2. Wenn die fränk’sche (schwäb’sche) Eisenbahn ……

Nicht dass Sie meinen, von dem Bahnsteig dieser recht netten Kleinstadt aus könnte man einfach in den Zug einsteigen und in die nächste Stadt fahren um anschließend die weite Welt zu erkunden. Ohne einen Zugang zum Bahnhofsgebäude und auch ohne jegliches Hinweisschild muss ich mir den Weg zu dieser Unterführung

erst suchen um auf den Bahnsteig zu kommen. Einmal mehr stelle ich fest, dass Bahnfahren, Fahrkarten lösen, den Durchsagen in größeren Bahnhöfen zu vertrauen und den richtigen Zug zu erwischen, die letzten Abenteuer unserer Zeit sind und damit immer wieder eine Quelle wunderbarer und weniger guter Erfahrungen, die es lohnen aufgeschrieben zu werden. Den obigen Bahnsteig erreiche ich nur auf Umwege. Ich finde keinen Hinweis, wie ich von dem früher recht ansehnlichen und immer noch stattlichen, jedoch verwaisten Bahnhofsgebäude zu den Gleisen gelangen kann. Also – raus aus dem verlassenen Gelände und im Umkreis versuchen doch einen Zugang zu entdecken. Recht unschlüssig stehe ich vor der Unterführung mit den unterschiedlichsten Schildern. Ein freundlicher Mitbürger bemerkt meine Unsicherheit und weist mir den Weg. Glücklich immer wieder hilfsbereiten Menschen zu begegnen, gelange ich ans Ziel, von wo aus ich meinen Zug, nun sogar rechtzeitig, erreiche. Der Bahnhof hier

ist zwar sehr viel unansehnlicher und ebenso verwaist, aber nachdem mittlerweile nur noch 1 Gleis vorhanden ist, ist der Zustieg relativ einfach. Sogar Ortsfremde stören sich hier lediglich an den Schmierereien und dem oft nicht funktionierenden Fahrkartenautomaten.

Ist es die Kommune, das Bundesland, die Bahn – ich weiss es nicht. Es gibt, wie überall im Leben, positive und negative Beispiele. Die DB ist da zur Zeit nicht selten und sicher auch nicht ohne Grund der Buh-Mann und muss für vieles herhalten. Mit einem attraktiveren Beispiel aus dem Schwabenland (im Gebäude nebenan befindet sich ein gut gehendes Café) will ich meinen heutigen Beitrag beenden, nicht ohne zu gestehen, dass ich immer wieder gerne mit der Bahn fahre und meist tolle Geschichten erlebe. Abschließend noch das Rezept des Wirsingkuchens, das mir übrigens bei einer Fahrt ins Schwabenland ein liebenswerter älterer Mitreisender verraten hat und das ich gerne weitergebe:

Wirsingkuchen

  • 1 Wirsing
  • Salz
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Möhren
  • 2 EL Olivenöl
  • 100 ml Gemüsebrühe
  • Pfeffer, Paprikapulver (edelsüß)
  • 6 Eier
  • 120 g Bergkäse
  • 120 g Dinkelvollkornmehl

8 Blätter vom Wirsingkopf lösen, waschen und die Blattrippen flach schneiden. Die Blätter in kochendem Salzwasser 5 Minuten blanchieren, abgießen und kalt abschrecken. Den restlichen Wirsing vierteln, Strunk herausschneiden, waschen und in feine Streifen schneiden. Zwiebeln und Knoblauch fein hacken, Möhren klein würfeln. Öl erhitzen, Zwiebeln kurz anschwitzen, Möhren, Knoblauch und Wirsing zugeben, kurz mit anschwitzen, mit Brühe ablöschen und 10 Minuten weich garen. Mit Salz, Pfeffer und Paprika kräftig würzen und abkühlen lassen. 2 der blanchierten Wirsingblätter beiseite legen, die restlichen auf den Boden einer gefetteten Springform so auslegen, daß sie oben etwas über den Rand stehen. Ein großes Blatt in die Mitte legen. Den geriebenen Käse in die verquirlten Eier geben, Mehl dazu rühren und das Wirsinggemüse unterheben, mit Pfeffer abschmecken. Die Masse in der Form verteilen, mit den restlichen Blättern bedecken und 60 Minuten bei 180 Grad auf der mittleren Schiene backen. Etwa nach 30 – 40 Minuten abdecken falls die Blätter zu dunkel werden. Den Kuchen vor dem Servieren kurz in der Form ruhen lassen.

Mir ist Wirsing hauptsächlich als ein an Ballaststoff reiches und vitaminhaltiges Wintergemüse bekannt. Er soll genau so viel Vitamin C enthalten als die Zitrone. Der Winter ist zwar langsam vorüber, dieser leckere Gemüsekuchen schmeckt aber auch noch im Frühling. Dazu passt als Vorspeise ein Salatcocktail aus Bärlauch, Brennessel, Taglilie, Knoblauchsrauke, Giersch, Löwenzahn, Gänseblümchen mit einem Salatdressing nach Geschmack (z.B. Zitronensaft, Olivenöl, 1 TL Senf, Salz, Pfeffer etwas Zucker) – alles gut verrühren).

Sabbat Schalom, Buenas Dias und habt/haben Sie einen guten Appetit an einem angenehm warmen Frühlingswochenende!

4 Antworten zu „2. Wenn die fränk’sche (schwäb’sche) Eisenbahn ……“

  1. Anonymous

    … it is a fascinating thought, your entry evokes: will airports share the fate of

    stations and thus reflect an increase in efficiency of air travel that has made

    train rides so mundane of an event? Thank you mostly for setting me up on

    this thought experiment but also for the images your words revive.

    Dein Johannes

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  2. Anonymous

    Liebe Renate,

    Dein Bericht weckt Erinnerungen an alte Zugfahrzeiten zwischen Langenzenn und Fürth … Gleichzeitig muß ich an die Schweizer Bahnen denken … In der Schweiz wird pro Einwohner mehr als 400 Euro im Jahr für den öffentlichen Verkehr ausgegeben, hier in Deutschland ist es nicht einmal halb so viel … Das Ergebenis dieser Politik läßt sich täglich erleben, wenn man auf Bus und Bahn angewiesen ist … deswegen bleibe ich beim Auto, auch wenn es unpopulär ist … Allerdings erfährt man beim Autofahren nicht so interessante Rezepte, das gebe ich zu 🙂

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    1. Ja, die Schweizer Eisenbahn habe ich letztes Jahr kennengelernt – und deren Service und die Pünktlichkeit. Davon können wir hier nur träumen (allerdings muss ich sagen: ich bin immer ganz gut dort hingekommen, wohin ich wollte und …. meist mit guter Unterhaltung. Trotzdem – heute geht es aufs Rädchen und wir erkunden abseits des Bibertals einen Bio-Gasthof.
      Danke für deinen Kommentar und euch einen schönen 1. Mai wo auch immer.

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      1. Anonymous
        • dann viel Spaß beim Radfahren!     Anita

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