1. Wie alles begann


Es ist der Geruch, der unvermittelt meine Nase streift, während ich im Bahnhof der Abfahrt des Zuges nach Italien erwartungsfroh entgegen sehe. Er wird intensiver und ich nehme ihn auf mit allen Sinnen, die ich in diesem Moment des Wartens aufbieten kann. Angenehmes und weniger Angenehmes gibt es da zu schnuppern. Vom Duft eines Croissants, der ganzen Palette der Bäckerei-Ketten inklusive Kaffee, gerösteten Mandeln über Wok-Gebratenem, Seafood und Pizza gelangt alles in meine empfindsame Nase.

Das vielfältige Angebot an Speisen aus vielen Ländern der Welt beflügelt mein Fernweh.

Hungrig komme ich im Münchner Hauptbahnhof an, habe Lust auf etwas Herzhaftes und die Wahl zwischen Matjes, Bratwurst- Käse- und Leberkässemmel.

Meine Reise nach Jerusalem führt mich von Franken aus zuerst dorthin, diesem für mich Dreh- und Angelpunkt in die große weite Welt. Nicht nur Züge nach Paris, Amsterdam, Rom oder nur zum Flughafen um von dort noch weit entferntere Ziele zu erreichen, machen hier Lust aufs Reisen.

Es ist nicht der Gedanke, daß mich in Israel zu große Sehnsucht nach Leberkäs, diesem ursprünglich mit Leber versetzten Wurstgemisch in Käselaibform, überfallen könnte. Nein – das nicht. Aber in dieser mit den unterschiedlichsten Düften geschwängerten Luft entsteht die Idee dieses Reisetagekochbuchs.

Vergessen sind die immer gleichen Gedanken, die mir am Beginn einer Reise in den Sinn kommen: Hast du alles eingepackt, sind die Tiere, das Haus, der Garten in guten Händen, habe ich meine Rechnungen bezahlt, meine sonstigen Verpflichtungen für die nächsten Wochen abgesagt, bzw. im voraus erledigt? Immer und immer wiederkehrende Gedanken und jedes Mal nehme ich mir fest vor, nächstens wird es entspannter, ich bleibe gelassener, beginne mit den Vorbereitungen etwas früher. Es wird mir auch das nächste Mal nicht gelingen – ich weiß es und lehne mich entspannt zurück im Speisewagen der Bahn, da ich auch dieses Mal keine Reservierung vorgenommen habe. Jetzt beginnt mein neues Abenteuer und ich lasse den ganzen Alltagskram hinter mir.

Geschichten und Rezepte während der 4 Wochen nach und in Israel liegen vor Ihnen/Dir und mir am Herzen. Ja, eine Herzensangelegenheit ist es mir und ans Herz gewachsen sind mir mittlerweile die vielen Menschen, die ich in diesem Land mit der großen Historie und auf dem Weg dorthin kennenlernen konnte. Einem Land, welches wie kein anderes mit uns und der deutschen Geschichte verbunden ist, wenn auch auf grausame Weise, besonders im letzten Jahrhundert. Hier lesen Sie meine ganz persönlichen Eindrücke. Sie sind das Ergebnis vieler wunderbarer Begegnungen und Gespräche.

Sie können nachkochen, sich Appetit holen auf das Land, seine Menschen und deren Gerichte, die grandiose Landschaft und die Jahrtausende alte große Geschichte.

Meine Reiseroute beginnt in Nürnberg. Mit der Bahn geht es weiter nach München, Monfalcone in Italien und von dort mit dem Containerschiff nach Haifa. Den verschiedenen Orten in Israel widmet sich der erste Teil dieser Reisebeschreibung, die ich zusammen mit meinem Sohn besuche, der zweite Teil spielt sich überwiegend in Jerusalem ab.

Nürnberger Impressionen
Nürnberger Impressionen

Die Auswahl in Bahnhöfen, was Essen angeht, ist heute sicher überall ähnlich, wobei der Norden sich etwas vom Süden unterscheidet und der Westen vom Osten. Eine Leberkässemmel sollte man gerade in München, von wo aus die Reise ihren Anfang nimmt, jedoch zumindest mal probieren. Es sei denn, man isst nur vegan oder vegetarisch. Mit Soja, Grünkern und feinen Gewürzen allerdings lässt sich einiges zaubern, was mit der fleischigen Variante durchaus konkurrieren kann, z. B.:

Grünkernfrikadellen

Aus 250 g nicht ganz fein gemahlenem Grünkern, gut einem halben Liter Wasser, 1 gehäuften TL Gewürzsuppenpulver und 1 TL Kräutersalz kochen wir nach dem ersten Aufwallen in ca. 20 Minuten auf kleinster Flamme einen dicken Brei.

Nach kurzem Abkühlen mit 2 Eiern, 2 zerdrückten Knoblauchzehen, 1 EL Sojasauce, 1 EL Senf, Salz, Pfeffer, Paprika, Majoran und nach Geschmack Kräuterpaste, Tomatenmark oder kleingeschnittene Gewürzgürkchen mischen. Frikadellen formen, in Bröseln wälzen und in Margarine ausbacken.

Anstelle der 2 Eier verwenden wir für die vegane Variante: 2 EL gemahlenen Leinsamen und 6 EL Wasser oder 4 EL Soja- bzw. Kichererbsenmehl und 4 EL Wasser.

Mit einer Scheibe Käse u. einigen Tomaten- bzw. Gurkenscheiben in ein Vollkornbrötchen gepackt (vegane Variante: ohne Käse) – eine wohlschmeckende Alternative!

Grünkernfrikadellen

4 Antworten zu “1. Wie alles begann”

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