3. Schiffspassage


Es sind ruhige Tage auf dem Mittelmeer von Monfalcone nach Haifa. Außer mir gibt es nur noch einen weiteren Passagier, alle anderen gehören zur Crew des Containerschiffs. Unter diesen Bedingungen wäre lt. Kapitän eine Überfahrt in 5 Tagen möglich. Nachdem in Israel jedoch Rosch-Ha-Schana (Neujahr) gefeiert wird und die Liegezeiten im Hafen teurer sind als auf See, wird die Wartezeit auf die Einreiseformalitäten im Hafen von Haifa überbrückt, indem der Kapitän und seine Crew einfach das Tempo des „Kahns“ drosseln. So sind es 7 nicht 5 Tage und mein Mitpassagier und ich geniessen diese zusätzliche Zeit.

Er, weil er als Pilger schon viele Kilometer zu Fuß von Paderborn nach Monfalcone zurückgelegt und die Pause nötig hat,

ich, weil ich nun mehr Zeit habe, mich in die frühere Geschichte Israels und Jerusalems (Simon Sebag Montefiore: Jerusalem) einzulesen.

Unsere Tischgespräche zu zweit vergesse ich nicht so schnell. Sie sind immer interessant und drehen sich um Gott und die Welt.

Um Gott,

– weil sich Pilger Michael sehr mit dem Glauben beschäftigt und ich das Für und weniger das Wider mit ihm diskutieren kann. Pilgerfahrten gehörten, wie ich in einer Ausstellung des Nürnberger Germanischen Nationalmuseums erfuhr, im hohen Mittelalter zu den standesgemäßen Beschäftigungen des Adels. Sie wurden nicht immer aus ausschließlich religiösen Gründen geplant und durchgeführt. Auch wohlhabende Bürger folgten diesem Beispiel und gewannen dadurch an Ansehen. Dies nutzten auch die Patrizier in Nürnberg zu verschiedenen Pilgerfahrten, u. a. nach Jerusalem.

Mein Mitreisender auf der Überfahrt nach Haifa ist gläubiger Katholik und vermittelt mir seine religiösen Beweggründe.

Um alles andere,

weil er mir als ein sehr offener und lieber Mensch begegnet, mit dem weltliche und familiäre Themen gleichermaßen gut und mit sehr viel Empathie ausgetauscht und besprochen werden können.

Bei den gemeinsamen Mahlzeiten auf dem Schiff entstehen außerdem Ideen für weitere Rezepte und warten auf das Ausprobieren. Nicht nur deshalb, weil der Schiffskoch kein begnadeter Gourmet ist. Von Pilger Michael stammt die Anregung zu folgendem Rezept:

Einfacher Brotsalat aus Kreta (die Insel liegt sehr im Dunst irgendwo links von uns aus gesehen):

200g Brot (gern auch älteres) 2 Tomaten, ½ Gurke, 1 grüne Paprikaschote, 8 schwarze Oliven, 1 rote Zwiebel,

100g Fetakäse, Salz, Pfeffer, Oregano, Olivenöl

Brot (wenn frisches Brot verwendet wird, toasten) in kleine Stücke brechen und zum Aufweichen mit reichlich Olivenöl beträufeln. Tomaten, Gurke und Paprikaschote in kleine Stücke schneiden und zusammen mit der in Ringe geschnittenen Zwiebel und dem zerbröselten Feta über das Brot geben. Mit Salz, Pfeffer und Oregano abschmecken und mit den Oliven garnieren.

Das nächste Rezept kommt von Angelo, dem Kapitän des Schiffes. Er stammt aus Ischia und erzählt mir begeistert von seiner Heimat.

Dort gibt es nach seiner Ansicht neben einigen anderen Leckereien den besten Limoncello. Diese Lobpreisung wie auch etliche süffisante Details der momentanen italienischen Politik, wird mir meist an Deck unter einem strahlend blauen Himmel und einer ruhigen See dargeboten. Ich habe das Aroma förmlich in der Nase, so gestenreich, instensiv und anschaulich ist seine Beschreibung.

Limoncello (Likör aus Limetten)

6 ungespritzte Limetten, 1 l Alkohol 95%, 1,25-1,5 l Wasser, 400 g weißer Kandiszucker

Die Limetten dünn schälen und die Schalen zusammen mit dem Alkohol in einer größeren Flasche 10 Tage ansetzen, täglich ein klein wenig kreisen lassen, durch ein Sieb schütten und mit dem in gekochtem Wasser aufgelösten weißen Kandiszucker, nachdem alles abgekühlt ist, mischen.

Limoncello

Eine Antwort zu “3. Schiffspassage”

  1. I should have read this earlier, before fixing an itinerary to a new home which does not allow me to approach the destination gradually, to see it come closer, to pause in front of it, and to inhale its novel scent, its blurred image, and to choose the right moment to enter.
    Instead, I will be pushed, I will be forced into lines and emerge exhausted from a plane which lands in surroundings which obscure the new wonders behind the universality of the industrialized, efficiently globalized world.
    Having the houses of Haifa on the horizon for an evening, a sun rise, this is traveling and not just mundane transportation.

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