12. Von Hobart nach Strahan

Der heutige Tag beginnt noch etwas chaotisch. Ich wundere mich, dass mein Handy-Wecker nicht klingelt, denke mir aber weiter nichts dabei. Ich bin ja wach und trabe daher kurz nach 5.00 Uhr zum Treffpunkt, der St. Davids Cathedral. 10 Minuten nach dem vermeintlich vereinbarten Zeitpunkt stelle ich fest, dass ich mich um eine Stunde vertan habe – ich werde nicht um 5.25 Uhr, sondern erst um 6.25 Uhr abgeholt. Zum Glück hat gegenüber ein kleiner Laden geöffnet, wo ich bei einem frischen Kaffee ein paar Karten schreiben (!?) kann. Der Bus kommt 5 Minuten vorher und ich bin nach den überstandenen Herausforderungen der letzten Tage happy. Der Umstand nur mit 3 weiteren Teilnehmern diese Tour machen zu können, steigert meine Vorfreude. Die Pechsträhne war allerdings noch nicht ganz vorbei: Der Bus hat nach ca. 1 km einen Platten. Aber dank des umsichtigen Guides, der gleichzeitig Fahrer ist, ist das Auto schnell gewechselt und los kann es gehen. Von Triton, dem Guide, erfahren wir auf den ersten Kilometern, dass er sein Philosophiestudium abgebrochen hat und mittlerweile in seinem Job als Reiseführer mit der Ehefrau als Chefin voll aufgeht. Daneben sind seine 2 kleinen Kinder sein ganzer Stolz. Ohne Punkt und Komma erzählt er viel persönliches, ebenso dass er eine Aborigines-Sprache beherrscht und sich sehr gut mit der Historie Tasmanien auskennt. We will see!

Es ist eine illustre Truppe: die Farne haben es der Biologin aus Österreich angetan. Ihr Forschungsprojekt ist die Vielzahl dieser Pflanzengattung und sie erzählt uns auf der ersten Wanderung zu den Horseshoe und den Russel Falls (Foto oben) viele interessante Details. Es gibt z. B. 12.000 Arten dieser vielseitigen Pflanzengruppe weltweit. Wir können gleich am ersten Tag die in Tasmanien reichlich vorhandenen Baumfarne mit einer Höhe von bis zu 6 m bewundern. Ihr Begleiter dagegen ist ein schweigsamer (wen wunderts), nach Österreich emigrierter Russe, der dort als Computerfachmann arbeitet. Bei der dritten im Bunde handelt es sich um Yeju, einer jungen Studentin aus Südkorea. Sie würde künftig gern in Australien arbeiten, wie sie uns in einem etwas holprigen Englisch beim Lunch mitteilt. Dieser besteht aus gut gefüllten Wraps, die uns Triton auf einem Rastplatz im Cradle Mountain-Lake St. Clair National Park (wir kommen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal hierher) serviert. Die Kommunikation klappt dabei schon recht gut, u. a. auch weil Triton durch seine Erzählungen den Hauptteil der Unterhaltung bestreitet.

Bevor wir Strahan erreichen, ist eine weitere mehrstündige Wanderung geplant, und zwar in den Franklin-Gordon Wild Rivers National Park. Der Blick auf den Franklin River und den 1443m hohen Frenchman Cap ist grandios. Leider habe ich meine Kamera im Bus vergessen. Die Aussicht ist so beeindruckend, dass zumindest ich sie auch ohne Foto nicht so schnell vergessen werde – können wir doch die vorhandene Naturschönheit in ihrer ganzen Pracht bewundern. Noch voll vom Schauen und Staunen kommen wir abends in Strahan an, wo uns Triton in einem großzügigen und netten Haus ein leckeres Fischgericht zubereitet und serviert.

Kapernfisch mit Gemüse

  • 1 große Fenchelknolle
  • 3 mittelgroße Kartoffeln
  • 2 Möhren
  • 1 Lauch- und
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Tasse Gemüsebrühe
  • 100 g Fischfilet (z.B. Rotbarsch-, Seelachsfilet, Kabeljau)
  • Cayennpfeffer
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • glatte Petersilie
  • Zitronenschale
  • 2 TL Kapern
  • 3 TL Öl

Gewaschenes Gemüse in Stifte oder Spalten schneiden, mit der Brühe in einen Topf geben, mit Cayennpfeffer würzen und fünf Minuten kochen. Inzwischen das Fischfilet salzen, mit der geriebenen Zitronenschale und den Kapern bestreuen, auf das Gemüse legen und zugedeckt weitere fünf Minuten auf mittlerer Stufe garen. Gemüse und Fisch auf einen vorgewärmten Teller legen und abdecken. Den Sud bei starker Hitze etwas einkochen, Öl zufügen und auf den Fisch träufeln, mit der gehackten Petersilie bestreuen und servieren.

Während des Dinners und der angeregten Unterhaltung über die ersten Eindrücke gibt es den von mir noch in Hobart erstandenen Geburtstagssekt. Das kulinarische Highlight passt jedoch nicht ganz zum nachfolgenden Film über die recht brutalen Methoden der entflohenen Sträflinge auf der Insel, die ihren Hunger mit Menschenfleisch gestillt haben. Die Historie, die ja auch zu der Insel gehört, will nicht recht zu den heute aufgenommenen Bildern in meinem Kopf passen. Zum Glück bin ich rechtschaffen müde und schlafe ohne Horrorträume ausgesprochen gut, vor meinem inneren Auge die nachfolgende Süßspeise:

Kartäuser Klöße

  • 6 Semmeln
  • 2 Eier
  • 1 EL Zucker
  • 1/2 l Milch
  • abgeriebene Zitronenschale
  • Semmelbrösel
  • Fett zum Ausbacken
  • Zucker und Zimt zum Bestreuen

Semmeln vom Vortag mit einer Reibe abreiben, halbieren oder vierteln. Eier mit Milch, Zucker und abgeriebener Zitronenschale verquirlen. Die Semmeln in der Eiermilch einweichen, öfter wenden und durchziehen lassen. Danach etwas ausdrücken, zu länglichen Klößen formen, in den Semmelbröseln wenden und in reichlich Fett auf allen Seiten goldgelb backen. Auf einer vorgewärmten Platte anrichten, mit Zimt und Zucker bestreuen. Dazu gibt es Weinschaumcreme, Vanillesoße oder Kompott.

Im nächsten Beitrag geht es um Huon Pine, Eukalyptus und die Henty Sand Dunes

6 Antworten zu „12. Von Hobart nach Strahan“

  1. Anonymous

    kompliment zu deinem Unternehmensgeist und Mut, unbekanntes Land und fremde Leute kennenzulernen.

    2 super Rezepte, die ich gerne in mein Kochbuch aufnehme .

    kristine

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    1. Hallo Kristine, aus Japan liebe Grüße. Es ist gar nicht immer leicht, in ein anderes Land einzutauchen. Bin gerade mal wieder drüber!

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  2. Anonymous

    Hey, das ist ja eine illustre Reisegesellschaft – die alte Erfahrung, daß man auf Reisen immer wieder auf sehr interessante Menschen stößt, die unser Weltbild erweitern. Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung, was für eine abenteuerliche Abfolge von Ereignissen!

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    1. Danke für den Kommentar. Es ist immer interessant, sich auf andere Menschen einzulassen.

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  3. Anonymous

    Namen vergessen: Anita 🙂

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    1. Was heißt das, Namen vergessen?

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