Zur Zeit der Kirschblüte = Sakura, oder im Herbst, wenn sich die Blätter der Bäume in ihren herrlichsten Farben zeigen? Welche Zeit Yasuko mir denn empfehlen würde, wollte ich von meiner Freundin bereits 2021 wissen. Wir lernten uns 15 Jahre vorher auf einer Reise kennen und hatten sofort gespürt, wir mögen einander. Die Rücksichtnahme und Liebenswürdigkeit dreier japanischer Mädels während einer gemeinsamen Notunterkunft in einem kleinen Ort, in dem es keine andere Übernachtungsmöglichkeit mehr gab, haben mich überwältigt. Der kleine Zettel von Yasuko mit guten Wünschen für meine Weiterreise, den ich am Morgen auf meinem Tischchen fand, war der Beginn unserer Freundschaft. Es folgte ein jahrelanger Austausch von kleinen Geschenken, Briefen und Mails. Immer wieder wurden auch gegenseitige Einladungen ausgesprochen. 15 Jahre sind genug, dachte ich mir bereits 2021 und habe einen Flug nach Nagoya gebucht, mir Sehenswürdigkeiten und Orte ausgesucht, die ich gerne besuchen wollte, Möglichkeiten der Fortbewegung überlegt und welche Zeit wohl am besten geeignet wäre. Die Pandemie machte meine Träume damals zunichte, Japan hat die Grenzen sehr früh dicht gemacht und beide, Yasuko und ich bedauerten es sehr und mussten den Traum vorerst weiter träumen.

Jetzt, die Pandemie ist vorbei, das Reisen wieder möglich und meine alten Träume können erneut Gestalt annehmen. Die Erinnerung an das Jefferson Tidal Basin machen mir die Entscheidung leicht. Die vielen dort gepflanzten Kirschbäume (ein Geschenk des Bürgermeisters von Tokyo 1912 an die Stadt Washington D.C.) durfte ich während einer früheren Reise bewundern und ….. diese Pracht während der Cherry Blossom in Japan in noch viel größerem Ausmaß sehen zu können, hat mir die Entscheidung leicht gemacht: ich besuche “Das Land der aufgehenden Sonne” – Nippon, während der Kirschblüte. Am Flughafen von Nagoya werde ich sehr herzlich von Yasuko und ihrer agilen 90jährigen Mutter empfangen. Sie hat es sich nicht nehmen lassen, die Freundin der Tochter in ihrem Land willkommen zu heißen. In früheren Zeiten war sie mit ihrem Ehemann in vielen Ländern, u. a. auch Deutschland unterwegs und wahrscheinlich deswegen immer noch ein aufgeschlossener, neugieriger Mensch. Ich verstehe mich mit der liebenswürdigen älteren Dame sofort blendend.
Nach der Ankunft in Yasukos Stadtviertel und einem erholsamen Schlaf ein erstes Rezept, Ramen – die typisch japanische Nudelsuppe und ein erstes kulturelles Highlight: das Tokugawa Kunstmuseum (auf dem Gelände der im Krieg zerstörten Tokugawa-Familienresidenz). Ich kann diese schmackhafte Suppe, die ursprünglich aus China kommt, hier probieren. Vorher jedoch ein erster Rundgang mit verschiedenen interessanten Ausstellungsstücken von Land und Leuten. In einem ruhigen und gepflegten Lokal im Tokugawa-en (Garten) kann ich die ersten Eindrücke des Tages verarbeiten. Nach der Bestellung gibt es noch vor dem Essen Wasser mit warmen Tüchern um sich frisch zu machen – eine sehr angenehme Begrüßung! Hier das Rezept zum Ausprobieren, etwas aufwendig, aber es lohnt sich.
- 1 große Hühnerkeule (o. -schenkel)
- 1,5 l Wasser
- 1 TL Salz
- 1 Karotte
- 1/4 Sellerieknolle
- 1 große Zwiebel
- einige schwarze Pfefferkörner
Für die Brühe zuerst die Hühnerkeule mit dem Wasser und Salz kurz aufkochen und anschl. 30 Minuten leise köcheln lassen. Karotte und Sellerie in kleinen Würfeln, Zwiebel in Achtel geschnitten zur Suppe geben und weitere 30 Minuten köcheln. Während die Suppe köchelt, die Suppeneinlage vorbereiten:
- 2 Hähnchenbrüste
- 2 EL Sesamöl
- 4 EL Sojasauce
- 2 EL Reisessig
- 2 Eier
- 200 g Ramen-Nudeln
- 1-2 EL geröstetes Sesamöl
- 1-2 Karotten
- 1 Bund Frühlingszwiebeln
- 4 Shiitakepilze (o. wahlweise braune Champignons)
- 1 Stück Ingwer
- einige Chiliflocken
- frischen Koriander

Die Hähnchenbrüste in heißem Sesamöl pro Seite 3 Minuten anbraten, mit Sojasauce und Reisessig ablöschen, vom Herd nehmen u. 5 Minuten ziehen lassen, anschl. in dünne Scheiben schneiden. Die Eier ca. 6 Minuten kochen, abkühlen lassen, schälen und halbieren. Ramen-Nudeln nach Anleitung kochen, abgießen, abschrecken und mit dem Sesamöl marinieren. Karotten schälen u. in dünne Scheiben schneiden, Frühlingszwiebeln waschen, putzen und in dünne Ringe, die Pilze in Scheiben schneiden. Gemüse und Pilze in der Suppe noch ca. 2 Minuten mitköcheln, die Nudeln dazu, ebenso den fein gehackten Ingwer. Mit Sojasauce und Chiliflocken abschmecken, das geschnittene Hähnchenfleisch und ebenso die Eierhälften in die Suppe geben. Mit frischem Koriander servieren.

Wie ich während unserer nachmittäglichen privaten Teezeremonie erfahre, waren die Tokugawa eine alte Shogun-Dynastie. Der Kaiser war zwar offiziell das Staatsoberhaupt, der Shogun jedoch der militärische Machthaber, oft sogar mächtiger als der Kaiser. Die Daimyo kamen in der Hierarchie dahinter. So auch die Samurai, die dafür sorgten, dass die Befehle des Shoguns umgesetzt wurden. Mit der Öffnung Japans und der Meiji-Restauration im 19. Jahrhundert wurde dieses System abgeschafft. Der Begriff bezeichnet die Erneuerung der Macht des Tenno (Himmlischer Herrscher) und die Abschaffung des Shogunats. Ein neues politisches System wurde innerhalb kürzester Zeit aus eigener Kraft aufgebaut.

Nach diesem Ausflug u.a. in die japanische Geschichte verabschiede ich mich für heute und wünsche allen frohe Osterfeiertage bei frühlingshaften Temperaturen und mit vielen blühenden Kirschbäumen. Diese gibt es auch bei uns in Old Germany, in USA und anderswo, jedoch nicht so reichlich wie im Land der aufgehenden Sonne.
Im nächsten Beitrag geht es nach Matsumoto, einer Stadt am Fuße der japanischen Alpen.

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