7. Immer noch Haifa היפה: Hafen, Museum, Bahai-Schrein und … gibt es koscheren Frankenwein יין מפראנקוניה?


Neben den religioesen Ritualen, ist das gemeinschaftliche Essen fester Bestandteil eines jeden Feiertags im jüdischen Kalender und somit auch gewissen Regeln unterworfen. Wer diese Speisegebote (Kaschrut) einhält, begreift sie nicht nur als Einschränkung, sondern ebenso als Lebensbereicherung und wichtiges Moment der Gemeinschaft. Über Jahrhunderte hat das jüdische Volk überall auf der Welt auch dadurch seine Gruppenidentität bewahrt. Die Kaschrut sind nicht einer bestimmten regionalen Küche zuzuordnen – sie koennen überall eingehalten werden. Fast jedes Essen kann koscher (rein/tauglich/ geeignet) zubereitet werden. Wichtiges Moment sind dabei auch die Gerätschaften, welche ausschließlich für die jeweilige Zutat verwendet werden dürfen. Uns Mitteleuropäer mögen manche dieser sehr strengen Regeln unsinnig erscheinen. Aus Hygienegründen ist dies im heißen israelischen Klima ein nachvollziehbares Gebot.

Ob allerdings zubereitete Speisen wirklich koscher sind, entscheidet ein Maschgiach (Lebensmittelprüfer). Unterschiedliche konfessionelle Richtungen setzen unterschiedliche Maßstäbe an und verwenden eigene Zertifizierungen. Entscheidend für den Konsumenten ist, dass er die Stempel der favorisierten Prüfer erkennt.

Strenge Regeln werden auch bei der Produktion von koscherem Wein eingehalten, wobei jeder Arbeitsschritt, bei dem man mit dem Inhalt des Weins in Beruehrung kommt nur von den Sabbat respektierenden Menschen vollzogen werden darf. Nur wenn diese Regel bis zum Verschluss und schliesslich auch beim Oeffnen befolgt wird, kann der Wein als קשר gelten. Desweiteren werden die Trauben beispielsweise erst ab dem vierten Jahr geerntet, die Erntegeräte unter der Aufsicht eines Rabbiners gesäubert und ein kleiner Teil des Weines muss verschenkt werden.

Koscherer Frankenwein hatte Weltpremiere 2017 in Iphofen: es wurde erstmals koscherer Silvaner vorgestellt, der dritte koschere Weißwein aus Deutschland überhaupt.

Alle Arbeitsschritte wurden von orthodoxen Juden erledigt und von einem Rabbiner beaufsichtigt. Der Kellermeister des fränkischen Weinguts Wirsching durfte während der gesamten Produktion den Wein weder berühren noch sehen. Damit er die Qualität des Weins beurteilen konnte, wurde parallel ein zweites, nicht koscheres Fass produziert.

Fränkische Winzer können von ihren israelischen Kollegen jedoch nicht nur die Herstellung koscheren Weins lernen. Auch deren Wissen um eine sinnvolle und ressourcenfreundliche Bewässerung dürfte in Zeiten wärmerer Sommer mit geringeren Niederschlägen für sie an Bedeutung gewinnen.

Wir sind immer noch in Haifa, dieser drittgrößten, europäischsten Stadt mit dem größten Hafen Israels.

Viele Schiffe mit europäischen Juden legten hier an und besonders ab 1933 kam es zu einer Masseneinwanderung auf dem Seeweg durch Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland.

Der moderne Hafen besteht seit 1933, als die britische Regierung begann, Haifa als wichtigen Marinestützpunkt auszubauen. Auch entstand eine Rohölleitung aus dem Irak und eine Ölraffinerie mit einem Ölverschiffungshafen. Viele arabische Arbeiter aus den Nachbarländern siedelten sich dadurch in Haifa an. Seit der Staatsgründung 1948 allerdings ist die Pipeline aus dem Irak gesperrt. Der Hafen verlor dadurch zunächst seine zentrale Stellung, wurde aber in den Folgejahren das Ziel vieler jüdischer Flüchtlinge, die den Holocaust überlebt hatten. Deren Zahl wuchs zwischen 1948 und 1951 auf 3000 pro Woche. Im Museum der illegalen Einwanderung und der Flotte können wir u. a. das Motorschiff Af’Al Pi bestaunen. Mit ihm wurde 1940 mit jüdischen Flüchtlingen aus Europa die britische Blockade durchbrochen.

Auch die internationalen Eisenbahnlinien wurden 1948 eingestellt. Dabei war Haifa im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt.

Bereits Kaiser Wilhelm II. förderte nach seinem Besuch in Israel 1898 den Bau eines Abzweigs der Hedschasbahn (von Damaskus/Syrien nach Medina Saudi-Arabien) nach Haifa, der 1905 fertiggestellt wurde. Während des ersten Weltkriegs wurde dieses Teilstück von den Briten bis zur Sinai-Halbinsel weitergebaut.

Große Teile dieser Wüstenbahn, wie man sie nannte, wurden allerdings nach dem ersten Weltkrieg im Zuge der territorialen Aufteilung (Frankreich erhielt Libanon und Syrien, Großbritannien Palästina und damit auch Transjordanien, das heutige Jordanien und den Irak) zerschlagen und getrennten Verwaltungen unterstellt. Im Jahr 1924 fuhr letztmalig ein Zug auf der Gesamtstrecke Damaskus – Medina.

Während des Palästinakrieges in den späten 1940er Jahren wurden die Strecken der Hedschasbahn in Palästina von den Israelis unterbrochen und die nach der Teilung verbliebenen Reste auch dieser Strecke stillgelegt.

Nächtlicher Bahai-Schrein

Dieser Schrein mit den erst 2001 eröffneten hängenden Gärten der Bahai wird aufgrund seiner beeindruckenden Architektur als achtes Weltwunder bezeichnet. Der Bahai-Schrein gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde 2008 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Es ist das Mausoleum von Mirza Ali Mohammed el-Bab, des Begründers der Bahai-Religion, welches diese auf einzigartigen Terrassen angelegte Gartenanlage überstrahlt.

Religionen begegnen uns in Israel viele und manchmal beschleicht mich ein Gefühl wie: sie sind sich im Grunde doch alle ähnlich. Und, warum müssen wir Menschen deshalb immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen führen?

Bei der Lektüre eines vor längerem erschienen Zeitungsbeitrages von Pater Nikodemus Claudius Schnabel (Prior Administrator der Dormitio-Abtei in Jerusalem) wird mir bewusst, es gibt sie, die Menschen, die im jüdisch-christlichen Dialog den Islam und im christlich-islamistischen das Judentum mitdenken. Menschen, welche in der katholisch-evangelischen Ökumene die Ostkirchen und im katholisch-orthodoxen Dialog die Kirchen der Reformation mitdenken. Menschen, welche im Dialog mit der säkularen Welt die Religionen und im Dialog mit den Religionen die säkulare Welt im Auge behalten. Menschen, deren kompetente und leidenschaftliche Stimme ein tolerantes Miteinander in den Vordergrund stellen.

Auf dem Berg Karmel

Der heilige Berg Karmel ist Teil des Karmelgebirges und wurde Naturgöttern, westsemitischen Gottheiten, später Zeus und Jupiter geweiht. Die biblischen Propheten Elija und Elischa lebten hier in ihren Höhlen, Pythagoras verfasste auf dem Karmel einige seiner Lehrsätze. Im Jahr 1155 wurde hier der Karmeliterorden gegründet und es entstanden zahlreiche Klöster. Als Beispiel einfachen klösterlichen Lebens hier das Rezept für ein herzhaftes

  • Brotkonfekt
  • 250 g Weizenvollkornmehl
  • ½ Päckchen Trockenhefe oder 10 g frische
  • 130 ml Wasser
  • 40 ml Sonnenblumenöl
  • je eine Prise Salz und Zucker
  • für die Füllung:
  • 30 g Räuchertofu ganz klein gewürfelt
  • 20 g Tomatenmark
  • Pfeffer, Kräuter

Hefeteig herstellen und 1 Stunde gehen lassen, nochmal durchkneten und ca. 20 kleine Kugeln formen, platt drücken, eine kleine Menge der Füllung hinein drücken und wieder rollen. Vor dem Backen mit etwas Wasser bestreichen und mit Sesam bestreuen.

Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad 10 – 15 Minuten backen.

Eine schmackhafte Ergänzung zu einem Glas Wein, z. B. von den Golan-Höhen (alternativ: Blauburger aus Kaubenheim/Franken).

Bevor wir Haifa Richtung Akko verlassen, führt uns der Weg noch ins Alte Technion im Zentrum der Stadt, die ehemalige Technische Hochschule. Heute ist dort das „National Museum of Science Design“ untergebracht.

Als der ursprüngliche Campus im Zentrum von Haifa zu klein wurde, wählte der damalige Premierminister David Ben Gurion ein Gelände am Stadtrand von Haifa für den neuen Campus aus. Das Technion begann 1953 auf den neuen Campus zu ziehen.

Nächste Woche: Weiterfahrt nach Akko, eine der orientalischsten Städte Israels


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