8. Von Haifa nach Akko מהיפה לעכו


unterirdisches Akko

In Akko עכו angekommen, genießen wir mit einem türkischen Mokka im historischen Kern dieser alten orientalischen Hafenstadt das unvergleichliche Flair. Ptolemais, wie die Stadt im Altertum hieß, gehört seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Dieser einst bedeutendste Hafen Palästinas lässt sich mit Blick auf das schlanke Minarett der Ahmed-Jezzar Moschee während der morgendlichen Betriebsamkeit erahnen und wir versuchen ein klein wenig in die Geschichte einzudringen. Ägyptische Pharaonen, Hethiter, Phönizier, Babylonier, Alexander der Große, Seleukiden, Römer, Byzantiner, Omaijaden, Christen (Haupthafen des fränkischen Königreiches), Juden und schließlich Sultan Saladin eroberten die Stadt. Während der Kreuzzüge erlangte Akko u. a. durch Richard Löwenherz und etliche europäische Könige und Fürsten große aber auch blutige Bedeutung. Weitere große Namen finden wir unter den einstigen Besuchern: König Salomo, Julius Cäsar, der Apostel Paulus, Franz von Assisi (dieser gründete das erste Franziskanerkloster im Heiligen Land), der Stauferkaiser Friedrich II., Ludwig der Heilige. Der Deutsche Orden fand hier seinen Ursprung. Napoleon Bonaparte gelang es allerdings nicht, trotz dreimonatiger Belagerung, die Stadt einzunehmen.

Zur Erfrischung nach der Besichtigung der unterirdischen Kreuzfahrerstadt, die tatsächlich 1291 zugeschüttet wurde und heute 4 m unter dem Straßenniveau liegt, gibt es

frisch gepressten Granatapfelsaft מיץ רימון

Seit Jahrtausenden werden dem Granatapfel außergewöhnliche Kräfte zugeschrieben. Bereits in der Antike galt er als Sinnbild für Fruchtbarkeit, Liebe, Schönheit und Unsterblichkeit. Er spielt sowohl in der griechischen Mythologie, als auch im Judentum eine wichtige Rolle. Hier steht der Granatapfel für die Gesetzestreue gegenüber der Thora. 613 Kerne stehen für die Anzahl der Gebote der Thora und im Buddhismus gehört der Granatapfel neben Pfirsich und Zitrone zu den drei „gesegneten Früchten“. Auch im Koran wird die Frucht als Geschenk Allahs erwähnt, als ein Zeichen göttlicher Gunst. Den klassischen Granatapfelbaum finden wir deshalb auch in West- und Mittelasien, sowie im Mittelmeerraum und er erreicht eine Höhe von bis zu 5 Metern. Wie die knorrigen Olivenbäume ist er dann allerdings schon mehrere hundert Jahre alt.

Immer wieder begegnen uns auf unserer Route quer durch Israel Granatapfelbäume, fast ebenso häufig die dazugehörigen Saftpressen. Wie hier in der Altstadt von Akko, gibt es sie an jeder Straßenecke.

Die Kerne enthalten sehr viel Vitamin B und C, ebenso Eisen, Kalium, Kalzium und Polyphenole.

Hier noch eine Creme aus dem Saft eines Granatapfels:

  • Saft von einem Granatapfel
  • ein paar Kerne zum Garnieren
  • 4 Blatt weiße Gelatine (Agar-Agar)
  • 200 ml Sahne (Sojasahne)
  • 100 ml Jogurt (Sojacreme)
  • 50 ml Agavensirup
  • einige Pinienkerne

Die Gelatine nach Anweisung einweichen und im heißen, nicht gekochten Saft auflösen. Sahne steif schlagen, Jogurt und Sirup nach Geschmack unterheben. 3 EL davon zuerst unter den Saft u. die aufgelöste Gelatine mischen und nach und nach alles dazu geben. Im Kühlschrank mindestens 2 Stunden fest werden lassen. Mit den herausgelösten Kernen der Granatapfelhälfte und den gehackten Pinienkernen garnieren.

Nach dieser kleinen Stärkung geht es von Napoleon im 18./19. Jahrhundert zurück ins 7. Jahrhundert n. Chr. zu Muawiya. Akko wollte dieser nicht erobern, im Gegensatz zu Napoleon hat er aber Konstantinopel (das heutige Istanbul) alljährlich angegriffen und einmal sogar 3 Jahre lang zu Land und zur See belagert.

Muawiya war der Schöpfer der arabischen Monarchie und Begründer der Omaijadendynastie.

Ihm will ich das folgende Rezept eines Grießkuchens, Haris, widmen.

Vorher jedoch eine kleine Anekdote, die an diesen nicht alltäglichen Herrscher erinnert:

Muawiya – er wurde auch der arabische Cäsar genannt – herrschte 40 Jahre (7./8. Jahrhundert n. Chr.) über Jerusalem. Seine Regentschaft wurde als gerecht, friedlich und tolerant, auch von Juden und Christen anerkannt und es gibt viele amüsante Geschichten über ihn. Er war zusammen mit den Juden Arabiens aufgewachsen und wenn ihn später eine jüdische Delegationen aufsuchte, fragte Muawiya angeblich als Erstes, ob sie das köstliche Gericht „Haris“ kochen könnten.

Grieskuchen „Haris“
  • 100 g flüssige Butter (Pflanzenöl)
  • 3 Eier (veganes Eipulver)
  • 50 g Zucker, 1 P. Vanillezucker
  • 1 geh. TL Trockenhefe
  • 1 geh. Backpulver
  • 300 g feiner Grieß
  • 200 g Jogurt (Sojacreme)

und für den Sirup:

  • 200 g Zucker
  • 200 ml Wasser
  • 1 TL Zitronensaft
  • ½ P. Vanillezucker
  • Kokosraspel oder geh. Pistazien

Alle Zutaten verrühren bis ein geschmeidiger Teig entsteht, der leicht vom Löffel fällt. Nun in eine gebutterte Form geben und ½ Stunde ruhen lassen. Bei 180 Grad auf der mittleren Schiene backen bis er eine goldgelbe Farbe bekommt.

Sirup: Zucker, Wasser und Zitronensaft zusammen zum Kochen bringen und 5 Minuten auf kleiner Stufe köcheln lassen. Vom Herd nehmen und Vanillezucker unterrühren.

Den Kuchen in der Form (Tarteform) heiß aufschneiden und den Sirup darüber gießen, mit Kokos oder Pistazien garnieren.

Nach dem Ausprobieren dieses relativ einfachen arabischen Grieskuchens, noch eine Geschichte über die Weisheit und Geduld Muawiyas, dieses sogenannten arabischen Scheichs.

„Ich benutze nicht mein Schwert, wenn meine Peitsche genügt, nicht meine Peitsche, wenn meine Zunge genügt. Und wenn auch nur ein Haar mich mit meinen Nächsten verbindet, lasse ich es nicht zerreißen. Wenn sie ziehen, lasse ich locker, wenn sie locker lassen, ziehe ich.“

Vielleicht mutmaßte Muawiya bei diesen Worten, dass Süßes in jeder Kultur zu Hause ist und eine feine Süßspeise ihn mit Jedem, ob Feind oder Freund, auch wenn es nur ein dünner Faden ist, verbinden kann.

Nächste Stationen: Tiberias, EnGev, die Golanhöhen und ein Abstecher zur „Fliegenburg“ von viel Süßem zu wieder mehr Herzhaftem


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