
Welchen Titel ich diesen besonderen Ressourcen- und Geldbeutel schonenden Märkten gebe – er benennt dasselbe, nämlich buntes Treiben, welches sich zuerst in den Großstädten etabliert hat. Gerne erinnere ich mich an meinen ersten Flohmarkt in Paris. Was gab es da für uns Schülerinnen aus einer fränkischen Kleinstadt nicht alles zu bestaunen. Mittlerweile gibt es Flohmärkte mehrmals im Jahr und auch in kleineren Kommunen als Straßen- und sogar Haus- und Hofmärkte. Von Kolleginnen weiß ich, sie verhökern jedes Jahr ihre alten Klamotten auf einem Grafflmarkt und erstehen dafür immer mal ein neues Stück. So ist die modebewußte Frau immer up to date. Außerdem hat dies den Vorteil, der vorhandene Schrank muss nicht ständig erweitert werden oder ein zusätzlicher in der Wohnung Platz finden. Uns steht in Deutschland pro Kopf zwar mittlerweile eine Wohnfläche von ca. 40 qm im Gegensatz zu vor 50 Jahren – da waren es 20 qm – zur Verfügung, aber allein wegen größerer Kleiderschränke hat sich dieser Bedarf nicht so drastisch erhöht. Es kommen noch andere Gesichtspunkte, wie z. B. ein vollkommen anderer Lebensstil dazu. Diesen Lebensstil prägen wiederum neue Bedürfnisse und da wäre ich bei einem weiteren Vorteil der Trempelmärkte. Unseren gesamten Hausstand müssen wir oftmals auf den Prüfstand stellen und ich finde jedes Mal etliche Gegenstände, die ich seit mindestens 2 Jahren nicht mehr in der Hand hatte und die ich sicher auch die nächsten Jahre nicht vermissen werde. Beispiele wie Bierkrüge, Messerschneidemaschinen, Bratthermometer, eine stattliche Anzahl an Kerzenständern, längst aus der Mode gekommene und lediglich als Staubfänger dienende Figuren für den Setzkasten, unzählige Blumenvasen, Nippesfiguren – dies alles setzt nicht nur bei mir Staub an. Der Geschmack ändert sich, die Familienverhältnisse, der Umzug in eine kleinere Wohnung sind lediglich ein paar Beispiele. Es gibt vieles, was ich nicht mehr brauche, was mich nur belastet und andere vielleicht gerade suchen. Es ist ein sehr sinnvoller Kreislauf und die Wirtschaft floriert trotzdem.
Heute habe ich mich wieder mal auf einem dieser Grafflmärkte angemeldet und finde es neben der Tatsache, daß ich Altlasten loswerde und mir dafür eine kleine Entschädigung verdiene, immer sehr unterhaltsam. Die folgenden Szenen sind nur ein kleiner Ausschnitt neben dem eigentlichen Geschäft:
Los geht es frühmorgens mit dem immer gleichen Ritual. Das Aufsichtspersonal kontrolliert laufend, ob nicht eine(r) den Tisch vor dem offiziellen Beginn auf die Beine hebt und die Ware darauf drapiert. Dies ist streng untersagt und führt meist zu Diskussionen. Versierte Schnäppchenjäger allerdings haben es trotzdem geschafft, vor Beginn einen Überblick zu bekommen und Vorgespräche mit den Anbietern geführt. Modeschmuck und Uhren sind heute der absolute Renner. Beides kann ich nicht anbieten und konzentriere mich auf den Aufbau. Wie, was, wohin, damit es zuerst ins Auge fällt und seinen künftigen Besitzer schnellstmöglich findet.
Gleich kommt mir am Nebenplatz eine junge Mutter mit ihrem Baby auf der Hüfte ins Blickfeld. Sie schafft es im Wiegeschritt gleichzeitig ihre Ware anzubieten, zu verkaufen und das Kind ruhig zu halten. Es ist noch ein sehr kleiner Junge und der später hinzukommende Vater hat wesentlich mehr Mühe mit dem Ruhighalten. Als erstes versuchen 3 Männergenerationen aus dem Orient – wie alle anderen auch – mit mir zu handeln auf die wunderbar locker-ernste Weise, wie ich es in Israel kennengelernt habe. Das Studentenpaar, das für den Klavier spielenden Bruder ein passendes Geburtstagsgeschenk sucht und glücklich ist, als sie meine uralten Notenhefte entdecken. Etliche Omas durchstöbern meine Babyklamotten-Kiste und erinnern sich dabei gern an die Zeit während der sie sich mit den eigenen Kindern und deren Modewünschen beschäftigt haben, bzw. beschäftigen mussten. Der junge Mann, der heute Nachmittag auf eine Hochzeit eingeladen ist und noch ein schickes Hemd bräuchte. Leider kann ich ihm mit meiner Bürobluse nicht weiter helfen, auch wenn sich dieses hellblaue Stück nicht so sehr von einem Herrenhemd unterscheidet. Unser Gespräch darüber ist jedenfalls sehr lustig. Der in die Jahre gekommene Herr, der auch nicht mit größter Anstrengung die Knöpfe des Burberry Trenchcoats schließen kann. Dabei war er sowohl vom Mantel, als auch vom Preis sehr angetan. Es sind nur ein paar Erlebnisse, jedesmal anders, jedoch meist amüsant und oft herzerfrischend, sodaß der eine oder andere Preisnachlass gern gewährt wird.
Reich bin ich auch diesmal nicht geworden, aber zu Hause angekommen mit vielen Erinnerungen an nette Begegnungen, müde zwar, aber zufrieden. Die am Tag vorher zubereiteten Auberginen-Röllchen mit Weißbrot sind zusammen mit einem fränkischen Blauburger ein wohlverdienter und sehr schmackhafter Imbiss.

- 2 Auberginen
- Salz
- Öl zum Ausbacken
- 200 g Frischkäse
- 70 g Walnüsse, gemahlen
- 2-3 Zehen Knoblauch, zerdrückt
- Salz, Pfeffer nach Geschmack
- Saft von 1/2 Biozitrone
Auberginen der Länge nach in 1/2 cm dicke Streifen schneiden, auf beiden Seiten salzen und ca. 20 Minuten stehen lassen. Anschließend trocken tupfen, in der Pfanne braten und anschließend auf Zewa abtropfen und kalt werden lassen. In der Zwischenzeit die übrigen Zutaten gut vermengen, abschmecken, auf die Auberginenstreifen streichen und diese aufrollen. Ich lasse sie im Kühlschrank etwas durchziehen, garniere sie vor dem Servieren mit Schnittlauch und etwas Paprikapulver. Mit Weißbrot schmeckt es vorzüglich als Vorspeise oder einfach mal zwischendurch.
Mai/Juni = Erdbeerzeit! Was passt da als Dessert oder zur nachmittäglichen Kaffeerunde besser als eine Erdbeersahneroulade?
- 4 Eiweiß von großen Eiern
- 4 EL kaltes Wasser
- 100 g Zucker o. Honig
- 4 Eidotter
- 125 g Weizenvollkornmehl
- 1 Messerspitze Vanille
- 1 Messerspitze Backpulver
- 2 EL Semmelbrösel
- Füllung:
- 500 g Erdbeeren
- 2 Becher süße Sahne
Zuerst Eiweiß und kaltes Wasser sehr steif schlagen, dann Zucker und Eigelb gut verrühren und darunter ziehen. Mehl mit Vanille und Backpulver mischen und locker unter die Schaummasse heben. Den Teig auf ein gut gefettetes und gebröseltes Backblech geben und bei 220 Grad auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Backofen 10 – 15 Minuten backen. Sofort auf ein Geschirrtuch stürzen, das Papier abziehen und die Biskuitplatte mit dem Tuch aufrollen und auskühlen lassen. Die Hälfte der geschlagenen und mit etwas Zucker gesüßten Sahne mit den klein geschnittenen Erdbeeren (einige zum Verzieren übrig lassen) vermengen und auf die Biskuitrolle streichen. Die restliche Sahne darüberstreichen und mit den halben Erdbeeren verzieren, kühl stellen.

Sicher ist es dir/ihnen nicht entgangen, dass die Beiträge weniger oft erscheinen. Bitte haben sie/hab du dafür Verständnis. Neue Ziele und neue Ideen brauchen Zeit. Bis zum nächsten Reisetagekochbuch gibt es monatlich Jahreszeiten abhängige Alltagsgeschichten, die mir über den Weg laufen und wie dieses Mal z. B. Lust auf den Besuch eines Flohmarktes, sowie wie immer, aufs Nachkochen und -backen machen sollen.
Shabbat Shalom!
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