
Während meiner ersten Reise auf den australischen Kontinent ist es dieser kleinste Bundesstaat, der mich aufgrund von Erzählungen meines Bruders interessiert und den ich mir unbedingt ansehen will. Die wunderbare Lektüre “Das Paradies liegt immer woanders, Eine Reise durch das unbekannte Tasmanien” von Barbara Veit ist ein weiterer Auslöser und ich beschließe, dieses herzförmige Inselchen in meinen Reiseplan einzubeziehen.
Es ist ein wahrhaft turbulenter Start, der mich an meinem Geburtstag von Sydney nach Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens, bringen soll. Für mich ein besonderer Tag und ich will das neue Lebensjahr in diesem Teil der Welt mit der angeblich saubersten Luft beginnen. Neugierig gemacht von den Reiseberichten will ich mich selber überzeugen. Ist die Natur wirklich so atemberaubend, die Luft staubfrei und das Wasser in den Seen und Flüssen so kristallklar? Ähnelt die Landschaft tatsächlich der in Great Britain?
Der Flug von Sydney nach Hobart ist schnell gebucht. Schließlich ist es ein “Katzensprung” und ich bin in ca. 2 Stunden dort. Die Maschine geht morgens um 5.00 Uhr und das bedeutet eine kurze Nacht. Die Rezeption ist verständigt, das Hotel bezahlt und das Taxi zum Flughafen bestellt. Es sollte eigentlich alles glatt gehen. Weit gefehlt! Als ich mit meinem Gepäck das Zimmer verlassen will, finde ich keinen offenen Ausgang – alles abgesperrt und ich ohne Schlüssel. Die Rezeption ist nicht besetzt und auch auf mein Klingeln wird nicht reagiert. Wie soll ich da ohne lautstark zu randalieren rechtzeitig rauskommen? Ich begebe mich im ganzen Haus auf die Suche nach einer nicht verschlossenen Tür. Im Keller schließlich werde ich fündig und stehe durchgeschwitzt etwas verspätet auf der Straße. Mein für das Abenteuer Tasmanien zurecht gemachtes Outfit hat etwas gelitten, aber was soll’s, ich war draußen und vielleicht wartet ja das bestellte Taxi noch. Wieder Fehlanzeige! Zum Glück ist Sydney keine reine Schlafstadt und ich nicht in einem allzu ruhigen Vorort untergebracht. Es sind um diese Zeit, mittlerweile 2.30 Uhr, zwar sehr wenige Autos unterwegs, aber eines wundersamer Weise sogar ein Taxi. Der Chauffeur, froh noch eine Tour fahren zu können, ist gerne bereit mich zum Flughafen zu bringen. Die Unterhaltung zu dieser nachtschlafenden Zeit löst meine Panik in Wohlgefallen auf und ich gebe lediglich “Airport” als Ziel an – eine unvollständige Ansage, wie sich herausstellt. Als ich beim Bezahlen und Aussteigen erwähne, dass ich nach Hobart fliege, meint der Fahrer, da wären wir allerdings am falschen Ort, nämlich dem regionalen Bankstown Airport. Enttäuscht und wütend, bekomme ich auf meine Reaktion von ihm den Mut machenden Satz zu hören: “Life is too short to worry” und er fährt mich in weiteren 20 Minuten zum “International”, wo ich endlich einchecken kann. Die in meiner Phantasie äußerst wohlschmeckende erste Tasse Kaffee am Flughafen fällt der Verspätung zum Opfer und ich muss noch, da mein Koffer zu viel an Gewicht auf die Waage bringt, einiges ins Handgepäck umschichten. Ist mir bis dato noch nicht passiert, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Die Maschine ist nicht allzu groß und die Abfertigung ist schnell durchgeführt. Auf den Kaffee allerdings muss ich auch im Flugzeug verzichten – es gibt nur Wasser und trockene Kekse. Die Aufregung der vergangenen Stunden hat sich offensichtlich auf die Ohren gelegt – sie fallen mir beide zu (vielleicht war es auch der Luftdruck) und ich höre nur noch wie durch dicke Lagen Watte hindurch, d. h. ganz ganz schlecht. Wird ja wieder besser, wenn ich auf dem Boden meiner Trauminsel stehe, denke ich. Dem ist nicht so – mein Gehör meldet sich sehr langsam erst im Lauf des Tages zurück.
Die bisherigen unangenehmen Zwischenfälle können meinen Optimismus aber keineswegs mindern. Es existiert ein kulinarischer Höhepunkt in meiner Vorstellung: ein phänomenales Fischgericht, welches ich im Hafen von Hobart in einem netten Restaurant bestellen und mir mit einem guten Glas Wein schmecken lassen will:

Meeresfrüchte überbacken
- 300 g Frutti di Mare
- 2 EL Olivenöl
- 1 Bund Petersilie
- 1 Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 300 ml passierte Tomaten
- 1/2 Packung Feta
- Salz und Pfeffer
Meeresfrüchte abspülen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen, Petersilie grob hacken. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln und in Öl kurz anschwitzen, die Meeresfrüchte kurz mit anschwitzen und die Tomaten dazu gießen, mit Salz und Pfeffer würzen. Das Ganze heiß werden lassen (nicht kochen) und in eine ofenfeste Form umfüllen. Zerbröselten Feta über das Gericht streuen und bei 200 Grad C auf der oberen Schiene im Backofen goldbraun gratinieren. Mit der Petersilie bestreuen und mit einem Baguette servieren.
Ich finde tatsächlich das tolle Fischrestaurant und auch das leckere Gericht ist schnell ausgesucht – ein erstes Highlight an diesem Tag. Das Land mit der saubersten Luft, rein gewaschen eher vom Nieselregen als von der in Aussicht gestellten Brise der Antarktis dämpft zwar meine Euphorie, aber anstelle eines ersten Spaziergangs finde ich ein gemütliches Café, in dem ich einen einfachen, aber schmackhaften Kuchen zu meinem Tee bekomme.

Rüblikuchen
- 375 g Möhren (mittel fein reiben)
- 250 g Mehl
- 2 TL Backpulver
- 200 g braunen Zucker
- 1 TL gem. Zimt
- 250 ml neutrales Öl (z.B. Sonnenblumen)
- 4 Eier
- 200 g gemahlene Mandeln
- Für das Topping:
- 250 g Frischkäse
- 80 g Puderzucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- etwas Zitronensaft
Eier, Zucker, Öl und Zimt gut verrühren, Karotten und Mandeln dazu geben, das mit Backpulver vermischte Mehl darunter rühren und den Teig in eine gefettete Springform geben. Bei 180 Grad C auf der mittleren Schiene ca. 40 – 50 Minuten backen (Stäbchenprobe machen) und anschl. auf einem Gitter auskühlen lassen. Für das Topping den Frischkäse mit dem Zitronensaft glatt rühren, den Puder- u. Vanillezucker einrieseln lassen, auf den Kuchen streichen und mit Möhren (gekochte o. welche aus Marzipan) verzieren.
Ganz ist dieser Teil meiner Reise noch nicht überstanden – der zweite Teil dieses ereignisreichen Tages mit dem darauffolgenden Start eines 5tägigen geführten “Great Walk, Wilderness, alpine and coastal” folgt im nächsten Beitrag.
Bis dahin wünsche ich Ihnen/Dir für die restlichen 338 Tage dieses Jahres 2025 dass es gute Tage werden und dass wir trotz allem zuversichtlich bleiben.
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