Von Latacunga aus geht es nach Riobamba. Der Bus ist erneut das Mittel der Wahl und ein weiteres Abenteuer wartet auf mich. In Riobamba angekommen ist noch Zeit mich im Parque Moldonado ein wenig von der Busfahrt zu erholen, zu lesen und zu schreiben. Die gestrige Wanderung zur Lagune war nicht ohne und die an den Fersen entstandenen Blasen freuen sich auf einen etwas ruhigeren Tag. Zum Mittagessen muss ich außerdem unbedingt mal die mir von Freunden empfohlenen Meerschweinchen probieren. Sie werden hier überall angeboten und ich bin neugierig wie sie schmecken. Das nachstehende Rezept sollten Vegetarier einfach überlesen, bzw. es einfach mit mariniertem Tofu probieren. Meerschweinchen überbacken mit Gemüse und Käse

- 250 g Meerschweinchenfleisch (auch Hähnchen oder Tofu)
- Olivenöl
- 250 g Tomaten enthäutet und zu Würfeln geschnitten
- jeweils 1 Zucchini und Aubergine in Würfel geschnitten
- 1 Zwiebel klein geschnitten
- 4 Zehen Knoblauch gehackt und mit dem Messer zerrieben
- Salz, Pfeffer
- 1 EL Kräuter nach Belieben (z. B. Thymian, Oregano)
- 1 Becher Creme fraiche
- 60 g Parmesan
- 60 g geriebene Walnüsse
Fleisch in Streifen schneiden, kurz in etwas Olivenöl anbraten und würzen, beiseite stellen, ebenso das Gemüse mit wenig Brühe in 10 Minuten dünsten. Eine Form mit Butter ausstreichen, zuerst Fleisch, dann Gemüse reingeben, die mit dem Käse und den Nüssen vermischte Creme fraiche obendrauf und bei 200 Grad für ca. 20 Minuten in die vorgeheizte Röhre geben. Mit Quittenkompott (mein Quittenbaum trägt jedes Jahr sehr üppig und ich probiere immer wieder mal etwas Neues aus) garnieren und servieren.
Nachmittags statte ich dem Bahnhofsmuseum einen Besuch ab. Schließlich will ich Tags darauf vom Bahnhof Alausi aus die dramatische Eisenbahnfahrt durch die Teufelsnase „Nariz del Diablo“ antreten. Mir wird eine Zugstrecke mit atemberaubender Aussicht auf eine spektakuläre Berglandschaft versprochen, während der mehr als 500 Höhenmeter in weniger als 12 Kilometern erklommen werden. Sie ist Teil der Verbindung zwischen den zwei größten Städten Ecuadors, Quito und Guayaquil. Ich will mir dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Der nächtliche Traum ist dann zwar alles andere als vertrauenserweckend: ich fahre auf dem Dach eines Waggons und muss mich mit äußerster Kraftanstrengung an einer meiner Mitreisenden festklammern um nicht abzustürzen. Offensichtlich die traumhafte Wiederholung einer Szene einige Tage vorher, bei der sich eine ältere Frau an meinem Arm festgehalten hat um ihre Angst vor der in steilen Serpentinen verlaufenden Straße zu überwinden.

Um sie/euch nicht weiter an des Teufels Nase herum zu führen, muss ich nun eingestehen, dass ich weder auf ihr (der Nase), in ihr, noch um sie herum gefahren bin. Aufgrund eines Erdrutsches ist die Strecke am nächsten Tag gesperrt. Ich wäre noch mindestens einen weiteren Tag an diesem recht verlassenen Ort festgesessen und beschließe spontan mich weiteren Herausforderungen zu stellen. Allerdings mit der Gewissheit spätestens in heimatlichen Gefilden dem Teuflischen nicht entkommen zu können, weder der Nase, den Hörnern, der Höhle oder spätestens der Pizza Diabolo. Sowohl dies, als auch die wohl verpasste Gelegenheit im Kopf, komme ich in Cuenca an. Ich bin auf Anhieb begeistert von dieser reizvollen Stadt mit ihrer gut erhaltenen Kolonialarchitektur und vergesse ganz schnell die Teufelsnase. Cuenca wurde erst im 16. Jahrhundert von den Spaniern gegründet, vorher war sie die Hauptstadt der Inkas in Ecuador und erinnert mich sehr stark an Cuzco in Peru. Vor weiteren Begeisterungsausbrüchen und Ausflügen in die Inkavergangenheit eine etwas unangenehme Herausforderung:
Als ich nach dem Abendessen bezahlen will, wird mir klar, dass meine Geldbörse fehlt. Panik steigt in mir auf. Nach einer eiligen Rückkehr zur Kathedrale, in die ich nach der Ankunft und den teuflischen Gedanken flüchte und einer vergeblichen Suche bleibt das Portemonnaie verschwunden.
Ich versuche, ruhig zu bleiben, und durchsuche meine Taschen erneut, doch das Bargeld und meine PIN für die Creditkarte ist weg. Die Tatsache, dass ich mich in einem fremden Land ohne Bargeld befinde und zudem ohne PIN auch nichts abheben kann, ist eine beängstigende Vorstellung. Ich versuche, die Karten zu sperren, habe jedoch ein weiteres Problem: Ich kann mich nicht an die PIN meiner Kreditkarte erinnern. Ich beschließe, mich nicht entmutigen zu lassen und gehe zu meiner Unterkunft, um nach Unterstützung zu fragen. Das Personal im Hotel ist äußerst hilfsbereit und verständnisvoll. Sie helfen mir, Kontakt zu meiner Bank zu Hause aufzunehmen, um die Situation zu klären. Ein sehr netter Gast aus den USA ist zudem bereit mir einige Dollars zu leihen. Einige Tage ist es mir nicht möglich weiteres Bargeld zu bekommen. Allerdings habe ich Glück, dass das Hotel und einige lokale Restaurants Kreditkarten akzeptieren (auch ohne PIN). Ich bin sehr dankbar über die Großzügigkeit der Menschen, die mir in dieser Notsituation behilflich sind.
Schließlich kann ich die Situation klären und Zugang zu meinem Geld bekommen. Dieses unerwartete Finanzproblem, das ich in Cuenca erlebe, ist eine Lehre in Sachen Geduld und Gelassenheit. Es zeigt mir, wie freundlich und hilfsbereit Menschen sein können, selbst in schwierigen Situationen. Cuenca wird für mich immer ein Ort der Erinnerung an dieses unvorhergesehene Abenteuer sein.

Süße Köstlichkeiten aus Cuenca – z. B. Vegane Brownies
- 350 g dunkle Schokolade
- 350 g Butter
- 200 g braunen Zucker
- 4 Eier, Raumtemperatur
- 200 g geriebene Mandeln
- 200 g Macadamianüsse, grob gehackt
- 150 g getrocknete Pflaumen grob gehackt
Eine 30 x 20 cm große Form mit Backpapier auslegen. Schokolade, Butter und Zucker in einer Schüssel im Wasserbad schmelzen und verrühren(vorsicht, es soll kein Wasser in die Mischung gelangen), beiseite stellen und mind. 10 Minuten abkühlen lassen. In die abgekühlte Masse die Eier rühren und anschließend Nüsse und Pflaumen untermischen. Nun in die vorbereitete Form geben und für ca. 30 Minuten bei 160 Grad auf der mittleren Schiene backen bis die Oberfläche fest ist. Abkühlen, aus der Form nehmen und auf einem Gitter vollständig erkalten lassen, in 5 x 5 cm große Stücke schneiden und schmecken lassen (anstelle der Macadamia kann man auch Cashew nehmen.
Ausflüge zur Inkaruine Ingapirka und in den Nationalpark Las Cajas folgen im nächsten Beitrag. Bis dahin, Buenos dias!
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