Über die traditionelle Weihnachtsgeschichte habe ich in meinen Israel-Reiseberichten bereits geschrieben, s. dazu Beitrag Nr. 37 Bethlehem (arabischer Teil) und Beitrag Nr. 38 Bethlehem (christlicher Teil). Diesmal geht es mir um den ausufernden Konsum und seine Folgen, nicht nur zur Weihnachtszeit. Ich denke an die Müllberge, die wir dabei produzieren. Wir (oder zumindest ein großer Teil von uns), denen in unzähligen glänzenden Werbebroschüren all die „Must-have-Dinge“ offeriert werden, helfen durch unser Konsumverhalten mit, das Problem weiter zu vergrößern. Was scheren Hersteller und Verbraucher da Klimakonferenzen und internationale Abkommen, in denen die Vermüllung von Land und Meeren durch Kunststoffe gestoppt werden soll. Die Produktionsmengen von Kunststoffen sind seit Anfang der 1950er Jahre um mehr als das 250-fache gestiegen, und … sie steigen weiter: Nach Berechnungen von Wissenschaftlern der University of California in Santa Barbara wird sich der Plastikkonsum weltweit bis zum Jahr 2050 auf 749 Millionen Tonnen erhöhen.
Ich will nicht die Moralapostelin spielen, aber an dieser Stelle ein paar Gedanken dazu kundtun. Es waren noch nicht die 50er Jahre, die mich zum Nachdenken brachten, es waren die 80er. Und die deshalb, weil da meine Kinder geboren wurden und ich durch sie mehr als vorher an ein Nachher dachte. Erst recht, als mich eine mir unbekannte ältere Frau auf einer Demo in Wackersdorf fragte, weshalb ich hier wäre. Als ich als Grund meine Kinder nannte, gab sie mir zur Antwort: „Sind es nicht alle Kinder wert, für sie und ihre Zukunft auf die Straße zu gehen?“ Dieser Satz hat mich sehr berührt und ich habe ihn nicht vergessen. Um so mehr, da ich heute auch meine Enkelkinder dazu zählen darf.
Richtig, wir Verbraucher passen uns den Lebensumständen an, tun das aus Unachtsamkeit, Zeit- und Kostengründen, manchmal auch aus Faulheit. Wenn Lebensmittel fast ausschließlich in einer Plastikverpackung angeboten werden, nehmen wir die und die Mehrfachdose steht zu Hause ungenutzt herum bis sie eines Tages auch im Müll landet. Warum hat der Gesetzgeber da nicht längst eine Verpackungssteuer eingeführt. Die Kosten würden auf uns Verbraucher umgelegt und das Problem wäre sehr schnell gelöst, s. die Kosten einer Plastiktüte beim Einkauf. Mir fällt dazu „Das bessere Müllkonzept“ aus den 90ern ein, für welches auch ich mich mal sehr (erfolglos) engagiert habe. Unsere Kinder, die soweit sie noch jünger sind, staunend und wünschend Pelzmärtel, Nikolaus und das Christkind vor Augen haben und noch am ehesten in der Lage sind, Weihnachten nicht nur als eine riesengroße Geschäftemacherei anzusehen, sondern mit ihren Erziehern Theaterstücke einstudieren, singen und basteln – sie versinnbildlichen das eigentliche Weihnachtsfest, welches gerade nicht ausschließlich aus immer mehr Geschenken (und damit noch mehr Müll) bestehen soll. Es gibt ja Ansätze nicht nur dieses eine Umweltproblem besser in den Griff zu bekommen, aber es erstaunt schon, dass Entscheidungsträger auf der ganzen Welt sich derart schwer tun, gemeinsam Wege zu finden um unseren Planeten lebenswert zu erhalten. Bei mir gibt es natürlich auch Weihnachtsgeschenke. Diese werden allerdings, wie bereits seit vielen Jahren, in Zeitungspapier verpackt.
Nach dem unerfreulichen, jedoch unvermeidlichen Müll nun ein Gericht für die vorweihnachtlichen Geschmacksnerven, bei dem – schon weil es sehr schmackhaft ist – wenig (an Abfall) übrig bleiben wird:
Würziges Schmorkraut mit Bergkäse und Tofu-Petersilien-Topping (Reichlich Petersilie verwenden! Sie ist ein guter Kaliumlieferant) Leider bekam ich nur den Bergkäse lose, den Tofu musste ich in der Plastikverpackung kaufen.
- 800 g Weißkohl
- 2 rote Zwiebeln
- 4 EL Butter
- 2 EL Rohrzucker
- 2 EL Tomatenmark
- 2 EL weißer Balsamicoessig
- 200 ml Gemüsebrühe
- Salz u. Pfeffer aus der Mühle
- zerstoßener Kümmelsamen
- getrockneter Majoran
- Cayennepfeffer
- 200 g Creme fraiche
- 100 g Bergkäse
- 200 g Räuchertofu
- 2 EL Olivenöl
- 1 Bund glatte Petersilie
- Bauernbrot
Die äußeren Kohlblätter entfernen, den Kopf vierteln und den Strunk herausschneiden, in Streifen schneiden. Die Zwiebeln halbieren und ebenso in Streifen schneiden. Butter schmelzen, Zwiebeln zugeben und kurz andünsten, Kohl, Zucker und Tomatenmark dazu geben und unter Rühren anbräunen, mit Essig ablöschen und etwas einkochen lassen. Die Gemüsebrühe angießen, mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Majoran und Cayennepfeffer kräftig würzen und 10 – 15 Minuten bissfest garen. Nun noch die Creme fraiche untermischen, den in Würfel geschnittenen Käse im Kraut zerfließen lassen. In der Zwischenzeit das Öl in einer Pfanne erhitzen und den gewürfelten Tofu darin goldbraun anbraten. Petersilie hacken, zum Tofu geben und alles mit Salz und Pfeffer würzen. Kraut und Tofu zusammen anrichten und mit Brot servieren.

Ein deftiges Gericht nach einem ausgiebigen Spaziergang in der frischen und, wenn wir Glück haben, sonnigen Winterluft. Ein Genuss bei einer Tasse Espresso oder Tee sind anschließend die ersten Weihnachtsplätzchen. Das Zuckerbett muss auch nicht so üppig ausfallen. Viele selbstgebackenen und -gekochten Speisen vertragen durchaus ein Drittel weniger Zucker als in den meisten Rezepten angegeben. Es ist einen Versuch wert und unsere Geschmacksnerven gewöhnen sich schnell an dieses „Light-Produkt“ unserer eigenen Küche. Schwindendes Hüftgold und weniger krankhafte Auswüchse unserer Völlerei danken es uns. Nicht nur wir Älteren profitieren von einem Weniger an Zucker – nein – es sind hauptsächlich unsere Kinder und Enkelkinder. Süßigkeiten und Fast Food sind oftmals Hauptbestandteil der Ernährung. Die Ampel-Kennzeichnung in der Lebensmittelindustrie halbherzig, unvollständig und wenig beachtet, gibt keine große Hilfestellung. Es wird zwar in vielen Einrichtungen, wie Schule, Kindergarten, Beratung in den unterschiedlichsten Medien ein hohes Maß an Aufklärung angeboten, inwieweit es die Zielgruppe erreicht? Die ansteigenden Zahlen von übergewichtigen Kindern und Erwachsenen mit lebenslangen Folgeschäden lassen zweifeln.
Vanillekipferl
- 280 g Mehl
- 210 g Butter
- 100 g geschälte Mandeln, fein gemahlen
- 70 g feiner Kristallzucker
- 10 EL Puder- oder Kristallzucker
- 3 Päckchen Vanillinzucker
Mehl sieben und auf ein Backbrett geben, Butter einhacken und mit den Fingern abbröckeln, gemahlene Mandeln und Zucker untermischen und rasch zu einem Teig kneten, 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Aus dem Teig eine Rolle formen, Scheiben abschneiden, rollen und zu kleinen Kipferln (Hörnchen) biegen. Kipferl auf ein Backblech legen und im vorgeheizten Ofen bei 175 Grad etwa 15 Minuten backen. Die Menge ergibt 2 Bleche und ich backe sie ca. 20 Min. bei 155 Grad Heißluft. Aufpassen, sie sollen nicht dunkel werden. Zucker und Vanillinzucker vermischen und die noch warmen Hörnchen damit bestreuen und bedecken, im Zuckerbett auskühlen lassen.

Zum Abschluss: Lassen Sie sich von zuviel Müll und zuviel Zucker nicht von der Vorfreude auf Weihnachten abhalten. Etwas Innehalten während der festlichen Tage reicht ja schon aus und vielleicht überdenken wir dabei unseren Konsum ja mal im Allgemeinen und fassen dabei einige gute Vorsätze fürs neue Jahr.
Frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr
Merry Christmas and a happy New Year
Feliz Navidad y prospero ano nuevo
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