Reise nach Jerusalem

  • Zur Zeit der Kirschblüte = Sakura, oder im Herbst, wenn sich die Blätter der Bäume in ihren herrlichsten Farben zeigen? Welche Zeit Yasuko mir denn empfehlen würde, wollte ich von meiner Freundin bereits 2021 wissen. Wir lernten uns 15 Jahre vorher auf einer Reise kennen und hatten sofort gespürt, wir mögen einander. Die Rücksichtnahme und Liebenswürdigkeit dreier japanischer Mädels während einer gemeinsamen Notunterkunft in einem kleinen Ort, in dem es keine andere Übernachtungsmöglichkeit mehr gab, haben mich überwältigt. Der kleine Zettel von Yasuko mit guten Wünschen für meine Weiterreise, den ich am Morgen auf meinem Tischchen fand, war der Beginn unserer Freundschaft. Es folgte ein jahrelanger Austausch von kleinen Geschenken, Briefen und Mails. Immer wieder wurden auch gegenseitige Einladungen ausgesprochen. 15 Jahre sind genug, dachte ich mir bereits 2021 und habe einen Flug nach Nagoya gebucht, mir Sehenswürdigkeiten und Orte ausgesucht, die ich gerne besuchen wollte, Möglichkeiten der Fortbewegung überlegt und welche Zeit wohl am besten geeignet wäre. Die Pandemie machte meine Träume damals zunichte, Japan hat die Grenzen sehr früh dicht gemacht und beide, Yasuko und ich bedauerten es sehr und mussten den Traum vorerst weiter träumen.

    Im Tokugawa-en in Nagoya

    Jetzt, die Pandemie ist vorbei, das Reisen wieder möglich und meine alten Träume können erneut Gestalt annehmen. Die Erinnerung an das Jefferson Tidal Basin machen mir die Entscheidung leicht. Die vielen dort gepflanzten Kirschbäume (ein Geschenk des Bürgermeisters von Tokyo 1912 an die Stadt Washington D.C.) durfte ich während einer früheren Reise bewundern und ….. diese Pracht während der Cherry Blossom in Japan in noch viel größerem Ausmaß sehen zu können, hat mir die Entscheidung leicht gemacht: ich besuche “Das Land der aufgehenden Sonne” – Nippon, während der Kirschblüte. Am Flughafen von Nagoya werde ich sehr herzlich von Yasuko und ihrer agilen 90jährigen Mutter empfangen. Sie hat es sich nicht nehmen lassen, die Freundin der Tochter in ihrem Land willkommen zu heißen. In früheren Zeiten war sie mit ihrem Ehemann in vielen Ländern, u. a. auch Deutschland unterwegs und wahrscheinlich deswegen immer noch ein aufgeschlossener, neugieriger Mensch. Ich verstehe mich mit der liebenswürdigen älteren Dame sofort blendend.

    Nach der Ankunft in Yasukos Stadtviertel und einem erholsamen Schlaf ein erstes Rezept, Ramen – die typisch japanische Nudelsuppe und ein erstes kulturelles Highlight: das Tokugawa Kunstmuseum (auf dem Gelände der im Krieg zerstörten Tokugawa-Familienresidenz). Ich kann diese schmackhafte Suppe, die ursprünglich aus China kommt, hier probieren. Vorher jedoch ein erster Rundgang mit verschiedenen interessanten Ausstellungsstücken von Land und Leuten. In einem ruhigen und gepflegten Lokal im Tokugawa-en (Garten) kann ich die ersten Eindrücke des Tages verarbeiten. Nach der Bestellung gibt es noch vor dem Essen Wasser mit warmen Tüchern um sich frisch zu machen – eine sehr angenehme Begrüßung! Hier das Rezept zum Ausprobieren, etwas aufwendig, aber es lohnt sich.

    • 1 große Hühnerkeule (o. -schenkel)
    • 1,5 l Wasser
    • 1 TL Salz
    • 1 Karotte
    • 1/4 Sellerieknolle
    • 1 große Zwiebel
    • einige schwarze Pfefferkörner

    Für die Brühe zuerst die Hühnerkeule mit dem Wasser und Salz kurz aufkochen und anschl. 30 Minuten leise köcheln lassen. Karotte und Sellerie in kleinen Würfeln, Zwiebel in Achtel geschnitten zur Suppe geben und weitere 30 Minuten köcheln. Während die Suppe köchelt, die Suppeneinlage vorbereiten:

    • 2 Hähnchenbrüste
    • 2 EL Sesamöl
    • 4 EL Sojasauce
    • 2 EL Reisessig
    • 2 Eier
    • 200 g Ramen-Nudeln
    • 1-2 EL geröstetes Sesamöl
    • 1-2 Karotten
    • 1 Bund Frühlingszwiebeln
    • 4 Shiitakepilze (o. wahlweise braune Champignons)
    • 1 Stück Ingwer
    • einige Chiliflocken
    • frischen Koriander

    Die Hähnchenbrüste in heißem Sesamöl pro Seite 3 Minuten anbraten, mit Sojasauce und Reisessig ablöschen, vom Herd nehmen u. 5 Minuten ziehen lassen, anschl. in dünne Scheiben schneiden. Die Eier ca. 6 Minuten kochen, abkühlen lassen, schälen und halbieren. Ramen-Nudeln nach Anleitung kochen, abgießen, abschrecken und mit dem Sesamöl marinieren. Karotten schälen u. in dünne Scheiben schneiden, Frühlingszwiebeln waschen, putzen und in dünne Ringe, die Pilze in Scheiben schneiden. Gemüse und Pilze in der Suppe noch ca. 2 Minuten mitköcheln, die Nudeln dazu, ebenso den fein gehackten Ingwer. Mit Sojasauce und Chiliflocken abschmecken, das geschnittene Hähnchenfleisch und ebenso die Eierhälften in die Suppe geben. Mit frischem Koriander servieren.

    Matcha (Tee aus zu Pulver vermahlenem Grüntee)

    Wie ich während unserer nachmittäglichen privaten Teezeremonie erfahre, waren die Tokugawa eine alte Shogun-Dynastie. Der Kaiser war zwar offiziell das Staatsoberhaupt, der Shogun jedoch der militärische Machthaber, oft sogar mächtiger als der Kaiser. Die Daimyo kamen in der Hierarchie dahinter. So auch die Samurai, die dafür sorgten, dass die Befehle des Shoguns umgesetzt wurden. Mit der Öffnung Japans und der Meiji-Restauration im 19. Jahrhundert wurde dieses System abgeschafft. Der Begriff bezeichnet die Erneuerung der Macht des Tenno (Himmlischer Herrscher) und die Abschaffung des Shogunats. Ein neues politisches System wurde innerhalb kürzester Zeit aus eigener Kraft aufgebaut.

    Ein kunstvoller japanischer Paravent, vor dem ich einen Vorgeschmack auf die wunderschönen Gärten bekomme.

    Nach diesem Ausflug u.a. in die japanische Geschichte verabschiede ich mich für heute und wünsche allen frohe Osterfeiertage bei frühlingshaften Temperaturen und mit vielen blühenden Kirschbäumen. Diese gibt es auch bei uns in Old Germany, in USA und anderswo, jedoch nicht so reichlich wie im Land der aufgehenden Sonne.

    Im nächsten Beitrag geht es nach Matsumoto, einer Stadt am Fuße der japanischen Alpen.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Die Geschichte von Port Arthur, wo sich ursprünglich ein Holzfällerlager befand, scheint mir beispielhaft nicht nur für dieses Land. Die Pyderrairme, wie die indigenen Ureinwohner hießen, bewohnten es bevor die Europäer zu Beginn des 19. Jahrhunderts dort siedelten. Port Arthur wurde von ihnen als Straflager für Wiederholungstäter aus allen australischen Kolonien zu dem Zweck angelegt, die “Schurken ehrlich zu machen”. Die angewandten Methoden waren grausam und viele Männer gingen daran zugrunde. Alle Gebäude wurden von Sträflingen erbaut und sind Sinnbild für ihre handwerklichen Fähigkeiten. Zuerst Gefangenenlager und später Unterkunft für alte und kranke Männer. Als Überbleibsel des Sträflingssystems hat man es 1877 ganz geschlossen. Viele Gebäude wurden abgerissen oder brannten ab. Kurzzeitig entstand auf den Ruinen ein neuer Ort, Carnarvon. Dieser Name setzte sich jedoch nicht durch und wurde 1927 wieder in Port Arthur zurück verwandelt. Es entstand ein neuer Ort mit lebendigem, einträglichem Tourismus. Mir erscheint das Nebeneinander von brutalen Bestrafungsmethoden aus vergangenen Tagen, wie es in einigen wieder aufgebauten Gebäuden grausam und der damaligen Realität entsprechend, dargestellt wird, und einem Sonntagsausflug heute in dieser Bilderbuch-Landschaft etwas seltsam. Wie bei vielen derartigen Gedenkstätten wird versucht nachfolgenden Generationen zu zeigen, wie unsere Vorfahren lebten und was wir heute daraus lernen können. Mein Spaziergang durch den Park lässt meinen Gedanken freien Lauf und ich werde an die Worte in Yad Vashem erinnert: “Remembering the Past, living in the Present, believe in the Future.” Ich weiss, der Vergleich hinkt, nicht nur was die Örtlichkeit angeht. Mir fällt er gerade hier ein, in diesem Teil Australiens trotz der sehr unterschiedlichen Geschichte.

    Schnell werde ich von Trison, dem einheimischen Guide, auf andere Gedanken gebracht. Es ist der letzte gemeinsame Abend und er will sich von uns in einem italienischen Restaurant mit einer humorvollen Geschichte, gestrickt mit Seemannsgarn aus Nubeena, dem kleinen Küstenörtchen hier in der Nähe, verabschieden:

    Vor langer Zeit, als noch viele geheimnisvolle Kreaturen Tasmanien bevölkerten, lebte vor der Küste Nubeenas eine riesige Krake, die Kelp-Krake. Sie war nicht bösartig, nur …. sehr sehr hungrig. Eines Tages – so wird erzählt – lockte sie alle Fischer mit einem betörenden Duft hinaus aufs Meer. Der Ursprung des Duftes? Er kam von einer geheimnisvolle Pizza, die irgendwo in der Nähe gebacken wurde. Einen Koch, namens Guiseppe – so die Legende – inspirierte eine Meeresbrise zu seiner ersten Kelp-Krake-Pizza. Guiseppe belegte sie neben Tomaten mit Tintenfisch-Streifen, Algen, Meeresfrüchten und einer besonderen Würze aus Kokosnuss und Muskat. Die Kelp-Krake bekam den betörenden Duft in die Nase und wurde neugierig. Seitdem heißt es, würde sie so lange wach bleiben, bis der letzte Bissen dieser köstlichen Pizza verzehrt sei.

    Mit Trison besuchen wir zum Abschluß dieser Reise die Trattoria “Unter der Sonne” wo wir die berühmte Kraken-Delizia zusammen dieser etwas schrägen, aber amüsanten Geschichte serviert bekommen. Als weniger seltsame, aber auch schmackhafte Variante hier eine Vollkornpizza.

    Pizza Milano:

    1. Für den Teig:
    2. 250 g Weizenvollkornmehl
    3. 10 g Hefe
    4. 1/8 l Wasser
    5. 1 gestr. TL Salz
    6. 30 g Butter
    7. Für den Belag:
    8. 2 EL Olivenöl
    9. 60 g Zwiebeln
    10. 200 g Champignons
    11. 1 gehäufter TL Pizzagewürz
    12. 150 g Emmentaler
    13. je 250 g grüne Paprikaschoten und Tomaten
    14. 60 g Paprikapaste –
    15. In eine Vertiefung im Mehl die in etwas lauwarmem Wasser aufgelöste Hefe mit etwas Mehl verrühren. Mit Mehl bedeckt 10 Minuten gehen lassen. Nun die Butter, das restliche Wasser, sowie das Salz dazugeben und alles gut zusammen kneten. Eine Kugel formen und in Springformgröße auswalken. Mit einem ca. 2 cm Rand in eine gefettete Form legen und mit Öl bestreichen. Da der Teig fester als normaler Hefeteig ist, braucht er nicht nochmal zu gehen und kann sofort belegt werden. Auf die gehackten Zwiebel kommen die zerkleinerten Pilze, mit Pizzagewürz bestreuen und grob geriebenem Käse abdecken, Paprika in Ringe schneiden und in deren Mitte die Tomatenscheiben platzieren. Die Zwischenräume mit der Paste (wahlweise schwarzen Oliven) auffüllen und bei 220 Grad auf der mittleren Schiene in ca. 30 Minuten backen. Auf die fertige Pizza etwas Petersilie, Schnittlauch oder Ruccola geben. Nach ca. 20 Minuten Backzeit mit Alufolie abdecken damit der Belag nicht schwarz wird.
    Pizza Milano

    Mit dem anschließenden Dessert gebe ich Ihnen/Dir einen kleinen Vorgeschmack auf die nächste Station meines Reisetage-Kochbuchs. Wie ich bereits im 14. Beitrag (Cradle-Mountain….) angekündigt habe, ist es Japan.

    Kumquatkuchen mit Rosmarin

    • Einen Rührteig herstellen:
    • 75 g Butter
    • 75 g Zucker
    • Vanillezucker
    • 2 Eier
    • 1 Prise Salz
    • 150 g Weizenmehl
    • 3 g Backpulver
    • 2 EL Milch
    • mit fein gehacktem Rosmarin aromatisieren.
    • Kumquats in dünne Scheiben schneiden, leicht zuckern, auf dem Kuchen verteilen und auf der mittleren Schiene bei 175 Grad backen. So bleibt der Kuchen saftig und bekommt ein herrlich fruchtig-würziges Aroma.

    Und weshalb wieder mal Kumquats, diese sogenannten Zwergorangen, die im Gegensatz zu den meisten Zitrusfrüchten mit der Schale gegessen werden? Sie schmecken mit der süßen Schale und dem sauren Fruchtfleisch, haben einen hohen Vitamin C-Gehalt und gelten in Japan als Symbol für Glück und Wohlstand. Es ist heute mein erster Beitrag im Jahr 2026 und ich wünsche Ihnen/Dir viel Glück!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Soweit ich weiss, war Ernest Shackleton, ein in Irland geborener Polarforscher, nie in Tasmanien. Er fuhr mit seinem Schiff, der Endurance von Plymouth in England aus nach Südgeorgien und von dort weiter durch die Weddell-Sea, wo sie bereits im Packeis stecken blieb und sank. Jedoch welch Wunder, alle Mitglieder konnten sich retten. Von Hobart aus (Tasmanien hatte dadurch Anteil an der Expedition) startete das zweite Schiff, die Aurora, von der entgegen gesetzten Seite aus. Von dort sind es immerhin auch ca. 2700 km Richtung Süden bis zur Küste der Antarktis. Eine Ausstellung in Hobart über die unglaubliche Geschichte von Shackleton und der Endurance-Expedition fasziniert mich derartig, dass ich mir fest vornehme zu Hause mehr darüber zu lesen (s. Caroline Alexander “Die Endurance” Shackletons legendäre Expedition in die Antarktis). Unvorstellbar welche Abenteuer er und seine Crew Anfang des 20. Jahrhunderts bestehen mussten.

    Meine Herausforderung heute besteht auf einem anderen Gebiet: ein möglichst nachhaltiges Seefischgericht will ich Ihnen/Dir vorstellen. Ich finde zwar in Tasmanien gezüchteten Lachs, empfehle jedoch für unsere Küche Wildlachs aus Alaska.

    Ofengemüse mit Lachs

    • 4 Scheiben Lachsfilet
    • 1 gelbe Paprika
    • 2 kl. Zucchini
    • 2 kl. Auberginen
    • 2 kl. Fenchelknollen
    • 10 Cocktailtomaten
    • 2 Zwiebeln
    • 1-2 Chilischoten
    • 4 Zehen Knoblauch
    • Olivenöl
    • Salz u. Pfeffer
    • jeweils frischen Thymian u. Rosmarin
    • 1 Biozitrone

    Gemüse waschen u. in grobe Stücke schneiden, in eine flache mit etwas Öl ausgestrichene große Auflaufform geben, salzen, pfeffern nach Geschmack. Die klein geschnittenen Chili, Knoblauch, Kräuter, mit 4 EL Öl mischen und mit dem Gemüse vermischen. Bei 200 Grad auf der mittleren Schiene 40 Minuten backen, das mit Salz, Pfeffer gewürzte u. Zitronensaft beträufelte Lachsfilet darüber legen, abdecken und weitere 20 Minuten mit garen. Mit Fladenbrot servieren – guten Appetit!

    Von den Menschen zu den Tieren: Auch diese haben entsprechend der jeweiligen Spezies einen besonderen Speisezettel. Das “niedliche” Tier, der Tasmanische Teufel bevorzugt Aas von Säugetieren (Kängurus, Wallabys, Wombats). Daneben fängt er kleine Wirbeltiere und gibt sich manchmal sogar mit Pflanzenresten und Früchten zufrieden. Beutelteufel sind sogenannte Nahrungskonkurrenten, d. h. sie fressen schnell und gierig, besonders in Gruppen. Ein guter Freund fällt mir dabei ein, der viele Jahre im Internat gelebt hat und des öfteren erzählt, dass durch die Konkurrenz der Mitschüler auch da beim Essen Schnelligkeit angesagt war. Er sieht es mir sicher nach, wenn ich diese Geschichte weitergebe. Der Besuch in einem Devil’s Park, in dem wir bei der Fütterung der Tiere zusehen dürfen, zeigt uns in welcher Geschwindigkeit sie große Fleischbrocken incl. Knochen zermalen und hinunter würgen. So grausam sich das ansieht und liest, auch tasmanische Teufel haben eine Existenzberechtigung. Seit Jahren sind sie bedroht von einer heimtückischen Krebskrankheit. Etliche private Initiativen versuchen durch das Separieren der Tiere die Population wieder zu steigern. Sowohl dadurch, als auch durch die Anpassungsfähigkeit der Tiere konnte dieser ansteckende Gesichtskrebs soweit zurück gedrängt werden, dass mittlerweile ein Aussterben weniger wahrscheinlich geworden ist.

    Nach dieser positiven Aussicht für die gar nicht so sehr geliebten Tiere, empfehle ich in unserem Herbst zur Obsternte einen Apfelkuchen, den Lieblingskuchen unserer Oma. Sonntags kamen oft Gäste und so wurde meist am Wochenende gebacken. 2 große Bleche trugen wir Kinder sie wegen des dort vorhandenen größeren Ofens zum Bäcker und am Samstagnachmittag durfte er von uns abgeholt und angeschnitten werden. Frischer Hefekuchen mit Streusel – mmmmh!

    Apfelmus – Hefekuchen

    • 600 g Mehl
    • 170 g Zucker
    • 30 g frische Hefe
    • 125 ml lauwarme Milch
    • 220 g Butter
    • 2 Eier
    • 1 TL Zimt
    • 500 g erkaltete Apfelmasse (ich nehme Fallobst, schäle und zerteile es in mittelgroße Stücke, koche sie so an, dass sie nicht ganz zu Brei werden)
    • etwas Salz
    • Puderzucker

    400 g Mehl mit 50 g Zucker u. einer Prise Salz in einer großen Schüssel vermischen, mit der Hefe und der Milch einen Vorteig herstellen und diesen 10 Minuten an einer warmen Stelle (ich schiebe die abgedeckte Schüssel dafür in die auf 30 Grad geheizte Röhre) ruhen lassen. In der Zwischenzeit 70 g Butter schmelzen, mit der Hefemilch u. den Eiern zum Mehl geben und zu einem glatten Teig kneten, ca. 1 Std. abgedeckt bis zur doppelten Größe gehen lassen. Danach nochmal durchkneten u. auf einem gefetteten Blech ausrollen, erneut 15 Minuten gehen lassen. Nun für die Streusel 120 g kalte Butter, 160 g Mehl, 100 g Zucker, 1 TL Zimt u. 1 Prise Salz zerkrümeln bis mittelgroße Streusel entstehen. Die Äpfel auf dem Teig verstreichen und die Streusel darüber streuen. Den Kuchen ca. 35 Minuten backen, abkühlen und ggf. mit Puderzucker bestäuben.

    Entschuldigen will ich mich für die ausgefallenen Blog-Beiträge – es war einfach zu viel los und … gleich noch eine Unzulänglichkeit: das Foto vom Lachsgericht fehlt, ich werde es in Kürze nachliefern – hoffentlich schmeckt es trotzdem.

    Im nächsten Beitrag erzähle ich Euch/Ihnen von meinem Besuch in Port Arthur, der größten ehemaligen Sträflingskolonie in Australien.

    Ein buntes sonniges Herbstwochenende!

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Weiter geht es vom Nationalpark Cradle Mountain-Lake St. Claire über Launceston zur Bay of Fire.

    Die vorbei ziehende üppige grüne Landschaft erinnert mich an eine Reise nach Südengland. Jeden Tag haben sich dort Regenschauer mit bedrohlichen grauen Wolken angekündigt um sich nach kurzer Zeit mit einem sonnigen blauen Himmel abzuwechseln.

    Ähnlich erlebe ich es heute in diesem zwar mit England sehr eng verbundenen, jedoch weit entfernten Teil des Commonwealth. Allerdings läßt sich Petrus zum Wechseln hier etwas mehr Zeit. Der Vorschlag unseres Guides, die graue Stimmung durch einen Besuch auf einer Farm mit einladendem Cafe aufzuheitern wird sofort angenommen, auch, weil wir hier selbst gebackenen Kuchen oder, wie unten, Muffins, einen typischen English Tea, bzw. einen Flat White angeboten bekommen.

    Blaubeermuffins

    • 200 g frische oder tiefgefrorene (nicht aufgetaute) Blauberen
    • 250 g Mehl
    • 150 g Zucker
    • 2 TL Backpulver
    • 1/4 TL Salz
    • 2 Eier
    • 100 g weiche Butter
    • 100 ml Milch
    • 75 g Puderzucker
    • Fett für die Formen

    Frische Beeren waschen u. verlesen, Muffinblech fetten u. kalt stellen. Mehl, Zucker, Backpulver u. Salz mischen, Eier verquirlen, Butter, Milch hinzufügen und verrühren, Mehlmischung zügig darunter rühren und 180 g Beeren unterheben. Teig in die Vertiefungen füllen und auf der mittleren Schiene bei 180 Grad 25 Minuten backen. Die fertig gebackenen Muffins noch 5 Minuten in der Form ruhen lassen, herausnehmen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Wer mag, kann die restlichen Beeren durch ein feines Sieb streichen, mit dem Puderzucker verrühren, evtl. etwas Wasser zufügen. Den Guss auf die Muffins streichen.

    Und, siehe da, die Sonne bahnt sich noch während der Kaffeepause den Weg durch die Wolken und ich kann die anschließende Stunde in einer Bucht am Strand weg von allen Mitreisenden genießen. Nicht, dass die neu hinzugekommenen 2 Japanerinnen und der junge Mann aus Straubing mich stören würden. Aber ohne Begleitgeplapper kann ich das Rauschen, die Macht der Wellen und des Wassers besser spüren, hören und fühlen, auch schmecken. Und … ich kann meinen Gedanken nachhängen. Die Erzählungen der älteren Dame aus dem Farmcafé vorhin über ihre Abstammung von englischen Strafgefangenen sind noch sehr present, lassen mich abschweifen und neben allem anderen an eine alte Freundin zu Hause denken. Auch sie, wie die Oma heute, erzählt viel von ihren Vorfahren. Von Ihren längst verstorbenen Eltern und Großeltern, der vor 20 Jahren beendeten Berufstätigkeit, vom Ehemann, der bis zu seinem Tod ein treuer Gefährte war. Es sind andere, als die eben gehörten, aber es sind ihre Erinnerungen an ein langes gelebtes Leben. Für mich ist sowohl das tasmanische, als auch das aus Germany interessant und wert nochmal ins Gedächtnis gerufen zu werden. Auch kurzweilig, weil ich mich gern an Zeiten erinnere, die bereits in meiner Vergangenheit liegen und die manchmal sogar ein wenig traurig stimmen. Dabei fällt mir der Spruch des Dalai Lama ein: “Lebe ein gutes, ehrbares Leben! Wenn du älter bist und zurückdenkst, wirst du es noch einmal genießen können.”

    Lebe ich ein gutes Leben? Ich bemühe mich (bemühen reicht nicht, wurde mir während meiner Berufstätigkeit erklärt). Wird das tägliche Bemühen ohne auch mal sorglos in den Tag hinein zu leben, wie es Kinder so gut können, nicht langweilig? Gerade in dieser momentan an Konflikten und Kriegen reichen und turbulenten Zeit ist ein kindliches Gemüt mit einer Portion Neugier von großem Vorteil. Neben dem Bemühen eine ebenso wichtige Zutat für ein gutes gelingendes Leben.

    Bevor ich bei meiner Betrachtung allzu sehr in chinesische Glückskeksweisheiten abdrifte, ein weiteres Highlight dieser Reise: die Wineglass Bay im Freycinet Nationalpark. Sie sieht von den umliegenden Hügeln tatsächlich aus wie ein Weinglas. Es erübrigt sich in Tasmanien von mittlerweile kristallklarem Wasser (war zu Zeiten des Walfangs noch etwas anders) und herrlich weißen Sandstränden zu schwärmen – es gibt einfach zu viele davon und ich weiß nicht mehr, welchem ich das Attribut “der Schönste”, zuordnen würde. Zu dritt (Yasuko, Joho und ich) lassen wir uns an diesem Bilderbuch-Strand nieder und verzichten gern bei wieder heißen Temperaturen auf eine Buschwanderung. Ein paar Wallabys leisten uns dafür abwechslungsreiche Gesellschaft.

    Der Mensch lebt nicht von wunderbarer Landschaft, zutraulichen Tieren und geistig-seelischem Austausch allein, nein, er braucht ab und zu auch mal etwas kräftiges zum Wiederbeleben der physischen Kräfte. An diesem vorletzten Tag unserer gemeinsamen Tour stellt diesen Ausgleich Hirsesalat mit Halloumi her.

    • 200 g Hirse
    • etwas Salz
    • 1 große rote Zwiebel
    • je 1 Bund Dill und Petersilie
    • 2 Zitronen
    • 2 TL Fenchelsamen
    • 1 TL Kreuzkümmelsamen
    • 2 EL Rosinen
    • 2 TL flüssigen Honig
    • 6 EL Olivenöl
    • 2 1/2 TL Ras el Hanout
    • 1 TL gem. Kurkuma
    • 1 TL Chiliflocken
    • 100 g geröstete u. gesalzene Pistazien
    • 400 g Halloumi

    Hirse in einem Sieb abspülen u. abtropfen lassen, in kochendes Salzwasser geben, aufkochen und vom Herd nehmen. Die Hirse bei geschlossenem Deckel ca. 5 Minuten quellen lassen, auf ein Sieb abgießen u. abtropfen lassen. In eine Schüssel umfüllen und abkühlen. Zwiebel in dünne Streifen schneiden, Dill u. Petersilie fein hacken, zusammen mit der abgeriebenen Zitronenschale u. dem ausgepressten Saft vermengen. Fenchel und Kreuzkümmel im Mörser grob zerstoßen, alle weiteren Zutaten und die Hirse vermischen und mindestens 30 Minuten durchziehen lassen. Halloumi trocken tupfen und in Scheiben schneiden, unter den Grill legen oder in der Pfanne braten bis der Käse gut gebräunt ist. Die gehackten Pistazien unter den Salat mischen, nochmal abschmecken und zusammen mit dem Halloumi servieren.

    Neben kristallklarem Wasser rundet ein tasmanischer Merlot oder ein kühles Bier dieses leichte Sommergericht ab. Dazu ein typischer Trinkspruch: Cheers, mate – to good yarns, cold tinnies, and not gettin’ lost in the bush! Here’s to Tassie

    Good Yarns – wie ich hoffe – in meinem nächsten Bericht befassen sich mit Port Arthur, einer ehemaligen Holzfällersiedlung, die für eine besondere Art der Gefangenenhaltung traurige Berühmtheit erlangte. Aber auch den von der Ausrottung bedrohten tasmanischen Teufeln statten wir einen Besuch ab.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Nach einer guten Nacht ohne Alpträume gibt es ein typisches Frühstück: Toast, Butter, Marmelade und speziell für uns: “Eggs Benedict” mit köstlich duftendem Kaffee.

    • 500 ml Wasser
    • 3 EL Essig
    • 2 Eier
    • 2 Scheiben Kochschinken
    • 2 runde Brötchen
    • 4 EL Sauce Hollandaise
    • 1 EL Schnittlauchröllchen

    Pochierte Eier herstellen: Wasser und Essig zum Kochen bringen, anschl. die Hitze etwas reduzieren. Die Eier einzeln in einer Tasse aufschlagen, und vorsichtig in das mit einem Schneebesen umgerührte Essigwasser gleiten lassen. Das Eiweiß mit Hilfe eines Löffels vorsichtig um das Eidotter herumführen. 3-4 Minuten leise sieden lassen bis das Eiweiß gestockt ist, mit einer Schöpfkelle herausnehmen. Nun den Schinken scharf anbraten, je 2 Scheiben auf die getoasteten Brötchenhälften geben, das pochierte Ei darauf mit Pfeffer und Salz würzen, die angewärmte Sauce Hollandaise drüber gießen und mit Schnittlauchröllchen verzieren. Ich habe dieses schmackhafte Frühstück das erste Mal bei meiner Schwiegertochter in Perth/WA serviert bekommen und bereits des öfteren selbst ausprobiert – sehr lecker! Es schmeckt anstelle des Schinkens auch mit Lachs oder gedünstetem Spinat.

    Nach diesem opulenten Frühstück begibt sich die fünfköpfige Truppe gut gelaunt auf die von Trison als schwierig geschilderte längere Bergwanderung in die Cradle Mountains. Blauer Himmel und herrlicher Sonnenschein sind unsere Begleiter. Trotzdem habe ich ein etwas mulmiges Gefühl und lasse mir ein Hintertürchen zum Umkehren offen. Die Tour stellt sich dann aber als gut zu bewältigende heraus, ist aber teilweise nicht ganz ungefährlich. Meinen Knien und auch den Hüften wird einiges abverlangt. Die herrlichen Berge, die Gletscherseen, das Wetter und die atemberaubende Aussicht während des Gehens entschädigen mich für die körperlichen Mühen um ein Vielfaches. Wir begegnen einigen schwer bepackten Wanderern, die den gesamten Overland Track in 6 Tagen bewältigen wollen. Es sind dies immerhin ca. 85 km, die sich in der zum Weltnaturerbe gehörende tasmanische Wildnis von Cradle Mountain bis zum Lake St. Clair erstrecken, einige Bergüberquerungen inclusive. Die 3 “Overländers” machen einen zwar begeisterten, aber auch müden Eindruck und lassen sich gerne einladen, den morgens von uns zusammengestellten Lunch zu verspeisen. Es sind interessante Geschichten, die in dieser Runde ausgetauscht werden: die drei geübten Bergsteiger schildern auf spannende Weise die letzten Tage bei ausgesprochen wechselhaftem Wetter in dieser alpinen Bergwelt. Auch die Geschichte von Gustav Weindorfer, einem Österreicher, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Tasmanien niederließ, macht die Runde. Er bestieg erstmals den Cradle Mountain, wobei ihn die Landschaft derartig begeisterte, dass er beschloss einen Nationalpark mit Unterkünften für Wanderer und Bergsteiger zu initiieren, was mit seiner Hilfe dann auch 1922 zur Eröffnung des “Cradle-Mountain-Lake-St.-Clair-Nationalpark” führte. Wie wir bei der Gelegenheit erfahren, wurde er zuletzt als “Hermit of Cradle Mountain” bezeichnet. Die 3 verabschieden sich, sie haben noch 3 Tage vor sich, wir “nur” 3 Stunden. Ich bin nicht unglücklich, mir diesen längeren Walk erspart zu haben. Er ist sicher nicht mit unserer Tagestour und schon gar nicht mit der moderaten Wanderung im Steigerwald, wo ich mein Training absolviert habe, zu vergleichen. Nach dem erwartungsgemäß nochmal anstrengenden Abstieg geht es weiter nach Sheffield und von dort durch eine von Landwirtschaft geprägte Gegend in die Hafenstadt Devenport. Wir verbringen den Abend und die Nacht in Trisons sehr geschmackvoll eingerichteten und herrlich gelegenem neuen Haus, wo jeder sein eigenes Zimmer mit Bad vorfindet. Hier ließe es sich länger aushalten! Zum Abschluß dieses kräftezehrenden Tages gibt es Pizza vom Pizzaservice und australisches Bier. Nach dem geschilderten opulenten Frühstück, dem Picknick-Lunch und der Takeaway-Pizza ein etwas aufwändigeres Dessert:

    Im Vorgriff auf die über-, über-, übernächste Reise (Japan) eine Matcha-Biskuit-Schnitte

    • 300 g Rohmarzipan
    • 2 TL Matcha-Tee (Pulver allerbester Qualität)
    • 1 gute Prise Salz
    • 1 Vanilleschote
    • 4 Eier
    • 35 g Mehl
    • 135 g Kartoffelmehl
    • 2 EL Amaretto
    • 120 g Butter und für die weiße Schokomousse:
    • 2 Blatt Gelatine
    • 200 g weiße Schokolade
    • 75 g Jogurt
    • 150 g Sahne + Himbeeren zum Verzieren

    Die Marzipanmasse (Zimmertemperatur) mit dem Knethaken der Küchenmaschine weich schlagen, Matcha-Pulver und Salz dazu geben, das ausgekratzte Vanillemark und nach und nach die Eier dazu rühren bis eine schöne weiche Masse entsteht (ca. 10 Minuten). Nun kommt noch das gesiebte Mehl, der Amaretto und die weiche Butter dazu. Den fertigen Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen und bei 170 Grad in ca. 12 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Für die Mousse Gelatine in kaltem Wasser einweichen, die Schokolade im Wasserbad schmelzen und den Jogurt darunter rühren, Gelatine tropfnass in einem kleinen Topf bei kleiner Hitze auflösen und unter die Schokolade rühren. Nun noch die Sahne steif schlagen und ebenfalls unter die Schokocreme heben, gut kühlen und danach kleine Häufchen auf den in Streifen geschnittenen Biskuit geben, mit Himbeeren und evtl. Minzeblättchen verzieren und fertig ist dieser etwas ungewöhnliche, köstliche, mich an Japan erinnernde Nachtisch.

    Vorher bleiben wir allerdings noch ein Weilchen in Tasmanien, schließlich habe ich bisher gar nichts von Port Arthur, den tasmanischen Teufeln und den Wallabys erzählt, worauf ihr Leser euch noch ein Weilchen gedulden sollt.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Nach einem dürftigen Frühstück geht es heute nach Strahan, einem kleinen Ort an der tasmanischen Westküste. Wir besuchen dort einen Holz verarbeitenden Betrieb. Holz stellt für Tasmanien eine wichtige Einnahmequelle dar. U. a. werden hier aus Huon Pine wunderschöne Schalen angeboten, die mich fast schwach werden lassen.

    Glücklicherweise fällt mir rechtzeitig ein, wie kompliziert der Transport werden kann. Ich erinnere mich zu gut an die Bierkrüge, die ich vor einigen Tagen als Gastgeschenk hierher geschleppt habe. Schließlich entscheide ich mich für einen kleinen Untersetzer als Mitbringsel für meinen Bruder – ein Stück Tasmanien zum problemlosen Mitnehmen. Immerhin war Klaus der ursprüngliche Ideengeber für diesen Teil Australiens.

    Weiter geht es zu den Henty Sand Dunes – riesige vom Wind geformte Sandberge zwischen Strahan und Zeehan. Es ist ein unglaubliches Gefühl, diese endlose Sandlandschaft zu erklimmen, den feinen Sand unter den nackten Füßen zu spüren und den Blick in die weite Ferne schweifen zu lassen. Mit ein paar entsprechenden Instruktionen meistern wir den Aufstieg und werden mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt.

    Das Mittagessen, von Trison unserem Guide, in der Zwischenzeit zubereitet, ist einfach und schmackhaft: Würstchen mit Zwiebeln und knusprig gebratenem Bacon. Keine Haute Cuisine, aber der Hunger treibt es rein.

    Am Nachmittag erreichen wir den Cradle Mountain-Lake St. Clair Nationalpark. Dort geht es auf eine kleine Wanderung, eine Art Training für die größere Herausforderung, die morgen auf uns wartet. Die Natur ist überwältigend: dichte Wälder, kristallklare Seen und … wir sehen zum ersten Mal Wombats. Diese niedlichen Pflanzenfresser in freier Wildbahn zu erleben ist gar nicht so einfach, da sie nachtaktiv ihre Tage meist im Bau verbringen. Am Abend zaubert Trison in der Gemeinschaftsküche ein wunderbares Dinner (s. u.). Zudem werde ich als Krönung des Tages von der Gruppe mit einer Flasche Champagner (diesmal richtigen) zu meinem Geburtstag überrascht. Besonders das junge Paar (genau genommen eine Österreicherin und ein Russe) und Trison machen diesen Tag für mich zu etwas besonderem. Aber auch die junge Südkoreanerin ist eine sehr nette. Mit der Sprache hat sie zwar noch mehr zu kämpfen als ich, aber sie verdient unser aller Respekt sich eine derartige Reise zuzutrauen. Ein Tag voller Erlebnisse, kleiner Wunder und Begegnungen – Tasmanien ein Traum! Und …. das Paradies ist nicht woanders.

    Gegrillter Halloumi mit Ofengemüse und Kräuterjogurt

    • 1 Block Halloumikäse
    • je 1 Zucchini und 1 Paprika
    • 1 rote Zwiebel
    • 1 Süßkartoffel
    • 2 EL Olivenöl
    • Salz, Pfeffer, Rosmarin, Thymian
    • 200 g griechischen Jogurt
    • 1 Knoblauchzehe
    • frische Kräuter, z. B. Petersilie, Schnittlauch, Minze

    Gemüse waschen, putzen und in grobe Stücke, Halloumikäse in Würfel schneiden (der Halloumikäse kann auch in Scheiben geschnitten und in der Grillpfanne gegrillt werden), mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und den Kräutern mischen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und bei 200 Grad 25 – 30 Minuten auf der mittleren Schiene backen, ggf. die letzten 10 Minuten mit Folie abdecken damit es nicht zu dunkel wird. Für den Dip Jogurt, gepressten Knoblauch, etwas Salz und die frischen Kräuter mischen und zum Gemüse servieren. Es passt Ciabatta und ein tasmanischer Merlot dazu.

    Kein vollständiges Dinner ohne ein Dessert: Kirsch-Cheescake im Glas

    • 125 g Hafer Cookies
    • 1 Glas Sauerkirschen
    • 6 EL brauner Zucker
    • 175 g Frischkäse
    • 450 g Naturjogurt
    • Vanilleextrakt
    • weiße Schokolade zum drüber raspeln

    Cookies in einen Gefrierbeutel geben und mit einem Teigroller zerbröseln, in 4 Gläser verteilen. Die Sauerkirschen mit wenig Saft zum Kochen bringen. 1 EL Stärkemehl in einer kleinen Tasse mit 6 EL Saft und 3 EL Zucker verrühren und kurz mitkochen, abkühlen. Frischkäse mit Jogurt glatt rühren, etwas Vanilleextrakt mit den restlichen 3 EL Zucker unterrühren, als zweite Schicht in die Gläser geben. Darauf das Kirschkompott und mind. 2 Stunden ziehen lassen, mit weißen Schokoladenspänen oder etwas Frischkäse garnieren.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Der heutige Tag beginnt noch etwas chaotisch. Ich wundere mich, dass mein Handy-Wecker nicht klingelt, denke mir aber weiter nichts dabei. Ich bin ja wach und trabe daher kurz nach 5.00 Uhr zum Treffpunkt, der St. Davids Cathedral. 10 Minuten nach dem vermeintlich vereinbarten Zeitpunkt stelle ich fest, dass ich mich um eine Stunde vertan habe – ich werde nicht um 5.25 Uhr, sondern erst um 6.25 Uhr abgeholt. Zum Glück hat gegenüber ein kleiner Laden geöffnet, wo ich bei einem frischen Kaffee ein paar Karten schreiben (!?) kann. Der Bus kommt 5 Minuten vorher und ich bin nach den überstandenen Herausforderungen der letzten Tage happy. Der Umstand nur mit 3 weiteren Teilnehmern diese Tour machen zu können, steigert meine Vorfreude. Die Pechsträhne war allerdings noch nicht ganz vorbei: Der Bus hat nach ca. 1 km einen Platten. Aber dank des umsichtigen Guides, der gleichzeitig Fahrer ist, ist das Auto schnell gewechselt und los kann es gehen. Von Triton, dem Guide, erfahren wir auf den ersten Kilometern, dass er sein Philosophiestudium abgebrochen hat und mittlerweile in seinem Job als Reiseführer mit der Ehefrau als Chefin voll aufgeht. Daneben sind seine 2 kleinen Kinder sein ganzer Stolz. Ohne Punkt und Komma erzählt er viel persönliches, ebenso dass er eine Aborigines-Sprache beherrscht und sich sehr gut mit der Historie Tasmanien auskennt. We will see!

    Es ist eine illustre Truppe: die Farne haben es der Biologin aus Österreich angetan. Ihr Forschungsprojekt ist die Vielzahl dieser Pflanzengattung und sie erzählt uns auf der ersten Wanderung zu den Horseshoe und den Russel Falls (Foto oben) viele interessante Details. Es gibt z. B. 12.000 Arten dieser vielseitigen Pflanzengruppe weltweit. Wir können gleich am ersten Tag die in Tasmanien reichlich vorhandenen Baumfarne mit einer Höhe von bis zu 6 m bewundern. Ihr Begleiter dagegen ist ein schweigsamer (wen wunderts), nach Österreich emigrierter Russe, der dort als Computerfachmann arbeitet. Bei der dritten im Bunde handelt es sich um Yeju, einer jungen Studentin aus Südkorea. Sie würde künftig gern in Australien arbeiten, wie sie uns in einem etwas holprigen Englisch beim Lunch mitteilt. Dieser besteht aus gut gefüllten Wraps, die uns Triton auf einem Rastplatz im Cradle Mountain-Lake St. Clair National Park (wir kommen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal hierher) serviert. Die Kommunikation klappt dabei schon recht gut, u. a. auch weil Triton durch seine Erzählungen den Hauptteil der Unterhaltung bestreitet.

    Bevor wir Strahan erreichen, ist eine weitere mehrstündige Wanderung geplant, und zwar in den Franklin-Gordon Wild Rivers National Park. Der Blick auf den Franklin River und den 1443m hohen Frenchman Cap ist grandios. Leider habe ich meine Kamera im Bus vergessen. Die Aussicht ist so beeindruckend, dass zumindest ich sie auch ohne Foto nicht so schnell vergessen werde – können wir doch die vorhandene Naturschönheit in ihrer ganzen Pracht bewundern. Noch voll vom Schauen und Staunen kommen wir abends in Strahan an, wo uns Triton in einem großzügigen und netten Haus ein leckeres Fischgericht zubereitet und serviert.

    Kapernfisch mit Gemüse

    • 1 große Fenchelknolle
    • 3 mittelgroße Kartoffeln
    • 2 Möhren
    • 1 Lauch- und
    • 1 rote Zwiebel
    • 1 Tasse Gemüsebrühe
    • 100 g Fischfilet (z.B. Rotbarsch-, Seelachsfilet, Kabeljau)
    • Cayennpfeffer
    • Salz, schwarzer Pfeffer
    • glatte Petersilie
    • Zitronenschale
    • 2 TL Kapern
    • 3 TL Öl

    Gewaschenes Gemüse in Stifte oder Spalten schneiden, mit der Brühe in einen Topf geben, mit Cayennpfeffer würzen und fünf Minuten kochen. Inzwischen das Fischfilet salzen, mit der geriebenen Zitronenschale und den Kapern bestreuen, auf das Gemüse legen und zugedeckt weitere fünf Minuten auf mittlerer Stufe garen. Gemüse und Fisch auf einen vorgewärmten Teller legen und abdecken. Den Sud bei starker Hitze etwas einkochen, Öl zufügen und auf den Fisch träufeln, mit der gehackten Petersilie bestreuen und servieren.

    Während des Dinners und der angeregten Unterhaltung über die ersten Eindrücke gibt es den von mir noch in Hobart erstandenen Geburtstagssekt. Das kulinarische Highlight passt jedoch nicht ganz zum nachfolgenden Film über die recht brutalen Methoden der entflohenen Sträflinge auf der Insel, die ihren Hunger mit Menschenfleisch gestillt haben. Die Historie, die ja auch zu der Insel gehört, will nicht recht zu den heute aufgenommenen Bildern in meinem Kopf passen. Zum Glück bin ich rechtschaffen müde und schlafe ohne Horrorträume ausgesprochen gut, vor meinem inneren Auge die nachfolgende Süßspeise:

    Kartäuser Klöße

    • 6 Semmeln
    • 2 Eier
    • 1 EL Zucker
    • 1/2 l Milch
    • abgeriebene Zitronenschale
    • Semmelbrösel
    • Fett zum Ausbacken
    • Zucker und Zimt zum Bestreuen

    Semmeln vom Vortag mit einer Reibe abreiben, halbieren oder vierteln. Eier mit Milch, Zucker und abgeriebener Zitronenschale verquirlen. Die Semmeln in der Eiermilch einweichen, öfter wenden und durchziehen lassen. Danach etwas ausdrücken, zu länglichen Klößen formen, in den Semmelbröseln wenden und in reichlich Fett auf allen Seiten goldgelb backen. Auf einer vorgewärmten Platte anrichten, mit Zimt und Zucker bestreuen. Dazu gibt es Weinschaumcreme, Vanillesoße oder Kompott.

    Im nächsten Beitrag geht es um Huon Pine, Eukalyptus und die Henty Sand Dunes

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Die Hauptstadt Tasmaniens ist nicht allzu groß, mit ca. 250 000 Einwohnern überschaubar und der im vorhergehenden Bericht erwähnte Spaziergang verschafft mir schnell einen Überblick dieser wunderschönen Hafenstadt. Sie hat etliche Attraktionen zu bieten, von denen ich mir erst nach meinem Great Walk einige ansehen will. Vorher allerdings gibt es an diesem besonderen Tag (es ist ein Sonntag) noch einige Überraschungen – ja, das vermeintliche Paradies ist oft woanders.

    Die erneuten Herausforderungen beginnen vor den kulinarischen Genüssen. Diese muss ich mir an diesem besonderen Tag redlich verdienen.

    Vom Flughafen aus fahre ich mit dem Bus in das von mir gebuchte Backbackers Hotel. Nachdem ich lediglich eine Nacht dort verbringe, will ich mein Reisebuget nicht allzu strapazieren und suche die preisgünstigste Unterkunft aus. Es handelt sich um ein sehr spartanisches Zimmer welches sich im 4. Stockwerk ohne Aufzug befindet. Der Koffer (er umfasst etliche Kilo, da ich erst am Anfang meiner Reise bin), muss also irgendwie nach oben. Es ist niemand in der Nähe, dem ich diese Aufgabe übertragen kann – also selbst ist die Frau. Mühsam komme ich oben an, wo mich zwei junge kräftige Männer begrüßen, die gerade mit dem Mädchen an der Rezeption schäkern. Selber schuld, denke ich mir, warum bist du nicht zuerst nachsehen gegangen? Nun im Zimmer angekommen, welches aus Bett, Stuhl, Haken in der Wand und baumelnder Glühbirne an der Decke besteht, gehen meine Gedanken in Richtung “wie kann ich diesem Elend schnellstmöglich entkommen?” Gedacht, getan: ich mache mich diesmal nur mit kleinem Rucksack auf den Weg um die Stadt zu erkunden und – wie im letzten Beitrag erwähnt – ein adäquates Restaurant, welches mich mit den bisherigen Katastrophen etwas versöhnt, ausfindig zu machen und den knurrenden Magen besänftigt.

    Der Nieselregen setzt sich fort und ebenso meine Pechsträhne in dem danach aufgesuchten Café: Tee und der Geburtstagskuchen wollen mit einer tollen Aussicht auf den Hafen genossen werden als die Bedienung erscheint und mir verkündet: “Sorry, but we close in 10 minutes”. Mit meiner gemütlichen Teestunde wird es nun wohl nichts. In dieser Stadt wird es noch mehr Cafés geben, denke ich, wechsle das Lokal und träume diesmal von einem FlatWhite. Ich finde einen Buchladen mit kleinem Gastraum, klemme mir ein paar Bücher unter den Arm um es mir in einer ruhigen Ecke gemütlich zu machen. Als ich meine Bestellung aufgeben will, höre ich einen vertrauten Satz: “Sorry, we close in few minutes”. Was soll das denn, wir haben Sonntagnachmittag. In diesem Teil der Welt ist das offensichtlich kein Tag zum Ausgehen und Kaffeetrinken.

    Da sich der Akku des Mobiles bereits im Hotel verabschiedet hat, will ich nun wenigstens meine Geburtstagsmails in einem Internetcafe lesen – wieder Fehlanzeige! Nachdem ich die Liste meiner Mails sehe, wird mir verkündet, sie wollen gerade schließen. Nun verliere ich meine bis jetzt aufrecht erhaltene Fassung und Tränen kullern zusammen mit den Regentropfen draußen auf der Straße die Backen hinunter in Down Under.

    Zurück in der Unterkunft – was bleibt mir schon anderes übrig – treffe ich eine Gruppe Australier und kann an diesem für mich denkwürdigen Tag mit einem Guiness anstoßen. Nach einer wirklich netten Unterhaltung und einem zweiten Bierchen beschließe ich, ab morgen wird alles besser.

    Früh morgens am nächsten Tag soll der 5tägige Walk beginnen. Abgesehen davon, dass ich 1 Stunde zu früh am Treffpunkt bin und der Kleinbus nach den ersten Kilometern schlapp macht (wir bekommen nach kurzer Wartezeit einen neuen), naht das Ende der Pechsträhne. Hurra, der Great Walk mit 4 sehr netten Leuten aus Japan, Südkorea, Österreich, Russland und einem sympathischen Guide kann beginnen – ohne weitere Unglücksfälle, dafür mit viel Spaß, körperlicher Anstrengung und einer Unmenge an Information über die Insel und ihre Bewohner. Mehr erzähle ich darüber im nächsten Beitrag. Vorher noch eine

    Stärkung nach all den Katastrophen:

    Schmorkraut mit Bergkäse und Tofu-Petersilien-Topping

    1. 800 g Weißkohl
    2. 2 rote Zwiebeln
    3. 4 EL Butter
    4. 2 EL Rohrzucker
    5. 2 EL Tomatenmark
    6. 2 EL weißer Balsamicoessig
    7. 200 ml Gemüsebrühe
    8. Salz, Pfeffer
    9. Kümmel im Mörser zerstoßen
    10. getrockneter Majoran
    11. Cayennpfeffer nach Geschmack
    12. 200 g Creme fraiche
    13. 100 g Bergkäse
    14. 200 g Räuchertofu
    15. 2 EL Olivenöl
    16. 1 Bund Petersilie
    17. dazu Bauernbrot

    Die äußeren Blätter des Krautskopfes entfernen, vierteln, Strunk herausschneiden und den Kohl in Streifen schneiden, Zwiebeln halbieren und auch in Streifen schneiden. Die Butter in einer großen Pfanne/Topf schmelzen, Zwiebeln zugeben und kurz andünsten. Kohl, Zucker, Tomatenmark dazu geben und unter ständigem Rühren leicht karamellisieren lassen. Mit dem Essig ablöschen und etwas einkochen lassen, die Brühe angießen und mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Majoran und Cayennepfeffer kräftig würzen und den Kohl 10 bis 15 Minuten bissfest garen. Nun die Creme fraiche untermischen, ebenso den in Würfel geschnittenen Käse im Kraut zerfließen lassen. Den in kleine Würfel geschnittenen Tofu in heißem Öl in einer Pfanne kräftig goldbraun anbraten, mit der gehackten Petersilie mischen und mit Salz und Pfeffer würzen, mit dem Kraut anrichten und mit Brot servieren.

    Zum Dessert habe ich ein leckeres Birnen Crumble (pear crumble) gezaubert:

    • 600 g Birnen
    • 60 g Walnüsse
    • 150 g Mehl
    • 50 g brauner Zucker
    • 1 Vanillezucker
    • 90 g Butter
    • 1 Prise Salz

    Birnen schälen, ohne das Kernhaus in kleine Stücke schneiden und in einer gebutterten runden oder eckigen Form (30 x 20 cm) verteilen. Die Hälfte der gehackten Walnüsse auf die Birnen geben. Aus den übrigen Zutaten einen Streuselteig bereiten (entweder mit den Händen oder dem Rührgerät auf niedriger Stufe) und auf den Birnen verteilen, die restlichen Nüsse darüber und auf der mittleren Schiene bei 200 Grad ca. 30 Minuten backen (mit Alufolie die letzten Minuten abdecken um es nicht zu braun werden zu lassen).

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Während meiner ersten Reise auf den australischen Kontinent ist es dieser kleinste Bundesstaat, der mich aufgrund von Erzählungen meines Bruders interessiert und den ich mir unbedingt ansehen will. Die wunderbare Lektüre “Das Paradies liegt immer woanders, Eine Reise durch das unbekannte Tasmanien” von Barbara Veit ist ein weiterer Auslöser und ich beschließe, dieses herzförmige Inselchen in meinen Reiseplan einzubeziehen.

    Es ist ein wahrhaft turbulenter Start, der mich an meinem Geburtstag von Sydney nach Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens, bringen soll. Für mich ein besonderer Tag und ich will das neue Lebensjahr in diesem Teil der Welt mit der angeblich saubersten Luft beginnen. Neugierig gemacht von den Reiseberichten will ich mich selber überzeugen. Ist die Natur wirklich so atemberaubend, die Luft staubfrei und das Wasser in den Seen und Flüssen so kristallklar? Ähnelt die Landschaft tatsächlich der in Great Britain?

    Der Flug von Sydney nach Hobart ist schnell gebucht. Schließlich ist es ein “Katzensprung” und ich bin in ca. 2 Stunden dort. Die Maschine geht morgens um 5.00 Uhr und das bedeutet eine kurze Nacht. Die Rezeption ist verständigt, das Hotel bezahlt und das Taxi zum Flughafen bestellt. Es sollte eigentlich alles glatt gehen. Weit gefehlt! Als ich mit meinem Gepäck das Zimmer verlassen will, finde ich keinen offenen Ausgang – alles abgesperrt und ich ohne Schlüssel. Die Rezeption ist nicht besetzt und auch auf mein Klingeln wird nicht reagiert. Wie soll ich da ohne lautstark zu randalieren rechtzeitig rauskommen? Ich begebe mich im ganzen Haus auf die Suche nach einer nicht verschlossenen Tür. Im Keller schließlich werde ich fündig und stehe durchgeschwitzt etwas verspätet auf der Straße. Mein für das Abenteuer Tasmanien zurecht gemachtes Outfit hat etwas gelitten, aber was soll’s, ich war draußen und vielleicht wartet ja das bestellte Taxi noch. Wieder Fehlanzeige! Zum Glück ist Sydney keine reine Schlafstadt und ich nicht in einem allzu ruhigen Vorort untergebracht. Es sind um diese Zeit, mittlerweile 2.30 Uhr, zwar sehr wenige Autos unterwegs, aber eines wundersamer Weise sogar ein Taxi. Der Chauffeur, froh noch eine Tour fahren zu können, ist gerne bereit mich zum Flughafen zu bringen. Die Unterhaltung zu dieser nachtschlafenden Zeit löst meine Panik in Wohlgefallen auf und ich gebe lediglich “Airport” als Ziel an – eine unvollständige Ansage, wie sich herausstellt. Als ich beim Bezahlen und Aussteigen erwähne, dass ich nach Hobart fliege, meint der Fahrer, da wären wir allerdings am falschen Ort, nämlich dem regionalen Bankstown Airport. Enttäuscht und wütend, bekomme ich auf meine Reaktion von ihm den Mut machenden Satz zu hören: “Life is too short to worry” und er fährt mich in weiteren 20 Minuten zum “International”, wo ich endlich einchecken kann. Die in meiner Phantasie äußerst wohlschmeckende erste Tasse Kaffee am Flughafen fällt der Verspätung zum Opfer und ich muss noch, da mein Koffer zu viel an Gewicht auf die Waage bringt, einiges ins Handgepäck umschichten. Ist mir bis dato noch nicht passiert, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Die Maschine ist nicht allzu groß und die Abfertigung ist schnell durchgeführt. Auf den Kaffee allerdings muss ich auch im Flugzeug verzichten – es gibt nur Wasser und trockene Kekse. Die Aufregung der vergangenen Stunden hat sich offensichtlich auf die Ohren gelegt – sie fallen mir beide zu (vielleicht war es auch der Luftdruck) und ich höre nur noch wie durch dicke Lagen Watte hindurch, d. h. ganz ganz schlecht. Wird ja wieder besser, wenn ich auf dem Boden meiner Trauminsel stehe, denke ich. Dem ist nicht so – mein Gehör meldet sich sehr langsam erst im Lauf des Tages zurück.

    Die bisherigen unangenehmen Zwischenfälle können meinen Optimismus aber keineswegs mindern. Es existiert ein kulinarischer Höhepunkt in meiner Vorstellung: ein phänomenales Fischgericht, welches ich im Hafen von Hobart in einem netten Restaurant bestellen und mir mit einem guten Glas Wein schmecken lassen will:

    Meeresfrüchte überbacken

    • 300 g Frutti di Mare
    • 2 EL Olivenöl
    • 1 Bund Petersilie
    • 1 Zwiebel
    • 1 Knoblauchzehe
    • 300 ml passierte Tomaten
    • 1/2 Packung Feta
    • Salz und Pfeffer

    Meeresfrüchte abspülen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen, Petersilie grob hacken. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln und in Öl kurz anschwitzen, die Meeresfrüchte kurz mit anschwitzen und die Tomaten dazu gießen, mit Salz und Pfeffer würzen. Das Ganze heiß werden lassen (nicht kochen) und in eine ofenfeste Form umfüllen. Zerbröselten Feta über das Gericht streuen und bei 200 Grad C auf der oberen Schiene im Backofen goldbraun gratinieren. Mit der Petersilie bestreuen und mit einem Baguette servieren.

    Ich finde tatsächlich das tolle Fischrestaurant und auch das leckere Gericht ist schnell ausgesucht – ein erstes Highlight an diesem Tag. Das Land mit der saubersten Luft, rein gewaschen eher vom Nieselregen als von der in Aussicht gestellten Brise der Antarktis dämpft zwar meine Euphorie, aber anstelle eines ersten Spaziergangs finde ich ein gemütliches Café, in dem ich einen einfachen, aber schmackhaften Kuchen zu meinem Tee bekomme.

    Rüblikuchen

    • 375 g Möhren (mittel fein reiben)
    • 250 g Mehl
    • 2 TL Backpulver
    • 200 g braunen Zucker
    • 1 TL gem. Zimt
    • 250 ml neutrales Öl (z.B. Sonnenblumen)
    • 4 Eier
    • 200 g gemahlene Mandeln
    • Für das Topping:
    • 250 g Frischkäse
    • 80 g Puderzucker
    • 1 Päckchen Vanillezucker
    • etwas Zitronensaft

    Eier, Zucker, Öl und Zimt gut verrühren, Karotten und Mandeln dazu geben, das mit Backpulver vermischte Mehl darunter rühren und den Teig in eine gefettete Springform geben. Bei 180 Grad C auf der mittleren Schiene ca. 40 – 50 Minuten backen (Stäbchenprobe machen) und anschl. auf einem Gitter auskühlen lassen. Für das Topping den Frischkäse mit dem Zitronensaft glatt rühren, den Puder- u. Vanillezucker einrieseln lassen, auf den Kuchen streichen und mit Möhren (gekochte o. welche aus Marzipan) verzieren.

    Ganz ist dieser Teil meiner Reise noch nicht überstanden – der zweite Teil dieses ereignisreichen Tages mit dem darauffolgenden Start eines 5tägigen geführten “Great Walk, Wilderness, alpine and coastal” folgt im nächsten Beitrag.

    Bis dahin wünsche ich Ihnen/Dir für die restlichen 338 Tage dieses Jahres 2025 dass es gute Tage werden und dass wir trotz allem zuversichtlich bleiben.

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.

  • Über die traditionelle Weihnachtsgeschichte habe ich in meinen Israel-Reiseberichten bereits geschrieben, s. dazu Beitrag Nr. 37 Bethlehem (arabischer Teil) und Beitrag Nr. 38 Bethlehem (christlicher Teil). Diesmal geht es mir um den ausufernden Konsum und seine Folgen, nicht nur zur Weihnachtszeit. Ich denke an die Müllberge, die wir dabei produzieren. Wir (oder zumindest ein großer Teil von uns), denen in unzähligen glänzenden Werbebroschüren all die „Must-have-Dinge“ offeriert werden, helfen durch unser Konsumverhalten mit, das Problem weiter zu vergrößern. Was scheren Hersteller und Verbraucher da Klimakonferenzen und internationale Abkommen, in denen die Vermüllung von Land und Meeren durch Kunststoffe gestoppt werden soll. Die Produktionsmengen von Kunststoffen sind seit Anfang der 1950er Jahre um mehr als das 250-fache gestiegen, und … sie steigen weiter: Nach Berechnungen von Wissenschaftlern der University of California in Santa Barbara wird sich der Plastikkonsum weltweit bis zum Jahr 2050 auf 749 Millionen Tonnen erhöhen.

    Ich will nicht die Moralapostelin spielen, aber an dieser Stelle ein paar Gedanken dazu kundtun. Es waren noch nicht die 50er Jahre, die mich zum Nachdenken brachten, es waren die 80er. Und die deshalb, weil da meine Kinder geboren wurden und ich durch sie mehr als vorher an ein Nachher dachte. Erst recht, als mich eine mir unbekannte ältere Frau auf einer Demo in Wackersdorf fragte, weshalb ich hier wäre. Als ich als Grund meine Kinder nannte, gab sie mir zur Antwort: „Sind es nicht alle Kinder wert, für sie und ihre Zukunft auf die Straße zu gehen?“ Dieser Satz hat mich sehr berührt und ich habe ihn nicht vergessen. Um so mehr, da ich heute auch meine Enkelkinder dazu zählen darf.

    Richtig, wir Verbraucher passen uns den Lebensumständen an, tun das aus Unachtsamkeit, Zeit- und Kostengründen, manchmal auch aus Faulheit. Wenn Lebensmittel fast ausschließlich in einer Plastikverpackung angeboten werden, nehmen wir die und die Mehrfachdose steht zu Hause ungenutzt herum bis sie eines Tages auch im Müll landet. Warum hat der Gesetzgeber da nicht längst eine Verpackungssteuer eingeführt. Die Kosten würden auf uns Verbraucher umgelegt und das Problem wäre sehr schnell gelöst, s. die Kosten einer Plastiktüte beim Einkauf. Mir fällt dazu „Das bessere Müllkonzept“ aus den 90ern ein, für welches auch ich mich mal sehr (erfolglos) engagiert habe. Unsere Kinder, die soweit sie noch jünger sind, staunend und wünschend Pelzmärtel, Nikolaus und das Christkind vor Augen haben und noch am ehesten in der Lage sind, Weihnachten nicht nur als eine riesengroße Geschäftemacherei anzusehen, sondern mit ihren Erziehern Theaterstücke einstudieren, singen und basteln – sie versinnbildlichen das eigentliche Weihnachtsfest, welches gerade nicht ausschließlich aus immer mehr Geschenken (und damit noch mehr Müll) bestehen soll. Es gibt ja Ansätze nicht nur dieses eine Umweltproblem besser in den Griff zu bekommen, aber es erstaunt schon, dass Entscheidungsträger auf der ganzen Welt sich derart schwer tun, gemeinsam Wege zu finden um unseren Planeten lebenswert zu erhalten. Bei mir gibt es natürlich auch Weihnachtsgeschenke. Diese werden allerdings, wie bereits seit vielen Jahren, in Zeitungspapier verpackt.

    Nach dem unerfreulichen, jedoch unvermeidlichen Müll nun ein Gericht für die vorweihnachtlichen Geschmacksnerven, bei dem – schon weil es sehr schmackhaft ist – wenig (an Abfall) übrig bleiben wird:

    Würziges Schmorkraut mit Bergkäse und Tofu-Petersilien-Topping (Reichlich Petersilie verwenden! Sie ist ein guter Kaliumlieferant) Leider bekam ich nur den Bergkäse lose, den Tofu musste ich in der Plastikverpackung kaufen.

    • 800 g Weißkohl
    • 2 rote Zwiebeln
    • 4 EL Butter
    • 2 EL Rohrzucker
    • 2 EL Tomatenmark
    • 2 EL weißer Balsamicoessig
    • 200 ml Gemüsebrühe
    • Salz u. Pfeffer aus der Mühle
    • zerstoßener Kümmelsamen
    • getrockneter Majoran
    • Cayennepfeffer
    • 200 g Creme fraiche
    • 100 g Bergkäse
    • 200 g Räuchertofu
    • 2 EL Olivenöl
    • 1 Bund glatte Petersilie
    • Bauernbrot

    Die äußeren Kohlblätter entfernen, den Kopf vierteln und den Strunk herausschneiden, in Streifen schneiden. Die Zwiebeln halbieren und ebenso in Streifen schneiden. Butter schmelzen, Zwiebeln zugeben und kurz andünsten, Kohl, Zucker und Tomatenmark dazu geben und unter Rühren anbräunen, mit Essig ablöschen und etwas einkochen lassen. Die Gemüsebrühe angießen, mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Majoran und Cayennepfeffer kräftig würzen und 10 – 15 Minuten bissfest garen. Nun noch die Creme fraiche untermischen, den in Würfel geschnittenen Käse im Kraut zerfließen lassen. In der Zwischenzeit das Öl in einer Pfanne erhitzen und den gewürfelten Tofu darin goldbraun anbraten. Petersilie hacken, zum Tofu geben und alles mit Salz und Pfeffer würzen. Kraut und Tofu zusammen anrichten und mit Brot servieren.

    Ein deftiges Gericht nach einem ausgiebigen Spaziergang in der frischen und, wenn wir Glück haben, sonnigen Winterluft. Ein Genuss bei einer Tasse Espresso oder Tee sind anschließend die ersten Weihnachtsplätzchen. Das Zuckerbett muss auch nicht so üppig ausfallen. Viele selbstgebackenen und -gekochten Speisen vertragen durchaus ein Drittel weniger Zucker als in den meisten Rezepten angegeben. Es ist einen Versuch wert und unsere Geschmacksnerven gewöhnen sich schnell an dieses „Light-Produkt“ unserer eigenen Küche. Schwindendes Hüftgold und weniger krankhafte Auswüchse unserer Völlerei danken es uns. Nicht nur wir Älteren profitieren von einem Weniger an Zucker – nein – es sind hauptsächlich unsere Kinder und Enkelkinder. Süßigkeiten und Fast Food sind oftmals Hauptbestandteil der Ernährung. Die Ampel-Kennzeichnung in der Lebensmittelindustrie halbherzig, unvollständig und wenig beachtet, gibt keine große Hilfestellung. Es wird zwar in vielen Einrichtungen, wie Schule, Kindergarten, Beratung in den unterschiedlichsten Medien ein hohes Maß an Aufklärung angeboten, inwieweit es die Zielgruppe erreicht? Die ansteigenden Zahlen von übergewichtigen Kindern und Erwachsenen mit lebenslangen Folgeschäden lassen zweifeln.

    Vanillekipferl

    • 280 g Mehl
    • 210 g Butter
    • 100 g geschälte Mandeln, fein gemahlen
    • 70 g feiner Kristallzucker
    • 10 EL Puder- oder Kristallzucker
    • 3 Päckchen Vanillinzucker

    Mehl sieben und auf ein Backbrett geben, Butter einhacken und mit den Fingern abbröckeln, gemahlene Mandeln und Zucker untermischen und rasch zu einem Teig kneten, 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Aus dem Teig eine Rolle formen, Scheiben abschneiden, rollen und zu kleinen Kipferln (Hörnchen) biegen. Kipferl auf ein Backblech legen und im vorgeheizten Ofen bei 175 Grad etwa 15 Minuten backen. Die Menge ergibt 2 Bleche und ich backe sie ca. 20 Min. bei 155 Grad Heißluft. Aufpassen, sie sollen nicht dunkel werden. Zucker und Vanillinzucker vermischen und die noch warmen Hörnchen damit bestreuen und bedecken, im Zuckerbett auskühlen lassen.

    Zum Abschluss: Lassen Sie sich von zuviel Müll und zuviel Zucker nicht von der Vorfreude auf Weihnachten abhalten. Etwas Innehalten während der festlichen Tage reicht ja schon aus und vielleicht überdenken wir dabei unseren Konsum ja mal im Allgemeinen und fassen dabei einige gute Vorsätze fürs neue Jahr.

    Frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr

    Merry Christmas and a happy New Year

    Feliz Navidad y prospero ano nuevo

    Warum Israel? Und warum Containerschiff?

    Ersteres ist ganz einfach zu beantworten.

    Berufliche Gründe haben einen meiner Söhne nach Israel ziehen lassen und ich bin einfach neugierig, wie er dort lebt.

    Zum zweiten muss ich etwas ausholen.

    Containerschiff deshalb, weil ich mich im Vorfeld sehr mit der Geschichte Israels befasst und alles, was mir in die Finger kam, gelesen habe. Ich bin 1950 geboren und gehöre einer Generation an, der in der Schule die Geschichte des eigenen Landes nur bis zum Ende des 1. Weltkrieges vermittelt wurde. Der Nationalsozialismus wurde nicht erwähnt, geschweige denn der Holocaust. Unsere Lehrer und Eltern konnten oder wollten diese Lücke nicht füllen und so war es jedem selbst überlassen, sich Wissen darüber anzueignen oder sich mit der Entschuldigung zu begnügen, als nach dem Krieg Geborene könne man da eh nichts mehr ändern.

    Sich damit nicht auseinander zu setzen, halte ich für einen großen Fehler. Ich bedaure das sehr und will diese Lücke mit eigenen Erfahrungen füllen.

    Mich auf die biblische Geschichte zu begrenzen, wie sie uns im Religionsunterricht nahegebracht wurde, ist mir nicht genug. Ich will wissen, wie es die Menschen in Israel geschafft haben, ihren eigenen Staat zu etablieren.

    Ein Bericht über jüdische Waisenkinder (Leon Uris: Exodus – Das große Epos um die Gründung Israels), deren Eltern in den Vernichtungslagern umgekommen sind und die das Glück hatten zu überleben, geht mir sehr nahe. Ihre Route auf dem Flüchtlingsschiff will ich zumindest teilweise nachvollziehen, wenn ich das erste Mal Israel besuche. Meine mir gut bekannte Seeuntüchtigkeit soll dabei kein Hindernis darstellen, im Gegenteil. Sie ist im Vergleich zu den Gefahren und den Bedingungen auf einem alten, maroden Schiff, welches noch dazu total überladen war im Jahr 1945, nicht der Rede wert.

    Nein – eine Buße kann diese Überfahrt nicht sein, auch keine Wiedergutmachung. Trotzdem will ich nicht den einfachen Weg von Nürnberg nach Tel Aviv mit dem Flugzeug wählen. Ich will auf der 7-Tage-Seefahrt Zeit haben, um mehr über das Schicksal dieses Landes und seiner Menschen zu lesen, nachzudenken und mich damit langsam meinem Ziel nähern.