8. Von Latacunga zur Lagune Quilotoa

Am Spätnachmittag komme ich in Latacunga an. Diese 65.000 Einwohner zählende Stadt gehörte zunächst zu Großkolumbien und erst seit 1830 zur Republik Ecuador. Es ist die Hauptstadt der Provinz Cotopaxi und der Hauptanteil der Einwohner sind Angehörige der indigenen Volksgruppe der Kichwa de la Sierra. Das Hotel ist schnell gefunden von dem aus ich am nächsten Tag früh aufbreche um ein Stück mit dem Bus zu fahren. Trinkwasser und etwas zum Knabbern ist schnell besorgt und nach einem kleinen Abendessen versuche ich früh schlafen zu gehen – mein morgiger Ausflug soll um 4.30 Uhr starten.

Es ist trotz meiner Lektüre (sehr passend? – Die Nebel von Avalon) an Schlaf nicht gleich zu denken: ein etwas mulmiges Gefühl beschleicht mich in der ein wenig herunter gekommenen Herberge. Glücklicherweise habe ich meinen leichten Innenschlafsack dabei und muss zumindest vor unliebsamen Kleintieren keine Angst haben. Nach einer dürftigen Mütze Schlaf weckt mich mitten in der Stadt ein Hahnenschrei und ich bin froh – auch wenn es noch dunkel ist – aufstehen und mich Richtung Busbahnhof auf den Weg machen zu können. Der Typ an der Rezeption schläft seelenruhig in seiner Koje.

Es geht erst los als der Bus voll ist. Passagiere, die unterwegs zusteigen wollen, werden nach oben verwiesen. Schließlich ist auf dem Dach auch noch Platz. Nach einer abenteuerlichen Fahrt begebe ich mich auf meine Wanderung zur Lagune Quilotoa. Als ein atemberaubendes Erlebnis in den Anden von Ecuador wurde es mir angekündigt. Ich beginne sie in Zumbahua, wo mich ein großzügiges Tal empfängt umgeben von spektakulären Bergrücken.

Begleitet werde ich in dieser grandiosen Landschaft immer wieder von neugierigen Kindern, mit denen ich gern meine Kaugummis und Kekse teile. Ein etwa 8-9jähriges Mädchen ist äußerst wissbegierig und ich beginne eine zumindest für mich lehrreiche Unterhaltung. Meine vorher bei Laura, einer sehr fähigen Spanischlehrerin, erworbenen Sprachkenntnisse ermöglichen eine unkomplizierte und einfache Unterhaltung, die mir auch bei der Wegbeschreibung sehr dienlich ist. Die herrliche Berglandschaft auf dieser Wanderung ist eine bleibende wunderschöne Erinnerung. Nach dem Anstieg des Vulkans auf ca. 4000 m am Kraterrand angekommen bin ich total überwältigt über soviel Naturschönheit. Türkisfarben und ruhig strahlt mir die Lagune in ihrer ganzen Schönheit entgegen. Die drei Indios, die eingemummt in ihre Ponchos auf ein paar Steinen sitzen, lassen mir reichlich Zeit zu staunen. Ich weiß nicht, ob sie noch etwas empfinden können bei diesem Anblick. Für meine Stimmung jedenfalls haben sie Verständnis und kommen erst nach einer ganzen Weile um mir ihre Schätze (auf Schafshaut gemalte Bildchen) anzubieten. In meiner Hochstimmung kann ich da natürlich nicht Nein sagen und kaufe ein paar von ihren kleinen Kunstwerken. Sie freuen sich über die Runde Kekse ebenso wie über das gemachte Geschäft und ziehen zufrieden ab. Obwohl es in dieser Höhe kalt und windig ist, kann ich mich von der überwältigenden Landschaft nicht gleich trennen, lasse sie noch etwas wirken und trete den Rückweg an. Ob die leisen Flötenklänge noch zum Geschäft gehören – ich kann es nicht glauben. Die Drei waren keine Nepper in unserem Sinn (noch nicht) und die wohlklingenden Töne haben so wunderbar in die Zeit und an den Ort gepasst – traumhaft.

„The lagune was nice not more“, diese Aussage eines jungen Mannes (er ließ sich mit seinen Freunden im Auto zur Lagune fahren) hat meine Begeisterung über diesen Ausflug nicht schmälern können. Mit einer älteren Dame, die mit ihren Söhnen unterwegs war, kann ich beim Abendessen meine Erlebnisse teilen und sie ist eine wesentlich interessiertere Gesprächspartnerin.

Zufrieden und erschöpft, aber nichtsdestotrotz sehr hungrig gibt es heute

einen ecuadorianischen Eintopf (Locro de Papa):

Zutaten:

  • 4 mittelgroße Kartoffeln, geschält und klein gewürfelt,
  • 1 gehackte Zwiebel
  • 2 gehackte Knoblauchzehen
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1 TL Paprika
  • 2 EL Pflanzenöl
  • 2 Tassen Hühner- oder Gemüsebrühe
  • 1 Tasse Milch
  • 2 EL Erdnussmus
  • 1 Tasse frischer Käse gewürfelt
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • frischen Koriander zum Garnieren

Zubereitung:

Öl erhitzen und Zwiebel und Knoblauch darin glasig dünsten. Kreuzkümmel und Paprika hinzufügen, kurz anbraten bis es duftet, die gewürfelten Kartoffeln in den Topf geben und leicht anbraten. Den kleingeschnittenen Lauch, die Brühe und die Milch dazu und alles bei mittlerer Hitze köcheln lassen bis die Kartoffeln weich sind. Mit einem Stampfer einige Kartoffeln in der Suppe zerdrücken um sie zusammen mit dem Erdnussmus etwas einzudicken. Den gewürfelten Käse dazu geben und rühren bis er geschmolzen ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit frischem Koriander garnieren und servieren.

Genießen Sie den köstlichen ecuadorianischen Eintopf als Belohnung nach der Tageswanderung zur Lagune Quilotoa!

Als kleines Dessert und zur weiteren Steigerung der Lebensgeister gibt es

Zimtschnecken (sehr einfach)

Zutaten:

  • 1 Packung Blätterteig
  • 50 g Butter
  • 4 EL Zucker
  • 1 TL Zimt
  • 1 Ei

Zubereitung:

Die Butter in einem kleinen Topf schmelzen und etwas abkühlen lassen. Zucker und Zimt mischen. Den Blätterteig aufrollen und mit der flüssigen Butter bestreichen. 1 EL der Zucker/Zimt-Mischung zur Seite stellen und den Rest auf dem Blätterteig verteilen, anschl. aufrollen. Die Rolle in ca. 25 Stücke schneiden und diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Das Ei verquirlen und die Schnecken damit bestreichen. Den restlichen Zimtzucker darüber streuen und bei 200 Grad ca. 15 Minuten backen und auskühlen lassen.

Diese kleinen, schnell zubereiteten Teilchen sind ausnahmsweise keine Erinnerungen an Ecuador. Sie sind ein Dankeschön an den Schneckenlieferanten Wolfgang, welcher meinen Laufenten nach langer Abstinenz wieder mal eine saftige Fleischration hat zukommen lassen.

In Kürze beginnt mein lang ersehnter Urlaub und der nächste Reisebericht nach Cuenca/Ecuador folgt im Oktober. Felices fiestas y hasta pronto!

5 Antworten zu „8. Von Latacunga zur Lagune Quilotoa“

  1. Anonymous

    Schnell mal auf 4.000 Höhenmeter wandern, Respekt! Könnte ich nicht, ohne massiv Kopfweh zu riskieren. Hasta luego, in Berlin und eher auf Meeresniveau.

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  2. Anita

    Endlich wieder ein südamerikanisches Lebenszeichen – dazu mit so einer lebendigen, bewegten und farbenfrohen Beschreibung der Wanderung, vielen Dank!

    PS: Benno und ich wandern am Wochende wieder einmal auf die Mesmer-Alpe im Alpstein. Dort gibt es zur Belohnung „Röschdi“ 🙂

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    1. Hallo Anita, die Röschdi-Zubereitung musst du mir unbedingt nochmal zuschicken – ich hab mir das Rezept zwar irgendwo aufgeschrieben, weiß aber nicht mehr wo. Ein sonniges Wochenende mit einer schönen Tour auf die Mesmer-Alpe.

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      1. Dr. med. Anita Kuhlmann

        Rezept folgt! Anita

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  3. Anita

    PPS: Und natürlich einen schönen Urlaub (wenn auch dieses Mal nicht in Südamerika)!

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