38. Bethlehem – christlicher Teil


Wie heißt es in unserer Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium:

„Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“

Wo der Stall mit der Krippe gestanden haben soll, erhebt sich heute die festungsartige Geburtskirche, eingezwängt zwischen einem Franziskanerkloster, einem griechisch-orthodoxen und einem armenischen Kloster. Über eine Treppe führt mich der Weg hinab in die ca. 12 m lange und 4 m breite Geburtsgrotte. Ein silberner Stern kennzeichnet die Stelle der Geburt Jesu.

Ich bin fast allein an diesem für uns Christen recht bedeutungsvollen Ort. Lediglich ein freundlicher Mönch begrüßt mich und gewährt mir sogar eine private Unterweisung. Er hat gerade Zeit und erklärt mir ausführlich die angebliche Geburtsstätte, den darüber stehenden Altar mit einem kaum erkennbaren Mosaik aus dem 12. Jahrhundert und die Orte wo sowohl die Hirten als auch die 3 Könige dem Jesuskind gehuldigt haben sollen.

Ein Durchgang führt mich in die daneben liegende Katharinenkirche, in welcher am Heiligen Abend die Mitternachtsmesse gelesen wird und regelmäßig zu uns per TV-Übertragung ins Wohnzimmer kommt. Sie wurde 1881 von den Franziskanern anstelle einer früheren Kirche errichtet und ich kann in aller Ruhe ihre Geschichte nachlesen und sie auf eigene Faust erkunden, ebenso den wunderschönen Kreuzgang aus fränkischer Zeit (Kreuzritter!).

Ganz in der Nähe würde die Milchgrotte zu finden sein, erklärt mir mein Baedeker Reiseführer. Auf dem Weg dorthin komme ich an etlichen Werkstätten vorbei, in denen wunderschöne Figuren samt Krippen und Hütten aus Olivenholz angefertigt werden. Die Türen sind offen und laden ein, den Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Ich erstehe (wenn nicht hier, wo dann?) ein geschnitztes Haus bzw. eher einen Unterstand für meine Figuren zu Hause – nicht ohne das übliche Handeln und ein augenzwinkerndes, ausführliches Palaver.

Weihnachten mitsamt den in jeder Familie unterschiedlichsten Ritualen kann kommen, s. unten: ein Vorgeschmack auf die Weihnachtsbäckerei.

Es gibt tausende verschiedene Rezepte und jeder/jede hat besondere Vorlieben. Folglich kann ich mir Details ersparen, verrate nur, dass ich jedes Jahr mal etwas Neues ausprobiere, wie diesmal die etwas dickeren Butterzeugplätzchen mit Schokoguss.

Bevor ich zu einem besonderen Rezept von der „Weihnachtsgans“ komme, lade ich Sie/Dich ein, mit in eine zur Kapelle umgewandelten Höhle, der so genannten Milchgrotte zu kommen. In dieser soll sich die Heilige Familie vor der Flucht nach Ägypten verborgen haben. Hier soll Maria, der Legende nach, beim Stillen einen Tropfen ihrer Milch verloren haben, worauf der Kalkstein strahlend weiß wurde. Fein vermahlen, soll er stillenden Müttern angeblich zu mehr Milchfluss verhelfen.

Gans in Schalet

  • 1 Gans ca. 2 kg
  • 2 EL Gänseschmalz
  • 1 feingehackte Zwiebel
  • 4 zerdrückte Knoblauchzehen
  • 1-2 Tassen Erbsen
  • 1-2 Tassen Graupen
  • 2 TL Salz
  • 1/2 TL Pfeffer
  • 1/2 TL geriebener Ingwer
  • 1/2 – 1 l Gemüsebrühe

Die vorbereitete Gans in Portionen teilen, salzen und auf der glasig gedünsteten Zwiebel anbraten. Die im voraus eingeweichten Erbsen und Graupen zugeben, mit Pfeffer, Ingwer und Knoblauch abschmecken und alles in einen großen Topf geben. Wenig Brühe zugießen und langsam auf kleiner Flamme etwa 2 Stunden dünsten. Dann den Topf in die mäßig erhitzte Röhre stellen, wo er bis zum Mittagessen des nächsten Tages bleibt.

Von der etwas ungewöhnlichen Zubereitungsart unserer Weihnachtsgans komme ich mit diesem Gericht zu einer traditionellen Shabbatspeise. Den Namen „Schalet“ deute ich in „Warm halten“ um (es gibt noch weitere Definitionen). Da es an Shabbat streng verboten ist, Feuer anzuzünden, musste das Schalet einen Tag vorher zubereitet und in der mäßig erhitzten Röhre warm gehalten werden. Und noch ein Sprung: von der Gans geht es zu ihrem Fett, mit dem in früheren Zeiten der Chanukka-Leuchter am Brennen gehalten wurde. Chanukka ist ein jüdisches Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. Als die Juden den zurückeroberten Tempel aufräumten, fanden sie nur ein kleines Fläschen Öl, um das Licht im Tempel zu entzünden. Das kleine Fläschchen Lampenöl reichte an sich nur für eine Nacht, aber am Ende brannte es acht Tage lang, welch ein Wunder! Deshalb wird Chanukka, das Lichterfest acht Tage lang gefeiert, dieses Jahr vom 18.12. – 26.12. 2022 – immer auch um unsere Weihnachtszeit. Weihnachten – Chanukka: es wird ähnlich gefeiert mit Familienbesuchen, gutem Essen, Spielen und Geschenken, jedoch mit unterschiedlicher Geschichte.

Geschichten und Rezepte während meiner 3 Reisen nach Israel habe ich in diesen 38 Beiträgen geschildert. Sie liegen vor Ihnen/Dir und mir am Herzen. Ja, eine Herzensangelegenheit war und ist mir dieses Land immer noch und ich denke sehr gern an die vielen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, zurück. Chanukka und Weihnachten – wir haben es mit Jonathan, Maya und Aria zusammen hier in Franken gefeiert und es waren wunderschöne und unvergessliche Tage. Auch für dieses Jahr: Happy Hanukkah – Fröhliche Weihnachten und Friede allen Menschen!

Fränkische Krippe aus Kirchfembach

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