11. Hobart, die Hauptstadt

Die Hauptstadt Tasmaniens ist nicht allzu groß, mit ca. 250 000 Einwohnern überschaubar und der im vorhergehenden Bericht erwähnte Spaziergang verschafft mir schnell einen Überblick dieser wunderschönen Hafenstadt. Sie hat etliche Attraktionen zu bieten, von denen ich mir erst nach meinem Great Walk einige ansehen will. Vorher allerdings gibt es an diesem besonderen Tag (es ist ein Sonntag) noch einige Überraschungen – ja, das vermeintliche Paradies ist oft woanders.

Die erneuten Herausforderungen beginnen vor den kulinarischen Genüssen. Diese muss ich mir an diesem besonderen Tag redlich verdienen.

Vom Flughafen aus fahre ich mit dem Bus in das von mir gebuchte Backbackers Hotel. Nachdem ich lediglich eine Nacht dort verbringe, will ich mein Reisebuget nicht allzu strapazieren und suche die preisgünstigste Unterkunft aus. Es handelt sich um ein sehr spartanisches Zimmer welches sich im 4. Stockwerk ohne Aufzug befindet. Der Koffer (er umfasst etliche Kilo, da ich erst am Anfang meiner Reise bin), muss also irgendwie nach oben. Es ist niemand in der Nähe, dem ich diese Aufgabe übertragen kann – also selbst ist die Frau. Mühsam komme ich oben an, wo mich zwei junge kräftige Männer begrüßen, die gerade mit dem Mädchen an der Rezeption schäkern. Selber schuld, denke ich mir, warum bist du nicht zuerst nachsehen gegangen? Nun im Zimmer angekommen, welches aus Bett, Stuhl, Haken in der Wand und baumelnder Glühbirne an der Decke besteht, gehen meine Gedanken in Richtung “wie kann ich diesem Elend schnellstmöglich entkommen?” Gedacht, getan: ich mache mich diesmal nur mit kleinem Rucksack auf den Weg um die Stadt zu erkunden und – wie im letzten Beitrag erwähnt – ein adäquates Restaurant, welches mich mit den bisherigen Katastrophen etwas versöhnt, ausfindig zu machen und den knurrenden Magen besänftigt.

Der Nieselregen setzt sich fort und ebenso meine Pechsträhne in dem danach aufgesuchten Café: Tee und der Geburtstagskuchen wollen mit einer tollen Aussicht auf den Hafen genossen werden als die Bedienung erscheint und mir verkündet: “Sorry, but we close in 10 minutes”. Mit meiner gemütlichen Teestunde wird es nun wohl nichts. In dieser Stadt wird es noch mehr Cafés geben, denke ich, wechsle das Lokal und träume diesmal von einem FlatWhite. Ich finde einen Buchladen mit kleinem Gastraum, klemme mir ein paar Bücher unter den Arm um es mir in einer ruhigen Ecke gemütlich zu machen. Als ich meine Bestellung aufgeben will, höre ich einen vertrauten Satz: “Sorry, we close in few minutes”. Was soll das denn, wir haben Sonntagnachmittag. In diesem Teil der Welt ist das offensichtlich kein Tag zum Ausgehen und Kaffeetrinken.

Da sich der Akku des Mobiles bereits im Hotel verabschiedet hat, will ich nun wenigstens meine Geburtstagsmails in einem Internetcafe lesen – wieder Fehlanzeige! Nachdem ich die Liste meiner Mails sehe, wird mir verkündet, sie wollen gerade schließen. Nun verliere ich meine bis jetzt aufrecht erhaltene Fassung und Tränen kullern zusammen mit den Regentropfen draußen auf der Straße die Backen hinunter in Down Under.

Zurück in der Unterkunft – was bleibt mir schon anderes übrig – treffe ich eine Gruppe Australier und kann an diesem für mich denkwürdigen Tag mit einem Guiness anstoßen. Nach einer wirklich netten Unterhaltung und einem zweiten Bierchen beschließe ich, ab morgen wird alles besser.

Früh morgens am nächsten Tag soll der 5tägige Walk beginnen. Abgesehen davon, dass ich 1 Stunde zu früh am Treffpunkt bin und der Kleinbus nach den ersten Kilometern schlapp macht (wir bekommen nach kurzer Wartezeit einen neuen), naht das Ende der Pechsträhne. Hurra, der Great Walk mit 4 sehr netten Leuten aus Japan, Südkorea, Österreich, Russland und einem sympathischen Guide kann beginnen – ohne weitere Unglücksfälle, dafür mit viel Spaß, körperlicher Anstrengung und einer Unmenge an Information über die Insel und ihre Bewohner. Mehr erzähle ich darüber im nächsten Beitrag. Vorher noch eine

Stärkung nach all den Katastrophen:

Schmorkraut mit Bergkäse und Tofu-Petersilien-Topping

  1. 800 g Weißkohl
  2. 2 rote Zwiebeln
  3. 4 EL Butter
  4. 2 EL Rohrzucker
  5. 2 EL Tomatenmark
  6. 2 EL weißer Balsamicoessig
  7. 200 ml Gemüsebrühe
  8. Salz, Pfeffer
  9. Kümmel im Mörser zerstoßen
  10. getrockneter Majoran
  11. Cayennpfeffer nach Geschmack
  12. 200 g Creme fraiche
  13. 100 g Bergkäse
  14. 200 g Räuchertofu
  15. 2 EL Olivenöl
  16. 1 Bund Petersilie
  17. dazu Bauernbrot

Die äußeren Blätter des Krautskopfes entfernen, vierteln, Strunk herausschneiden und den Kohl in Streifen schneiden, Zwiebeln halbieren und auch in Streifen schneiden. Die Butter in einer großen Pfanne/Topf schmelzen, Zwiebeln zugeben und kurz andünsten. Kohl, Zucker, Tomatenmark dazu geben und unter ständigem Rühren leicht karamellisieren lassen. Mit dem Essig ablöschen und etwas einkochen lassen, die Brühe angießen und mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Majoran und Cayennepfeffer kräftig würzen und den Kohl 10 bis 15 Minuten bissfest garen. Nun die Creme fraiche untermischen, ebenso den in Würfel geschnittenen Käse im Kraut zerfließen lassen. Den in kleine Würfel geschnittenen Tofu in heißem Öl in einer Pfanne kräftig goldbraun anbraten, mit der gehackten Petersilie mischen und mit Salz und Pfeffer würzen, mit dem Kraut anrichten und mit Brot servieren.

Zum Dessert habe ich ein leckeres Birnen Crumble (pear crumble) gezaubert:

  • 600 g Birnen
  • 60 g Walnüsse
  • 150 g Mehl
  • 50 g brauner Zucker
  • 1 Vanillezucker
  • 90 g Butter
  • 1 Prise Salz

Birnen schälen, ohne das Kernhaus in kleine Stücke schneiden und in einer gebutterten runden oder eckigen Form (30 x 20 cm) verteilen. Die Hälfte der gehackten Walnüsse auf die Birnen geben. Aus den übrigen Zutaten einen Streuselteig bereiten (entweder mit den Händen oder dem Rührgerät auf niedriger Stufe) und auf den Birnen verteilen, die restlichen Nüsse darüber und auf der mittleren Schiene bei 200 Grad ca. 30 Minuten backen (mit Alufolie die letzten Minuten abdecken um es nicht zu braun werden zu lassen).

5 Antworten zu „11. Hobart, die Hauptstadt“

  1. Anonymous
    • wow, das war ja wirklich ein harter Beginn Deiner Reise … aber: Ende gut, alles gut … wie im Kino: Das Happy End ist wichtig! Dann vergessen wir leicht die vorherige Mühsal.

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    1. Richtig, man kennt das ja: nach dem Happy-End bleiben meist die Probleme am besten im Gedächtnis! Dank dir für die Rückmeldung und schönes Wochenende

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  2. Anonymous

    Schöner und sehr unterhaltsamer Bericht! Ich stelle mir gerade vor, wie langweilig deine Reise geworden wäre, wenn alles glatt gelaufen wäre. Bin trotzdem gespannt auf die Fortsetzung mit Spaß. Jetzt erst mal das Birnen-Crumble.

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    1. Anonymous

      bin richtig gespannt auf deine weiteren Abenteuer in Tasmanien und vielleicht Begegnung mit den tasmanischen Teufeln. Kristine

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    2. Danke für deine Rückmeldung und lass dir das Birnen-Crumble schmecken – ein schneller und leckerer Nachtisch.

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