7. Cotopaxi, Ruminahui und eine alte Hazienda

Eine Tour – halb mit dem Geländewagen, halb zu Fuß – auf den Cotopaxi steht auf dem Programm. Immerhin ist er mit 5897 m der zweithöchste Berg in Ecuador (der höchste ist der Chimborazo, dessen Gipfel vom Erdmittelpunkt aus der höchste Punkt der Erde ist), welcher zum letzten Mal 2015 ausbrach, und … der trotz seiner Aktivität der am häufigsten bestiegene Berg des Landes ist.

Während Alexander von Humboldt 1802 bis zur Höhe von 4500 m kam, ist es heute möglich bis 4658 m mit dem Auto zu fahren. Unser Plan ist, zu der auf 4800 m gelegenen Schutzhütte zu wandern, allerdings müssen wir aufgrund der extremen Wetterverhältnisse abbrechen und umkehren. Ein kräftiger, eiskalter Schneeregen brennt wie Feuer im Gesicht und zwingt uns und sogar ein paar erfahrenere Bergsteiger dazu. Recht mutlos kommen sie uns entgegen und berichten, dies wäre bereits ihr zweiter Versuch diesen ehemals heiligen Berg zu erklimmen. Ein interessantes Gespräch ergibt sich auf dem Rückweg, ich nehme es zur Erinnerung mit und hab es nicht vergessen: Es handelt sich beim Cotopaxi um einen sogenannten Schichtvulkan (bestehend aus einzelnen geologischen Schichten) wie es auch der Fuji in Japan, der Mount Saint Helens in den USA und der Vesuv und der Ätna in Italien sind um ein paar Beispiele zu nennen. Die beiden italienischen Geophysiker erklären uns wie sich an die nördliche Cocosplatte im Süden die Nazcaplatte anschließt und die sich unter den südamerikanischen Kontinent schiebt. Die dadurch entstehende Auftürmung der Anden ist verantwortlich sowohl für Erdbeben, als auch die Entstehung, Zusammensetzung und Tätigkeit der Vulkane. Bevor wir als kleine Entschädigung zu der kleinen Version einer Bergwanderung zum „nur“ 4721 m hohen, nicht mehr aktiven Vulkan Ruminahui, aufbrechen, gibt es als Stärkung eine deftige Bergsteigermahlzeit „Eintopf mit cremiger Polenta“

  • 125 g Polenta
  • 250 ml Gemüsebrühe
  • 350 ml Pflanzen- oder Kuhmilch
  • 4 EL Margarine oder Butter
  • 1/2 Tl Salz
  • 1 Prise Pfeffer
  • 500 g gewürfelte Zwiebeln
  • 4 Zehen gehackter Knoblauch
  • 120 ml Olivenöl
  • 480 g gekochte weiße Bohnen
  • 250 g Ajvar
  • 2 EL kleingeschnittene eingelegte Zitronen oder Zitronensaft
  • 800 ml Gemüsebrühe
  • 200 g grob geschnittener Fenchel
  • 200 g Erbsen
  • 100 g Mangold
  • 1 TL Salz
  • 1/4 TL frisch gem. Pfeffer
  • Rucola und Chiliflocken zum Garnieren

Gemüsebrühe, Milch, Margarine bei mittlerer Hitze leicht aufkochen lassen bis alles gut vermischt ist, Polenta unter ständigem Rühren dazu geben und eindicken. Salz und Pfeffer nach Geschmack dazu und auf der ausgeschalteten Herdplatte zugedeckt bis zum Servieren stehen lassen.

Zwiebeln im Öl ca. 10 Minuten anschwitzen und leicht braun werden lassen, den Knoblauch kurz dazu geben, danach mit dem Ajvar und dem Pfeffer weitere 10 Minuten unter ständigem Rühren köcheln lassen. Bohnen, Fenchel und die Gemüsebrühe zugeben, umrühren und weitere 5 Minuten kochen lassen. Erbsen und Mangold kurz vor dem Servieren in den Eintopf geben um Frische und Farbe zu erhalten. Die Polenta dem Cotopaxi ähnlich in einem tiefen Teller auftürmen, einen kleinen Krater formen und den Eintopf einfüllen. Mit Ruccola, Chiliflocken garnieren, etwas Olivenöl darüber träufeln und Servieren.

Zur Verdauung und gleichzeitig als Ersatz für den Anstieg zum Gipfel des Cotopaxi schlage ich nun eine leichte Bergwanderung auf dem Ruminahui, einem erloschenen Vulkan vor. Wir müssen nicht weit fahren, er liegt ebenfalls im Cotopaxi Nationalpark und ist benannt nach dem Inkageneral Ruminahui = Steingesicht. Pizarro und Belalcazars, die spanischen Konquistadoren waren seine Gegner, denen er im Norden des Inkareiches im 14./15. Jahrhundert heftigen Widerstand leistete. Eine Wanderung durch diese herrliche Bergregion mit ihrer einzigartigen Flora bei angenehmen Temperaturen lässt uns den Schneeregen schnell vergessen. Auf dem Weg nach Latacunga schlägt Dimitri noch einen Stopp in der Hosteria Cienega mit einer Kaffeepause und einem Bergsteigerkuchen vor.

  • 2 Tafeln Marzipan-Schokolade
  • 125 g Butter
  • 75 g brauner Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 3 Eier
  • 125 g Schmand
  • 200 g Mehl
  • 50 g Speisestärke
  • 2 TL Backpulver

Schokolade in kleine Stücke schneiden, Butter, Zucker, Salz schaumig rühren, Eier und Schmand unterrühren. Mehl, Stärke und Backpulver mischen, ebenfalls unterrühren, die Schokostückchen unterheben und den Teig in einer Kastenform bei 175 Grad ca. 60 – 70 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Erkalten lassen und mit dunklem Schokoguß überziehen.

Wir lassen uns den sehr leckeren Kuchen schmecken mit Blick auf einen herrlichen Innenhof. Der Prunk vergangener Kolonialzeiten läßt sich hier mehr als nur erahnen. Ein kleiner Bummel nach der Kaffeepause durch den großzügigen Garten dieser ehemaligen Hazienda eröffnet uns noch einen ganz anderen Ausblick in die Gegenrichtung. Der Cotopaxi liegt in seiner ganzen wunderbaren Pracht vor uns, ruhig und ohne Wolken und Nebel ragt er mit seiner schneebedeckten Spitze unschuldig in den Spätnachmittagshimmel.

3 Antworten zu „7. Cotopaxi, Ruminahui und eine alte Hazienda“

  1. Anita

    Ich könnte mir vorstellen, daß Uwe Deine Beschreibung des Berges mit großem Interesse liest. 🙂

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    1. Ja, Anita, vorausgesetzt er hat Zeit. Stjerna und Isabel, die Kleinste, sind seit einigen Wochen im KH und er muss sich neben seiner Arbeit um die zwei Großen kümmern – keine leichte Zeit für die ganze Familie. Gut ist, das das Fieber nun doch zurück geht und nach dem zweiten Eingriff an den Lymphknoten auch der Allgemeinzustand besser wird.

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      1. Anita

        Das tut mir leid zu lesen. Hoffentlich sind alle wieder gesund, wenn Du zu Deinem Besuch kommst.

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