Der Begriff der kleinen Fluchten rührt her aus dem schweizerisch-französischen Film, der diesen Titel trägt. Ich habe den Streifen vor langer Zeit gesehen und er verkörpert für mich seither die kleinen Dinge, die Freude bereiten. In dem Film ist es die Freiheit eines Knechts, der nach seiner Verrentung mit dem Moped einfach losfährt und die kleine Welt um sich herum erkundet. Er hat ein Leben lang hart körperlich arbeiten müssen und nimmt sich nun diese Freiheit. Es hat sich einiges geändert. Aus der ländlichen Idylle ist zwischenzeitlich die große weite Welt geworden. Wir können in alle Teile der Welt fliegen (siehe meine Reiseberichte über Israel und Ecuador), Kreuzfahrten mit dem Schiff unternehmen, mit dem Zug meist bequem reisen, mit etwas körperlichem Einsatz Rad fahren oder uns „nur“ auf Schusters Rappen begeben und unsere unmittelbare nicht nur fränkische Landschaft erwandern.
Aus der kleinen Flucht mache ich heute eine große, zumindest was die Entfernung betrifft. Mit meinem Sohn geht es zu den Niagara Fällen. Vorher landen wir nach einer gemütlichen Autofahrt durch den Bundesstaat New York in der auf amerikanischer Seite gelegenen Kleinstadt Niagara Falls. Das gebuchte Motel ist leicht gefunden und von dort wollen wir abends einen Spaziergang (Interpretation hinterher, Sohn: kleiner Walk zum Entspannen, Mutter: mit leerem Magen durchgeführter Gewaltmarsch) zumindest in die Nähe der Falls unternehmen. Ich träume dabei von einer Einkehr in das mir von einem Freund ans Herz gelegte Hard Rock Café, dieser in vielen Großstädten beheimateten Kette, die angeblich den Rock ‚n‘ Roll feiert und speziell die tollsten Burger serviert. Unterschiedlich gefrustet – ich, weil mir der Weg unverhältnismäßig lang erscheint, der für die Schönheiten einer Stadt immer offene Sohn, weil er außer lauten Straßen und langweiligen Häuser- und Industrieanlagen nichts entdecken kann – erreichen wir nach 2 Stunden das besagte Rock Café. Anfangs noch heftige Diskussionen über den Nährwert eines Doppelburgers, lässt zumindest mein Hunger mir einen solchen bestellen. Leichtsinnigerweise habe ich mir die Portionen an den Nachbartischen nicht angesehen und muss nun meine Mund genannte Zufuhrquelle zum Magen derart weit öffnen, daß es fast zu einer „Maulsperre“ führt. Dass amerikanische Essensregeln in diesen Fällen Messer und Gabel vorsehen, kommt mir als Döner-Bezwingerin nicht in den Sinn.

Diese Art der Speiseaufnahme hat jedoch den Vorteil, unseren, den in einen handfesten Streit ausgearteten Frust schnell zu vergessen. Neben den Sinnfragen „wer versteht was unter einem Spaziergang?“ oder „wie esse ich einen überdimensionierten Burger?“ fällt uns Loriot ein und unsere Mahlzeit wird zu einem lustigen Tageshöhepunkt. Der Höhepunkt des Abends jedoch sollte noch folgen. Es waren die beleuchteten Falls auf amerikanischer Seite.

Und am nächsten Tag die Falls auf der kanadischen Seite, wo uns nochmal die Naturgewalten und die Schönheit dieser gigantischen Wasserfälle vor Augen geführt werden. Fotos können das nicht wiedergeben, sie erinnern uns lediglich. Die Tatsachen, Geschichten und Mythen um diesen Naturpark auf beiden Seiten, der zu den beliebtesten Touristenattraktionen Nordamerikas und sicher auch Kanadas zählt, sind vielfältig und wir freuen uns hier zu sein.
Neben dieser XXL-Flucht in eine etwas entferntere Ecke unserer Welt will ich eine kulinarische Flucht zu einem weniger kalorienreichen Imbiss antreten und empfehle dafür diesen etwas abgespeckten Mozarella-Burger

- 4 getoastete Brötchen
- mit Kräuterfrischkäse beidseitig bestreichen
- belegen mit Mozarella, rotem Spitzpaprika und Rucola
- etwas Balsamicoessig darüber träufeln
Mit einem kühlen Bier aus dem Krug einer der ehemaligen Fürther Brauereien schmeckt diese Alternative zum XXL-Burger nochmal so gut, auch ohne Fleischklops. Zur früheren Humbser Brauerei gibt es noch zu sagen, sie war eine der fünf großen und bekanntesten Brauereien in Fürth und später führend in der Weizenbier-Produktion. Der Ahnenreihe meiner Mutter Johanna (geborene Humbser) zum Langenzenner Braumeister Johann Stephanias Humser (das b wurde dem Namen erst später hinzugefügt), dem Mitbegründer der Langenzenner Bierbrauerzunft, wurde bereits ermittelt. Es gab zu dieser Zeit sage und schreibe neun Brauereien in Langenzenn. Der Zusammenhang und die Erforschung der Fürther Linie, die ebenso wie meine nach Weinzierlein führt, wartet noch auf mich.
Für warme Sommertage noch ein weiteres kühles – diesmal nichtalkoholisches – Getränk, ein erfrischendes Pfirsich-Lassi:
- 4 reife Pfirsiche
- 1/4 TL Kurkumapulver
- 1 Prise Pfeffer
- 500 g Jogurt, 3,5 % Fett
- 250 ml Orangensaft
Pfirsiche waschen, 3 davon unten kreuzweise einschneiden, in einer Schüssel mit kochendem Wasser übergießen und 30 Sekunden darin ziehen lassen, mit kaltem Wasser abschrecken. Die Haut mit einem Messer abziehen, die Kerne herauslösen, Fruchtfleisch kleinschneiden und zusammen mit den übrigen Zutaten in einem hohen Gefäß mit dem Pürierstab fein pürieren oder mixen. Auf Gläser verteilen und mit dem in Spalten geschnittenen restlichen Pfirsich garnieren.

Amicalement und weiterhin schöne Sommertage
Hinterlasse einen Kommentar