29. Purimפורים (Los, Schicksal)


Als ein uneingeschränkt fröhliches und ausgelassenes Fest wird Purim (6.-7.3.23) gefeiert. Es ist das einzige jüdische Fest, welches nicht im Lande Israel, sondern in der Diaspora entstanden ist. Es ist auch die einzige Feierlichkeit des jüdischen Kalenders ohne tiefgreifende religiöse Bedeutung. Kostümierte Kinder und Erwachsene ziehen durch die Straßen, es wird Theater gespielt, Klamauk veranstaltet, Parties gefeiert, gegessen und getrunken. Wenn man dem Talmud תלמוד folgt, so ist man erst richtig in Purimlaune, wenn aufgrund ausreichenden Weingenusses nicht mehr unterschieden werden kann, wer Mordechai מרדכי und wer Haman המן war. Wie im Talmud (Belehrung) finden wir auch in der Bibel im Buch Ester אסתר die Entstehungsgeschichte von Purim. Danach wird Ester, die Adoptivtochter Mordechais, die neue Gemahlin des persischen Königs Ahasveros. Dieser soll die bisherige Königin nach deren Ungehorsam verstoßen und die königliche Würde einer anderen, Ester, gegeben haben, die besser wäre als sie. Mordechai, ein Jude aus Jerusalem, brachte seine Pflegetochter an den Hof, schärfte ihr jedoch ein, ihre jüdische Herkunft nicht preiszugeben. Wie in diesen Zeiten üblich, wurden an Ahasveros Hof viele Intrigen gesponnen und schließlich gewann Haman die Gunst des Königs, der ihm uneingeschränkte Macht verlieh. Mordechai beugte sich dieser Macht jedoch nicht und Haman trachtete danach nicht nur ihn, sondern alle Juden im Land zu vernichten. Durch die geschickte Vermittlung Esters landete dann nicht Mordechai am Galgen, sondern Haman, dessen falsches Spiel ans Licht kam. Die Königin erreichte zudem Gnade für ihr Volk, welchem die Erlaubnis erteilt wurde sich zu versammeln und sein Leben zu verteidigen. Die Tage, an denen Ahasveros dies im ganzen Land verkündete, wurden zu Tagen des Festmahls und der Freude. Purim soll uns daran erinnern, gut zu essen und zu trinken, Geschenke auszutauschen und sich des Lebens zu erfreuen.

Die Auseinandersetzung zwischen Mordechai und Haman wird zu einem exemplarischen Kampf Israels um sein Überleben inmitten der Völkerwelt, welcher sich unter wechselnden Vorzeichen in jeder Generation neu ereignet. Auch wenn die Errettung der Juden durch Königin Ester niemals stattgefunden hat, geschah sie doch in jeder Epoche der langen jüdischen Geschichte oft auf ähnliche Weise. So wandelten sich Namen und Orte, und oft kam Rettung auch erst nach hohem Blutzoll. Doch dass sich das jüdische Volk trotz allem immer als Teil einer Gesellschaft – hier in Form der Heirat Esters – versteht und mit ihr eine schicksalshafte und niemals parasitaere Verbindung pflegt, die zum guten Kern einer jeden Kultur gehoert, hat sich als historische Konstante erwiesen, welche eindringlich im Buche Ester niedergeschrieben ist.

Einige Speisen, welche typisch für Purim sind:

Würstchen aus Erbsen

  • 3 Tassen grüne Erbsen
  • 8 Schnitten Toastbrot
  • 2-3 Eier
  • 3 Knoblauchzehen, klein schneiden und mit Salz zerdrücken
  • 1-2 TL Salz
  • je 1/4 TL Pfeffer und scharfer Paprika
  • Öl zum Braten

Erbsen über einem Sieb abspülen, in einen Topf geben und mit Wasser übergießen. Am besten über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag ca. 20-30 Minuten kochen, abseihen und auskühlen lassen. Die gekochten Erbsen mit dem getoasteten Brot durch den Fleischwolf drehen, mit Eiern und den Gewürzen vermengen und ca. 1 Std. kalt stellen. Anschließend aus der Masse fingerdicke Würstchen formen und in Öl braten. Weißkrautsalat passt gut dazu, aber genauso grüner Salat, Senf oder scharfer Ketchup.

Ebenso dieses Chutney, das zudem vielfach einsetzbar ist.

Zucchini-Chutney

  • 1 kg grüne Zucchini 
  • Salz 
  • 250 g Zwiebeln 
  • 1 rote Peperoni 
  • 1 kleine gelbe Paprikaschote 
  • 250 g Gelierzucker (2:1) 
  • 250 ml Weißweinessig 
  • 2 Tl Currypulver 
  • Pfeffer 

geraspelte Zucchini mit 40 g Salz mischen und ca. 30 Minuten Wasser ziehen lassen, abspülen und trockentupfen. Mit den Zutaten aufkochen und offen 35 min köcheln, dabei öfter umrühren und heiß in Twist-off-Gläser füllen.

Hamantaschen

Der Legende nach erinnert die dreieckige Form der Hamantasche an den Hut, den Haman getragen haben soll. Wie oben bereits erwähnt, war Haman der Bösewicht am persischen Königshof, der alles dafür tat, um die Juden zu vernichten. Die schöne Königin Ester, selbst eine Jüdin, verhinderte das zusammen mit Mordechai, ihrem Adoptivvater. Mit Haman nahm es ein böses Ende, der Perserkönig Ahasveros ließ ihn hinrichten.

Teig:

  • 375 g Mehl
  • 225 g Zucker
  • 175 g Margarine
  • 1 großes Ei
  • ½ dl Orangensaft
  • 1 P. Vanillezucker
  • 1 gehäufter TL Natron
  • 1 Prise Salz

Nussfüllung:

  • 1 Tasse geriebene Nüsse
  • 1 Tasse Zucker
  • Vanillezucker
  • Saft von ½ Zitrone u. ½ Orange
  • 1 EL Rum
  • ¼ Tasse Rosinen
  • ½ TL Zimt
  • ½ Tasse Orangenmarmelade

Alles gut mischen und die Taschen damit füllen.

Margarine mit Zucker gut verrühren, Ei, Saft, Vanillezucker und Mehl zugeben und zu einem glatten Teig verarbeiten. Diesen in Folie einwickeln und ca. 2 ½ Stunden kühl stellen. Anschließend ca. ½ cm dick ausrollen und in Vierecke (10 cm Seitenlänge) schneiden. Nussfülle oder eine andere Füllung (bei mir ist es Quittenmus) darauf geben und zu einem Dreieck zuklappen, dabei die Ränder gut andrücken. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und in ca. 20 Minuten bei Mittelhitze goldgelb backen. Erkalten lassen und mit Puderzucker bestreut servieren.

Nach Purim mit seinen Speisen, komme ich in meinem nächsten Beitrag endlich auf den Tempelberg.


Eine Antwort zu “29. Purimפורים (Los, Schicksal)”

  1. Ja, die früheren Zeiten waren nicht weniger konfliktreich als die heutigen. Wenigstens ist diese Geschichte für die meisten Beteiligten gut ausgegangen und es ist sogar ein Gebäck im Gefolge entstanden.

    PS: Wir sind wohlbehalten und erlebnisreich von unserer Reise zurück; 5400 km, sechs Fähren, sieben Länder – toll war es und am schönsten ist es gewesen, die Freunde wieder zu sehen.

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