Nach dem gestrigen Ausflug verbringe ich diesen Tag alleine in Nagoya. Meine Gastgeberin arbeitet heute, hat mir jedoch für jedes zu erwartende Problem ein Zettelchen geschrieben. In der Annahme, nichts und niemand kann mein Unternehmen beeinträchtigen, versuche ich mich auf den Weg zu machen. Doch halt, so einfach ist das nicht: die Haustüre ist verschlossen – ich komme auf normalem Weg nicht aus dem Haus. Offensichtlich hat Yasuko in alter Gewohnheit von außen abgesperrt. Nach einigem Herumprobieren, gebe ich auf und nehme den etwas abenteuerlichen Weg über die Terrasse. Dieser klappt und in einem der beschriebenen Cafés kann ich nach dieser morgendlichen Herausforderung erleichtert frühstücken. Meine fürsorgliche Gastgeberin hat mir ein Gutscheinheft überlassen, mit welchem ich als Seniorin besonders preisgünstig Kaffee mit Toast und Ei den Tag beginnen kann. Etliche Cafés beteiligen sich an diesem Programm und tatsächlich, hauptsächlich ältere Menschen, einzeln oder in Gruppen, treffe ich an. Ziel dieser vom Gesundheitsministerium (Abteilung für Alten- und Pflegepolitik) initiierten Aktion ist, der Vereinsamung älterer Menschen entgegen zu wirken. Den Tag außerhalb der eigenen 4 Wände mit etwas Small Talk zu beginnen hilft vielen Älteren, ein vorhandenes körperliches Defizit oder ganz einfach die Einsamkeit vergessen zu lassen. Oft ergeben sich dabei tiefere Gespräche und eventuell neue Verabredungen u. a. zum Frühstück am nächsten Morgen. Meine Sprachkenntnisse gehen über ein Bitte, Danke, Guten Tag und Auf Wiedersehen leider nicht hinaus. Mein Lächeln dabei wird aber jedes Mal erwidert und ich trete beschwingt einen Erkundungsspaziergang durch die Vorstadtstraßen mit ihren in voller Blüte stehenden Kirschbäumen an.

Ich habe alle Zeit der Welt und lasse mich treiben. Häuser mit gepflegten Gärten und Autos davor, Fußwege, Sportanlagen, Convinience Stores – für mich neu, interessant und sehenswert. Alles was ich nicht außer Acht lassen darf, ist, mir ein paar Punkte zwecks Orientierung einzuprägen. Die Sportanlage ist dafür optimal geeignet und ich kann eine kleine Rast einlegen. Es ist viel, was in den ersten Tagen in Japan auf mich einstürmt und ich widme mich meinen Notizen. Ich fühle mich sicher und kann mir nach dieser Rast sogar noch einen Umweg zutrauen. Mutig grüße ich eine ältere Dame, die leise eine Melodie vor sich hinsummt. Sie erwidert meinen Gruß und beginnt sofort mir freundlich Fragen zu stellen. Eine längere Konversation erscheint schwierig zu werden und ich versuche ihre Melodie nachzuahmen. Sofort haben wir ein gemeinsames Lied “Freude schöner Götterfunke ……” und großen Spaß dabei, sie singt es in Japanisch, ich in Deutsch. Sie strahlt sehr viel Lebensfreude aus, von der ich mich gerne anstecken lasse.

”Gesichtsfalten sind die Pfade, auf denen das Lächeln spazieren ging.” Dieses Zitat unbekannter Herkunft fällt mir bei den in die Jahre gekommenen Gesichtern ein.
Auf dem Rückweg beschließe ich meine Gastgeberin mit einem landestypischen Gericht zu überraschen. Der Einkauf ist schnell erledigt und ich fange zu Hause angekommen an zu schnipseln:
Yasai Itame (nach Bedarf mit Schweine- oder Geflügelfleisch)
- 400 g Hähnchenbrust o. Schweinelende (alternativ mehr Gemüse)
- 300 g Bohnen
- 1 Möhre
- 1 Zwiebel
- 1/4 Chinakohl
- 2 cm Ingwer
- 2-3 EL Sesamöl
- 2 Frühlingszwiebel
- 2 Knoblauchzehen
- Salz, Pfeffer, Sojasauce zum Einlegen u. Abschmecken, Sesam zum Garnieren
- Je Person 1 Tasse Reis
Fleisch in feine Streifen schneiden und zusammen mit dem zerdrückten Knoblauch und der Sojasauce marinieren (am besten 1-2 Stunden vor der weiteren Zubereitung). Bohnen, Möhren, Zwiebel waschen und in mundgerechte Stücke, den Kohl in Streifen und den Ingwer klein schneiden. Nach diesen Schritten, wenn gewünscht, den Reis kochen. Nun die Wok-Pfanne erhitzen, das Öl heiß werden lassen und danach Fleisch und Gemüse zugeben. Ergänzend können auch beliebige Gemüse sowie Sojasprossen oder Mungbohnenkeimlinge mit gegart werden. So lange in der Pfanne schwenken/rühren bis das Gemüse bissfest ist, mit Pfeffer, Salz, Sojasauce, Chilipulver u. evtl. Koriander, Kurkuma nach Geschmack würzen, zusammen mit dem Reis servieren, guten Appetit!

Als süßen Abschluss gibt es einen Matcha Käsekuchen

- 200 g Frischkäse
- 200 ml Sahne
- 200 g Naturjoghurt
- 85 Zucker
- 10 g Matcha Pulver
- 1 EL Zitronensaft
- 8 g Gelatine
- 4 EL/60 ml Wasser
Für den Boden
- 100 g Butterkekse
- 60 g ungesalzene Butter
- 1 EL Zitronensaft
Die Kekse in einen Gefrierbeutel füllen, verschließen und mit einem Nudelholz vollständig zerkrümeln, die zerlassene Butter mit dem Zitronensaft vermischen und in die Krümeltüte schütten. Die Masse durchkneten bis alles gut verteilt ist und in eine Backform (18cm Durchmesser) geben, eine Klarsichtfolie darüber und gleichmäßig auf dem Boden verteilen und für ca. 20 Minuten in den Kühlschrank stellen. In der Zwischenzeit den Frischkäse in einer hitzebeständigen Schüssel im heißen Wasserbad schmelzen, Zucker dazu und mit dem Schneebesen verrühren. Die Schüssel vom Herd nehmen, Jogurt und Sahne ebenfalls darunter rühren, Zitronensaft dazu geben, vermischen und das Matchapulver darüber sieben. Jetzt die nach Anleitung aufgelöste Gelatine unterrühren und die Masse auf den Keksboden schütten ohne die Form zu drehen, mit Klarsichtfolie abdecken und für mehrere Stunden (am besten über Nacht) in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren Matchapulver darüber streuen und ggf. mit Obst servieren. Itadakimasu (guten Appetit)!
…. bei einer Schale Matchatee kann ich ausführlich von meinem erlebnisreichen Tag berichten. Yasuko erzählt von ihrem und dem zusätzlichen freien Tag morgen. Sie schlägt einen gemeinsamen Besuch in Handa (nächster Beitrag) und dem Mizkan Museum vor, bevor sie mich übermorgen nach Kyoto verabschiedet und allein weiterziehen lässt.
Ein kleiner Nachruf: Die außergewöhnliche Künstlerin aus dem letzten Beitrag “Matsumoto ….” Yayoi Kusama ist vor einigen Tagen mit 97 Jahren in Tokyo verstorben.
Hinterlasse einen Kommentar