Meine Geschichte beginnt an einem Tag im Mai 2008 und ich will sie Serví, der 16 Jahre alten tapferen Entenfrau widmen.

Die enorme Zahl an Schnecken, die unseren Garten derzeit heimsucht, lässt den Gedanken an eine Dezimierung dieser schleimigen Spezies aufkommen. Sie vernichten alles an Grünzeug, was sich in den Weg stellt und wir überlegen, wie ihnen auf möglichst natürliche Weise der Garaus gemacht werden könnte. Ein tägliches Einsammeln der auf Salat-, Kohlrabi-, Krautpflanzen etc. befindlichen Tierchen mit anschließender grausamer Tötung erscheint uns weder für sie noch für uns eine ökologisch sinnvolle und glückliche Lösung zu sein. Ob die, für die Schnecken von Enten gefressen zu werden, eine zufriedenstellendere ist – wer kann das beurteilen? Dabei gibt es z. B. in der Schweiz 250 verschiedene Schneckenarten und die wenigsten, wie unsere Spanische Wegschnecke, machen in den Hausgärten derart viel Ärger. Etliche genießen sogar große Popularität in der Gourmetküche. Und – auch Schnecken gehören zur Biodiversität: sie verwandeln abgestorbene Pflanzen und morsches Holz in wertvollen Humus. Sie sind außerdem Futter für viele andere Tierarten. Diese anderen mögen allerdings unsere Schnecken nicht. Wir versuchen es deshalb, nachdem weder der Schneckenzaun noch das Absammeln ein befriedigendes Ergebnis bringt, mit Indischen Laufenten. Nur von diesen werden die sich besonders reichhaltig vermehrende Spezies als Delikatesse verspeist. Wir beginnen mit 3, 2 Erpeln und einer Entenfrau, welche wir in einem Geflügelhof auswählen dürfen. Das Geschlecht können wir bei den 3 Wochen alten Entchen noch nicht feststellen, deshalb wird später aus dem nach den Eisheiligen benannten Servatius eine Serví, aus der (Kalten) Sophie ein Sophos und aus dem Bonifatius schließlich der Boni. Die Eisheiligen stehen Pate, da wir sie an einem dieser Tage in unseren Garten und den gezimmerten Stall holen. Auch ein Teich wird angelegt (s. dazu das Foto im letzten Beitrag „Sanspareil“), da es sich bekanntermaßen um Wassergeflügel handelt. Mit dem Teich haben sie anfangs ihre Probleme, da sie künstlich ausgebrütet sind und bis jetzt noch nicht allzu viel Wasser gesehen haben dürften. Alle unsere künftigen Generationen dürfen/müssen sich auf natürliche Weise das Licht der Entenwelt erpicken und werden von der Stammmutter, Serví, bereits nach einem Tag ins Wasser geführt – die Kleinen folgen ihr tapfer. Zurück zu Jung-Serví und Co.: Spannende Wochen folgen bis sich unsere 3 an die Freiheit einer Gartenfläche, die sich über 3 Gartengrundstücke erstreckt, gewöhnen, und sie die neue Nahrung d. h. die Nacktschnecken entdeckt haben. Weizenkörner und das vorhandene Gras ergänzen ihren Speiseplan, an dem sich auch die ganzen folgenden Jahre nichts ändert. Sie verschmähen Brot, ebenso Nudeln oder Reis. Nur die Getreidekörner werden mal trocken und auch mal in Wasser eingeweicht gefuttert. Unser Speiseplan wird jedoch durch die an Kohlehydraten und Proteinen reichhaltigeren Enteneier enorm erweitert. Es folgen viele Jahre, junge werden geboren und ältere auch mal vom Marder tot gebissen. In kalten Wintern bekommen sie eine Wärmflasche in ihr Häuschen und wenn Serví wieder zum Brüten ansetzt, wird sie besonders behütet. Sie kriegt in dieser Zeit nachts ein zusätzliches kleines Dach übergestülpt, sodaß der Marder nicht in Versuchung geführt wird. 5 Generationen brütet sie in 16 Jahren aus und den Kleinen bringt sie immer geduldig Laufen, Fressen und Schwimmen bei.

Hier hat sich die Entenschar bereits auf 8, 3 Damen und 5 Herren vergrößert. Diese Konstellation ist keine einfache und entsprechend malträtiert werden die Damen. In der Tierwelt wird da unserer Ansicht nach etwas brutaler vorgegangen und ich muss gerade der älteren Entenfrau immer etwas zu Hilfe kommen. Bei der Paarung wird das Köpfchen manchmal sogar blutig gehackt und sie muss von den wilden Jungen separiert werden. Zum Glück habe ich verständige Nachbarn, die behilflich sind. Nicht nur in meiner Abwesenheit werden sie von ihnen mehr verwöhnt als versorgt, nein, sie dürfen sich in der schwierigen Zeit beim Nachbarn sogar verkriechen. Er hat eine Türe im Zaun geschaffen, die bei Bedarf geschlossen wird. Auch wird in dieser Zeit das Entenhaus geteilt. Der rabiate und jüngere Teil kommt auf die eine und der behäbigere, ältere auf die andere Seite. Im ausgehenden Frühjahr und den Sommer über ist das eine gut funktionierende Lösung auch wenn die jungen Erpel Möglichkeiten ausfindig machen und sogar über den Zaun fliegen um ihren Trieben nachgehen zu können – Tierwelt eben! Es gilt hier, wie sicher in der freien Natur noch viel mehr, der Schwächere hat weniger Chancen. Mobbing ist keine Seltenheit und auch kränkliche, alte Tiere werden ausgegrenzt und aus der Gruppe gedrängt. Trotzdem funktioniert das Zusammenleben mit etwas Unterstützung durch die „Entenmutter“ gut. Gerade jetzt marschieren wieder alle, jung und alt, gemeinsam durch den Garten auf der Suche nach dem mittlerweile rar gewordenen Fleischzusatz.
In Perth/Westaustralien lebt nicht nur ein Teil meiner Familie, auch Verwandte der Enten, die schwarzen Schwäne, habe ich hier entdeckt. Haftet ihnen nicht ein besonderer Reiz an? Sind es ihre Farben rot/schwarz/ein wenig weiß, oder ist es die stolze Haltung, die sie zu etwas besonderem macht? Vielleicht ist das auch mit der Grund, weshalb der schwarze Schwan das Wappentier der Stadt am Swan River geworden ist. Ganz nebenbei, für mich, eine der schönsten Städte überhaupt.

Australien mit einigen von mir bereisten Teilen wird 2025 der nächste kulinarisch-kulturelle Reisebericht in diesem Blog werden – freu du dich/freuen sie sich darauf! Anstatt kulinarischer Köstlichkeiten diesmal neben den schwarzen Schwänen noch ein Blick auf andere Wasservögel an der Küste des Indischen Ozeans, die sich auf den bizarren Felsen eine Ruhepause gönnen.

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