20. Israel und Jerusalem ohne seine Festtage, undenkbar


Sie sollen weiterhin Beachtung finden, werden sie mir doch bereits zu Beginn meiner Reise, an Rosch-ha-Schana, dem jüdischen Neujahrstag, sehr deutlich vor Augen geführt. Dass zu den jeweiligen Feiertagen immer besondere Essensregeln gelten – ich versuche sie entsprechend zu würdigen.

Den höchsten jüdischen Feiertag (er wird in der Bibel auch als Sabbat Sabbaton = hoher Sabbat bezeichnet)

Yom Kippur

verbringe ich in Jerusalem, ungewöhnlich ruhig ohne Autos, Straßenbahn und dem dazugehörigen Verkehrslärm.

Er beginnt – wie alle Feiertage – am Vorabend mit dem Untergang der Sonne.

Jerusalem ohne Autos

Yom Kippur ist der Aussöhnung mit Gott und den Mitmenschen gewidmet. Bereits in den Qumran-Schriften (Schriftrollen vom Toten Meer aus der Zeit 250 v. Chr. und 40 n. Chr.) finden sich Hinweise auf den Versöhnungstag. Im Vorfeld dieses hohen Feiertages bemüht man sich um Aussöhnung mit seinen Mitmenschen. Eine Erneuerung des Verhältnisses zu Gott könne nur dann gelingen, wenn Zank und Streit unter den Menschen beigelegt wären, heißt es in der Tora. Das Sündenbekenntnis und die Bitte um Vergebung gehen einher mit der Enthaltung von Essen und Trinken, von Körperwäsche und Kosmetik, von Lederschuhen und Geschlechtsverkehr. Es wird am Versöhnungstag mit nur kurzen Unterbrechungen in der Synagoge gemeinsam gebetet und volle 24 Stunden total gefastet.

Auch säkulare Juden im heutigen Israel fasten an diesem höchsten Feiertag, der zudem von intensivem Gebet geprägt ist. Menschen, die das ganze Jahr nicht zum Gottesdienst erscheinen, zieht es an diesem Abend in die Synagoge.

Am Abend vorher wird eine besonders üppige Mahlzeit serviert um das Fasten besser durchzuhalten zu können.

Hier mein Vorschlag für die Vorspeise und eine sehr nahrhafte Suppe:

li. Marinierter Salzhering, re. Auberginensuppe

Marinierter Salzhering

  • 6 halbe Matjesheringe
  • 2 saure Äpfel (Boskop)
  • 200 g gekochte Karotten in Würfel geschnitten
  • 1 Zwiebel in Scheiben
  • Kapern, Pfefferkörner, Lorbeer, 1 Biozitrone in Scheiben
  • 1 EL Öl
  • ¼ Tasse Essig
  • 1-2 Tassen Sauerrahm
  • 1 EL Zucker

Heringe und Äpfel in mundgerechte Stücke schneiden und zusammen mit Karotten und Zwiebelscheiben, sowie den Gewürzen abwechselnd in ein Glasgefäß schichten. Öl, Essig, Sauerrahm und Zucker mischen und das Ganze über die Heringe etc. gießen. 1-2 Tage im Kühlschrank durchziehen lassen. Mit Schwarzbrot und einem kühlen Bier (gibt es auch alkoholfrei) servieren.

Mit diesem Gericht hat uns „Scholzen-Oma“, die es aus dem Sudetenland mitgebracht hat, an den Geburtstagsfeiern immer beglückt. Irgendwie hat sich dabei für mich jüdische, tschechische und deutsche Küche vereint. Auch die Rugelach (aus einem früheren Beitrag, Nr. 15) haben für mich diesen 3fachen Ursprung. Sie sehen/du siehst: die Küche kennt keine Länder-Grenzen.

Anschließend etwas gehaltvolles ohne Fleisch:

Auberginensuppe mit Mograbieh (Couscous)

  • 5 kleine Auberginen (ca. 1,2 kg)
  • 150 ml Sonnenblumenöl
  • 1 Zwiebel in Scheiben geschnitten
  • 1 EL gem. Kreuzkümmel
  • 1 ½ TL Tomatenmark
  • 3 Tomaten gehäutet, in Würfel geschnitten
  • 350 ml Gemüsebrühe
  • 4 Knoblauchzehen, zerdrückt
  • 2 ½ TL Zucker
  • 2 EL Zitronensaft
  • 100 g Couscous
  • 2 EL Basilikumblätter oder
  • 1 EL gehackter Dill
  • Salz, Pfeffer

3 Auberginen rösten (wie in Blog-Beitrag Nr. 9 – Auberginen als Vorspeise: bei 220 Grad ca. 45 Min. in der Röhre backen bis die Haut beginnt schwarz zu werden), die restlichen Auberginen in Würfel schneiden und in dem erhitzten Sonnenblumenöl 10-15 Minuten unter gelegendlichem Wenden goldbraun frittieren. Falls nötig noch Öl zugeben, herausnehmen, auf einem Sieb abtropfen lassen und mit Salz bestreuen.

Zwiebel und Kreuzkümmel in den Topf geben und in 1 EL Öl wenige Minuten unter Rühren anbraten, Tomatenmark dazu geben und 1 Minute mitgaren. Dann Tomaten, Brühe, 400 ml Wasser, Knoblauch, Zucker dazugeben, mit 1 1/2 TL Salz und etwas Pfeffer abschmecken und 15 Minuten köcheln.

Inzwischen den Couscous nach Anweisung garen, anschließend unter kaltem Wasser abschrecken.

Das Fleisch der gerösteten Auberginen aus der Schale lösen und zur Suppe geben. Das Ganze mit dem Stabmixer pürieren. Couscous und Auberginen-würfel (von beidem etwas zum Garnieren zurückbehalten) dazugeben und die Suppe noch einmal u. a. mit Zitronensaft abschmecken. Mit Couscous, Auberginenwürfel und Dill o. Basilikum garnieren.

Vor, bzw. nach dem ausgiebigen Menü und unmittelbar nach dem Fasten ist es üblich, weil vernünftiger, den ersten Hunger mit einer Tasse Milchkaffee und einem Stück Kuchen zu stillen. Dabei kann die Art des Kuchens durchaus variieren.

Orangenkuchen (erinnert an den Lieblingskuchen Haris von Muawiya, dem arabischen Cäsar – Beitrag Nr. 8)

  • 180 ml Sonnenblumenöl plus Öl für die Form
  • 240 ml Orangensaft
  • 160 g Orangenmarmelade
  • 4 Eier
  • abgeriebene Schale einer Bio-Orange
  • 70 g Zucker
  • 70 g Kokosraspel
  • 90 g Mehl
  • 180 g Hartweizengries
  • 2 EL gemahlene Mandeln
  • 2 TL Backpulver
  • griechischen Jogurt zum Servieren
  • Sirup:
  • 150 g Zucker
  • 1 EL Orangenblütenwasser oder Orangenlikör
  • plus ein paar Tropfen für den Jogurt

Öl, Orangensaft, Marmelade, Eier und Orangenschale verrühren bis sich die Marmelade auflöst. In einer zweiten Schüssel die trockenen Zutaten mischen und danach sorgfältig mit der anderen Mischung verrühren.

Zwei 500-g-Kastenformen mit Öl einfetten und mit Backpapier auskleiden. Den Teig einfüllen und 45-60 Minuten backen. Die Garprobe mit einem Holzspieß machen: wenn an diesem nichts mehr klebt, ist der Kuchen fertig.

Den fertigen Kuchen mit einem Holzstäbchen mehrere Male anpiksen und den Sirup langsam darüber träufeln. Dazu gegen Ende der Backzeit Zucker, Orangenblütenwasser und 120 ml Wasser aufkochen und sofort vom Herd nehmen. Wer es weniger süß, dafür etwas alkoholischer mag, kann den fertigen, noch warmen Kuchen nur mit Orangenlikör tränken.

Orangenkuchen

Im nächsten Beitrag komme ich von Yom Kippur zum nächsten großen Fest, dem Laubhüttenfest Sukkot und begebe mich, wenn Sie wollen, auf einen Spaziergang durch Jerusalem. In diesem Sinn viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren der Rezepte, guten Appetit und last but not least Shabbat Shalom


Eine Antwort zu “20. Israel und Jerusalem ohne seine Festtage, undenkbar”

  1. – danke für die Informationen über Yom Kippur, ab und an Enthaltsamkeit, bzw. Fasten ist sicherlich kein schlechter Weg, um wieder einmal inne zu halten … und die anschließende Belohnung hilft; auf alle Fälle liest sich das Couscous-Aubergingen-Rezept sehr lecker; Dir noch ein schönes Wochenende!

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