
Auch wenn es bei momentan schwül-warmen Höchsttemperaturen ein Genuss wäre, in einem kühlen Nürnberger Keller unter der Burg gepflegten Jazz bei einem Glas Rotwein oder Bier zu hören – es ist Sommerpause. Erst im September geht es weiter. Das Programm findet Ihr/finden Sie unter http://www.jazzstudio.de
In der Zwischenzeit gibt es Musik aller Stilrichtungen unter freiem Himmel oft zum Nulltarif mit Picknick und einer wunderbaren Hannchen-Jensen-Torte (Hans Jensen Hansen war ein dänischer Physiker und Meteorologe und vielleicht war ja Hannchen seine Gattin). Das Rezept mit Kostprobe bekam ich von einer Freundin beim letzten Jazz-Frühschoppen.

- Aus 125 g Butter
- 100 g Zucker
- 1 P. Vanillezucker
- 4 Eigelb
- 150 g Mehl
- 1/2 TL Backpulver einen Rührteig herstellen. Diesen in 2 gleiche Teile teilen
Nun eine Baiser-Masse aus 4 Eiweiß und 200 g Zucker herstellen und jeweils die Hälfte auf eine Hälfte des Rührteigs verteilen und mit Mandelblättchen bestreuen. Jedes Teil in einer runden Springform 30 Minuten bei 180 Grad backen, rechtzeitig mit Backpapier abdecken, die Mandelblättchen sollen nicht zu dunkel werden. Nach dem Erkalten 2 Becher Sahne mit Sahnesteif und nach Belieben Zucker steif schlagen, mit 200 g Himbeeren mischen und auf eine Hälfte streichen. Die schöner gebackene Hälfte in Stücke schneiden und auf die Füllung legen.
Meine eigene kleine Musikgeschichte begann als Nachkriegskind erst in den 60ern. Freddy Quinn, Rock‘n Roll u.ä. aus einer Musikbox in der elterlichen Gastwirtschaft meiner Freundin Traudi waren nach dem Erlernen des Flötenspiels ein weiteres Hineinschnuppern in die Welt der organisierten Klänge. Bereits Ende der 60er wurde es etwas aufregender: Ich wurde 18, Beatles, Rolling Stones, Simon & Garfunkel, Bee Gees, Moody Blues, The Who u. a. waren nun die Favoriten. Eine Freikarte meines damaligen Chefs für das Festival Jazz Ost/West (es wurde 1966 als eins der ältesten Jazzfestivals Europas ins Leben gerufen und sollte Musikern aus West und Ost als Begegnungsstätte dienen) schaffte es Anfang der 70er meine Begeisterung für diesen Musikstil zu wecken. Nunmehr waren Albert Mangelsdorff, Klaus Doldinger, Peter Herbolzheimer, Barbara Dennerlein, Herbie Mann, Bobby McFerrin, John McLaughlin, aber auch Ella Fitzgerald, Louis Amstrong, Duke Ellington, Benny Goodman u. v. a. die Stars für mich. Sowohl sie, als später etliche jüngere sorgen dafür, dass ich bis heute dieser Musikrichtung neben der Klassik treu bleibe.
Das Jazzstudio feiert dieses Jahr sein 70jähriges Jubiläum. Ich will es zum Anlass nehmen und dieser Spielstätte mit der dazugehörigen Musik, die bereits um 1900 in den Südstaaten der USA entstand, einen Blog-Beitrag widmen. In der Zeit des Nationalsozialismus galt der Jazz in Deutschland als „entartete Musik“. Erst nach Krieg und Holocaust stieß er bei vielen jungen Leuten auf große Begeisterung und 1954 wurde das Jazzstudio ins Leben gerufen. Nicht-Nürnberger kennen den Jazzkeller wahrscheinlich nur, wenn sie Jazz mögen und die Atmosphäre in dem historischen Gewölbe bei einem Zufallsbesuch schätzen gelernt haben. Damals wie heute pilgern junge und jung gebliebene ältere Menschen in diesen Keller, dessen charakteristischer Geruch eine einmalige Rezeptur darstellt. Feuchter Sandstein, eine sich über Jahre eingebrannte und noch immer nicht ganz kalte Nikotinnote vermischt mit dem Bierdunst spezieller Sorten prägt sich beim Eintauchen in die einige Generationen alte und dunkle Unterwelt der olfaktorischen Wahrnehmung auf angenehme und mystische Weise ein.
Es sind die Musiker, die nach wie vor begeistert an diesem beengten Ort spielen, aber auch die Besucher, die das besondere Flair anzieht und die es genießen in unmittelbarer Nähe und auf Augenhöhe den Künstlern zuzuhören. Die Musik, Getränke, kleine Snacks ein paar Treppen tiefer an der Bar – es ist eine einzigartige Atmosphäre. Auch wenn sich mal kein Gespräch mit einem der anderen Besucher ergibt, weil dieser vielleicht nur zum Musik hören hier ist – daran denken: die Franken sind keine Rheinländer.
Der Jazz als eine der gehaltvollsten Musikarten bedarf in dieser Umgebung keiner weiteren schweren Kost und somit wird zwar Seele und Geist gefüllt und inspiriert, doch den Magen füllt man vorsorglich Anderswo, da die gebotenen Snacks mehr die Finger derer beschäftigen sollen, die sie ansonsten beim Anblick der tanzenden Gliedmaßen der Interpreten über Bassseiten und Klaviatur nicht stillhalten können.
Auch wenn der Keller seine kulturellen Speisen erst wieder im September dem Genießer anbieten will, hat der Burgberg ganzjährig für den Magen ein Spektrum origineller Genüsse bereit. So kann man sich am lauen Sommerabend zum Beispiel Mangold fränkisch/italienische Art munden lassen:

- 800 g Mangold
- 3 EL Olivenöl
- 2-4 Knoblauchzehen
- 3 Sardellenfilets in Öl
- 1 Dose geschälte Tomaten, 425 g
- Salz, Pfeffer
Mangold gut waschen, Blätter und Stiele trennen, alles in etwa fingerbreite Streifen schneiden. Das Öl erhitzen, gewürfelten Knoblauch und kleingeschnittene Sardellenfilets darin andünsten, gehackte Tomaten mit Saft zugeben und 15 Minuten leise offen kochen. Stiele 5 Minuten und anschl. Blätter weitere 8 Min. zusammen mit den Tomaten dünsten, salzen und pfeffern. Schmeckt mit vorher gekochten Bandnudeln oder Weißbrot.
Allen eine sonnige und erholsame Ferienzeit!
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