37. Bethlehem בית לחם – arabischer Teil


Während in Deutschland nicht nur die Abende kühler werden – auch tagsüber lassen uns die Temperaturen oftmals schon leicht frösteln – sind es in Israel immer noch angenehme 25 Grad. Ich entfliehe dieses Jahr unseren unfreundlichen Herbsttagen und tanke Wärme und Sonne zuerst am Strand in Tel Aviv und anschließend in Jerusalem. Die Adventszeit liegt vor uns und was liegt da näher als ein Besuch in Bethlehem. Gestärkt mit frischen Teilchen und einem arabischen schwarzen Kaffee breche ich zum Damaskus Gate auf, um von dort aus mit dem Bus nach Betlehem zu fahren. Dort angekommen, werde ich sofort an der Ausstiegsstelle von einem geschäftstüchtigen Taxifahrer angesprochen. Er will mich für nicht wenig Geld etwas in der Gegend herum kutschieren. Touristen sind hier heute offensichtlich Mangelware und der Blick des Profis hat in mir natürlich eine potentielle Kundin erkannt. Ich handele den Preis etwas herunter und werde dafür nicht so lange herum gefahren, was mir sehr entgegen kommt. Schließlich will ich die Stadt zu Fuß erkunden. Er will mir hauptsächlich klarmachen, was Israel mit den Palästinensern in der Westbank macht und fährt mich zu der israelischen Sperranlange, die mit einer bis zu acht Meter hohen Mauer Bethlehem von Jerusalem und kleineren Dörfern trennt. Die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bewohner der Stadt wird dadurch erheblich eingeschränkt. Ich spüre wieder einmal, wie groß die Probleme hier sind und wie unüberbrückbar sie scheinen.

Nach der Sightseeing-Tour lasse ich mich erstmal vom Manger Square aus durch die Gassen treiben. Zum Glück muss ich keinem Reiseführer (ich bewundere diese Spezies, ehrlich – sie müssen so viel Geduld aufbringen) hinterher laufen und kann in aller Ruhe in meinem eigenen Tempo alles um mich herum wirken lassen. Natürlich kommt nach einiger Zeit ein Durst- bzw. Hungergefühl auf. Oder will ich nur meinen Beinen etwas Ruhe gönnen, oder … erliege ich wieder mal den Dufterlebnissen ringsum? – Egal! Ich suche mir in einer Bäckerei leckere frische Aniskekse aus,

  • 200 g weiche Butter
  • 150 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eier, mittelgroß
  • 200 g Mehl, 405
  • 150 g Speisestärke
  • 1 leicht gehäufter TL Backpulver
  • 1/2 gestrichener TL Natron
  • 15 g Anis, gemahlen
  • 2 EL kalte Milch

Weiche Butter mit Zucker, Vanillezucker, Salz und den Eiern schaumig schlagen. Das gesiebte Mehl, die Speisestärke, Backpulver, Natron und Anis gut miteinander vermischen und über die Buttermasse geben (nur so viel unterrühren, daß keine Mehlreste mehr sichtbar sind). Zuletzt die kalte Milch kurz unterrühren. Backbleche mit Backpapier auslegen und mit einem TL kleine Teighäufchen darauf setzen, ca. 8 cm Abstand dazwischen lassen. Bei 180 Grad auf der mittleren Schiene backen. In einer gut schließenden Dose halten sich die Kekse 6-8 Wochen.

Ein sehr freundlicher Verkäufer drückt sie mir, ohne Geld nehmen zu wollen, in die Hand, mit dem Hinweis, um die Ecke würde ich wunderbaren Tee dazu serviert bekommen. Er hat nicht zuviel versprochen, dieser nette Mensch auf dem Foto unten bereitet mir in seiner winzigen Küche einen „Special Tea of Sami Khamis“ zu, den ich mir zusammen mit den Keksen vor dem Haus auf zwei Obstkisten schmecken lasse. Sogar die Zutaten verrät er mir: Minze, Zimt, Salbei, Ingwer, Koreander und Zitrone. Nicht mal der arrogante und mürrische Tourist auf der Kiste neben mir kann mir diesen Genuss madig machen.

Über den sehr ursprünglichen arabischen Markt gelange ich in das Folklore-Museum. Eine ältere Dame zeigt mir freundlich und engagiert das 3-stöckige Haus, in dem das Museum untergebracht ist. Es wurde von der Arab. Orthodox Women’s Union gegründet mit dem Ziel, die lokalen Traditionen und das kulturelle Erbe der Palästinenser vor allem aus dem 19. Jh. zu erhalten.

Der Bus bringt mich schließlich zurück nach Jerusalem, wo zum Abendessen Ruths gefüllte Paprikaschoten (wieder mal ein Gericht aus Ottolenghis Kochbuch „Jerusalem“) warten

  • 8 mittelgroße rote Spitzpaprika
  • 1 große Tomate (170 g) grob gehackt
  • 2 mittelgroße Zwiebeln (250 g) grob gehackt
  • ca. 500 ml Gemüsebrühe
  • Füllung:
  • 140 g Basmatireis
  • 1 1/2 EL Baharat-Gewürzmischung (Pfeffer, Koriander, Nelke, Kreuzkümmel, Kardamom, Zimt)
  • 1/2 TL gem. Kardamom
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 große Zwiebel (200 g) fein gehackt
  • 400 g Hackfleisch (Lamm o. Rind)
  • 2 1/2 EL gehackte Petersilie
  • 2 EL Dill gehackt
  • 1 1/2 EL getrocknete Minze
  • 1 1/2 TL Zucker
  • Salz u. schwarzer Pfeffer

Für die Füllung den Reis in einem Topf mit leicht gesalzenem Wasser bedecken, zum Kochen bringen und 4 Minuten kochen lassen, abgießen und unter fließendem Wasser kalt abschrecken.

Die Gewürze in einer Pfanne ohne Fett kurz anrösten, Öl und Zwiebel zugeben und die Zwiebel unter Rühren etwa 7 Minuten anschwitzen bis sie weich ist. Den Pfanneninhalt mit Reis, Fleisch, Kräutern, Zucker sowie 1 TL Salz in einer großen Schüssel sorgfältig vermengen.

Die Paprikaschoten mit einem kleinen Messer vom Stielansatz her zu zwei Drittel aufschneiden, die Samen vorsichtig entfernen und in die entstandene Öffnung die Fleisch-Reisfüllung (jeweils ca. 100 g je nach Größe der Schoten) geben.

Tomaten- und Zwiebelwürfel in einer großen Pfanne mit fest schließendem Deckel verteilen, mit 1/2 TL Salz und Pfeffer würzen, die Paprikaschoten darauf legen und so viel Brühe angießen, daß sie ca. 1 cm hoch steht. Zugedeckt bei geringster Hitze 1 Stunde garen. Der Pfannenboden sollte immer mit etwas Flüssigkeit bedeckt sein.

Nach dem arabischen Teil folgt in 2 Wochen der christliche Teil Bethlehems. Dieser wird meine Reise nach Israel und Jerusalem beschließen. Nach einer schöpferischen Pause folgt evtl. ein neuer Reisebericht mit neuen Erlebnissen („Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise“ – H. Hesse) …..und wieder leckeren Rezepten.

Shabbat Shalom שבת שלום!


4 Antworten zu “37. Bethlehem בית לחם – arabischer Teil”

  1. – vielen Dank für den Einblick in Bethlehems arabischen Teil; die Nachrichten nach den Wahlen in Israel klingen nicht gut … Ich lese zur Zeit eine Biographie von Hannah Arendt, welche damals im amerikanischen Exil die Gründung des Staates Israel mitten im arabischen Gebiet kritisch verfolgt hat; wie in so vielen sollten sie Recht behalten. Es ist bis heute eine schwierige Koextistenz.

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  2. One perspective rarely taken does not focus on the problems, the challenges that emerge when very diverse people share space but asks what would be different if this overlap was absent?
    In this context, I find the constant questions and criticism of Israel’s policies and politicians highly insignificant compared with all the good this nation represents and has produced. We should always ask, what kind of a world would we have without this nation?
    I am not oblivious to the problems, and neither – to state the obvious – are the Israelis themselves, but especially we must be aware of what the world owes the people who build and develop this country.

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