
Die Geschichte von Port Arthur, wo sich ursprünglich ein Holzfällerlager befand, scheint mir beispielhaft nicht nur für dieses Land. Die Pyderrairme, wie die indigenen Ureinwohner hießen, bewohnten es bevor die Europäer zu Beginn des 19. Jahrhunderts dort siedelten. Port Arthur wurde von ihnen als Straflager für Wiederholungstäter aus allen australischen Kolonien zu dem Zweck angelegt, die “Schurken ehrlich zu machen”. Die angewandten Methoden waren grausam und viele Männer gingen daran zugrunde. Alle Gebäude wurden von Sträflingen erbaut und sind Sinnbild für ihre handwerklichen Fähigkeiten. Zuerst Gefangenenlager und später Unterkunft für alte und kranke Männer. Als Überbleibsel des Sträflingssystems hat man es 1877 ganz geschlossen. Viele Gebäude wurden abgerissen oder brannten ab. Kurzzeitig entstand auf den Ruinen ein neuer Ort, Carnarvon. Dieser Name setzte sich jedoch nicht durch und wurde 1927 wieder in Port Arthur zurück verwandelt. Es entstand ein neuer Ort mit lebendigem, einträglichem Tourismus. Mir erscheint das Nebeneinander von brutalen Bestrafungsmethoden aus vergangenen Tagen, wie es in einigen wieder aufgebauten Gebäuden grausam und der damaligen Realität entsprechend, dargestellt wird, und einem Sonntagsausflug heute in dieser Bilderbuch-Landschaft etwas seltsam. Wie bei vielen derartigen Gedenkstätten wird versucht nachfolgenden Generationen zu zeigen, wie unsere Vorfahren lebten und was wir heute daraus lernen können. Mein Spaziergang durch den Park lässt meinen Gedanken freien Lauf und ich werde an die Worte in Yad Vashem erinnert: “Remembering the Past, living in the Present, believe in the Future.” Ich weiss, der Vergleich hinkt, nicht nur was die Örtlichkeit angeht. Mir fällt er gerade hier ein, in diesem Teil Australiens trotz der sehr unterschiedlichen Geschichte.
Schnell werde ich von Trison, dem einheimischen Guide, auf andere Gedanken gebracht. Es ist der letzte gemeinsame Abend und er will sich von uns in einem italienischen Restaurant mit einer humorvollen Geschichte, gestrickt mit Seemannsgarn aus Nubeena, dem kleinen Küstenörtchen hier in der Nähe, verabschieden:
Vor langer Zeit, als noch viele geheimnisvolle Kreaturen Tasmanien bevölkerten, lebte vor der Küste Nubeenas eine riesige Krake, die Kelp-Krake. Sie war nicht bösartig, nur …. sehr sehr hungrig. Eines Tages – so wird erzählt – lockte sie alle Fischer mit einem betörenden Duft hinaus aufs Meer. Der Ursprung des Duftes? Er kam von einer geheimnisvolle Pizza, die irgendwo in der Nähe gebacken wurde. Einen Koch, namens Guiseppe – so die Legende – inspirierte eine Meeresbrise zu seiner ersten Kelp-Krake-Pizza. Guiseppe belegte sie neben Tomaten mit Tintenfisch-Streifen, Algen, Meeresfrüchten und einer besonderen Würze aus Kokosnuss und Muskat. Die Kelp-Krake bekam den betörenden Duft in die Nase und wurde neugierig. Seitdem heißt es, würde sie so lange wach bleiben, bis der letzte Bissen dieser köstlichen Pizza verzehrt sei.
Mit Trison besuchen wir zum Abschluß dieser Reise die Trattoria “Unter der Sonne” wo wir die berühmte Kraken-Delizia zusammen dieser etwas schrägen, aber amüsanten Geschichte serviert bekommen. Als weniger seltsame, aber auch schmackhafte Variante hier eine Vollkornpizza.
Pizza Milano:
- Für den Teig:
- 250 g Weizenvollkornmehl
- 10 g Hefe
- 1/8 l Wasser
- 1 gestr. TL Salz
- 30 g Butter
- Für den Belag:
- 2 EL Olivenöl
- 60 g Zwiebeln
- 200 g Champignons
- 1 gehäufter TL Pizzagewürz
- 150 g Emmentaler
- je 250 g grüne Paprikaschoten und Tomaten
- 60 g Paprikapaste –
- In eine Vertiefung im Mehl die in etwas lauwarmem Wasser aufgelöste Hefe mit etwas Mehl verrühren. Mit Mehl bedeckt 10 Minuten gehen lassen. Nun die Butter, das restliche Wasser, sowie das Salz dazugeben und alles gut zusammen kneten. Eine Kugel formen und in Springformgröße auswalken. Mit einem ca. 2 cm Rand in eine gefettete Form legen und mit Öl bestreichen. Da der Teig fester als normaler Hefeteig ist, braucht er nicht nochmal zu gehen und kann sofort belegt werden. Auf die gehackten Zwiebel kommen die zerkleinerten Pilze, mit Pizzagewürz bestreuen und grob geriebenem Käse abdecken, Paprika in Ringe schneiden und in deren Mitte die Tomatenscheiben platzieren. Die Zwischenräume mit der Paste (wahlweise schwarzen Oliven) auffüllen und bei 220 Grad auf der mittleren Schiene in ca. 30 Minuten backen. Auf die fertige Pizza etwas Petersilie, Schnittlauch oder Ruccola geben. Nach ca. 20 Minuten Backzeit mit Alufolie abdecken damit der Belag nicht schwarz wird.

Mit dem anschließenden Dessert gebe ich Ihnen/Dir einen kleinen Vorgeschmack auf die nächste Station meines Reisetage-Kochbuchs. Wie ich bereits im 14. Beitrag (Cradle-Mountain….) angekündigt habe, ist es Japan.
Kumquatkuchen mit Rosmarin
- Einen Rührteig herstellen:
- 75 g Butter
- 75 g Zucker
- Vanillezucker
- 2 Eier
- 1 Prise Salz
- 150 g Weizenmehl
- 3 g Backpulver
- 2 EL Milch
- mit fein gehacktem Rosmarin aromatisieren.
- Kumquats in dünne Scheiben schneiden, leicht zuckern, auf dem Kuchen verteilen und auf der mittleren Schiene bei 175 Grad backen. So bleibt der Kuchen saftig und bekommt ein herrlich fruchtig-würziges Aroma.

Und weshalb wieder mal Kumquats, diese sogenannten Zwergorangen, die im Gegensatz zu den meisten Zitrusfrüchten mit der Schale gegessen werden? Sie schmecken mit der süßen Schale und dem sauren Fruchtfleisch, haben einen hohen Vitamin C-Gehalt und gelten in Japan als Symbol für Glück und Wohlstand. Es ist heute mein erster Beitrag im Jahr 2026 und ich wünsche Ihnen/Dir viel Glück!

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