31. Klagemauer und Western Wall Tunnel


Meine heutige Exkursion führt mich wiederum zum Tempelberg und damit zu der Mauer, mit der Herodes d. Große das Plateau des ganzen Areals einst eingefasst hat. Das bekannteste Teilstück ist heute, als letztes Relikt des Tempels, das größte Heiligtum der Juden: die Klagemauer. Sie wurde 1967 für die Juden wieder zugänglich gemacht und Eschkol (damaliger Präsident Israels) wurde dort von den Israelis begeistert, von den Arabern jedoch mit bösen Blicken empfangen. Er zeigte zwar das Viktoriezeichen, sagte aber, befragt nach seinem Empfinden, er hielte diesen Tag für keinen guten und er würde noch viele Probleme bringen. Für mich als Touristin sind während des Rundgangs auf dem großen Platz vor der Mauer, die uns noch zu einem Drittel erhalten ist (ein weiteres Drittel ist abgetragen, das dritte befindet sich unter der Erde), keine Auffälligkeiten erkennbar, im Gegenteil: friedlich wird an der Mauer von Männern und Frauen getrennt gebetet und ab und zu kleine Zettelchen in die Mauerritzen gesteckt. Sorgen und Nöte werden darauf festgehalten und Gott (Jahwes) um Hilfe gebeten. Zweimal jährlich werden diese dann entfernt und ungelesen auf dem Ölberg begraben. Nach der gestrigen Anmeldung für eine Besichtigung des Westmauer-Tunnels kann ich mich nun auch auf eine Tour durch den unterirdischen Teil der Mauer begeben.

Tunnel unter der Klagemauer

Polizisten, schwer bewaffnet, verwehren vom Eingang aus alle weiteren Zugänge zur Altstadt und ich bin neugierig wie es weitergeht. Die Öffnung dieses Tunnels führte 1996 zu großen Unruhen unter der moslemischen Bevölkerung Jerusalems. Diese fürchtete, bei der Freilegung werde der Tempelberg untergraben und dadurch instabil. Glücklicherweise sind derartige Befürchtungen bis heute nicht eingetreten und ich kann mich hinab begeben. Mich hat diese Tour durch den öffentlich zugänglichen Teil sehr beeindruckt. Die Mauer ist ebenso ein Dokument der Baukunst zu Zeiten Herodes (40 – 4 v. Chr.), wie ich sie auf meiner Reise bereits des öfteren, z. B. in Masada oder Cäsarea gesehen habe. Der Tunnel verläuft längs des Tempelberges und führt in die Via Dolorosa, die „Straße der Schmerzen“ wie sie auch bezeichnet wird. Der Überlieferung nach soll Jesus nach seiner Verurteilung u. a. in dieser Straße mit dem Kreuz am Rücken nach Golgatha gegangen sein. Jeden Freitag bahnen sich auf dieser engen Strecke Pilgergruppen ihren Weg. Er führt sie vorbei an arabischen Souvenirhändlern und israelischen Wachsoldaten das Kreuz tragend bis zur Grabeskirche. Heute – es ist ein hoher moslemischer Feiertag – ist auch dieser Ausgang, wie die oben erwähnten, gesperrt. Es erklärt mir das Durchgangsverbot vom Morgen und die hohe Polizeipräsenz. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind sicher berechtigt: Unruhen sollen möglichst im Keim erstickt werden.

Mein im Untergrund entstandener Hunger kann nun – wieder an der Oberfläche – nicht mehr erstickt werden. Es gibt eine hausgemachte Kartoffelsuppe im Tmol Shilshom.

  • 1 Zwiebel
  • 400 g Möhren
  • 150 g Sellerie
  • 150 g Lauch
  • 800 g Kartoffeln
  • 1 EL Öl
  • 5 Stengel Petersilie
  • 3 Blatt Liebstöckel
  • 3 EL Majoran
  • 1 1/2 l Gemüsebrühe
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack

Das Gemüse in 5-7 Minuten leicht anbraten, etwas salzen und pfeffern, die Brühe, die Kartoffeln und Kräuter dazugeben und alles ca. 10-15 Minuten kochen, pürieren – fertig! Serviert bekomme ich es mit einem Kleks Creme fraiche und etwas frischer Petersilie.

Das nachfolgende Rezept des Fränkischen Käsekuchens stammt zwar nicht aus Israel, es fand jedoch bei den Freunden in Jerusalem begeisterte Zustimmung und wir haben es des öfteren zusammen „gezaubert“. Maya, eine allem Süßen aufgeschlossene junge Frau musste ihn unbedingt nachbacken.

Kuchenboden:

  • 250 g Mehl
  • 70 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 150 g Butter oder Margarine
  • 2 Eigelb
  • 2 EL Milch
  • 1 EL Rum
  • etwas geriebene Zitronenschale

Belag:

  • 500 g Magerquark
  • 125 g flüssige Butter
  • 1/8 l heiße Milch
  • 100 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 5 Eier, getrennt
  • etwas geriebene Zitronenschale
  • je 50 g Rosinen und Mehl
  • 1/2 TL Backpulver
  • 1 Eigelb zum Bestreichen

Aus den Zutaten für den Boden einen Mürbteig herstellen und diesen ca. 1/2 Stunde kühl stellen. Während der Teig ruht, den Quark mit der heißen aber nicht gebräunten Butter, der Milch, dem Zucker und 5 Eigelb zu einer schaumigen Masse verrühren. Alles weitere zugeben und zum Schluß den steifen Eischnee unterziehen. Aus dem Mürbteig Kuchenboden und Rand einer Form belegen und die Quarkmasse gleichmäßig darauf streichen. Bei 200 Grad auf der mittleren Schiene ca. 1 Stunde backen (falls er zu dunkel wird, vorher mit Alufolie – kann mehrmals benutzt werden – abdecken). 15 Minuten vor Ende der Backzeit den Kuchen mit einem Eigelb bestreichen. Nach Fertigstellung etwas in der Form auskühlen lassen.

Nach Tempelberg, Klagemauer und Western Wall Tunnel tauchen wir im nächsten Beitrag in ein weiteres wichtiges jüdisches Fest ein, Pessach. Heute ist es ein Familienfest, in früheren Zeiten war es neben Schawuot und Sukkot eines der israelitischen Wallfahrtsfeste, an denen die Gläubigen zum Tempelberg pilgerten.


2 Antworten zu “31. Klagemauer und Western Wall Tunnel”

  1. Die Klagemauer besteht nun seit tausenden von Jahren. Wird einmal die Zeit kommen, in der sie überflüssig wird? Ich fürchte, nein.

    Ich wünsche Dir, trotz alledem, ein schönes Wochenende und freue mich über das Rezept für die Kartoffelsuppe.

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