15. Bay of Fire/Wine Glass Bay

Weiter geht es vom Nationalpark Cradle Mountain-Lake St. Claire über Launceston zur Bay of Fire.

Die vorbei ziehende üppige grüne Landschaft erinnert mich an eine Reise nach Südengland. Jeden Tag haben sich dort Regenschauer mit bedrohlichen grauen Wolken angekündigt um sich nach kurzer Zeit mit einem sonnigen blauen Himmel abzuwechseln.

Ähnlich erlebe ich es heute in diesem zwar mit England sehr eng verbundenen, jedoch weit entfernten Teil des Commonwealth. Allerdings läßt sich Petrus zum Wechseln hier etwas mehr Zeit. Der Vorschlag unseres Guides, die graue Stimmung durch einen Besuch auf einer Farm mit einladendem Cafe aufzuheitern wird sofort angenommen, auch, weil wir hier selbst gebackenen Kuchen oder, wie unten, Muffins, einen typischen English Tea, bzw. einen Flat White angeboten bekommen.

Blaubeermuffins

  • 200 g frische oder tiefgefrorene (nicht aufgetaute) Blauberen
  • 250 g Mehl
  • 150 g Zucker
  • 2 TL Backpulver
  • 1/4 TL Salz
  • 2 Eier
  • 100 g weiche Butter
  • 100 ml Milch
  • 75 g Puderzucker
  • Fett für die Formen

Frische Beeren waschen u. verlesen, Muffinblech fetten u. kalt stellen. Mehl, Zucker, Backpulver u. Salz mischen, Eier verquirlen, Butter, Milch hinzufügen und verrühren, Mehlmischung zügig darunter rühren und 180 g Beeren unterheben. Teig in die Vertiefungen füllen und auf der mittleren Schiene bei 180 Grad 25 Minuten backen. Die fertig gebackenen Muffins noch 5 Minuten in der Form ruhen lassen, herausnehmen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Wer mag, kann die restlichen Beeren durch ein feines Sieb streichen, mit dem Puderzucker verrühren, evtl. etwas Wasser zufügen. Den Guss auf die Muffins streichen.

Und, siehe da, die Sonne bahnt sich noch während der Kaffeepause den Weg durch die Wolken und ich kann die anschließende Stunde in einer Bucht am Strand weg von allen Mitreisenden genießen. Nicht, dass die neu hinzugekommenen 2 Japanerinnen und der junge Mann aus Straubing mich stören würden. Aber ohne Begleitgeplapper kann ich das Rauschen, die Macht der Wellen und des Wassers besser spüren, hören und fühlen, auch schmecken. Und … ich kann meinen Gedanken nachhängen. Die Erzählungen der älteren Dame aus dem Farmcafé vorhin über ihre Abstammung von englischen Strafgefangenen sind noch sehr present, lassen mich abschweifen und neben allem anderen an eine alte Freundin zu Hause denken. Auch sie, wie die Oma heute, erzählt viel von ihren Vorfahren. Von Ihren längst verstorbenen Eltern und Großeltern, der vor 20 Jahren beendeten Berufstätigkeit, vom Ehemann, der bis zu seinem Tod ein treuer Gefährte war. Es sind andere, als die eben gehörten, aber es sind ihre Erinnerungen an ein langes gelebtes Leben. Für mich ist sowohl das tasmanische, als auch das aus Germany interessant und wert nochmal ins Gedächtnis gerufen zu werden. Auch kurzweilig, weil ich mich gern an Zeiten erinnere, die bereits in meiner Vergangenheit liegen und die manchmal sogar ein wenig traurig stimmen. Dabei fällt mir der Spruch des Dalai Lama ein: “Lebe ein gutes, ehrbares Leben! Wenn du älter bist und zurückdenkst, wirst du es noch einmal genießen können.”

Lebe ich ein gutes Leben? Ich bemühe mich (bemühen reicht nicht, wurde mir während meiner Berufstätigkeit erklärt). Wird das tägliche Bemühen ohne auch mal sorglos in den Tag hinein zu leben, wie es Kinder so gut können, nicht langweilig? Gerade in dieser momentan an Konflikten und Kriegen reichen und turbulenten Zeit ist ein kindliches Gemüt mit einer Portion Neugier von großem Vorteil. Neben dem Bemühen eine ebenso wichtige Zutat für ein gutes gelingendes Leben.

Bevor ich bei meiner Betrachtung allzu sehr in chinesische Glückskeksweisheiten abdrifte, ein weiteres Highlight dieser Reise: die Wineglass Bay im Freycinet Nationalpark. Sie sieht von den umliegenden Hügeln tatsächlich aus wie ein Weinglas. Es erübrigt sich in Tasmanien von mittlerweile kristallklarem Wasser (war zu Zeiten des Walfangs noch etwas anders) und herrlich weißen Sandstränden zu schwärmen – es gibt einfach zu viele davon und ich weiß nicht mehr, welchem ich das Attribut “der Schönste”, zuordnen würde. Zu dritt (Yasuko, Joho und ich) lassen wir uns an diesem Bilderbuch-Strand nieder und verzichten gern bei wieder heißen Temperaturen auf eine Buschwanderung. Ein paar Wallabys leisten uns dafür abwechslungsreiche Gesellschaft.

Der Mensch lebt nicht von wunderbarer Landschaft, zutraulichen Tieren und geistig-seelischem Austausch allein, nein, er braucht ab und zu auch mal etwas kräftiges zum Wiederbeleben der physischen Kräfte. An diesem vorletzten Tag unserer gemeinsamen Tour stellt diesen Ausgleich Hirsesalat mit Halloumi her.

  • 200 g Hirse
  • etwas Salz
  • 1 große rote Zwiebel
  • je 1 Bund Dill und Petersilie
  • 2 Zitronen
  • 2 TL Fenchelsamen
  • 1 TL Kreuzkümmelsamen
  • 2 EL Rosinen
  • 2 TL flüssigen Honig
  • 6 EL Olivenöl
  • 2 1/2 TL Ras el Hanout
  • 1 TL gem. Kurkuma
  • 1 TL Chiliflocken
  • 100 g geröstete u. gesalzene Pistazien
  • 400 g Halloumi

Hirse in einem Sieb abspülen u. abtropfen lassen, in kochendes Salzwasser geben, aufkochen und vom Herd nehmen. Die Hirse bei geschlossenem Deckel ca. 5 Minuten quellen lassen, auf ein Sieb abgießen u. abtropfen lassen. In eine Schüssel umfüllen und abkühlen. Zwiebel in dünne Streifen schneiden, Dill u. Petersilie fein hacken, zusammen mit der abgeriebenen Zitronenschale u. dem ausgepressten Saft vermengen. Fenchel und Kreuzkümmel im Mörser grob zerstoßen, alle weiteren Zutaten und die Hirse vermischen und mindestens 30 Minuten durchziehen lassen. Halloumi trocken tupfen und in Scheiben schneiden, unter den Grill legen oder in der Pfanne braten bis der Käse gut gebräunt ist. Die gehackten Pistazien unter den Salat mischen, nochmal abschmecken und zusammen mit dem Halloumi servieren.

Neben kristallklarem Wasser rundet ein tasmanischer Merlot oder ein kühles Bier dieses leichte Sommergericht ab. Dazu ein typischer Trinkspruch: Cheers, mate – to good yarns, cold tinnies, and not gettin’ lost in the bush! Here’s to Tassie

Good Yarns – wie ich hoffe – in meinem nächsten Bericht befassen sich mit Port Arthur, einer ehemaligen Holzfällersiedlung, die für eine besondere Art der Gefangenenhaltung traurige Berühmtheit erlangte. Aber auch den von der Ausrottung bedrohten tasmanischen Teufeln statten wir einen Besuch ab.

2 Antworten zu „15. Bay of Fire/Wine Glass Bay“

  1. Anonymous
    • hab herzlichen Dank für diesen sehr erfrischenden Bericht über die Tasmanische Insel mit Anklängen an das englische Wetter – das kann man heute hier sehr gut gebrauchen (aktuelle Temperatur in LÖ: 32° C)

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    1. Ja, so ein erfrischender Regenschauer zwischendurch könnten wir gerade auch gebrauchen. Danke für die Nachricht!

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