12. Salinas

Den kulinarischen Reisebericht nach Ecuador kann und will ich nicht schließen ohne in Salinas gewesen zu sein. Salinas, der Dreh- und Angelpunkt meiner zweiten Reise in dieses mir vor einigen Jahren ans Herz gewachsene Land in Südamerika. Meine Spanisch-Lehrerin lud mich ein, sie und ihren Mann dort zu besuchen. Es waren wunderbare Wochen, in denen ich viele nette Menschen kennenlernen durfte. Meine Touren ins Landesinnere mit dem Bus und zu Fuß (ich habe darüber in den vorhergehenden Beiträgen erzählt) und die Rückkehr nach Salinas haben viele Eindrücke hinterlassen. Die Gastfreundschaft, die Schönheit der Landschaft, außergewöhnliche Bekanntschaften sowohl mit den Indigenen, als auch der weißen Bevölkerung hinterließen ein besonderes Gefühl der Verbundenheit. Wieder einmal fallen mir die Worte von Humboldt ein: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die der Leute, die die Welt nicht angeschaut haben.“

Ich komme dabei nicht umhin, mich an den Beginn der Reise zurück zu erinnern. Ein Beginn mit einigen Schwierigkeiten und Turbulenzen. Was wäre eine Reise ohne solche? Bei dieser sind es ein gecancelter Flug, eine zusätzliche Übernachtung in Madrid, noch eine in Guayaquil und ein erst 1 Woche später ankommender Koffer. Außerdem die am Flughafen vergeblich wartenden Freunde, die meine Nachricht über die Verspätung nicht bekommen hatten. Es ist eine nicht zu unterschätzende Vorbereitung und Einstimmung in Sachen südamerikanische Gelassenheit und zudem ein Abschalten und Ausruhen von den letzten Tagen zu Hause, sowie den Reisevorbereitungen. Turbulenzen hin, Schwierigkeiten her, ich genieße – nach einem ausgezeichneten ersten Abendessen auf dem Balkon, den Pazifik vor Augen, siehe Foto oben – den Nachmittag und Abend in Salinas.

Salinas, eine Hafenstadt am Pazifik, 145 km westlich von Guayaquil mit einem langen herrlichen Sandstrand. Mir wird sie als touristischster Ort an Ecuadors Pazifikküste geschildert. Ich bin eingeladen und darf, zurück von meinen Trips ins Landesinnere, immer wieder dieses Panorama vom Balkon eines der Hochhäuser genießen. Ausgedehnte Spaziergänge und endlich wieder einmal Schwimmen im Meer. Was gibt es Schöneres für eine Landratte nach einer mehrtägigen anstrengenden Tour in die Sierra bzw. den Oriente. Es sind zwar meist Touristen, die ich hier treffe und es wird mir mehrmals erzählt, Salinas wäre das ecuadorianische Miami, für mich jedoch ist es – obwohl Urlaubszeit – entspannend und nicht zu vergleichen mit den europäischen Badeorten. Eine Einladung in den Yachtclub zeigt mir, es gibt auch hier Menschen, denen Strand, Meer und Schwimmen nicht reicht: erlesene Speisen, Getränke und jede Menge sportliche Herausforderungen werden hier geboten. Authentischer und deshalb interessanter für mich ist der Malecón, die Uferstraße, die entlang der Küste den Besucher einlädt zu flanieren, einzukaufen und es sich im Fischrestaurant oder einer Bar gutgehen zu lassen. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt und sogar handeln läßt eine nette Verkäuferin mit sich. Israel und der Strand von Tel Aviv kommen mir in den Sinn: Aber nein – dieser Vergleich hinkt, ebenso der mit Miami oder mit den Stränden an Italiens Riviera-Küste. Eine wirklich dumme Angewohnheit ist es und ich ärgere mich jedes Mal darüber, wenn auf Reisen immer von anderen wunderbaren Orten begeistert erzählt wird. Kann ich nicht einfach die Dinge genießen, die momentan um mich herum sind und nicht „das Paradies ist immer woanders“ (Titel eines Buches von Barbara Veit) denken.

  • 150 g Zwiebel
  • 200 g Puy-Linsen
  • 1 EL Olivenöl
  • 3/4 l Gemüsebrühe
  • je 1 rote und 1 grüne Paprikaschote
  • 1 mittelgroße Zucchini
  • 1 Dose Kichererbsen
  • 1 Knoblauchzehe
  • 3-4 EL Zitronensaft
  • 1 EL flüssiger Honig
  • 3-4 EL Olivenöl
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • 50 g schwarze Oliven
  • Salz, Pfeffer und nach Geschmack Kreuzkümmel, Koriander

Zwiebeln fein würfeln und mit den Linsen in heißem Öl glasig dünsten, mit Brühe auffüllen und ca. 25 Min. köcheln. Paprika entkernen und in Würfel schneiden, ebenso die Zucchini würfeln, zu den Linsen geben und weitere 10 Minuten köcheln. Falls noch zu flüssig, etwas Flüssigkeit abgießen. Kichererbsen abgießen, kalt abspülen und dazu geben. Eine Marinade aus zerdrücktem Knoblauch, Zitronensaft, Honig, Olivenöl, Salz, Pfeffer und evtl. Kreuzkümmel und Koriander mischen und über den Salat geben, Oliven und Petersilie hacken und ebenfalls daruntermischen. Mit Fladen- oder Weißbrot servieren.

Der nächste Tag beginnt mit einem Großen Obstteller und Amaranth-Porridge

  • 150 g Amaranth
  • 300 ml Pflanzendrink, z. B. Hafermilch
  • 2 EL Mandeln
  • 1 kl. Birne o. Apfel
  • 1 TL Ahornsirup
  • 1/2 TL Zimt
  • 2 EL Rosinen

Amaranth auf ein feines Sieb geben und unter fließendem Wasser abspülen, mit der Hafermilch in einen Topf geben und einmal unter Rühren kurz aufkochen lassen, bei kleiner Hitze ca. 25 Min. köcheln lassen und dabei ab und zu umrühren. In der Zwischenzeit Mandeln hacken und in einer Pfanne ohne Fett rösten bis sie anfangen zu duften, abkühlen. Kernhaus der Birne/des Apfels entfernen und in dünne Scheiben schneiden. Den Amaranth-Porridge vom Herd nehmen, nochmal 5 Min. quellen lassen und anschl. Sirup und Zimt einrühren, mit den Obstscheibchen, den Mandeln und den Rosinen garnieren und servieren.

Amaranth zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Bei den Azteken, den Inkas und den Mayas waren diese getreideähnlichen Körner neben Quinoa und Mais ein Hauptnahrungsmittel. Amaranth wird zwar ähnlich wie Getreide verwendet, ist allerdings ein Pseudogetreide und gehört nicht zu den Süßgräsern. Bei Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) ist es ein vollwertiger und verträglicher Getreideersatz mit einem hohen Eisengehalt.

Die derzeitige politische Lage in Ecuador, die stark angestiegene Kriminalitätsrate und die Gewaltbereitschaft von Banden, die Kämpfe von Drogenkartellen, incl. der vielen begangenen Morde macht es mir schwer in der leichten und sorglosen Art, wie es mir vor einiger Zeit noch vergönnt war, zu erzählen. Mit welcher Unbekümmertheit konnte ich meist auf eigene Faust durch dieses wunderschöne Land reisen und mich heute durch meine Berichte nochmal zurückversetzen lassen und in Erinnerungen schwelgen. Vielleicht ist es unfair den vielen liebenswerten Freunden gegenüber. Sie verdienen neben einem großen Dankeschön für ihre Gastfreundschaft und ihre Hilfe eine ganz andere objektivere Wahrnehmung. Sie sind es nicht, die mich abschrecken nochmal dorthin zu reisen, und, es ist beileibe nicht alles bedrohlich, auch wenn es von Europa aus so aussieht. Wir wollen, dass unsere Medien über die Katastrophen berichten, wollen informiert sein. Vielleicht sind es ja derzeit zu viel schlechte Nachrichten. Ich möchte mit den Reiseberichten nicht nur aus diesem Grund eine Pause einlegen. Bis ich neue Ideen aufgreife, werde ich Geschichten aus dem Alltag erzählen. Meine 6 Laufenten, die sich gerade im Teich ein ausgiebiges Bad gönnen und die ersten Knospen am Pfirsichbäumchen animieren mich zusätzlich, amüsantes, nachdenkliches oder ab und zu Stories zu schreiben, die ihnen/dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sie begegnen uns jeden Tag, es ist nur wichtig sie zu bemerken und den täglichen Katastrophenmeldungen entgegen zu stellen.

“Sonne lag krank im Bett. Sitzt nun am Ofen. Liest, was gewesen ist. Liest Katastrophen. Schneeglöckchen ahnen nun, was sie bedeuten. Wenn du die Augen schließt, hörst du sie läuten.“ Erich Kästner (erste und letzte Strophe des März-Gedichtes)

2 Antworten zu „12. Salinas“

  1. Anonymous

    Ja, wie gut, daß man in der Vergangenheit die Gunst der Stunde genutzt hat, um damals einen Ort, ein Land und auch vor allem die Menschen dort zu sehen, zu treffen, zu erfahren. Niemand kann wirklich sagen, was kommt, sei es ein Krieg, sei es eine Pandemie. Umso wichtiger ist es, die früher gemachten Erlebnisse den aktuellen Geschehnissen gegenüber zu stellen, auch hilft es, die Dinge, welche man aktuell in den Medien sieht und liest, kritisch zu hinterfragen und sich selbst ein Gesamtbild zu machen.

    Auf alle Fälle freue ich mich auf die „Langenzenner Nachrichten“ 🙂 Anita

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    1. Es fällt mir zunehmend schwer, beide Seiten in Einklang zu bringen. Die brutale Gewalt (die auch von Menschen ausgeübt wird) und die Menschen, die ich von dort kenne und mit denen ich ja auch weiterhin einen guten Kontakt pflege. Deren Engagement welches der armen Bevölkerung gilt, ihre Kontakte zu der Upperclass und wie sie das alles einordnen. Dass die Drogenkartelle ihre Helfer aus den Armenvierteln rekrutieren und diese gern für Dollars mitmachen, weil sie sonst weniger verdienen. Wie soll ich das für mich werten? Dass der neue Präsident das alles in den Griff kriegt – es wäre ihm zu wünschen.

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