g Jogurt (Sojacreme)
und für den Sirup:
- 200 g Zucker
- 200 ml Wasser
- 1 TL Zitronensaft
- ½ P. Vanillezucker
- Kokosraspel oder geh. Pistazien
Alle Zutaten verrühren bis ein geschmeidiger Teig entsteht, der leicht vom Löffel fällt. Nun in eine gebutterte Form geben und ½ Stunde ruhen lassen. Bei 180 Grad auf der mittleren Schiene backen bis er eine goldgelbe Farbe bekommt.
Sirup: Zucker, Wasser und Zitronensaft zusammen zum Kochen bringen und 5 Minuten auf kleiner Stufe köcheln lassen. Vom Herd nehmen und Vanillezucker unterrühren.
Den Kuchen in der Form (Tarteform) heiß aufschneiden und den Sirup darüber gießen, mit Kokos oder Pistazien garnieren.
Nach dem Ausprobieren dieses relativ einfachen arabischen Grieskuchens, noch eine Geschichte über die Weisheit und Geduld Muawiyas, dieses sogenannten arabischen Scheichs.
„Ich benutze nicht mein Schwert, wenn meine Peitsche genügt, nicht meine Peitsche, wenn meine Zunge genügt. Und wenn auch nur ein Haar mich mit meinen Nächsten verbindet, lasse ich es nicht zerreißen. Wenn sie ziehen, lasse ich locker, wenn sie locker lassen, ziehe ich.“
Vielleicht mutmaßte Muawiya bei diesen Worten, dass Süßes in jeder Kultur zu Hause ist und eine feine Süßspeise ihn mit Jedem, ob Feind oder Freund, auch wenn es nur ein dünner Faden ist, verbinden kann.
Nächste Stationen: Tiberias, EnGev, die Golanhöhen und ein Abstecher zur „Fliegenburg“ von viel Süßem zu wieder mehr Herzhaftem
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-
Neben den religioesen Ritualen, ist das gemeinschaftliche Essen fester Bestandteil eines jeden Feiertags im jüdischen Kalender und somit auch gewissen Regeln unterworfen. Wer diese Speisegebote (Kaschrut) einhält, begreift sie nicht nur als Einschränkung, sondern ebenso als Lebensbereicherung und wichtiges Moment der Gemeinschaft. Über Jahrhunderte hat das jüdische Volk überall auf der Welt auch dadurch seine Gruppenidentität bewahrt. Die Kaschrut sind nicht einer bestimmten regionalen Küche zuzuordnen – sie koennen überall eingehalten werden. Fast jedes Essen kann koscher (rein/tauglich/geeignet) zubereitet werden. Wichtiges Moment sind dabei auch die Gerätschaften, welche ausschließlich für die jeweilige Zutat verwendet werden dürfen. Uns Mitteleuropäer mögen manche dieser sehr strengen Regeln unsinnig erscheinen. Aus Hygienegründen ist dies im heißen israelischen Klima ein nachvollziehbares Gebot.
Ob allerdings zubereitete Speisen wirklich koscher sind, entscheidet ein Maschgiach (Lebensmittelprüfer). Unterschiedliche konfessionelle Richtungen setzen unterschiedliche Maßstäbe an und verwenden eigene Zertifizierungen. Entscheidend für den Konsumenten ist, dass er die Stempel der favorisierten Prüfer erkennt.
Strenge Regeln werden auch bei der Produktion von koscherem Wein eingehalten, wobei jeder Arbeitsschritt, bei dem man mit dem Inhalt des Weins in Beruehrung kommt nur von den Sabbat respektierenden Menschen vollzogen werden darf. Nur wenn diese Regel bis zum Verschluss und schliesslich auch beim Oeffnen befolgt wird, kann der Wein als קשר gelten. Desweiteren werden die Trauben beispielsweise erst ab dem vierten Jahr geerntet, die Erntegeräte unter der Aufsicht eines Rabbiners gesäubert und ein kleiner Teil des Weines muss verschenkt werden.
Koscherer Frankenwein hatte Weltpremiere 2017 in Iphofen: es wurde erstmals koscherer Silvaner vorgestellt, der dritte koschere Weißwein aus Deutschland überhaupt.
Alle Arbeitsschritte wurden von orthodoxen Juden erledigt und von einem Rabbiner beaufsichtigt. Der Kellermeister des fränkischen Weinguts Wirsching durfte während der gesamten Produktion den Wein weder berühren noch sehen. Damit er die Qualität des Weins beurteilen konnte, wurde parallel ein zweites, nicht koscheres Fass produziert.

Fränkische Winzer können von ihren israelischen Kollegen jedoch nicht nur die Herstellung koscheren Weins lernen. Auch deren Wissen um eine sinnvolle und ressourcenfreundliche Bewässerung dürfte in Zeiten wärmerer Sommer mit geringeren Niederschlägen für sie an Bedeutung gewinnen.
Wir sind immer noch in Haifa, dieser drittgrößten, europäischsten Stadt mit dem größten Hafen Israels.
Viele Schiffe mit europäischen Juden legten hier an und besonders ab 1933 kam es zu einer Masseneinwanderung auf dem Seeweg durch Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland.
Der moderne Hafen besteht seit 1933, als die britische Regierung begann, Haifa als wichtigen Marinestützpunkt auszubauen. Auch entstand eine Rohölleitung aus dem Irak und eine Ölraffinerie mit einem Ölverschiffungshafen. Viele arabische Arbeiter aus den Nachbarländern siedelten sich dadurch in Haifa an. Seit der Staatsgründung 1948 allerdings ist die Pipeline aus dem Irak gesperrt. Der Hafen verlor dadurch zunächst seine zentrale Stellung, wurde aber in den Folgejahren das Ziel vieler jüdischer Flüchtlinge, die den Holocaust überlebt hatten. Deren Zahl wuchs zwischen 1948 und 1951 auf 3000 pro Woche. Im Museum der illegalen Einwanderung und der Flotte können wir u. a. das Motorschiff Af’Al Pi bestaunen. Mit ihm wurde 1940 mit jüdischen Flüchtlingen aus Europa die britische Blockade durchbrochen.
Auch die internationalen Eisenbahnlinien wurden 1948 eingestellt. Dabei war Haifa im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt.
Bereits Kaiser Wilhelm II. förderte nach seinem Besuch in Israel 1898 den Bau eines Abzweigs der Hedschasbahn (von Damaskus/Syrien nach Medina Saudi-Arabien) nach Haifa, der 1905 fertiggestellt wurde. Während des ersten Weltkriegs wurde dieses Teilstück von den Briten bis zur Sinai-Halbinsel weitergebaut.
Große Teile dieser Wüstenbahn, wie man sie nannte, wurden allerdings nach dem ersten Weltkrieg im Zuge der territorialen Aufteilung (Frankreich erhielt Libanon und Syrien, Großbritannien Palästina und damit auch Transjordanien, das heutige Jordanien und den Irak) zerschlagen und getrennten Verwaltungen unterstellt. Im Jahr 1924 fuhr letztmalig ein Zug auf der Gesamtstrecke Damaskus – Medina.
Während des Palästinakrieges in den späten 1940er Jahren wurden die Strecken der Hedschasbahn in Palästina von den Israelis unterbrochen und die nach der Teilung verbliebenen Reste auch dieser Strecke stillgelegt.

Nächtlicher Bahai-Schrein Dieser Schrein mit den erst 2001 eröffneten hängenden Gärten der Bahai wird aufgrund seiner beeindruckenden Architektur als achtes Weltwunder bezeichnet. Der Bahai-Schrein gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde 2008 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Es ist das Mausoleum von Mirza Ali Mohammed el-Bab, des Begründers der Bahai-Religion, welches diese auf einzigartigen Terrassen angelegte Gartenanlage überstrahlt.
Religionen begegnen uns in Israel viele und manchmal beschleicht mich ein Gefühl wie: sie sind sich im Grunde doch alle ähnlich. Und, warum müssen wir Menschen deshalb immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen führen?
Bei der Lektüre eines vor längerem erschienen Zeitungsbeitrages von Pater Nikodemus Claudius Schnabel (Prior Administrator der Dormitio-Abtei in Jerusalem) wird mir bewusst, es gibt sie, die Menschen, die im jüdisch-christlichen Dialog den Islam und im christlich-islamistischen das Judentum mitdenken. Menschen, welche in der katholisch-evangelischen Ökumene die Ostkirchen und im katholisch-orthodoxen Dialog die Kirchen der Reformation mitdenken. Menschen, welche im Dialog mit der säkularen Welt die Religionen und im Dialog mit den Religionen die säkulare Welt im Auge behalten. Menschen, deren kompetente und leidenschaftliche Stimme ein tolerantes Miteinander in den Vordergrund stellen.

Auf dem Berg Karmel Der heilige Berg Karmel ist Teil des Karmelgebirges und wurde Naturgöttern, westsemitischen Gottheiten, später Zeus und Jupiter geweiht. Die biblischen Propheten Elija und Elischa lebten hier in ihren Höhlen, Pythagoras verfasste auf dem Karmel einige seiner Lehrsätze. Im Jahr 1155 wurde hier der Karmeliterorden gegründet und es entstanden zahlreiche Klöster. Als Beispiel einfachen klösterlichen Lebens hier das Rezept für ein herzhaftes
- Brotkonfekt
- 250 g Weizenvollkornmehl
- ½ Päckchen Trockenhefe oder 10 g frische
- 130 ml Wasser
- 40 ml Sonnenblumenöl
- je eine Prise Salz und Zucker
- für die Füllung:
- 30 g Räuchertofu ganz klein gewürfelt
- 20 g Tomatenmark
- Pfeffer, Kräuter
Hefeteig herstellen und 1 Stunde gehen lassen, nochmal durchkneten und ca. 20 kleine Kugeln formen, platt drücken, eine kleine Menge der Füllung hinein drücken und wieder rollen. Vor dem Backen mit etwas Wasser bestreichen und mit Sesam bestreuen.
Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad 10 – 15 Minuten backen.
Eine schmackhafte Ergänzung zu einem Glas Wein, z. B. von den Golan-Höhen (alternativ: Blauburger aus Kaubenheim/Franken).

Bevor wir Haifa Richtung Akko verlassen, führt uns der Weg noch ins Alte Technion im Zentrum der Stadt, die ehemalige Technische Hochschule. Heute ist dort das „National Museum of Science Design“ untergebracht.
Als der ursprüngliche Campus im Zentrum von Haifa zu klein wurde, wählte der damalige Premierminister David Ben Gurion ein Gelände am Stadtrand von Haifa für den neuen Campus aus. Das Technion begann 1953 auf den neuen Campus zu ziehen.
Nächste Woche: Weiterfahrt nach Akko, eine der orientalischsten Städte Israels
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-

Blick vom Berg Karmel auf den Hafen von Haifa Sabbat Shalom – receive peace and be blessed – habe Frieden, sei gesegnet!
Vom Sabbat zum Nachtleben in Haifa und von dort zum Frühstück:
Probieren Sie Shakshuka (שקשוקה), ein traditionelles israelisches Frühstücksgericht.
Es schmeckt phantastisch und erinnert mich mit dem Spiegelei in der Tomaten-/Paprikasauce sofort an den Sonnenaufgang – noch auf dem Schiff – am Tag meiner Ankunft in Israel.
Wie heißt das so schön bei Joachim Ringelnatz:
„Aus meiner tiefsten Seele zieht mit Nasenflügelbeben,
ein ungeheurer Appetit nach Frühstück und nach Leben.“
Shakshuka (שקשוקה)
- 2 rote Paprikaschoten
- 4 Tomaten (heiß überbrüht und geschält)
- 2 Zwiebeln
- alles in kleine Würfel schneiden
- 4 Zehen Knoblauch (mit Salz und einem Messer zerdrücken)
- 1 EL Tomatenmark
- nach Bedarf: Chili, gem. Koriander, Kreuzkümmel, kleingehackter Ingwer
Alle Zutaten weichkochen (ca. 20 Min.), 2 rohe Eier vorsichtig in kleine Mulden auf die Masse geben, etwas salzen und pfeffern und zugedeckt garen bis das Eiweiß fest ist. Alternativ kann das Gericht auch (Pfanne ohne Plastikgriffe) in der Röhre bei 190 Grad Ober- u. Unterhitze 9-10 Minuten gebacken werden. Mit Schnittlauch, Petersilie oder nach Geschmack frischem Koriander bestreut servieren.
Vegane Variante: anstelle der Eier gekochten Reis oder Bulgur in das Tomaten- Paprikagemüse setzen. Das Überbacken fällt in diesem Fall weg.
Fladenbrot passt in beiden Fällen dazu.

Zum israelischen Neujahrstag Rosch-ha-Schana (ראש השנה) isst man übrigens in der Hoffnung auf ein „süßes“ Neujahr einen sehr würzigen und süßen Kuchen

Lekach
- 175 g Mehl
- 75 g Puderzucker
- je ½ TL gem. Ingwer und Zimt
- 1 TL Lebkuchengewürz (muss nicht unbedingt sein)
- 1 TL Natron
- 225 g klarer Honig
- 4 EL geschmackloses Pflanzenöl
- geriebene Schale einer Orange
- 2 Eier (oder veganes Eipulver)
- 5 EL Orangensaft
- 2 TL frischen klein gehackten Ingwer
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.
Mehl, Zucker, Ingwer und Gewürze vermischen.
In einer Mulde Honig, Öl, die Orangenschale und die Eier mit einem Handrührgerät darunter mischen, abschließend den Saft und den gehackten Ingwer einrühren.
Den Teig in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform füllen und ca. 50 Min. backen.
In der Form auskühlen lassen, auf ein Gitter stürzen und in Alufolie wickeln, 2-3 Tage ruhen lassen und gut durchgezogen servieren.
Passender habe ich meine Ankunft in Israel nicht planen können. Mit Rosch-ha-Schana (Neujahrstag, woertlich, „Kopf des Jahres“) beginnt der Herbstkreislauf und damit die ehrfurchtsvollen Tage, die mit Yom Kippur enden. In dieser Zeit wird bestimmt, ob jemand in das Buch des Lebens eingetragen wird.
Eine Verballhornung des Begriffs Rosch-ha-Schana ist womöglich der Silvestergruss „Guten Rutsch“.
Was uns jede Woche begegnet und was auf Speiseplan und jüdischen Alltag sehr großen Einfluss hat, ist der wöchentliche Feiertag, der Sabbat.
Nach biblischer Überlieferung, schuf Gott an 6 Tagen unser Universum, seine Objekte und Lebewesen, je ein Tag fuer die Charakteristika unserer Welt. Um jedoch diesen Schaffensakt beispielhaft fuer das Leben zu machen, fehlte noch ein Tag der Ruhe, der Gelassenheit und der Erneuerung. Dies ist der 7., der heilige Ruhetag an dem somit allwöchentlich festlicher Ausnahmezustand nach biblischem Vorbild herrscht. Bis zum Abend des nächsten Tages gilt ein Ruhegebot, weil auch Gott an diesem Tag ruhte. Er bleibt dem Gottesdienst, dem Studium, aber auch der Erholung und der Familie vorbehalten. Wie alle Feiertage im jüdischen Kalender beginnt er mit der Abenddämmerung des Vortages, wenn die Hitze nachlässt und der Mensch aufatmen kann.
Der durch die Tora (=hebräische Bibel, bestehend aus den 5 Büchern Moses und 613 Ge- und Verboten) gebotene Sabbat beginnt also jeden Freitagabend nach Sonnenuntergang und zwar mit dem Entzünden der Sabbatkerzen und dem Segen über Wein und Brot (Challah). Challah wird vor Beginn des arbeitsfreien, heiligen Tages (also am Freitagmorgen) gebacken. Es sind zwei geflochtene Hefezöpfe bestehend aus je 6 Flechtknoten. Sie erinnern an die doppelte Portion Manna, die Gott während der 40-jährigen Wüstenwanderschaft an die Israeliten verteilte. Die erste Portion gibt es Freitagabend, die zweite ist für den Sabbat, den Ruhetag vorgesehen. Die insgesamt 12 Knoten der Brote symbolisieren die 12 Stämme Israels im biblischen Tempel. Die Brote werden erst nach dem Wein gesegnet und bleiben während der Weinsegnung noch zugedeckt.
Nicht nur, aber schon des Duftes wegen, sollten Sie das Rezept dazu unbedingt ausprobieren.

Challah
- 1,5 kg Mehl
- 2 Päckchen frische Hefe,
- 2 Eier (alternativ: veganes Eipulver)
- 150ml Sonnenblumen- oder Olivenöl
- 150g Zucker
- 2 EL Salz
- 2 x ¼ l lauwarmes Wasser
- wer mag: eine Handvoll Sultaninen
- Eigelb zum Bestreichen
- alternativ zum Eigelb: mit Wasser bestreichen und mit Mohn oder Sesam bestreuen
Hefeteig mit Vorteig zubereiten, d.h. eine kleine Mulde in das Mehl drücken, darin die Hefe mit etwas von dem lauwarmen Wasser und einem Teelöffel Zucker verrühren, mit Mehl bestäuben und 10 Minuten an einem warmen Ort (ich schiebe die Schüssel mit einem Küchentuch abgedeckt in den 30 Grad warmen Ofen). Danach mit den übrigen Zutaten (die Sultaninen kommen erst am Schluss dazu) gut durchkneten und in 1-2 Stunden (je nach Wärme) auf das doppelte Volumen aufgehen lassen, nochmal – wer mag mit den Sultaninen – gut kneten, evtl. Mehl zugeben. Aus 2/3 des Teiges 2 ovale Laiber formen und von 1/3 6 Stränge zu 2 Zöpfen flechten und je einen auf die 2 Laiber legen und leicht andrücken. Nochmal ca. 30 Minuten gehen lassen. Im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad ca. 45 Minuten backen.
Die Anzahl der Stränge kann heute je nach Brauch und Anlass variieren. Ich selbst nehme auch nur die Hälfte der Menge, flechte der Einfachheit halber aus 3 Strängen 1 Zopf. Er wird mit Eigelb bestrichen, alternativ mit Wasser und mit Mohn oder Sesam bestreut . Ich lasse ihn, wie bereits oben beschrieben, nochmal ca. 30 Minuten gehen und schiebe ihn anschl. in den vorgeheizten Ofen (mittlere Schiene). Vorsicht: wenn die Oberseite schön gelb/braun ist mit Alufolie abdecken um ein schwarz werden zu verhindern.
Es soll Menschen geben, die morgens nur eine Tasse Kaffee (womöglich auf dem Weg zur Arbeit) im Pappbecher trinken. Für diese wäre eine frische Scheibe Challah eine köstliche Ergänzung. Dies dann zu Hause genossen mit Butter und Marmelade, gutem Kaffee in einer richtigen Tasse und einem Menschen, der zufällig kein Morgenmuffel ist – etwas Wunderbares, nicht nur am Sabbat.
Sollte von diesem Challah ein Rest, nicht mehr ganz frisch, übrigbleiben, hier eine Möglichkeit Reste auf eine sehr geschmackvolle (und kalorienreiche) Art zu verwerten:
- 75 g weiche Butter o. geruchloses Öl
- 750 ml Milch (nach einem fleischigen Essen oder bei der veganen Variante Fruchtsaft)
- 4 Eier leicht verquirlt (ersatzweise veganes Eipulver)
- ½ TL Vanilleextrakt
- ½ TL Mandelaroma
- ¼ TL Salz
- 500 g Challah-Reste in dicke Scheiben geschnitten und leicht getoastet
- 130 g Rosinen
- 3 Birnen
- 150 g brauner Zucker (kann auch etwas weniger sein, je nach Geschmack)
- 130 g Mandelblättchen
- evtl. Schlagsahne zum Servieren oder Vanilleeis
Den Ofen auf 190 Grad vorheizen, eine 25 cm große rechteckige Backform mit etwas Butter einfetten.
Milch, Eier, Gewürze mischen.
Die Challah-Scheiben mit der Hälfte der Butter bestreichen und in mundgerechte Stückchen schneiden. Diese und die Rosinen in die Milchmischung rühren, sodass das Brot vollständig bedeckt ist.
Die Birnen entkernen und in Stückchen schneiden. Nun schichtweise Milch-Brot-Gemisch, Zucker, Mandeln und Birnen in die gebutterte Form geben mit einer Schicht Zucker enden und mit Butterflocken 40 – 50 Minuten backen bis der Zucker karamellisiert ist.
Mit steif geschlagener Sahne oder Vanilleeis servieren.
An dieser Stelle ein Hinweis: Ich bin „nur“ eine Hobbyköchin und -bäckerin, meine Rezepte sind nicht immer perfekt. Sie alle wurden jedoch von mir mindestens 1 x ausprobiert und sie sollten eigentlich gut zu kochen/backen sein. Falls doch etwas unklar ist, ich freue mich ebenso auf Fragen wie auf Verbesserungsvorschläge.
Nächste Woche weniger Kulinarisches, dafür mehr Geschichte!
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-
Ein netter Taxifahrer soll mich an diesem Rosch-ha-Schana (Neujahr) ins Hotel bringen. Ganz problemlos geht das nicht vonstatten. Auf meine Frage, ob er denn den Neujahrstag nicht lieber mit der Familie verbringen wolle, als Touristen durch die Gegend zu fahren, bekomme ich die Antwort, er habe gar keine Familie. Mein Erstaunen darüber wird damit kommentiert: die israelischen Frauen wären sehr anspruchsvoll und würden vor dem „Ja-Sagen“ immer erst die Gehaltsabrechnung sehen wollen. Offensichtlich durch das angesprochene Thema etwas unaufmerksam, werde ich zwar durch ganz Haifa kutschiert, das Hotel findet der nette Mann aber erst nach einer sehr abenteuerlichen und wagemutigen Irrfahrt durch teilweise unwegsames Gelände. Ob denn nun ich für das Plus an unnötig gefahrenen Kilometern aufkommen muss, will ich dann schon noch wissen. Es ist mittlerweile dunkel und als Sightseeingtour finde ich es nicht ganz gelungen. Er verneint, es wäre sein Fehler und bietet mir als Entschuldigung in der Bar neben meinem Hotel ein Schawarma-Sandwich mit israelischem Bier an.
Das Sandwich schmeckt himmlisch (ich bin tatsächlich im Heiligen Land angekommen) und das Bier wunderbar (göttlich wäre übertrieben, schließlich komme ich aus Franken, welches die größte Brauereidichte der Welt besitzt).
Schawarma-Sandwich
- 1 Hähnchenbrust, 1 Zwiebel, 2-4 Knoblauchzehen, Saft einer halben Zitrone, etwas Ketchup und etwas Öl, je 1 Prise Chili, Curry, gem. Zimt, Kreuzkümmel, Salz, 2 Baguette-Brötchen, Humus, 2 Tomaten, Gurkenscheiben, evtl. eingelegte Chilischoten
Die Hähnchenbrust waschen und in feine Streifen schneiden. Die Zwiebel halbieren und in Ringe schneiden. Den Knoblauch schälen und zerdrücken.
Hähnchenbrust, Zwiebel, Knoblauch, etwas Öl, 1 Schuss Ketchup, Zitronensaft und Gewürze (außer dem Salz) vermengen und in einem verschlossenen Gefäß über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Bei den Mengenangaben zu den Gewürzen kann je nach Geschmack auch etwas mehr genommen werden.
Am nächsten Tag das marinierte Fleisch mit Salz würzen und in der Pfanne scharf anbraten. Währenddessen kann man die Sandwichs vorbereiten (hier sind die Angaben auch wieder Geschmackssache).Auf das durchgeschnittene Baguette-Brötchen kommen zuerst einige Blätter, Salat oder Petersilie, jeweils ein paar Scheiben Tomaten und Gurken. Wer es scharf mag (wie ich), kann noch ein paar eingelegte Chilischoten dazugeben. Zum Schluss legt man das Fleisch darauf und klappt es mit der mit Hummus bestrichenen Baguette-Oberseite zu.

Zutaten zum Schawarma-Sandwich Eine vegetarische Variante:
Einfaches Sandwich
- Ein Baguette-Brötchen toasten, durchschneiden,
- jede Hälfte mit Hummus (Rezept nachstehend) bestreichen, mit Gurken- und Tomatenscheiben belegen,
- nach Geschmack würzen und
- mit Käsescheiben überbacken (am besten Mozzarella),
mit feingeschnittenem Schnittlauch und/oder Petersilie bestreut servieren.
Hummus, die Götterspeise, begegnet uns in Israel häufig: zum Frühstück, zum Mittagessen, zwischendurch mit Brot, mit einer Zwiebel, als Beilage zu Fleisch, Gemüse oder Fisch. Wir können es fertig kaufen, aber auch – ganz individuell und einfach nach eigenem Geschmack – selbst zubereiten.
Magische Kräfte werden diesem einfachen Gemüsebrei zugeschrieben: Hummus würde spirituell und körperlich gut tun.
Die Zutaten sind billig und leicht zu bekommen, sowohl Babies als auch Senioren vertragen es. Wo allerdings das beste Hummus zu finden ist: in Israel, Ägypten, Syrien, dem Libanon? Das herauszufinden dürfte eine schwierige Aufgabe sein. Es kommt auf einen Versuch an, vielleicht ist es ja das Deine/Ihre, ganz individuell und nach eigenem Geschmack zubereitete. Der Phantasie sind wenig Grenzen gesetzt.
Hummus (arabisch, hebräisch = Kichererbse)
- 300 g gekochte Kichererbsen (ungekochte über Nacht in der doppelten Wassermenge einweichen, abspülen und in ca. 1 Std. weichkochen)
- 100 ml Kichererbsen-Kochflüssigkeit
- Saft einer Zitrone
- 1 Tl Salz
- 2 Knoblauchzehen
- Kreuzkümmel nach Geschmack
- 200 g Tahini (Sesammus)
- 1 Tasse kaltes Wasser
Kichererbsen, Kochflüssigkeit, Zitronensaft und Salz mit dem Pürierstab oder auch Stabmixer glatt rühren. Zuerst die Hälfte des Tahini und eine halbe Tasse Wasser gut untermixen. Restliches Tahini und das restliche Wasser dazu geben. Ggf. mit Knoblauch und Kreuzkümmel weitere 3 Minuten mixen. Mit Salz und Zitrone abschmecken, luftdicht verschließen und 6 – 10 Stunden kühlen. Sie können es 3 – 4 Tage im Kühlschrank aufbewahren.
Ein kleiner Nachtspaziergang in der Stadt führt mich zum Mittelpunkt von Haifa, zum Kikar Paris, von wo eine 1,8 km lange unterirdische Standseilbahn ihren Anfang nimmt. Mit einer Steigung von 12 % führt sie zu einem Park mit einem kleinen Zoo.
Klangvolle Jazzmusik in einer angenehm lauen Sommernacht begleitet mich zurück ins Hotel und ich bin glücklich, dass ich die Koje des Containerschiffs mit einem bequemen und breiten Hotelbett tauschen kann.
Shabbat Shalom
u. a. darüber sowie einem Rezept von Challah in meinem nächsten Beitrag
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-
Mit meiner „Buße“ auf dem Schiff klappt es nun tatsächlich nicht. Die Überfahrt ist ruhig, der Himmel blau und die See glatt. Riesige Wellen, wie ich sie vor einigen Jahren auf der Überfahrt von Calais nach Dover erleben musste, sind nicht auszumachen und ich kann nur leicht sich kräuselnde Schaumkronen auf dem sonst ruhigen Mittelmeer bestaunen.
Vielleicht kommt meine Idee mit der Buße im Himmel auch gar nicht so gut an und man will mir die Vorfreude auf das Land nicht schon auf dem Schiff mit einer Seekrankheit rauben.
Am letzten Tag auf See werde ich von einer im Morgenland aufgehenden Sonne begrüßt und sie kündet erst etwas blass, dann aber in immer leuchtender werdenden Farben einen herrlichen Tag und einen wunderbaren Aufenthalt an.
Meine Vorfreude wird noch gesteigert durch den Blick vom Schiff aus auf die Stadt Haifa, die sich von der Meeresküste hinauf auf den Berg Karmel erstreckt. Zuerst noch etwas diffus,

dann aber immer deutlicher werdend, liegt schließlich Erez Israel (= Land Israel) vor mir.
Bevor ich meinen Fuß auf das Land setzen kann, stehen jedoch einige Formalitäten an. Die Bedeutung dieser Aktion kann ich an der offiziellen Ausgehuniform des Kapitäns und seiner Crew nur erahnen.
Die Einreisekontrolle, bestehend aus 4 jungen attraktiven Damen mit bewaffneter männlicher Begleitung, erscheint an Bord. Sehr höflich nennen sie mir den Grund ihrer ausführlichen Befragung: Terrorgefahr und sowohl meine, als auch die Sicherheit des Staates würden diese Maßnahmen unumgänglich machen.
Die bereits erwähnte Geschichte über das Nachempfinden des Schicksals der Waisenkinder auf der nicht mehr ganz seetüchtigen „Exodus“ nehmen sie mir anfangs nicht so richtig ab. Allerdings finden meine, mir etwas peinlichen Tränen beim Erzählen offensichtlich ein klein wenig Beachtung. Sie waren von mir zwar nicht beabsichtigt, aber ich kann zumindest nach der Überprüfung meiner Angaben und einigen telefonischen Rückfragen, bei wem auch immer, mit freundlichen Wünschen für den Aufenthalt versehen, von Bord gehen.
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-
Es sind ruhige Tage auf dem Mittelmeer von Monfalcone nach Haifa. Außer mir gibt es nur noch einen weiteren Passagier, alle anderen gehören zur Crew des Containerschiffs. Unter diesen Bedingungen wäre lt. Kapitän eine Überfahrt in 5 Tagen möglich. Nachdem in Israel jedoch Rosch-Ha-Schana (Neujahr) gefeiert wird und die Liegezeiten im Hafen teurer sind als auf See, wird die Wartezeit auf die Einreiseformalitäten im Hafen von Haifa überbrückt, indem der Kapitän und seine Crew einfach das Tempo des „Kahns“ drosseln. So sind es 7 nicht 5 Tage und mein Mitpassagier und ich geniessen diese zusätzliche Zeit.
Er, weil er als Pilger schon viele Kilometer zu Fuß von Paderborn nach Monfalcone zurückgelegt und die Pause nötig hat,
ich, weil ich nun mehr Zeit habe, mich in die frühere Geschichte Israels und Jerusalems (Simon Sebag Montefiore: Jerusalem) einzulesen.
Unsere Tischgespräche zu zweit vergesse ich nicht so schnell. Sie sind immer interessant und drehen sich um Gott und die Welt.
Um Gott,
– weil sich Pilger Michael sehr mit dem Glauben beschäftigt und ich das Für und weniger das Wider mit ihm diskutieren kann. Pilgerfahrten gehörten, wie ich in einer Ausstellung des Nürnberger Germanischen Nationalmuseums erfuhr, im hohen Mittelalter zu den standesgemäßen Beschäftigungen des Adels. Sie wurden nicht immer aus ausschließlich religiösen Gründen geplant und durchgeführt. Auch wohlhabende Bürger folgten diesem Beispiel und gewannen dadurch an Ansehen. Dies nutzten auch die Patrizier in Nürnberg zu verschiedenen Pilgerfahrten, u. a. nach Jerusalem.
Mein Mitreisender auf der Überfahrt nach Haifa ist gläubiger Katholik und vermittelt mir seine religiösen Beweggründe.
Um alles andere,
weil er mir als ein sehr offener und lieber Mensch begegnet, mit dem weltliche und familiäre Themen gleichermaßen gut und mit sehr viel Empathie ausgetauscht und besprochen werden können.
Bei den gemeinsamen Mahlzeiten auf dem Schiff entstehen außerdem Ideen für weitere Rezepte und warten auf das Ausprobieren. Nicht nur deshalb, weil der Schiffskoch kein begnadeter Gourmet ist. Von Pilger Michael stammt die Anregung zu folgendem Rezept:
Einfacher Brotsalat aus Kreta (die Insel liegt sehr im Dunst irgendwo links von uns aus gesehen):
200g Brot (gern auch älteres) 2 Tomaten, ½ Gurke, 1 grüne Paprikaschote, 8 schwarze Oliven, 1 rote Zwiebel,
100g Fetakäse, Salz, Pfeffer, Oregano, Olivenöl
Brot (wenn frisches Brot verwendet wird, toasten) in kleine Stücke brechen und zum Aufweichen mit reichlich Olivenöl beträufeln. Tomaten, Gurke und Paprikaschote in kleine Stücke schneiden und zusammen mit der in Ringe geschnittenen Zwiebel und dem zerbröselten Feta über das Brot geben. Mit Salz, Pfeffer und Oregano abschmecken und mit den Oliven garnieren.

Kretischer Brotsalat Das nächste Rezept kommt von Angelo, dem Kapitän des Schiffes. Er stammt aus Ischia und erzählt mir begeistert von seiner Heimat.
Dort gibt es nach seiner Ansicht neben einigen anderen Leckereien den besten Limoncello. Diese Lobpreisung wie auch etliche süffisante Details der momentanen italienischen Politik, wird mir meist an Deck unter einem strahlend blauen Himmel und einer ruhigen See dargeboten. Ich habe das Aroma förmlich in der Nase, so gestenreich, instensiv und anschaulich ist seine Beschreibung.
Limoncello (Likör aus Limetten)
6 ungespritzte Limetten, 1 l Alkohol 95%, 1,25-1,5 l Wasser, 400 g weißer Kandiszucker
Die Limetten dünn schälen und die Schalen zusammen mit dem Alkohol in einer größeren Flasche 10 Tage ansetzen, täglich ein klein wenig kreisen lassen, durch ein Sieb schütten und mit dem in gekochtem Wasser aufgelösten weißen Kandiszucker, nachdem alles abgekühlt ist, mischen.

Limoncello Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-
Ersteres ist einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich war einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, war mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

Im Hafen von Monfalcone Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.
Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

-
Es ist der Geruch, der unvermittelt meine Nase streift, während ich im Bahnhof der Abfahrt des Zuges nach Italien erwartungsfroh entgegen sehe. Er wird intensiver und ich nehme ihn auf mit allen Sinnen, die ich in diesem Moment des Wartens aufbieten kann. Angenehmes und weniger Angenehmes gibt es da zu schnuppern. Vom Duft eines Croissants, der ganzen Palette der Bäckerei-Ketten inklusive Kaffee, gerösteten Mandeln über Wok-Gebratenem, Seafood und Pizza gelangt alles in meine empfindsame Nase.
Das vielfältige Angebot an Speisen aus vielen Ländern der Welt beflügelt mein Fernweh.
Hungrig komme ich im Münchner Hauptbahnhof an, habe Lust auf etwas Herzhaftes und die Wahl zwischen Matjes, Bratwurst- Käse- und Leberkässemmel.
Meine Reise nach Jerusalem führt mich von Franken aus zuerst dorthin, diesem für mich Dreh- und Angelpunkt in die große weite Welt. Nicht nur Züge nach Paris, Amsterdam, Rom oder nur zum Flughafen um von dort noch weit entferntere Ziele zu erreichen, machen hier Lust aufs Reisen.
Es ist nicht der Gedanke, daß mich in Israel zu große Sehnsucht nach Leberkäs, diesem ursprünglich mit Leber versetzten Wurstgemisch in Käselaibform, überfallen könnte. Nein – das nicht. Aber in dieser mit den unterschiedlichsten Düften geschwängerten Luft entsteht die Idee dieses Reisetagekochbuchs.
Vergessen sind die immer gleichen Gedanken, die mir am Beginn einer Reise in den Sinn kommen: Hast du alles eingepackt, sind die Tiere, das Haus, der Garten in guten Händen, habe ich meine Rechnungen bezahlt, meine sonstigen Verpflichtungen für die nächsten Wochen abgesagt, bzw. im voraus erledigt? Immer und immer wiederkehrende Gedanken und jedes Mal nehme ich mir fest vor, nächstens wird es entspannter, ich bleibe gelassener, beginne mit den Vorbereitungen etwas früher. Es wird mir auch das nächste Mal nicht gelingen – ich weiß es und lehne mich entspannt zurück im Speisewagen der Bahn, da ich auch dieses Mal keine Reservierung vorgenommen habe. Jetzt beginnt mein neues Abenteuer und ich lasse den ganzen Alltagskram hinter mir.
Geschichten und Rezepte während der 4 Wochen nach und in Israel liegen vor Ihnen/Dir und mir am Herzen. Ja, eine Herzensangelegenheit ist es mir und ans Herz gewachsen sind mir mittlerweile die vielen Menschen, die ich in diesem Land mit der großen Historie und auf dem Weg dorthin kennenlernen konnte. Einem Land, welches wie kein anderes mit uns und der deutschen Geschichte verbunden ist, wenn auch auf grausame Weise, besonders im letzten Jahrhundert. Hier lesen Sie meine ganz persönlichen Eindrücke. Sie sind das Ergebnis vieler wunderbarer Begegnungen und Gespräche.
Sie können nachkochen, sich Appetit holen auf das Land, seine Menschen und deren Gerichte, die grandiose Landschaft und die Jahrtausende alte große Geschichte.
Meine Reiseroute beginnt in Nürnberg. Mit der Bahn geht es weiter nach München, Monfalcone in Italien und von dort mit dem Containerschiff nach Haifa. Den verschiedenen Orten in Israel widmet sich der erste Teil dieser Reisebeschreibung, die ich zusammen mit meinem Sohn besuche, der zweite Teil spielt sich überwiegend in Jerusalem ab.

Nürnberger Impressionen Die Auswahl in Bahnhöfen, was Essen angeht, ist heute sicher überall ähnlich, wobei der Norden sich etwas vom Süden unterscheidet und der Westen vom Osten. Eine Leberkässemmel sollte man gerade in München, von wo aus die Reise ihren Anfang nimmt, jedoch zumindest mal probieren. Es sei denn, man isst nur vegan oder vegetarisch. Mit Soja, Grünkern und feinen Gewürzen allerdings lässt sich einiges zaubern, was mit der fleischigen Variante durchaus konkurrieren kann, z. B.:
Grünkernfrikadellen
Aus 250 g nicht ganz fein gemahlenem Grünkern, gut einem halben Liter Wasser, 1 gehäuften TL Gewürzsuppenpulver und 1 TL Kräutersalz kochen wir nach dem ersten Aufwallen in ca. 20 Minuten auf kleinster Flamme einen dicken Brei.
Nach kurzem Abkühlen mit 2 Eiern, 2 zerdrückten Knoblauchzehen, 1 EL Sojasauce, 1 EL Senf, Salz, Pfeffer, Paprika, Majoran und nach Geschmack Kräuterpaste, Tomatenmark oder kleingeschnittene Gewürzgürkchen mischen. Frikadellen formen, in Bröseln wälzen und in Margarine ausbacken.
Anstelle der 2 Eier verwenden wir für die vegane Variante: 2 EL gemahlenen Leinsamen und 6 EL Wasser oder 4 EL Soja- bzw. Kichererbsenmehl und 4 EL Wasser.
Mit einer Scheibe Käse u. einigen Tomaten- bzw. Gurkenscheiben in ein Vollkornbrötchen gepackt (vegane Variante: ohne Käse) – eine wohlschmeckende Alternative!

Grünkernfrikadellen Warum Israel? Und warum Containerschiff?
Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.
Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.
Zum zweiten muss ich etwas ausholen.
Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.
Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.
Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.
Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.
Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.
