Reise nach Jerusalem

  • Von Jane Godall, der großen Dame der Schimpansenforschung habe ich kürzlich eine Zusammenfassung gelesen, was sie, wenn sie nochmal von vorne beginnen könnte, anders machen würde. Der Grand Dame der Tierforschung, die eine Menge in dieser Richtung tat und noch tut – sie ist mittlerweile 90 – hätte ich eine Auflistung derartiger Dinge nicht zugetraut. Ist sie doch ein Beispiel, was in so ein Leben hineingepackt werden kann und mit welchem Enthusiasmus, welcher Zielstrebigkeit man eine derartige Kompetenz erreichen kann. Dieser Biografie noch mehr hinzu zu fügen ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich hätte eher folgende Aussage erwartet: So und nicht anders würde ich mein Leben noch einmal leben wollen! Das Beispiel von Jane Godall zeigt, auch eine Frau mit einer derart ausgefüllten Biografie zeigt Träume/Wünsche was da anders oder besser hätte sein können, wenn sie sagt, sie hätte gern weniger gesagt und mehr gehört. Oder, sie hätte Freunde zum Essen eingeladen, auch wenn der Teppich Flecken hatte oder die Farbe der Couch verblasst war. Oder, sie hätte sich auf das Gras gesetzt, auch wenn ihre Kleidung davon Flecken bekommen hätte. Für mich haben diese Sätze nicht die gleiche Bedeutung. Jedoch, es gibt sie die Dinge, die wir gern einmal/nochmal oder wenn wir könnten, anders machen würden. Meine Auflistung ist, wie die von Frau Godall, nicht vollständig, aber ich versuche ein paar der Gedanken aufzugreifen, die mir dabei in den Sinn kommen. Es soll damit nicht dokumentiert werden, wie unzufrieden ich mittlerweile bin – das nicht. Im Gegenteil, mein Charakter, meine Vorgaben, mein Lebensweg – er ist so, wie er ist und ich bin zufrieden damit. Was mich jedoch nicht hindert zu träumen. Ich erinnere mich an ein Gedankenspiel, welches ich vor dem Einschlafen mit meiner kleinen Schwester gespielt habe: „Ich schenke dir einen goldenen Taler, was machst du damit?“ Was wir uns im Kindesalter gewünscht hatten – ich weiß es nicht mehr. Sicher waren es andere Dinge, als es sich heute kleine Kinder wünschen. Wünsche haben sie, und es sind nicht wenige und nicht immer erfüllbare. So und nicht anders will ich meine Aufzählung heute verstanden wissen. Davor jedoch eine kleine Stärkung: Hirseauflauf, pikant (Hirse ist glutenfrei, liefert Energie, Eiweiß, Ballast- u. zahlreiche Mineralstoffe, ihre Inhaltsstoffe schützen die Zellen vor Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes u. hohem Cholesterinspiegel)

    • 2 EL Pflanzenöl
    • 1 Zwiebel
    • 200 g Hirse
    • 500 ml Brühe
    • Pfeffer, Salz, Lorbeerblatt
    • 200 g Champignons
    • 200 g tiefgekühlte Erbsen
    • 1 Knoblauchzehe, zerdrückt
    • 1 EL Maismehl
    • 2 Eier
    • 4 EL Milch
    • Muskat, Pfeffer
    • 50 g geriebener Parmesan

    In kleine Würfel geschnittene Zwiebel und die gewaschene Hirse kurz andünsten, mit der heißen Brühe, Pfeffer, Salz abschmecken und zusammen mit dem Lorbeerblatt aufkochen, 15 Min. auf kleinster Flamme und geschlossenem Deckel ausquellen lassen. Mit Champignonscheiben, Erbsen, Knoblauch und dem Maismehl vermengen. Eier, Milch und Gewürze verquirlen und über die Gemüsehirse geben, mit Käse bestreuen und bei 200 Grad ca. 15 Minuten überbacken. Dazu Salat oder eine Rohkostplatte.

    Für mich und für den Leser/die Leserin geht es jetzt zur Sache. Ich werde meine bis dato nicht dokumentierten meist geheimen Gedanken versuchen in Buchstaben zu verwandeln. Dabei fällt mir ein jüdischer Spruch ein:

    • Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte (Buchstaben).
    • Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Handlungen.
    • Achte auf deine Handlungen, denn sie werden deine Gewohnheiten.
    • Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter, denn er wird dein Schicksal.

    Ist dieser Spruch mit dem, was ich gerne anders hätte machen wollen, kompatibel? Ich denke ja und drösle ihn von hinten auf. Das Schicksal geht mittlerweile sehr wohlwollend mit mir um und gibt mir die Möglichkeit zu reisen, Neues kennen zu lernen und meinen Geist auf diese Weise wach zu halten. Gewohnheit durch eine Handlung? Die Handlung entsteht durch meine Worte, Worte mit der Familie, mit Freunden, mit denen ich mich über neue Länder, Sehnsüchte, Abenteuer austausche. Oft werde ich durch sie erst dazu gebracht, darüber nachzudenken ohne einen Plan zu verfolgen. Der kommt anschließend ganz von allein, bzw. ist bereits gedanklich angelegt. Ich erinnere mich an ganz frühe Jahre – ich war sicher noch nicht in der Schule: ein kleiner brauner Kinderkoffer, den ich oft und gerne mit allerlei Krimskrams gepackt habe, gehörte zu meinen liebsten Spielutensilien.

    • Ich hätte gern einen Beruf erlernt, der mich bereits in früheren Jahren mehr hätte reisen lassen,
    • gerne wäre ich länger in die Schule gegangen, hätte mehr lernen wollen,
    • ich hätte gern mehr Durchsetzungsvermögen gehabt,
    • ein Literatur-Café zu fuehren stand lange auf meiner Wunschliste – ich habe es nie geschafft,
    • viel öfter hätte ich „Nein“ sagen sollen, nicht immer „Ja“,
    • die Zeit mit meinen Kindern als sie klein waren hätte ich viel intensiver genießen sollen,
    • mich nicht mit Kleinkram abgeben sollen, wie z. B. für Einladungen eine Tip-top-Wohnung vorweisen wollen, was mir eh nie so richtig gelingen wollte,
    • gern hätte ich mich mehr mit meinem Vater über seine Zeit vor dem und im Krieg, in der Gefangenschaft unterhalten wollen,
    • mit meiner Oma und meiner Stiefmutter hätte ich gern noch das eine oder andere Gespräch geführt,
    • ich würde gerne noch eine mehrtägige Wanderung auf dem Bibbulmun Track machen. Es muss nicht die ganze Strecke von Kalamunda nach Albany in Westaustralien = 1003 km sein, aber ein Teilstück schon.

    Nun – ich habe mich mit meinen Entscheidungen, mit den Gegebenheiten, meinem bisherigen Weg arrangiert und … je ne regrette rien! Was hindert mich außerdem nicht noch den einen oder anderen Traum zu verwirklichen. Träume und Wünsche gehören zum Leben.

    Zum Abschluß nichts Saures, jedoch Süßes: Halloween-Coockies

    • 375 g brauner Zucker
    • 125 g Butter
    • 2 Eier
    • 400 g Kürbispüree
    • 650 g Mehl
    • 1 TL Backpulver
    • 1 TL Zimt
    • 1 Msp. Muskatnuss
    • 1/2 TL Salz
    • 1 TL geriebener Ingwer
    • 250 g Rosinen
    • 250 g Nüsse (z.B. Pecan-, Hasel-, Walnüsse, Mandeln)

    Zucker, Butter, Eier schaumig rühren und alle übrigen Zutaten nach und nach einarbeiten bis ein homogener Teig entsteht. Ein Backblech (bei mir wurden es insgesamt 4) mit Backpapier auslegen. Auf dieses mit 2 TL kleine Häufchen setzen und im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen ca. 15 Minuten hellbraun backen.

    Shabbat Shalom an diesem Freitag, Allerheiligen

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Meine Geschichte beginnt an einem Tag im Mai 2008 und ich will sie Serví, der 16 Jahre alten tapferen Entenfrau widmen.

    Die enorme Zahl an Schnecken, die unseren Garten derzeit heimsucht, lässt den Gedanken an eine Dezimierung dieser schleimigen Spezies aufkommen. Sie vernichten alles an Grünzeug, was sich in den Weg stellt und wir überlegen, wie ihnen auf möglichst natürliche Weise der Garaus gemacht werden könnte. Ein tägliches Einsammeln der auf Salat-, Kohlrabi-, Krautpflanzen etc. befindlichen Tierchen mit anschließender grausamer Tötung erscheint uns weder für sie noch für uns eine ökologisch sinnvolle und glückliche Lösung zu sein. Ob die, für die Schnecken von Enten gefressen zu werden, eine zufriedenstellendere ist – wer kann das beurteilen? Dabei gibt es z. B. in der Schweiz 250 verschiedene Schneckenarten und die wenigsten, wie unsere Spanische Wegschnecke, machen in den Hausgärten derart viel Ärger. Etliche genießen sogar große Popularität in der Gourmetküche. Und – auch Schnecken gehören zur Biodiversität: sie verwandeln abgestorbene Pflanzen und morsches Holz in wertvollen Humus. Sie sind außerdem Futter für viele andere Tierarten. Diese anderen mögen allerdings unsere Schnecken nicht. Wir versuchen es deshalb, nachdem weder der Schneckenzaun noch das Absammeln ein befriedigendes Ergebnis bringt, mit Indischen Laufenten. Nur von diesen werden die sich besonders reichhaltig vermehrende Spezies als Delikatesse verspeist. Wir beginnen mit 3, 2 Erpeln und einer Entenfrau, welche wir in einem Geflügelhof auswählen dürfen. Das Geschlecht können wir bei den 3 Wochen alten Entchen noch nicht feststellen, deshalb wird später aus dem nach den Eisheiligen benannten Servatius eine Serví, aus der (Kalten) Sophie ein Sophos und aus dem Bonifatius schließlich der Boni. Die Eisheiligen stehen Pate, da wir sie an einem dieser Tage in unseren Garten und den gezimmerten Stall holen. Auch ein Teich wird angelegt (s. dazu das Foto im letzten Beitrag „Sanspareil“), da es sich bekanntermaßen um Wassergeflügel handelt. Mit dem Teich haben sie anfangs ihre Probleme, da sie künstlich ausgebrütet sind und bis jetzt noch nicht allzu viel Wasser gesehen haben dürften. Alle unsere künftigen Generationen dürfen/müssen sich auf natürliche Weise das Licht der Entenwelt erpicken und werden von der Stammmutter, Serví, bereits nach einem Tag ins Wasser geführt – die Kleinen folgen ihr tapfer. Zurück zu Jung-Serví und Co.: Spannende Wochen folgen bis sich unsere 3 an die Freiheit einer Gartenfläche, die sich über 3 Gartengrundstücke erstreckt, gewöhnen, und sie die neue Nahrung d. h. die Nacktschnecken entdeckt haben. Weizenkörner und das vorhandene Gras ergänzen ihren Speiseplan, an dem sich auch die ganzen folgenden Jahre nichts ändert. Sie verschmähen Brot, ebenso Nudeln oder Reis. Nur die Getreidekörner werden mal trocken und auch mal in Wasser eingeweicht gefuttert. Unser Speiseplan wird jedoch durch die an Kohlehydraten und Proteinen reichhaltigeren Enteneier enorm erweitert. Es folgen viele Jahre, junge werden geboren und ältere auch mal vom Marder tot gebissen. In kalten Wintern bekommen sie eine Wärmflasche in ihr Häuschen und wenn Serví wieder zum Brüten ansetzt, wird sie besonders behütet. Sie kriegt in dieser Zeit nachts ein zusätzliches kleines Dach übergestülpt, sodaß der Marder nicht in Versuchung geführt wird. 5 Generationen brütet sie in 16 Jahren aus und den Kleinen bringt sie immer geduldig Laufen, Fressen und Schwimmen bei.

    Hier hat sich die Entenschar bereits auf 8, 3 Damen und 5 Herren vergrößert. Diese Konstellation ist keine einfache und entsprechend malträtiert werden die Damen. In der Tierwelt wird da unserer Ansicht nach etwas brutaler vorgegangen und ich muss gerade der älteren Entenfrau immer etwas zu Hilfe kommen. Bei der Paarung wird das Köpfchen manchmal sogar blutig gehackt und sie muss von den wilden Jungen separiert werden. Zum Glück habe ich verständige Nachbarn, die behilflich sind. Nicht nur in meiner Abwesenheit werden sie von ihnen mehr verwöhnt als versorgt, nein, sie dürfen sich in der schwierigen Zeit beim Nachbarn sogar verkriechen. Er hat eine Türe im Zaun geschaffen, die bei Bedarf geschlossen wird. Auch wird in dieser Zeit das Entenhaus geteilt. Der rabiate und jüngere Teil kommt auf die eine und der behäbigere, ältere auf die andere Seite. Im ausgehenden Frühjahr und den Sommer über ist das eine gut funktionierende Lösung auch wenn die jungen Erpel Möglichkeiten ausfindig machen und sogar über den Zaun fliegen um ihren Trieben nachgehen zu können – Tierwelt eben! Es gilt hier, wie sicher in der freien Natur noch viel mehr, der Schwächere hat weniger Chancen. Mobbing ist keine Seltenheit und auch kränkliche, alte Tiere werden ausgegrenzt und aus der Gruppe gedrängt. Trotzdem funktioniert das Zusammenleben mit etwas Unterstützung durch die „Entenmutter“ gut. Gerade jetzt marschieren wieder alle, jung und alt, gemeinsam durch den Garten auf der Suche nach dem mittlerweile rar gewordenen Fleischzusatz.

    In Perth/Westaustralien lebt nicht nur ein Teil meiner Familie, auch Verwandte der Enten, die schwarzen Schwäne, habe ich hier entdeckt. Haftet ihnen nicht ein besonderer Reiz an? Sind es ihre Farben rot/schwarz/ein wenig weiß, oder ist es die stolze Haltung, die sie zu etwas besonderem macht? Vielleicht ist das auch mit der Grund, weshalb der schwarze Schwan das Wappentier der Stadt am Swan River geworden ist. Ganz nebenbei, für mich, eine der schönsten Städte überhaupt.

    Australien mit einigen von mir bereisten Teilen wird 2025 der nächste kulinarisch-kulturelle Reisebericht in diesem Blog werden – freu du dich/freuen sie sich darauf! Anstatt kulinarischer Köstlichkeiten diesmal neben den schwarzen Schwänen noch ein Blick auf andere Wasservögel an der Küste des Indischen Ozeans, die sich auf den bizarren Felsen eine Ruhepause gönnen.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Sommer, Sonne, Reisen – Schlagwörter, die mir bei unserem Ausflug in den Sinn kommen. Vor allem auch deshalb, da die momentane Ferienzeit diesen Gleichklang der drei Wörter geradezu aufdrängt. Der lang ersehnte Sommer zeigt sich uns an diesem Tag mit einem wolkenlosen blauen Himmel, Sonne pur über 30 Grad und einer zwar kleinen, aber feinen Reise nach Sanspareil = Ohnegleichen (zwischen Bayreuth und Bamberg). Wir betreten diese phantasievolle Gartenschöpfung, die im 18. Jahrhundert unter Markgräfin Wilhelmine, der Lieblingsschwester Friedrich des Großen, entstanden ist. Sie war eine der ersten, welche die Natur bereits romantisch empfand und dies in die künstlerische Landschaftsgestaltung umzusetzen versuchte. Daneben war sie eine versierte Kennerin der griechischen Mythologie. Die Höhle gleich hinter dem Eingang war für die Markgräfin die Grotte der Göttin Kalypso. Diese lebte lt. Homers „Odyssee“ auf der Insel Ogygia. Hier in Sanspareil gelingt das Eintauchen in die griechische Sagenwelt des Altertums auf wunderbare Weise und fast meine ich mich auf Ogygia zu befinden. Für mich ist es eine weitere Reise, diesmal jedoch eine kopflastige in die Zeit als meine Kinder sich von der Welt der Götter noch verzaubern ließen und sie die Abenteuer des Odysseus äußerst spannend fanden. So spannend, dass wir sogar einige Tage unseres Urlaubs auf der Insel Ithaka, der Heimatinsel ihres Helden verbrachten. Neben Kalypso, die sich in Odysseus während seiner Irrfahrten verliebt und ihn 7 Jahre bei sich auf ihrer Insel festhält, begegnen uns im Felsengarten noch weitere Namen aus der griechischen Sagenwelt. Neben den Ruinen eines Naturtheaters, in dem jedes Jahr im Juli und August Stücke zur Aufführung kommen, sind Hinweise auf die Mentor-, die Diana-, Äolus-, Sibyllen- und Sirenengrotte zu finden. Sie laden ein, sich wieder einmal etwas näher mit der längst vergangenen Götterwelt zu befassen: Troja, Odysseus, die Heimatinsel Ithaka, seine Ehefrau Penélope, die Irrfahrten von denen er nach vielen Abenteuern und unerkannt sogar vom eigenen Sohn Telemachos nach 10 Jahren zurück kommt.

    Passend zu unserem Ausflug in die Sagenwelt Griechenlands, zudem leicht und bekömmlich, ein mediterraner Imbiss mit eingelegten Auberginen, Mozarella, Tomaten, Oliven und Weißbrot:

    • 4 mittelgroße Auberginen, Salz
    • 1/8 l Olivenöl
    • 1/4 l Tomatensaft
    • 4 EL Rotwein
    • 3 Knoblauchzehen, zerdrückt
    • Pfeffer
    • 1 Handvoll Basilikumblätter

    Auberginen waschen und der Länge nach in 1 cm dicke Scheiben schneiden, nebeneinander legen und salzen, 15 Minuten Wasser ziehen lassen. In der Zwischenzeit Tomatensaft mit dem Olivenöl gut verquirlen, den zerdrückten Knoblauch dazugeben und kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken. Nun die Auberginenscheiben mit Küchenkrepp abtupfen und in Öl auf beiden Seiten goldbraun braten, aus der Pfanne nehmen, auf Küchenkrepp abtropfen und auskühlen lassen und mit den Basilikumblättern in eine Schüssel schichten. Die vorher zubereitete Sauce über die Auberginen gießen und einige Stunden, am besten über Nacht, durchziehen lassen.

    Nach diesem leckeren Imbiss im bisher äußerst ruhigen Gelände dieser früheren Parkanlage wird unser gedanklicher Ausflug in die griechische Mythologie jäh unterbrochen. Eine Horde Jugendlicher, die sich glücklich schätzen einen derart wunderbaren und mit vielen geheimnisvollen Ecken ausgestatteten Abenteuerspielplatz gefunden zu haben, stört unsere Kreise. Die Eltern spielen teilweise mit und auch wir lassen uns von ihrer Unbekümmertheit anstecken und werden gerne mit einbezogen. Schließlich kann ich mein Eintauchen in diese Welt, in die Odyssee eines Homer oder in James Joyce‘ Ulysses auch verschieben, zumal für diese Lektüre mehr Zeit und Ruhe erforderlich sein wird. Menschen, die sich vor derart umfangreichen Werken scheuen, sei „Griechische Sagen“ (die schönsten Sagen des klassischen Altertums) von Richard Carstensen aus dem Antiquariat empfohlen.

    Zeit und Ruhe zum Lesen vermitteln mir nach der Rückkehr meine Enten, die sich in ihrer Welt auf dem Teich die Entengrütze schmecken lassen.

    Und als süßes kontrastreiches Schmankerl abschließend Rote Grütze mit Grießschnitten:

    Griesschnitten

    • 1 l Milch
    • 250 g Grieß
    • Zitronenschale
    • 50 g Zucker
    • 2 Eier
    • 1 Prise Salz
    • einige, in einer Pfanne angerösteten Mandelblättchen

    Dicken Grießbrei herstellen, etwas abkühlen lassen und die Eier darunter rühren, sofort in eine mit Wasser ausgespülte Kastenform streichen, erkalten lassen, stürzen und in 1,5 cm dicke Scheiben schneiden (ich habe den heißen Grießbrei in mit kaltem Wasser ausgespülte runde Kompottschalen zum Auskühlen gegeben und auf einen Dessertteller gestürzt) mit der Grütze übergießen, den gerösteten Mandeln und Zitronenmelisse verzieren.

    Rote Grütze

    • 175 ml Kirschsaft
    • 1 EL Stärke
    • 500 g Beeren (z. B. rote und schwarze Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Kirschen) – frisch oder tiefgekühlt
    • 2 EL Zucker

    Saft in einen Topf geben, 3 EL davon mit der Speisestärke in einem Becher mit dem Schneebesen gut verrühren. Saft, Zucker und Beerenmischung verrühren und zum Kochen bringen. Nun die Saft-Stärke-Mischung dazu geben und verrühren, nochmal kurz aufkochen und ca. 1 Minute köcheln lassen bis sie langsam etwas dickflüssig wird, abkühlen und über die Grießspeise geben.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Auch wenn es bei momentan schwül-warmen Höchsttemperaturen ein Genuss wäre, in einem kühlen Nürnberger Keller unter der Burg gepflegten Jazz bei einem Glas Rotwein oder Bier zu hören – es ist Sommerpause. Erst im September geht es weiter. Das Programm findet Ihr/finden Sie unter http://www.jazzstudio.de

    In der Zwischenzeit gibt es Musik aller Stilrichtungen unter freiem Himmel oft zum Nulltarif mit Picknick und einer wunderbaren Hannchen-Jensen-Torte (Hans Jensen Hansen war ein dänischer Physiker und Meteorologe und vielleicht war ja Hannchen seine Gattin). Das Rezept mit Kostprobe bekam ich von einer Freundin beim letzten Jazz-Frühschoppen.

    • Aus 125 g Butter
    • 100 g Zucker
    • 1 P. Vanillezucker
    • 4 Eigelb
    • 150 g Mehl
    • 1/2 TL Backpulver einen Rührteig herstellen. Diesen in 2 gleiche Teile teilen

    Nun eine Baiser-Masse aus 4 Eiweiß und 200 g Zucker herstellen und jeweils die Hälfte auf eine Hälfte des Rührteigs verteilen und mit Mandelblättchen bestreuen. Jedes Teil in einer runden Springform 30 Minuten bei 180 Grad backen, rechtzeitig mit Backpapier abdecken, die Mandelblättchen sollen nicht zu dunkel werden. Nach dem Erkalten 2 Becher Sahne mit Sahnesteif und nach Belieben Zucker steif schlagen, mit 200 g Himbeeren mischen und auf eine Hälfte streichen. Die schöner gebackene Hälfte in Stücke schneiden und auf die Füllung legen.

    Meine eigene kleine Musikgeschichte begann als Nachkriegskind erst in den 60ern. Freddy Quinn, Rock‘n Roll u.ä. aus einer Musikbox in der elterlichen Gastwirtschaft meiner Freundin Traudi waren nach dem Erlernen des Flötenspiels ein weiteres Hineinschnuppern in die Welt der organisierten Klänge. Bereits Ende der 60er wurde es etwas aufregender: Ich wurde 18, Beatles, Rolling Stones, Simon & Garfunkel, Bee Gees, Moody Blues, The Who u. a. waren nun die Favoriten. Eine Freikarte meines damaligen Chefs für das Festival Jazz Ost/West (es wurde 1966 als eins der ältesten Jazzfestivals Europas ins Leben gerufen und sollte Musikern aus West und Ost als Begegnungsstätte dienen) schaffte es Anfang der 70er meine Begeisterung für diesen Musikstil zu wecken. Nunmehr waren Albert Mangelsdorff, Klaus Doldinger, Peter Herbolzheimer, Barbara Dennerlein, Herbie Mann, Bobby McFerrin, John McLaughlin, aber auch Ella Fitzgerald, Louis Amstrong, Duke Ellington, Benny Goodman u. v. a. die Stars für mich. Sowohl sie, als später etliche jüngere sorgen dafür, dass ich bis heute dieser Musikrichtung neben der Klassik treu bleibe.

    Das Jazzstudio feiert dieses Jahr sein 70jähriges Jubiläum. Ich will es zum Anlass nehmen und dieser Spielstätte mit der dazugehörigen Musik, die bereits um 1900 in den Südstaaten der USA entstand, einen Blog-Beitrag widmen. In der Zeit des Nationalsozialismus galt der Jazz in Deutschland als „entartete Musik“. Erst nach Krieg und Holocaust stieß er bei vielen jungen Leuten auf große Begeisterung und 1954 wurde das Jazzstudio ins Leben gerufen. Nicht-Nürnberger kennen den Jazzkeller wahrscheinlich nur, wenn sie Jazz mögen und die Atmosphäre in dem historischen Gewölbe bei einem Zufallsbesuch schätzen gelernt haben. Damals wie heute pilgern junge und jung gebliebene ältere Menschen in diesen Keller, dessen charakteristischer Geruch eine einmalige Rezeptur darstellt. Feuchter Sandstein, eine sich über Jahre eingebrannte und noch immer nicht ganz kalte Nikotinnote vermischt mit dem Bierdunst spezieller Sorten prägt sich beim Eintauchen in die einige Generationen alte und dunkle Unterwelt der olfaktorischen Wahrnehmung auf angenehme und mystische Weise ein.

    Es sind die Musiker, die nach wie vor begeistert an diesem beengten Ort spielen, aber auch die Besucher, die das besondere Flair anzieht und die es genießen in unmittelbarer Nähe und auf Augenhöhe den Künstlern zuzuhören. Die Musik, Getränke, kleine Snacks ein paar Treppen tiefer an der Bar – es ist eine einzigartige Atmosphäre. Auch wenn sich mal kein Gespräch mit einem der anderen Besucher ergibt, weil dieser vielleicht nur zum Musik hören hier ist – daran denken: die Franken sind keine Rheinländer.

    Der Jazz als eine der gehaltvollsten Musikarten bedarf in dieser Umgebung keiner weiteren schweren Kost und somit wird zwar Seele und Geist gefüllt und inspiriert, doch den Magen füllt man vorsorglich Anderswo, da die gebotenen Snacks mehr die Finger derer beschäftigen sollen, die sie ansonsten beim Anblick der tanzenden Gliedmaßen der Interpreten über Bassseiten und Klaviatur nicht stillhalten können.

    Auch wenn der Keller seine kulturellen Speisen erst wieder im September dem Genießer anbieten will, hat der Burgberg ganzjährig für den Magen ein Spektrum origineller Genüsse bereit. So kann man sich am lauen Sommerabend zum Beispiel Mangold fränkisch/italienische Art munden lassen:

    • 800 g Mangold
    • 3 EL Olivenöl
    • 2-4 Knoblauchzehen
    • 3 Sardellenfilets in Öl
    • 1 Dose geschälte Tomaten, 425 g
    • Salz, Pfeffer

    Mangold gut waschen, Blätter und Stiele trennen, alles in etwa fingerbreite Streifen schneiden. Das Öl erhitzen, gewürfelten Knoblauch und kleingeschnittene Sardellenfilets darin andünsten, gehackte Tomaten mit Saft zugeben und 15 Minuten leise offen kochen. Stiele 5 Minuten und anschl. Blätter weitere 8 Min. zusammen mit den Tomaten dünsten, salzen und pfeffern. Schmeckt mit vorher gekochten Bandnudeln oder Weißbrot.

    Allen eine sonnige und erholsame Ferienzeit!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Der Begriff der kleinen Fluchten rührt her aus dem schweizerisch-französischen Film, der diesen Titel trägt. Ich habe den Streifen vor langer Zeit gesehen und er verkörpert für mich seither die kleinen Dinge, die Freude bereiten. In dem Film ist es die Freiheit eines Knechts, der nach seiner Verrentung mit dem Moped einfach losfährt und die kleine Welt um sich herum erkundet. Er hat ein Leben lang hart körperlich arbeiten müssen und nimmt sich nun diese Freiheit. Es hat sich einiges geändert. Aus der ländlichen Idylle ist zwischenzeitlich die große weite Welt geworden. Wir können in alle Teile der Welt fliegen (siehe meine Reiseberichte über Israel und Ecuador), Kreuzfahrten mit dem Schiff unternehmen, mit dem Zug meist bequem reisen, mit etwas körperlichem Einsatz Rad fahren oder uns „nur“ auf Schusters Rappen begeben und unsere unmittelbare nicht nur fränkische Landschaft erwandern.

    Aus der kleinen Flucht mache ich heute eine große, zumindest was die Entfernung betrifft. Mit meinem Sohn geht es zu den Niagara Fällen. Vorher landen wir nach einer gemütlichen Autofahrt durch den Bundesstaat New York in der auf amerikanischer Seite gelegenen Kleinstadt Niagara Falls. Das gebuchte Motel ist leicht gefunden und von dort wollen wir abends einen Spaziergang (Interpretation hinterher, Sohn: kleiner Walk zum Entspannen, Mutter: mit leerem Magen durchgeführter Gewaltmarsch) zumindest in die Nähe der Falls unternehmen. Ich träume dabei von einer Einkehr in das mir von einem Freund ans Herz gelegte Hard Rock Café, dieser in vielen Großstädten beheimateten Kette, die angeblich den Rock ‚n‘ Roll feiert und speziell die tollsten Burger serviert. Unterschiedlich gefrustet – ich, weil mir der Weg unverhältnismäßig lang erscheint, der für die Schönheiten einer Stadt immer offene Sohn, weil er außer lauten Straßen und langweiligen Häuser- und Industrieanlagen nichts entdecken kann – erreichen wir nach 2 Stunden das besagte Rock Café. Anfangs noch heftige Diskussionen über den Nährwert eines Doppelburgers, lässt zumindest mein Hunger mir einen solchen bestellen. Leichtsinnigerweise habe ich mir die Portionen an den Nachbartischen nicht angesehen und muss nun meine Mund genannte Zufuhrquelle zum Magen derart weit öffnen, daß es fast zu einer „Maulsperre“ führt. Dass amerikanische Essensregeln in diesen Fällen Messer und Gabel vorsehen, kommt mir als Döner-Bezwingerin nicht in den Sinn.

    Diese Art der Speiseaufnahme hat jedoch den Vorteil, unseren, den in einen handfesten Streit ausgearteten Frust schnell zu vergessen. Neben den Sinnfragen „wer versteht was unter einem Spaziergang?“ oder „wie esse ich einen überdimensionierten Burger?“ fällt uns Loriot ein und unsere Mahlzeit wird zu einem lustigen Tageshöhepunkt. Der Höhepunkt des Abends jedoch sollte noch folgen. Es waren die beleuchteten Falls auf amerikanischer Seite.

    Und am nächsten Tag die Falls auf der kanadischen Seite, wo uns nochmal die Naturgewalten und die Schönheit dieser gigantischen Wasserfälle vor Augen geführt werden. Fotos können das nicht wiedergeben, sie erinnern uns lediglich. Die Tatsachen, Geschichten und Mythen um diesen Naturpark auf beiden Seiten, der zu den beliebtesten Touristenattraktionen Nordamerikas und sicher auch Kanadas zählt, sind vielfältig und wir freuen uns hier zu sein.

    Neben dieser XXL-Flucht in eine etwas entferntere Ecke unserer Welt will ich eine kulinarische Flucht zu einem weniger kalorienreichen Imbiss antreten und empfehle dafür diesen etwas abgespeckten Mozarella-Burger

    • 4 getoastete Brötchen
    • mit Kräuterfrischkäse beidseitig bestreichen
    • belegen mit Mozarella, rotem Spitzpaprika und Rucola
    • etwas Balsamicoessig darüber träufeln

    Mit einem kühlen Bier aus dem Krug einer der ehemaligen Fürther Brauereien schmeckt diese Alternative zum XXL-Burger nochmal so gut, auch ohne Fleischklops. Zur früheren Humbser Brauerei gibt es noch zu sagen, sie war eine der fünf großen und bekanntesten Brauereien in Fürth und später führend in der Weizenbier-Produktion. Der Ahnenreihe meiner Mutter Johanna (geborene Humbser) zum Langenzenner Braumeister Johann Stephanias Humser (das b wurde dem Namen erst später hinzugefügt), dem Mitbegründer der Langenzenner Bierbrauerzunft, wurde bereits ermittelt. Es gab zu dieser Zeit sage und schreibe neun Brauereien in Langenzenn. Der Zusammenhang und die Erforschung der Fürther Linie, die ebenso wie meine nach Weinzierlein führt, wartet noch auf mich.

    Für warme Sommertage noch ein weiteres kühles – diesmal nichtalkoholisches – Getränk, ein erfrischendes Pfirsich-Lassi:

    • 4 reife Pfirsiche
    • 1/4 TL Kurkumapulver
    • 1 Prise Pfeffer
    • 500 g Jogurt, 3,5 % Fett
    • 250 ml Orangensaft

    Pfirsiche waschen, 3 davon unten kreuzweise einschneiden, in einer Schüssel mit kochendem Wasser übergießen und 30 Sekunden darin ziehen lassen, mit kaltem Wasser abschrecken. Die Haut mit einem Messer abziehen, die Kerne herauslösen, Fruchtfleisch kleinschneiden und zusammen mit den übrigen Zutaten in einem hohen Gefäß mit dem Pürierstab fein pürieren oder mixen. Auf Gläser verteilen und mit dem in Spalten geschnittenen restlichen Pfirsich garnieren.

    Amicalement und weiterhin schöne Sommertage

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Welchen Titel ich diesen besonderen Ressourcen- und Geldbeutel schonenden Märkten gebe – er benennt dasselbe, nämlich buntes Treiben, welches sich zuerst in den Großstädten etabliert hat. Gerne erinnere ich mich an meinen ersten Flohmarkt in Paris. Was gab es da für uns Schülerinnen aus einer fränkischen Kleinstadt nicht alles zu bestaunen. Mittlerweile gibt es Flohmärkte mehrmals im Jahr und auch in kleineren Kommunen als Straßen- und sogar Haus- und Hofmärkte. Von Kolleginnen weiß ich, sie verhökern jedes Jahr ihre alten Klamotten auf einem Grafflmarkt und erstehen dafür immer mal ein neues Stück. So ist die modebewußte Frau immer up to date. Außerdem hat dies den Vorteil, der vorhandene Schrank muss nicht ständig erweitert werden oder ein zusätzlicher in der Wohnung Platz finden. Uns steht in Deutschland pro Kopf zwar mittlerweile eine Wohnfläche von ca. 40 qm im Gegensatz zu vor 50 Jahren – da waren es 20 qm – zur Verfügung, aber allein wegen größerer Kleiderschränke hat sich dieser Bedarf nicht so drastisch erhöht. Es kommen noch andere Gesichtspunkte, wie z. B. ein vollkommen anderer Lebensstil dazu. Diesen Lebensstil prägen wiederum neue Bedürfnisse und da wäre ich bei einem weiteren Vorteil der Trempelmärkte. Unseren gesamten Hausstand müssen wir oftmals auf den Prüfstand stellen und ich finde jedes Mal etliche Gegenstände, die ich seit mindestens 2 Jahren nicht mehr in der Hand hatte und die ich sicher auch die nächsten Jahre nicht vermissen werde. Beispiele wie Bierkrüge, Messerschneidemaschinen, Bratthermometer, eine stattliche Anzahl an Kerzenständern, längst aus der Mode gekommene und lediglich als Staubfänger dienende Figuren für den Setzkasten, unzählige Blumenvasen, Nippesfiguren – dies alles setzt nicht nur bei mir Staub an. Der Geschmack ändert sich, die Familienverhältnisse, der Umzug in eine kleinere Wohnung sind lediglich ein paar Beispiele. Es gibt vieles, was ich nicht mehr brauche, was mich nur belastet und andere vielleicht gerade suchen. Es ist ein sehr sinnvoller Kreislauf und die Wirtschaft floriert trotzdem.

    Heute habe ich mich wieder mal auf einem dieser Grafflmärkte angemeldet und finde es neben der Tatsache, daß ich Altlasten loswerde und mir dafür eine kleine Entschädigung verdiene, immer sehr unterhaltsam. Die folgenden Szenen sind nur ein kleiner Ausschnitt neben dem eigentlichen Geschäft:

    Los geht es frühmorgens mit dem immer gleichen Ritual. Das Aufsichtspersonal kontrolliert laufend, ob nicht eine(r) den Tisch vor dem offiziellen Beginn auf die Beine hebt und die Ware darauf drapiert. Dies ist streng untersagt und führt meist zu Diskussionen. Versierte Schnäppchenjäger allerdings haben es trotzdem geschafft, vor Beginn einen Überblick zu bekommen und Vorgespräche mit den Anbietern geführt. Modeschmuck und Uhren sind heute der absolute Renner. Beides kann ich nicht anbieten und konzentriere mich auf den Aufbau. Wie, was, wohin, damit es zuerst ins Auge fällt und seinen künftigen Besitzer schnellstmöglich findet.

    Gleich kommt mir am Nebenplatz eine junge Mutter mit ihrem Baby auf der Hüfte ins Blickfeld. Sie schafft es im Wiegeschritt gleichzeitig ihre Ware anzubieten, zu verkaufen und das Kind ruhig zu halten. Es ist noch ein sehr kleiner Junge und der später hinzukommende Vater hat wesentlich mehr Mühe mit dem Ruhighalten. Als erstes versuchen 3 Männergenerationen aus dem Orient – wie alle anderen auch – mit mir zu handeln auf die wunderbar locker-ernste Weise, wie ich es in Israel kennengelernt habe. Das Studentenpaar, das für den Klavier spielenden Bruder ein passendes Geburtstagsgeschenk sucht und glücklich ist, als sie meine uralten Notenhefte entdecken. Etliche Omas durchstöbern meine Babyklamotten-Kiste und erinnern sich dabei gern an die Zeit während der sie sich mit den eigenen Kindern und deren Modewünschen beschäftigt haben, bzw. beschäftigen mussten. Der junge Mann, der heute Nachmittag auf eine Hochzeit eingeladen ist und noch ein schickes Hemd bräuchte. Leider kann ich ihm mit meiner Bürobluse nicht weiter helfen, auch wenn sich dieses hellblaue Stück nicht so sehr von einem Herrenhemd unterscheidet. Unser Gespräch darüber ist jedenfalls sehr lustig. Der in die Jahre gekommene Herr, der auch nicht mit größter Anstrengung die Knöpfe des Burberry Trenchcoats schließen kann. Dabei war er sowohl vom Mantel, als auch vom Preis sehr angetan. Es sind nur ein paar Erlebnisse, jedesmal anders, jedoch meist amüsant und oft herzerfrischend, sodaß der eine oder andere Preisnachlass gern gewährt wird.

    Reich bin ich auch diesmal nicht geworden, aber zu Hause angekommen mit vielen Erinnerungen an nette Begegnungen, müde zwar, aber zufrieden. Die am Tag vorher zubereiteten Auberginen-Röllchen mit Weißbrot sind zusammen mit einem fränkischen Blauburger ein wohlverdienter und sehr schmackhafter Imbiss.

    • 2 Auberginen
    • Salz
    • Öl zum Ausbacken
    • 200 g Frischkäse
    • 70 g Walnüsse, gemahlen
    • 2-3 Zehen Knoblauch, zerdrückt
    • Salz, Pfeffer nach Geschmack
    • Saft von 1/2 Biozitrone

    Auberginen der Länge nach in 1/2 cm dicke Streifen schneiden, auf beiden Seiten salzen und ca. 20 Minuten stehen lassen. Anschließend trocken tupfen, in der Pfanne braten und anschließend auf Zewa abtropfen und kalt werden lassen. In der Zwischenzeit die übrigen Zutaten gut vermengen, abschmecken, auf die Auberginenstreifen streichen und diese aufrollen. Ich lasse sie im Kühlschrank etwas durchziehen, garniere sie vor dem Servieren mit Schnittlauch und etwas Paprikapulver. Mit Weißbrot schmeckt es vorzüglich als Vorspeise oder einfach mal zwischendurch.

    Mai/Juni = Erdbeerzeit! Was passt da als Dessert oder zur nachmittäglichen Kaffeerunde besser als eine Erdbeersahneroulade

    • 4 Eiweiß von großen Eiern
    • 4 EL kaltes Wasser
    • 100 g Zucker o. Honig
    • 4 Eidotter
    • 125 g Weizenvollkornmehl
    • 1 Messerspitze Vanille
    • 1 Messerspitze Backpulver
    • 2 EL Semmelbrösel
    • Füllung:
    • 500 g Erdbeeren
    • 2 Becher süße Sahne

    Zuerst Eiweiß und kaltes Wasser sehr steif schlagen, dann Zucker und Eigelb gut verrühren und darunter ziehen. Mehl mit Vanille und Backpulver mischen und locker unter die Schaummasse heben. Den Teig auf ein gut gefettetes und gebröseltes Backblech geben und bei 220 Grad auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Backofen 10 – 15 Minuten backen. Sofort auf ein Geschirrtuch stürzen, das Papier abziehen und die Biskuitplatte mit dem Tuch aufrollen und auskühlen lassen. Die Hälfte der geschlagenen und mit etwas Zucker gesüßten Sahne mit den klein geschnittenen Erdbeeren (einige zum Verzieren übrig lassen) vermengen und auf die Biskuitrolle streichen. Die restliche Sahne darüberstreichen und mit den halben Erdbeeren verzieren, kühl stellen.

    Sicher ist es dir/ihnen nicht entgangen, dass die Beiträge weniger oft erscheinen. Bitte haben sie/hab du dafür Verständnis. Neue Ziele und neue Ideen brauchen Zeit. Bis zum nächsten Reisetagekochbuch gibt es monatlich Jahreszeiten abhängige Alltagsgeschichten, die mir über den Weg laufen und wie dieses Mal z. B. Lust auf den Besuch eines Flohmarktes, sowie wie immer, aufs Nachkochen und -backen machen sollen.

    Shabbat Shalom!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Nicht dass Sie meinen, von dem Bahnsteig dieser recht netten Kleinstadt aus könnte man einfach in den Zug einsteigen und in die nächste Stadt fahren um anschließend die weite Welt zu erkunden. Ohne einen Zugang zum Bahnhofsgebäude und auch ohne jegliches Hinweisschild muss ich mir den Weg zu dieser Unterführung

    erst suchen um auf den Bahnsteig zu kommen. Einmal mehr stelle ich fest, dass Bahnfahren, Fahrkarten lösen, den Durchsagen in größeren Bahnhöfen zu vertrauen und den richtigen Zug zu erwischen, die letzten Abenteuer unserer Zeit sind und damit immer wieder eine Quelle wunderbarer und weniger guter Erfahrungen, die es lohnen aufgeschrieben zu werden. Den obigen Bahnsteig erreiche ich nur auf Umwege. Ich finde keinen Hinweis, wie ich von dem früher recht ansehnlichen und immer noch stattlichen, jedoch verwaisten Bahnhofsgebäude zu den Gleisen gelangen kann. Also – raus aus dem verlassenen Gelände und im Umkreis versuchen doch einen Zugang zu entdecken. Recht unschlüssig stehe ich vor der Unterführung mit den unterschiedlichsten Schildern. Ein freundlicher Mitbürger bemerkt meine Unsicherheit und weist mir den Weg. Glücklich immer wieder hilfsbereiten Menschen zu begegnen, gelange ich ans Ziel, von wo aus ich meinen Zug, nun sogar rechtzeitig, erreiche. Der Bahnhof hier

    ist zwar sehr viel unansehnlicher und ebenso verwaist, aber nachdem mittlerweile nur noch 1 Gleis vorhanden ist, ist der Zustieg relativ einfach. Sogar Ortsfremde stören sich hier lediglich an den Schmierereien und dem oft nicht funktionierenden Fahrkartenautomaten.

    Ist es die Kommune, das Bundesland, die Bahn – ich weiss es nicht. Es gibt, wie überall im Leben, positive und negative Beispiele. Die DB ist da zur Zeit nicht selten und sicher auch nicht ohne Grund der Buh-Mann und muss für vieles herhalten. Mit einem attraktiveren Beispiel aus dem Schwabenland (im Gebäude nebenan befindet sich ein gut gehendes Café) will ich meinen heutigen Beitrag beenden, nicht ohne zu gestehen, dass ich immer wieder gerne mit der Bahn fahre und meist tolle Geschichten erlebe. Abschließend noch das Rezept des Wirsingkuchens, das mir übrigens bei einer Fahrt ins Schwabenland ein liebenswerter älterer Mitreisender verraten hat und das ich gerne weitergebe:

    Wirsingkuchen

    • 1 Wirsing
    • Salz
    • 2 Zwiebeln
    • 2 Knoblauchzehen
    • 2 Möhren
    • 2 EL Olivenöl
    • 100 ml Gemüsebrühe
    • Pfeffer, Paprikapulver (edelsüß)
    • 6 Eier
    • 120 g Bergkäse
    • 120 g Dinkelvollkornmehl

    8 Blätter vom Wirsingkopf lösen, waschen und die Blattrippen flach schneiden. Die Blätter in kochendem Salzwasser 5 Minuten blanchieren, abgießen und kalt abschrecken. Den restlichen Wirsing vierteln, Strunk herausschneiden, waschen und in feine Streifen schneiden. Zwiebeln und Knoblauch fein hacken, Möhren klein würfeln. Öl erhitzen, Zwiebeln kurz anschwitzen, Möhren, Knoblauch und Wirsing zugeben, kurz mit anschwitzen, mit Brühe ablöschen und 10 Minuten weich garen. Mit Salz, Pfeffer und Paprika kräftig würzen und abkühlen lassen. 2 der blanchierten Wirsingblätter beiseite legen, die restlichen auf den Boden einer gefetteten Springform so auslegen, daß sie oben etwas über den Rand stehen. Ein großes Blatt in die Mitte legen. Den geriebenen Käse in die verquirlten Eier geben, Mehl dazu rühren und das Wirsinggemüse unterheben, mit Pfeffer abschmecken. Die Masse in der Form verteilen, mit den restlichen Blättern bedecken und 60 Minuten bei 180 Grad auf der mittleren Schiene backen. Etwa nach 30 – 40 Minuten abdecken falls die Blätter zu dunkel werden. Den Kuchen vor dem Servieren kurz in der Form ruhen lassen.

    Mir ist Wirsing hauptsächlich als ein an Ballaststoff reiches und vitaminhaltiges Wintergemüse bekannt. Er soll genau so viel Vitamin C enthalten als die Zitrone. Der Winter ist zwar langsam vorüber, dieser leckere Gemüsekuchen schmeckt aber auch noch im Frühling. Dazu passt als Vorspeise ein Salatcocktail aus Bärlauch, Brennessel, Taglilie, Knoblauchsrauke, Giersch, Löwenzahn, Gänseblümchen mit einem Salatdressing nach Geschmack (z.B. Zitronensaft, Olivenöl, 1 TL Senf, Salz, Pfeffer etwas Zucker) – alles gut verrühren).

    Sabbat Schalom, Buenas Dias und habt/haben Sie einen guten Appetit an einem angenehm warmen Frühlingswochenende!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Äpfel, Brot, Nudeln und noch Kuchen – es ist wieder viel zu viel, was da in meinem Einkaufskorb liegt. Etwas mühsam bewältige ich die Höhenmeter, diesmal zu Fuß, an der Schule vorbei weiter in meine Wohnstrasse. Es ist ganz eindeutig zuviel, dieses Sammelsurium an Essbarem. Mir hilft auch nicht die späte Einsicht, es wäre besser mit dem Rad gewesen. Zum Glück ist es erst kurz nach 12.00 und Schulende ist erst um 13.00 Uhr. Die Ansammlung von Schülern und Fahrzeugen lassen den Heimweg sonst zum Spießrutenlauf werden. Und, es warten auch noch keine Eltern in großen Autos auf ihren Nachwuchs. Aber Stop, da geht vor mir ein kleiner Junge, schätzungsweise aus der 1. Grundschulklasse. Langsam trottet er dahin mit gesenktem Kopf und ich überlege, weshalb er sich wohl so offensichtlich geknickt und allein den Berg hinauf quält. Ganz abrupt fängt er, als wir auf gleicher Höhe sind, zu weinen an. „Elli hat nicht auf mich gewartet, sie ist mit Laura heimgegangen.“ Welch ein Kummer! Sicher sehr bittere und zudem salzige Tränen rinnen über sein Gesicht. So großes Leid bei einem so kleinen Erdenbürger. Ich versuche ihn zu trösten und frage vorsichtig nach. Etwas stockend, aber recht vertrauensvoll erzählt er mir, sie würden immer zusammen heimgehen, Elli und er, Jonathan. Heute allerdings hätte Lauras Mama Elli zusammen mit ihrer Tochter im Auto mitgenommen und ihn stehen lassen. Eine erste große Enttäuschung bei dem kleinen Knirps über die „Untreue“ der Freundin. Meine Bemühungen ihm das Verhalten des Mädchens zwar als nicht sehr nett, aber weniger als Katastrophe zu erklären, beruhigen den kleinen Mann etwas. Ich schlage vor, ein Stück zusammen zu gehen und dabei erzählt er mir treuherzig, dass er eh heute keine Zeit für Elli hätte, da er einer kranken Mitschülerin ein Heft bringen müsse. So schnell können Kinder verzeihen und vergessen. Wir haben uns an der Straßenecke verabschiedet und sehr viel zuversichtlicher ist er heimgestapft.

    Und dazu passend eine Süßspeise, die nicht nur kleine Kinder gerne essen:

    Reisbrei

    • 1 l Milch
    • 1 Stück Zitronenschale (Bio)
    • 1 Prise Salz
    • 200 g Milchreis
    • 2 gehäufte EL Zucker
    • 20 g Butter
    • 2 Eier, getrennt

    Den gewaschenen Reis in kalter Milch mit Zitronenschale und Salz zum Kochen bringen (ab und zu umrühren) und zugedeckt auf schwacher Flamme 30 Minuten ausquellen lassen, vom Feuer nehmen, Zucker, Butter und 2 Eigelb darunter rühren, anschl. den Eischnee unterheben und nach Belieben mit Zimt und Zucker bestreut oder Obst servieren.

    Ob Milchreis auch bei Liebeskummer hilft? Ich kann diese Frage für uns als Erwachsene nicht beantworten. Bei Kindern ist er sicher auch dafür geeignet – der kleine Jonathan war begeistert als seine Mama ihm eines der Schälchen zum Nachtisch servierte und die treulose Elli hatte er – zumindest für diesen Tag – längst vergessen.

    Da verschiedene Speisen nicht nur trösten und bei Erwachsenen die Liebe sogar durch den Magen gehen soll, nachstehend ein Schmankerl um Liebeskummer gar nicht erst entstehen zu lassen. Mit dem Partner/der Partnerin in Teamarbeit zubereitet, bekommt es eine zusätzliche besondere Note. Das Gericht wurde mir sogar als natürliches Aphrodisiakum angepriesen:

    Couscoussalat mit Granatapfel

    • 1 Zwiebel
    • 1 Knoblauchzehe
    • 1 EL Olivenöl
    • 35 g Rosinen
    • 1 1/2 EL Honig
    • 1 Messerspitze Zimt
    • etwas Cayennpfeffer
    • 40 ml Balsamico weiß
    • Kräutersalz
    • 150 g Couscous
    • 1 Granatapfel
    • 35 g Walnüsse
    • etwas Minze
    • 50 g Rucola
    • 100 g Schafskäse

    Zwiebel würfeln und in Olivenöl andünsten, Rosinen und Knoblauch kurz mitdünsten, etwas Honig, Zimt und Pfeffer dazu geben und leicht karamellisieren lassen, mit etwas Essig ablöschen und 200 ml Wasser dazu gießen, umrühren und aufkochen lassen. Den Sud mit Kräutersalz würzen und den Couscous unterrühren. Danach zugedeckt auf der ausgeschalteten Herdplatte noch 10 Minuten ziehen lassen. Den Granatapfel halbieren und die Kerne heraus lösen, die Walnüsse grob hacken, Minze und Rucola waschen und trocken tupfen, den Schafskäse würfeln. Den Couscous mit einer Gabel auflockern, abkühlen und mit den Zutaten vermischen, restlichen Honig und Essig verrühren und unter den Salat mischen, mit Kräutersalz abschmecken und servieren.

    Auch wenn die Wirkung von natürlichen Potenzmitteln nur teilweise bewiesen ist, können Sie/kannst Du Dir sicher sein, das beste Aphrodisiakum ist immer noch die Kreativität gepaart mit der Vorstellungskraft und der Phantasie.

    Frohe Ostern!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

    • Amaranth-Porridge – 12. Salinas
    • Aubergine mit Quinoa u. Käse gefüllt – 4. Mitad del Mundo
    • Babas – 11. Baños
    • Bananenschnitten – 5. Quitos Altstadt
    • Bergsteigerkuchen – 7. Cotopaxi …
    • Ceviche – 6. Atacames
    • Ecuadorianischer Eintopf – 8. Von Latacunga …
    • Ecuadorianisch-Fränkisch. Fischsuppe – 3. Quito – El …
    • Eintopf mit cremiger Polenta – 7. Cotopaxi, Ruminahui …
    • Fruchtsalat – 1. Von Israel nach Ecuador
    • Kartoffelbrötchen – 3. Quito – El ….
    • Linsensalat – 12. Salinas
    • Llapingachos – 11. Baños
    • Meerschweinchen überbacken – 9. Latacunga – Riobamba
    • Nusskipferl – 4. Mitad del Mundo
    • Pisco Sour – 6. Atacames
    • Quinoasuppe – 1. Von Israel nach …
    • Rindfleischgericht – 5. Quitos Altstadt
    • Röschti – 10. Ingapirca
    • Salat im Glas – 6. Atacames
    • Vegane Brownies – 9. Latacunga – Riobamba
    • Wildkräuterbrot – 2. Zwischendurch
    • Zimtschnecken – 8. Von Latacunga …

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Den kulinarischen Reisebericht nach Ecuador kann und will ich nicht schließen ohne in Salinas gewesen zu sein. Salinas, der Dreh- und Angelpunkt meiner zweiten Reise in dieses mir vor einigen Jahren ans Herz gewachsene Land in Südamerika. Meine Spanisch-Lehrerin lud mich ein, sie und ihren Mann dort zu besuchen. Es waren wunderbare Wochen, in denen ich viele nette Menschen kennenlernen durfte. Meine Touren ins Landesinnere mit dem Bus und zu Fuß (ich habe darüber in den vorhergehenden Beiträgen erzählt) und die Rückkehr nach Salinas haben viele Eindrücke hinterlassen. Die Gastfreundschaft, die Schönheit der Landschaft, außergewöhnliche Bekanntschaften sowohl mit den Indigenen, als auch der weißen Bevölkerung hinterließen ein besonderes Gefühl der Verbundenheit. Wieder einmal fallen mir die Worte von Humboldt ein: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die der Leute, die die Welt nicht angeschaut haben.“

    Ich komme dabei nicht umhin, mich an den Beginn der Reise zurück zu erinnern. Ein Beginn mit einigen Schwierigkeiten und Turbulenzen. Was wäre eine Reise ohne solche? Bei dieser sind es ein gecancelter Flug, eine zusätzliche Übernachtung in Madrid, noch eine in Guayaquil und ein erst 1 Woche später ankommender Koffer. Außerdem die am Flughafen vergeblich wartenden Freunde, die meine Nachricht über die Verspätung nicht bekommen hatten. Es ist eine nicht zu unterschätzende Vorbereitung und Einstimmung in Sachen südamerikanische Gelassenheit und zudem ein Abschalten und Ausruhen von den letzten Tagen zu Hause, sowie den Reisevorbereitungen. Turbulenzen hin, Schwierigkeiten her, ich genieße – nach einem ausgezeichneten ersten Abendessen auf dem Balkon, den Pazifik vor Augen, siehe Foto oben – den Nachmittag und Abend in Salinas.

    Salinas, eine Hafenstadt am Pazifik, 145 km westlich von Guayaquil mit einem langen herrlichen Sandstrand. Mir wird sie als touristischster Ort an Ecuadors Pazifikküste geschildert. Ich bin eingeladen und darf, zurück von meinen Trips ins Landesinnere, immer wieder dieses Panorama vom Balkon eines der Hochhäuser genießen. Ausgedehnte Spaziergänge und endlich wieder einmal Schwimmen im Meer. Was gibt es Schöneres für eine Landratte nach einer mehrtägigen anstrengenden Tour in die Sierra bzw. den Oriente. Es sind zwar meist Touristen, die ich hier treffe und es wird mir mehrmals erzählt, Salinas wäre das ecuadorianische Miami, für mich jedoch ist es – obwohl Urlaubszeit – entspannend und nicht zu vergleichen mit den europäischen Badeorten. Eine Einladung in den Yachtclub zeigt mir, es gibt auch hier Menschen, denen Strand, Meer und Schwimmen nicht reicht: erlesene Speisen, Getränke und jede Menge sportliche Herausforderungen werden hier geboten. Authentischer und deshalb interessanter für mich ist der Malecón, die Uferstraße, die entlang der Küste den Besucher einlädt zu flanieren, einzukaufen und es sich im Fischrestaurant oder einer Bar gutgehen zu lassen. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt und sogar handeln läßt eine nette Verkäuferin mit sich. Israel und der Strand von Tel Aviv kommen mir in den Sinn: Aber nein – dieser Vergleich hinkt, ebenso der mit Miami oder mit den Stränden an Italiens Riviera-Küste. Eine wirklich dumme Angewohnheit ist es und ich ärgere mich jedes Mal darüber, wenn auf Reisen immer von anderen wunderbaren Orten begeistert erzählt wird. Kann ich nicht einfach die Dinge genießen, die momentan um mich herum sind und nicht „das Paradies ist immer woanders“ (Titel eines Buches von Barbara Veit) denken.

    • 150 g Zwiebel
    • 200 g Puy-Linsen
    • 1 EL Olivenöl
    • 3/4 l Gemüsebrühe
    • je 1 rote und 1 grüne Paprikaschote
    • 1 mittelgroße Zucchini
    • 1 Dose Kichererbsen
    • 1 Knoblauchzehe
    • 3-4 EL Zitronensaft
    • 1 EL flüssiger Honig
    • 3-4 EL Olivenöl
    • 1 Bund glatte Petersilie
    • 50 g schwarze Oliven
    • Salz, Pfeffer und nach Geschmack Kreuzkümmel, Koriander

    Zwiebeln fein würfeln und mit den Linsen in heißem Öl glasig dünsten, mit Brühe auffüllen und ca. 25 Min. köcheln. Paprika entkernen und in Würfel schneiden, ebenso die Zucchini würfeln, zu den Linsen geben und weitere 10 Minuten köcheln. Falls noch zu flüssig, etwas Flüssigkeit abgießen. Kichererbsen abgießen, kalt abspülen und dazu geben. Eine Marinade aus zerdrücktem Knoblauch, Zitronensaft, Honig, Olivenöl, Salz, Pfeffer und evtl. Kreuzkümmel und Koriander mischen und über den Salat geben, Oliven und Petersilie hacken und ebenfalls daruntermischen. Mit Fladen- oder Weißbrot servieren.

    Der nächste Tag beginnt mit einem Großen Obstteller und Amaranth-Porridge

    • 150 g Amaranth
    • 300 ml Pflanzendrink, z. B. Hafermilch
    • 2 EL Mandeln
    • 1 kl. Birne o. Apfel
    • 1 TL Ahornsirup
    • 1/2 TL Zimt
    • 2 EL Rosinen

    Amaranth auf ein feines Sieb geben und unter fließendem Wasser abspülen, mit der Hafermilch in einen Topf geben und einmal unter Rühren kurz aufkochen lassen, bei kleiner Hitze ca. 25 Min. köcheln lassen und dabei ab und zu umrühren. In der Zwischenzeit Mandeln hacken und in einer Pfanne ohne Fett rösten bis sie anfangen zu duften, abkühlen. Kernhaus der Birne/des Apfels entfernen und in dünne Scheiben schneiden. Den Amaranth-Porridge vom Herd nehmen, nochmal 5 Min. quellen lassen und anschl. Sirup und Zimt einrühren, mit den Obstscheibchen, den Mandeln und den Rosinen garnieren und servieren.

    Amaranth zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Bei den Azteken, den Inkas und den Mayas waren diese getreideähnlichen Körner neben Quinoa und Mais ein Hauptnahrungsmittel. Amaranth wird zwar ähnlich wie Getreide verwendet, ist allerdings ein Pseudogetreide und gehört nicht zu den Süßgräsern. Bei Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) ist es ein vollwertiger und verträglicher Getreideersatz mit einem hohen Eisengehalt.

    Die derzeitige politische Lage in Ecuador, die stark angestiegene Kriminalitätsrate und die Gewaltbereitschaft von Banden, die Kämpfe von Drogenkartellen, incl. der vielen begangenen Morde macht es mir schwer in der leichten und sorglosen Art, wie es mir vor einiger Zeit noch vergönnt war, zu erzählen. Mit welcher Unbekümmertheit konnte ich meist auf eigene Faust durch dieses wunderschöne Land reisen und mich heute durch meine Berichte nochmal zurückversetzen lassen und in Erinnerungen schwelgen. Vielleicht ist es unfair den vielen liebenswerten Freunden gegenüber. Sie verdienen neben einem großen Dankeschön für ihre Gastfreundschaft und ihre Hilfe eine ganz andere objektivere Wahrnehmung. Sie sind es nicht, die mich abschrecken nochmal dorthin zu reisen, und, es ist beileibe nicht alles bedrohlich, auch wenn es von Europa aus so aussieht. Wir wollen, dass unsere Medien über die Katastrophen berichten, wollen informiert sein. Vielleicht sind es ja derzeit zu viel schlechte Nachrichten. Ich möchte mit den Reiseberichten nicht nur aus diesem Grund eine Pause einlegen. Bis ich neue Ideen aufgreife, werde ich Geschichten aus dem Alltag erzählen. Meine 6 Laufenten, die sich gerade im Teich ein ausgiebiges Bad gönnen und die ersten Knospen am Pfirsichbäumchen animieren mich zusätzlich, amüsantes, nachdenkliches oder ab und zu Stories zu schreiben, die ihnen/dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sie begegnen uns jeden Tag, es ist nur wichtig sie zu bemerken und den täglichen Katastrophenmeldungen entgegen zu stellen.

    “Sonne lag krank im Bett. Sitzt nun am Ofen. Liest, was gewesen ist. Liest Katastrophen. Schneeglöckchen ahnen nun, was sie bedeuten. Wenn du die Augen schließt, hörst du sie läuten.“ Erich Kästner (erste und letzte Strophe des März-Gedichtes)

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.