30. Tempelberg מוריה mit Felsendom und Al Aksa Moschee


Es bedarf mehrer Anläufe bis ich mich in die Schlange einreihen und den Eingang zum Tempelberg passieren darf. Erst beim dritten Mal klappt es und die wahrscheinlich aus dem Mittelalter stammende Redewendung „aller guten Dinge sind drei“ ist hoffentlich ein gutes Omen. Ich habe es endlich geschafft und bin auf dem Berg Morija מוריה (nach jüdischer und islamischer Überlieferung), dem heutigen Tempelberg, auf dem Abraham seinen einzigen Sohn Isaak Gott als Opfer darbringen sollte. Hier befindet sich der weit sichtbare goldgleißende Felsendom, das Wahrzeichen der Heiligen Stadt

und die ehrwürdige Al Aksa Moschee

Beides Gebäude mit einer mehrere Tausend Jahre alten Geschichte, die nirgendwo sonst drei Religionen auf so engem Raum verbindet. Vom Berg Morija aus soll Mohammed auf seinem Pferd al-Buraq in den Himmel aufgestiegen sein. Hierher soll David die Bundeslade mit den 10 Geboten (mythischer Kultgegenstand der Israeliten) geholt und sein Sohn Salomo den ersten Tempel gebaut haben. Nach immer wieder wechselnden Machtverhältnissen gehört heute das riesige Areal des Tempelberges den Moslems. Das umliegende Gelände wird von den Israelis kontrolliert. Die Antwort eines Polizisten hätte mich daher nicht verwundern sollen: „I don’t know“, auf meine Frage nach dem Zugang zum Tempelberg – gestellt nur wenige Schritte von eben jenem, dem Maghrebinertor entfernt. Auch wenn Polizisten gerade hier sehr viel wichtigere Funktionen wahrnehmen, als Touristen einen Weg zu weisen, der auch ohne elektronische Hilfe einer jener ist, welchen man intuitiv findet, fuehle ich mich unnoetig unfreundlich behandelt. Ich erinnere mich dabei an die manchmal sehr aufgeheizte Stimmung und etliche Bemerkungen der Händler in der Old City. Vormittags war geschlossen und ich muss mich nun nachmittags in eine längere Schlange einreihen. Die Wartezeit wird allerdings verkürzt durch die illustre Geschichte einer Mutter (und weniger der Tochter) aus dem Allgäu. Sie wäre vor 30 Jahren in Tel Aviv als Aupair gewesen und es hätte sich seitdem in Israel allerhand verändert. Wie alle anderen Touristen werden wir unmittelbar nach dem Eintritt auf die Bedeckung der Arme und Beine hingewiesen. Für meinen Besuch bleibt nur 1 Stunde und wir verabreden uns für Nachher in der Old City. Ich kann nun die ruhige und entspannte Atmosphäre auf dem großzügigen Areal des Berges Morija genießen, welches ganz ohne kommerzielles Angebot auskommt. Die barsche Bemerkung, die einer Touristin zuteil wird, deren Arme nur teilweise bedeckt sind, und jener Aufforderung eines Moslems an mich, mit in die Al Aksa zu kommen und Muslima zu werden, laesst mich schmunzeln und auch etwas eitel stolz auf die Getadelte blicken. Seine – zugegebenermassen sehr abgegriffene und nichtssagende – Bemerkung, wir alle hätten nur den einen Gott, fand ich trotzdem sehr versöhnend, auch wenn ich recht kühl anschließend des Tempelberges verwiesen wurde. Die Öffnungszeit war abgelaufen.

Der Kaffee anschließend mit den zwei Allgäuerinnen war kurzweilig und gewürzt mit allerlei Anekdoten. Kaffee macht zwar glücklich, aber nicht unbedingt satt, daher eine Zugabe in Form eines feinen Kuchens:

Schokoladen-Nuß-Kuchen

  • 100 g Zucker
  • 175 g Butter
  • 175 g dunkle Schokolade (mind. 70 % Kakaogehalt)
  • 100 g gemahlene Nüsse (Mandeln, Walnüsse etc.)
  • 4 Eier
  • 2 EL gehackte geröstete Mandeln

Butter und Schokolade zusammen in einer Schüssel über dem Wasserbad erwärmen und verrühren. Zucker und Eier in ca. 15 Minuten (Küchenmaschine) zu einer schaumigen Masse rühren (je schaumiger um so lockerer wird ihr Kuchen) und kühl stellen bis auch die Butter-Schoko-Masse abgekühlt ist und diese dann zusammen mit den Nüssen unter die Ei-Zucker-Masse heben. In eine gefettete mit Butter und Brösel versehene Springform geben. Diese mit Alufolie abdecken und für ca. 20 Minuten bei 180 Grad in den Ofen auf die mittlere Schiene schieben. Die gehackten Mandeln darüber streuen und weitere 20 Minuten abgedeckt backen.

Von den beiden Damen wird mir für den Abend ein Besuch im Tmol-Shilshom, Bookstore Cafe empfohlen. Es war nicht ganz einfach dieses schon vom Interieur bestechende Restaurant zu finden. Was mich dann noch zusätzlich überzeugt hat, war die vegetarische und koschere Küche, die vom schmackhaften Shakshuka über eine besonders gute Kartoffelsuppe alles bietet, was sich unser verwöhnter Gaumen vorstellen mag und sie können mir glauben, es lohnt sich!

Hokkaido-Gratin mit Ziegenfrischkäse

  • 1 Hokkaido-Kürbis
  • 2 rote Peperoni
  • 3 rote Zwiebeln
  • 2 Zweige Rosmarin
  • Salz, Pfeffer
  • 4 EL Olivenöl
  • 8-9 Eier
  • 250 ml Sahne
  • 200 ml Milch
  • 1 Bund Petersilie, feingehackt
  • 300 g Schafs- oder Ziegenfrischkäse

Kürbis halbieren und die Kerne herauskratzen, in ca. 3 cm breite Streifen schneiden. Die Schale kann dranbleiben, man kann sie mitessen. Bei den Peperoni ebenfalls die Kerne herauskratzen und in dünne Streifen schneiden. Rosmarinnadeln grob hacken, Zwiebeln in Spalten schneiden und alles zusammen in die Form geben, mit Salz und Pfeffer würzen und dem Öl beträufeln. Alles in ca. 30 Minuten bei 200 Grad in der Röhre auf der mittleren Schiene backen. Inzwischen Sahne, Milch, Eier und die Petersilie verquirlt mit Salz und Pfeffer abschmecken und über das Gericht gießen, dann weitere 15 Minuten backen. Abschließend kommt der zerbröselte Käse darüber und das Ganze wird nochmal 15 Minuten überbacken. Zum Servieren Fladen- oder Stangenweißbrot reichen. Ein guter Rotwein vom Mount Hermon oder den Golan Hights passt wunderbar dazu. Diese bekommt man auch bei uns in ganz unterschiedlichen Preisklassen zu kaufen.

Im nächsten Beitrag gibt es nochmal ein schmackhaftes Gericht aus dem Tmol-Shilshom zusammen mit einem bayerischen Käsekuchen. Des weiteren begebe ich mich auf meiner Erkundungstour durch Jerusalem zur Klagemauer und steige hinab zum darunter liegenden Tunnel. Bis dahin Shabbat Shalom und eine gute Woche.


Eine Antwort zu “30. Tempelberg מוריה mit Felsendom und Al Aksa Moschee”

  1. Liebe Renate,

    da hast Du ja einen sehr facettenreichen Besuch des Tempelberges hinter Dir … Es ist manchmal nicht leicht, Brücken zu bauen, vor allem wenn untolerante oder gar fanatische Religion im Spiel ist. Aber vielleicht gibt die folgende Schlagzeile, welche ich gerade in der „NZZ“ gelesen habe Hoffung:

    Der israelische Regierungschef Jair Lapid hat sich am Donnerstag vor der Uno-Vollversammlung in New York für die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates ausgesprochen. Er sagte, dass eine Mehrheit der Israeli eine Zweistaatenlösung unterstütze. Eine Einigung mit den Palästinensern sei das Richtige für Israels Sicherheit, Wirtschaft und für die Zukunft der Kinder.

    Gefällt 1 Person

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